Rechts Pusteblumen, die wie Discokugeln in der Sonne leuchten – dahinter grüne Wiesen bis zum Horizont. Links die Ostsee mit Funkellichtflecken, sanftes Wellengeplätscher. Vor mir meine fünf Männer in Sausegeschwindigkeit die Küste entlang. „Na los, Mama“, ruft einer und dreht sich zu mir um. Seine blonden Haare flattern im Wind: „Schneller, Mama! Na los…!“ Ich hole tief Luft, schließe kurz die Augen, nur ganz kurz. „Du fährst ja wie ne Schnecke!“, ruft er. „Na los, schneller, Mama, schneller!“ Ich grinse. „Wenn ihr wüsstet, wie schnell ich bin,“ denke ich. „Blitzschnell dabei, die Anspannung der letzten Wochen aus mir rauspusten zu lassen…“

Dabei war ich wirklich nicht sicher, ob diese Radfahr-Geschichte was für mich und für uns ist. Zuhause sind wir wenn überhaupt bloß mal kurz um den Block gefahren. Würde es nicht wahnsinnig anstrengend werden? Und gefährlich? Mit vier Kindern auf insgesamt acht Rädern um uns herum? Würde ich die ganze Zeit panisch sein? Kein bisschen. Vielleicht auch, weil wir statt eines kleines Rads und eines Fahrradsitzes für die beiden Kleinen einen Anhänger geliehen haben. So hatten wir zwei schon mal sicher verstaut – plus eine große Strandtasche mit dazu. Die beiden Großen fahren gut, beziehungsweise kann man zwei immer ganz gut im Auge behalten und mal eben von hinten: „Achtung, Auto! Fahr nach rechts!“ zurufen.

Ich glaube, ich fand das Radeln auch deshalb so gut, weil sich der Urlaub so sehr von unserem Alltag unterschieden hat. Wir wohnen sehr ländlich, die Entfernungen sind groß. Leider steigen wir deswegen ständig ins Auto. Hier aber stiegen wir gleich morgens aus Rad, das Abenteuer begann, wenn wir durch knirschenden Kies vom kleinen Hof vor unserem Ferienhaus strampelten. Es duftete erst nach dem blühenden Garten des Nachbarn, dann nach frischen Brötchen aus der Bäckerei an der Ecke und nach der nächsten Kurve bereits nach Meer. Ich hätte jedes Mal jubeln können vor Glück.

Wir haben im alten Ortskern des kleines Seebads Dahme gewohnt, mussten bloß einmal rechts, einmal links abbiegen, durch einen kleinen Tunnel unterm Deich hindurchfahren und waren auf dem schmalen Weg zwischen Promenade und Deich. Er führt einmal längs durchs Dorf, es fährt nur ganz selten mal ein Auto dort und man radelt an mehreren schönen Spielplätzen, zwei Minigolfanlagen und jeder Menge Grün entlang. Ab und zu schimmert zwischen den Häusern die Ostsee hindurch. Wir haben die Kinder hier sogar allein vorfahren lassen, so wenig Verkehr war hier. Sehr entspannt alles. Mit Freiheitsflattergefühlen im Bauch.


Apropos entspannt: das ist alles im Ostseebad Dahme. Die Wege, die Menschen, sogar die Möwen. Die haben den kleinen Kindern nämlich im Gegensatz zu anderen Ostseebädern nicht die Eiswaffel aus der Hand gemopst. Sondern bloß krächzend ein paar Meter weiter weg gewartet. Spitzenmäßiges Möwen-TV! Ja, ein paar Häuser sind ein wenig in die Jahre gekommen, aber es gibt auch ein paar echte Perlen. Ein 70er-Jahre-Sonnencreme-Werbeschild der Marke delial hat mich erfolgreich mit Vollgas zurück in meine Kindheit katapultiert.

