Zwischen zwei Welten gefangen, so habe ich meine Schwangerschaften erlebt. Da ist zum einen mein Kopf, der so viel gehört und so viel gelesen hat. Und dann ist da mein Herz. Das noch nie so viel auf einmal gefühlt hat. Beide sind allein keine guten Berater. Während reines Zerdenken und Zerreden wenig hilfreich ist, scheint mein polterndes Herz für sich allein auch völlig verloren. Aber der Reihe nach…

Plötzlich sind da diese zwei Striche. Über Monate hatte ich sie ersehnt, erhofft, erwartet und doch kam jeden Monat die rote Gewissheit, dass da wieder nichts ist. Teilweise habe ich schon nicht mehr daran geglaubt. Gedacht, dass wir dann eben mit einem Kind glücklich werden müssten. Aber jetzt? Schwanger? Echt? Irgendwie war da die zarte Ahnung. Und dann zwei Striche. Ernsthaft?

Es war genau dieser eine Zyklus, in dem ich nicht schwanger werden wollte. Nämlich genau der Zyklus, zwischen meiner ersten und zweiten Impfung. Und nun schleichen sich diese zwei Striche genau dann ein und mit ihnen:

Der Konflikt der zwei Welten.

Während mich mein Herz jubelnd, Tränen in den Augen, vor Glück hüpfen lässt, wirft mein Verstand mir lauter Fragen und Zweifel vor die Füße: Eine Schwangerschaft ist ohnehin so ein Zufall, so selten, so filigran. Und nun das Ganze in so einer besonderen Zeit? Sollte ich mich weiter impfen lassen? Würde dieses neue zarte Leben in mir stark genug sein? Würde ich der Gefühlsachterbahn gewachsen sein? Und ganz ehrlich: Will ich das wirklich?

Sobald man noch ein Leben mehr in sich trägt, klettert pöbelnd und polternd eine neue fiese Begleiterin ins Leben: Die Sorge. Die Demut vor diesem einmaligen und einzigarten Wunder, das da in einem passiert, nimmt den ganzen Körper ein. So viele Erfahrungen gehört, so viele Geschichten gelesen, es kann ja so verdammt viel schief gehen.

Willkommen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder alle da?

Heute, nachdem mein Baby neben mir liegt, nachdem ich die zweite Schwangerschaft hinter mir haben, weiß ich, dass es die höchste Kunst ist, mit einem Baby im Bauch nicht zwischen den Welten verloren zu gehen. Sie hat ja nicht Unrecht, die Sorge zur rechten. Sie will und darf und soll ernst genommen werden. Aber gleichzeitig sollten wir nicht zulassen, dass sie die zarte Freude auf der anderen Seite herunterschubst.

Es ist ein ewiges Hin- und Her: Kribbeln im Bauch, Aufregung, danach gleich Angst. Eine Schwangerschaft ist ein dauerhafter, ein oft anstrengender Kampf der Gefühle. Gefangen zwischen den Welten. Diese Polarisierung von Naturvertrauen auf der einen und Zweifel auf der anderen Seite, der ständige Gedankenwechsel von „Wird schon alles gut sein“ zu „Und was ist wenn…?“ macht schrecklich kaputt.

In den ersten Wochen macht einen die Sorge müder als die Hormone.

In dieser ersten Zeit hat sie es besonders leicht, weil nämlich das Herz so häufig schweigt. Zu diesem Zeitpunkt wissen – wenn überhaupt – nur die engsten Vertrauten von der riesengroßen Neuigkeit. Wie eine heimliche Affäre wird das unwirkliche Geheimnis gehütet. Irgendwie macht das Sinn, aber irgendwie auch einsam. Vielleicht gut, dass es bei uns bei der zweiten Schwangerschaft mit der Geheimhaltung nicht funktioniert hat.

Der werdende Opa wusste vom Baby, bevor ich es ihm erzählte. Und die Kindergärtnerin gratulierte beim nächsten Abholen freundlich und freute sich sichtlich mit. Ich flüstere beinahe entschuldigend: „Ich bin aber erst in der 8. Woche“, statt mich mitzufreuen. Und dabei war doch genau diese Freude und diese Zuversicht der Grund, warum wir unserem Sohn von Anfang an nichts vorspielen wollten.

Wir wollten unsere kribbelige Freude von Anfang an mit ihm teilen.

Wir wollten nicht zum Telefonieren in den Keller gehen. Und wir wussten, dass er kein Geheimnis hüten kann. Wir wussten auch, dass wir es ihm ohnehin erklären würden wollen, wenn es nicht gut gehen würde. Trotzdem habe ich ständig gegrübelt. Die Sorge hat sich ganz schön breit gemacht.

Ich sag es ehrlich, ich wäre sofort bereit, andere Menschen in meinem Haus aufzunehmen. Aber zehn Monate diese blöde Kuh von Sorge neben mir auf dem Sofa sitzen zu haben, das wollte ich nicht. Und doch war ziemlich früh klar, dass sie bleiben würde. Meine Aufgabe bestand also darin, der Sorge regelmäßig kurz zuzuhören. Dann aber Zuversicht und Freude von nebenan rüberzuwinken, mich ihnen zu widmen und zu hoffen, dass die Sorge sich vor lauter Frust hinter der Gardine versteckte. Da konnte sie meinetwegen bleiben. Immer da, aber nicht immer sichtbar.

Hattet ihr auch so viele Ängste in der Schwangerschaft?

Alles Liebe,

Pina