Gleich am ersten Abend spielten alle Kinder draußen im Garten friedlich Fußball. Gelächter wehte zum offenen Sprossenfenster herein und die Abendsonnenstrahlen warfen Lichtkonfetti auf unsere leergegessenen Teller. Wir konnten unser Glück nicht fassen. Wir wollten auf eine gute Zeit anstoßen und einer schlug vor, das unten am See zu tun. Die Aussicht auf Wellen- an Eiswürfelgeplätscher klang zu gut. Wir hatten uns gerade leise rausgeschlichen, da brüllte ein Kind: „Die Erwachsenen flüchten!“ Da wollten natürlich alle mit…

Es war die ganze Woche eher Krachmacherstraße als Bullerbü.

Schön war es trotzdem. Richtig schön. Unser Plan war, Urlaub mit Freunden zu machen: Sechs Erwachsene, neun Kinder, alle zusammen – aber jeder eben auch ein bisschen für sich. Vor zwei Jahren hatten wir drei Häuser direkt nebeneinander am See gebucht – mussten sie aber wegen Corona stornieren. Das wär unser Bullerbü gewesen – oder eben auch nicht. Für dieses Jahr war nur noch eins der drei Häuser frei, dafür aber noch zwei ganz in der Nähe. Alle drei nur einen kleinen Fußmarsch – beziehungsweise ein paar Ruderschläge – voneinander entfernt.

Unser Fazit: Das rote Haus, in dem unsere Freunde gewohnt haben, ist empfehlenswert: Gut geschnitten, quadratisch, praktisch, hell und freundlich und mit Blick auf den See. Einen kleinen Trampelpfad hinunter liegt die gemeinsam genutzte Sauna.

Noch mehr mein Typ: Deutlich älter, mit kleinen Macken, aber mit Charme

Jepp, ich bin verliebt in das alte windschiefe, schwedenrote Häuschen, in dem wir gewohnt haben. Auch wenn es sehr einfach, innen bunt zusammengewürfelt und die Dusche ein echtes Abenteuer ist. Ich habe das weiß getünchte Esszimmer mit dem großen weißen Tisch, die funkelnde Kristalllampe darüber und die gemalten Blumenbilder der Vermieterin sofort ins Herz geschlossen. Die große Terrasse und der riesige Garten sind wunderschön. Morgens hört man durchs offene Fenster die Schafe mähen und runter zum See ist es bloß ein kleiner Spaziergang. Zum Haus unserer Freunde auch. (Mehr vom Haus seht ihr in meinen beiden Schweden-Reels auf Instagram).

Ganz ehrlich: Das Haus unserer anderen Freunde auf der gegenüberliegenden Seeseite war ein Schnäppchen – ist aber leider nicht wirklich empfehlenswert.

Unsere Tage begannen entspannt: Wir haben ausgeschlafen, auf den steinernen Treppenstufen einen Kaffee getrunken, gelesen oder Fußball gekickt und die Nase in die Sonne gehalten. Wie sagte Astrid Lindgren: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ Genau das haben wir gemacht. Erst später haben wir uns getroffen und alle zusammen einen Ausflug gemacht.

Es gibt viel zu sehen in Blekinge, allerdings sind die Wege weit.

Eine Stunde ist nichts in Schweden. Aber das Autofahren ist Hügel hoch, Hügel runter, durch smaragdgrüne Wälder viel entspannter als bei uns. Ich finde, es ist ein ideales Kinderland. Weil die Schweden so kinderfreundlich sind. Weil es in allen Museen und Ausstellungen etwas zum Anfassen und Ausprobieren gibt. Weil viele Produkte im Supermarkt niedlich sind wie im Kaufmannsladen. Weil die schwedische Natur mit ihren weiten Wiesen, den vielen Steinen und Mauern und Baumstümpfen, Wäldern und Seen ein riesengroßer Kinderspielplatz ist. 

Vieles in Schweden ist sehr entspannt. Als Hektik gewöhnter Deutscher muss man sich erstmal dran gewöhnen, dass viele Läden bereits um 16 Uhr schließen, Kleinstädte wie Geisterstädte wirken und viele Attraktionen vor der Saison im Juli noch gar nicht geöffnet haben. Und dass viele Sehenswürdigkeiten eher klein und auf den ersten Blick unscheinbar sind.

„Wegen dieser Stange sind wir jetzt hier hergelaufen?“

Meine Söhne blickten mit hochgezogenen Augenbrauen die Steinsäule in Karlshamn an, die in unserem Reiseführer als stadtbekanntes  „Auswandererdenkmal“ angekündigt wurde. „Mmmh!“, machte ich. Aber bevor ich etwas sagen konnte, waren meine Jungs damit beschäftigt, die Schären zu zählen, die schaukelnden Boote im Hafenbecken zu bestaunen, Stöcke zu suchen und kleine Kiesel ins Wasser zu flippen. Das Denkmal war ihnen ziemlich egal. Genauso, wie es wohl ein imponsanteres gewesen wäre.