So ein bisschen Retro-Charme entspannt. Statt mondänen Marken gibt es an der Promenade Eis mit bunten Streuseln, Schaufeln in allen Größen und Holzmöwen. Die Menschen hier halten ihre Köpfe lächelnd in die Sonne, statt die Nase nach oben. Und ich hatte wirklich nicht einmal das Gefühl, dass jemand wegen meiner wilden Bande die Augen verdreht. Im Gegenteil. So viel Lächeln war selten. Und die beiden großen Spielplätze an der Promenade sind super neu.

Unsere Tipps für einen Urlaub im OstseeFerienLand

Zum Ostseeferienland gehören die Ostseeorte Dahme, Grömitz und Kellenhusen, sowie das Achterland mit Grube und Lensahn. Durch die Unterschiedlichkeit der Orte gibt es unglaublich viel zu entdecken. Allein die Anfahrt entspannt: Autofenster herunter, Frischluft aufsaugen, Wetten abschließen, wer zuerst das Meer sieht. Ausnahmsweise ein bisschen schielen, damit der vorbeisausende Raps zu einem endlos gelben Kissen wird. Gefleckte Kühe zählen, Reetdächer bewundern. Es gibt viel Platz, was immer gut ist. Gerade besonders.

Unsere Unterkunft
Wir haben in der Alten Da(h)me gewohnt, einem wirklich wunderschönen Ferienhaus mit Platz für bis zu elf Personen. Im Rahmen meiner familieninternen Umfrage konnten wir uns nicht einigen, was das Beste daran war: die riesige, quadratische Sitzecke zwischen den alten Holzbalken mit Blick auf den Garten, der breite, graue Ohrensessel vor dem Kamin, der große Teppich mit Spielkiste unten im Wohnzimmer oder der riesengroße Garten, mit alten Apfelbäumen, blühendem Flieder, einem Trampolin, Rutsche, Kicker und einer Pforte ins Feld, hinter der es zum Sonnenuntergang golden glänzt. Es gibt eine kleine Küche mit Wasserkocher, Spülmaschine, einer Senso-Maschine und reichlich blauweißem Geschirr im Schrank. Einen großen Esstisch, zwei Bäder mit Dusche, einen Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine und Trockner sowie fünf Schlafzimmer.

Oben im kleinen Flurschrank gibt es Malsachen, mehr Spielzeug und ein paar Kinderbücher. Das Häuschen liegt super, mitten im Dahmer Zentrum, der Bäcker Olandt (sensationelle Franzbrötchen!) ist direkt um die Ecke, der Supermarkt und Bäcker Puck (super Brötchen!) keine hundert Meter die Straße hinunter. Zum Strand sind es nur ein paar Fahrradminuten. Im OstseeFerienLand gibt es diverse Unterkünfte für alle Geschmäcker und Preisklassen. Auf dieser Seite hier kann man selbst auf die Suche gehen. Wer für diesen Sommer noch etwas sucht, sollte auch besonders im Hinterland gucken, von Lensahn und Grube ist es nicht weit bis zum Meer, man wohnt mitten im zauberhaften Grünen und hält automatisch noch mehr Abstand. Wer direkt nachfragen möchte, kann hier anrufen: 01805233450.

Fahrräder leihen
Jan-Peter Holst von der Mini-Golf-Anlage Tramigo (An der Strandpromenade 1007, 23747 Dahme) vermietet seit dieser Saison auch Fahrräder und ist wahnsinnig nett und super geduldig. Er hatte Verständnis für die Mountainbiketräume unseres großen Sohns, sowie die Sattelhöhenängste unseres Kleineren und blieb sogar entspannt, als wir im letzten Augenblick doch Fahrradsitz und Mini-Rad gegen einen Anhänger tauschen wollten, weil dieser gerade auf den Hof gefahren kam. Jedes Mal, wenn wir in den nächsten Tagen bei Jan-Peter vorbei radelten und die Kinder laut „Hallo“ brüllten und winkten, brüllte und winkte er begeistert zurück. Und auch seine Minigolfanlage muss ganz besonders sein, ich führte nämlich am Anfang für mindestens sieben Stationen. Das ist sonst nie so. Ha.