Das Beeindruckendste ist die Natur. Und alles, was man in ihr erleben kann.

„Oh Gott, ich hab einen!“, schrie ich am nächsten Morgen und begann einbeinig auf dem Steg herumzuspringen, dass er erschrocken wackelte. „Mama hat einen!“, schrie mein Großer. „Knack“, machte die Angel. Und brach. Einen tropfenden Moment später hielt mir mein Angelkumpel O. meinen kleinen Hecht hin, den er ganz vorsichtig vom Haken befreit hatte. Ich starrte ihn stolz grinsend und gleichzeitig fassungslos an wie ein Neugeborenes…

Mein Angelkumpel O. war an diesem Morgen wie an dem davor extra früh aufgestanden. Hatte sich mit Profiausrüstung und Ruhe stundenlang auf den Steg gestellt – und nichts gefangen.

Ich war mit meinem Mittleren nur zum Spaß runter zum See gegangen.

Ausgeschlafen um neun, noch immer im Schlafanzug, mit einem Rest Kaffee in der Tasse und mit den beiden selbstgebastelten Angeln, die die Vermieter für uns gemacht hatten: Ein Bambusstab, eine Schnur, ein Haken. Als Köder hatte uns die Vermieterin Mais aus der Dose empfohlen. Den hatten die Kinder allerdings am Abend vorher weggeangelt, beziehungsweise weggenascht. Ich hatte im Kühlschrank geguckt und kurzerhand Fleischwurst als das fischschmackhafteste gehalten. Und dann, ja, dann hatte er angebissen.

Der Hecht war zu klein zum Essen, Gott sei dank, und so wir haben ihn zurück in den See gesetzt. Aber über meinen Fleischwurst-Hecht haben wir noch die ganze Woche gesprochen. Und unsere Angelfreunde haben es jeden Morgen wieder versucht, sogar mit Fleischwurst. Aber leider nichts gefangen.

Am letzten Abend heizten wir die Gemeinschaftssauna an und machten zu viert drei Aufgüsse: Zwei Männer, mein Patenmädchen und ich. Von der heißen Holzbank schauten wir erst schwitzschweigend See-TV, danach vom Steg den Männern zu, wie sie ins 12 Grad kalte Wasser hüpften. Wir kicherten, weil sie so kreischten und ich spürte, dass das letzte bisschen Anspannung, das bis dahin vielleicht noch dagewesen war, in diesem Moment ebenfalls abtauchte.

Was laut am See begonnen hatte, endete ganz leise am See. Schön war das.

AUSFLÜGE:

Elchpark: Die Elche waren schon toll. Sie zu füttern noch viel toller. Aber als wir durch ein huckeliges Waldstück tuckerten, rief plötzlich einer von uns: „Da sind Babys!“ Und da waren Babys. Zwei winzige kleine, vollmilchfarbene Wesen lagen auf dem Waldboden neben ihrer Mutter. Wusstet ihr das Elchbabys im Gesicht aussehen wie Kängurus? Ich hatte keine Ahnung. 

Im Glasrikets Elchpark fährt man mit dem eigenen Auto durchs Gelände – oder in einem der Safarianhänger, was ich unbedingt machen würde. Denn der Fahrer packt jede Menge Birkenzweige mit ein, mit denen man die Tiere später füttern und dabei streicheln kann. Ein wahnsinnig schönes Erlebnis für die ganze Familie. Dass Elchschaufeln nämlich behaart sind (zumindest für eine bestimmte Zeit im Jahr), wusste ich nämlich vorher auch nicht. Für Erwachsene kostet der Spaß 180 Kronen (also etwa 18 Euro), für Kinder von drei bis 15 Jahren 90 Kronen. Kleinkinder sind frei.

Öland: Als ich bei Instagram schrieb, dass ich nach Öland fahre, schrieben mir einige: „Öland ist so öde“. Als es dann auch noch mit Überfahrt über die Brücke von Kalmar auf die Insel in Strömen goss, dachte ich kurz, dass es wirklich eine blöde Idee war, die Stunde von Hölmsjö dorthin zu fahren. Allerdings waren fast alle Sachen, die wir sehen wollten, mindestens so weit weg. Man gewöhnt sich in Schweden also schnell dran. 

Und dann? War der Himmel schlagartig blau, als wir auf den Parkplatz von Schloss Solliden, dem Sommersitz der schwedischen Königsfamilie, einbogen und der Blick über die kargen, weiten Wiesen überraschend und schön. Ich gebe es zu, ich bin ein Blaublut-Fan und stand mindestens zehn Minuten schmachtend vor dem Familienfoto der Königsfamilie im hübschen Shop neben dem Park.

Es ist ganz nett, durch den Park zu schlendern, auch wenn man leider nicht hinein darf, und schauen, auf welchen Tritt Viktoria ihre Ferienfüße bettet. Aber natürlich auch verständlich. Ein großer Spaß für die Kinder war der kleine Springparcour mit den Stabpferden. So ein niedliche Idee! Hinterher waren wir noch am Strand. Weil die wirklich schönen sehr weit weg waren, einfach nur am Sollidens nächsten. Richtig schön!

Karlskrona: Meine liebste Kleinstadt in dieser Ecke von Schweden ist auf 33 Inseln gebaut und drumherum liegen 1500 kleine und große Schäreninseln. Wir wollten unbedingt ein paar davon sehen, aber weil die Hop-ob-Hop-off-Boot-Saison wie so vieles leider erst ab Juni startet, setzten wir (kostenlos!) mit der gelben Fähre vom Hafen rüber auf die Insel Äspö. 

Wir fuhren bei Sonne los, bewunderten das Meer und ein paar Inseln, als plötzlich Nebel aufzog. Die Insel vor uns war nicht mehr zu sehen, die Sonne schon gar nicht. Alles war weg. Verrückt, wie schnell sowas geht. Weil wir das gute Wetter nicht hergeben wollten und Äspös Anleger im Dunst nicht besonders einladend aussah, fuhren wir gleich wieder zurück.

In Karlskrona kann man auf der Haupteinkaufsstraße einen Hügel hoch und wieder herunter bummeln und dabei in einigen der hübschen Shops stöbern. Meine Favoriten: Das Bastelgeschäft Simsalabim (Bastelsachen und hübscher Kleinkram), Ronnebygatan 31, und Smaralda (Mode und Deko), Ronnebygatan 40. Im Viertel Björkholmen kann man viele alte bonbonfarbene Holzhäuser bewundern.

Sehr interessant, auch für die Kids, und tollerweise mit freiem Eintritt ist das Marinemuseum. Unsere Kinder fanden es super spannend, durch das große U-Boot zu klettern.

Kreativum in Karlshamn: In diesem „Ausprobiermuseum“ hatten wir alle eine gute Zeit: Es gibt von Papier schöpfen, Musik mischen, riesige Seifenblasen ziehen, Schiffe steuern, optische Täuschungen lösen und virtuelle Torschüsse halten noch viel mehr zu entdecken. Auch der Außenbereich ist richtig toll. Für übereifrige Floßfahrer vielleicht Wechselklamotten mitbringen.

Unbedingt noch Zeit für den schönen Shop einplanen. Der ist toll, um das Urlaubstaschengeld auf den Kopf zu hauen.

In Kalmar selbst gibt’s beim Denkmal einen hübschen Blick auf die Scheren und am Hafen eine großartige Edelfischbude namens „Sillavagen“. Ansonsten war die Seglerstadt im Mai ziemlich ausgestorben.

Nächstes Mal möchte ich zu diesem kultigen Autofriedhof im Wald. Ich stelle mir das total spannend (und irgendwie inspirierend) vor – meine Mitreisenden fanden die Vorstellung Schrott zu schauen leider weniger spannend.

Und ich bekomme meinen Hintern hoch, um mit in dieses großartige Fischrestaurant in Karlskrona mit Schärenblick zu fahren (dieses Mal bin ich auf der Sonnentreppe kaffeeversackt).



Noch ein paar Tipps:

  • Wir haben nicht viele Bäcker gesehen in der Gegend. Leckere Teilchen gab es aber überraschenderweise in der Supermarktkette Willys.
  • Unbedingt ein paar Schwedische Kronen für Endreinigung oder Sauna einpacken. Die Vermieter nehmen bloß bar – und der nächste Automat ist gern mal eine halbe Stunde entfernt.
  • Für die schönsten Erinnerungen: Unser Reisetagebuch „Ab ins Abenteuer“. Darin ist Platz für 10 Reisen, für Fotos, Tickets und all die schönen Erinnerungen. Lustige Fragen und kreative Ideen regen zuverlässig das Kopfkino an. Zuviel geschrieben werden muss nicht – soll ja schließlich nicht in Stress ausarten. Ich hatte immer nach so einem Buch gesucht – dann habe ich es einfach selbst herausgebracht. Freue mich, wenn es euch auf eure Reisen begleiten darf. Außerdem mit drin: Spiele für die Fahrten und Regentage, Witze, Bastelideen und mehr.
  • Geheimtipp unserer Vermieter: Statt mit Würmern mit Maiskörnern angeln.

Hast du noch Tipps für Südschweden? Ich freue mich, wenn du sie mit uns teilst.

PS. Trotz der Links ist das hier eine rein redaktionelle Geschichte. Wir haben alles selbst bezahlt.

Alles Liebe,

Claudi