Fahrräder leihen war eins meiner Highlights in diesem Urlaub. Weil man die ganze Familie damit sofort raus aus dem Alltag und in den Ferienmodus schmeißt. Es war herrlich, sich von morgens bis abends den Wind um die Ohren sausen zu lassen und die Sonne auf der Haut zu spüren. Wir waren dank der Räder viel flexibler, weil wir die Räder immerzu überall einfach abstellen konnten. Und André und ich konnten abends am Strand mit einem kühlen Bier anstoßen. Noch ein Vorteil: Gerade in Corona-Zeiten ist ein Radfahrurlaub ideal, weil man natürlich Abstand zu anderen hält, trotzdem Kontakt hat (Radfahrer grüßen sich, zumindest mit einem Lächeln), viel herumkommt und so ein riesengroßes Freiheitsgefühl im Bauch spürt, dass man fast glaubt zu platzen. Ich hab mein glückliches Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen.

Strand
Wir hatten unseren Strandkorb ganz im Süden, beinahe am Ende der Promenade (gemietet bei der Strandkorbvermietung Stefan Krebs). Dahinter kommt bald bloß noch Meer und Angler. Hier ist noch mehr Platz, sind noch weniger Menschen und das Eis „Griechischer Joghurt mit Walnuss und Honig“ in de Eiswerkstatt Venezia (An der Strandpromenade 10, 23747 Dahme) schmeckt himmlisch. (Die andere Sorten auch!) Abends sind wir gleich zwei Mal am Strand geblieben und haben beim Fischstübchen (letzter Laden an der Strandpromenade) Fischbrötchen und knusprig gebackene Calamari geholt und am Strand verspeist. Die drei Jungs im Bistro machen eine super hausgemachte Remoulade und geben sind auch sonst ganz viel Mühe. Da saßen wir alle sechs Po neben Po auf der Promenade. Füße im Sand. Dazu Wellenrauschen und Meersehen. Herrlich.

Ganz am anderen Ende der Promenade, also oben im Norden, gibt es einen wunderschönen Spielplatz an der Strandpromenade, mit Holz-Leuchtturm zum Rutschen, einem großen Piratenschiff, einem Wikingerdorf und einer Schaukel mit Meerblick. Am allerschönsten ist der Strand allerdings noch weiter im Norden bei der Surfschule Dahme (Strandbereich Eurocamping Zedano, 23747 Dahme). Dahin fährt man mit dem Fahrrad vom Ende der Strandpromenade ungefähr zehn Minuten am Deich entlang. Dort gibt’s hinterm Sand Dünen statt Läden und bloß ein paar Sitzsäcke statt Strandkörbe.

Essen gehen
Wir wussten nicht so genau, wie das wird mit Essen gehen. Am ersten Abend haben wir aber so lange spielplatzgetrödelt, dass nichts anderes mehr drin war und sind ins Vörn Diek gegangen. Dort grenzen Plexiglasscheiben die einzelnen Tische ab und alle Herumlaufenden tragen Maske – sonst kann man den Wahnsinn mal gut vergessen und isst mit Blick aufs Meer super leckere Hausmannskost. (Strandpromenade 34, 23747 Dahme, in der Saison unbedingt reservieren: 04364 – 470 527.)

Radtour nach Kellenhusen
Genau richtig für Großfamilien, untrainierte Hintern und Radneulinge ist eine kleine Fahrradtour von Dahme nach Kellenhusen. Man radelt erst eine kaum befahrene Dorfstraße entlang, rechts Raps, links Traumhäuser am Meer. Kommt dann am Leuchtturm vorbei, radelt kleine Wege entlang und durch grüne Tunnel aus üppigen Büschen und Bäumen hindurch und fährt schließlich direkt aufs Meer zu. Der Blick fliegt über die spiegelglatte, taubenblaue Ostsee mit ein paar Anglern darin, bis zur Brust im Wasser, und das alles ist so schön, dass man kaum glauben kann, dass es ein paar hundert Meter weiter am Ufer entlang noch schöner wird: Kurz vor Kellenhusen schimmert die Ostsee vorn beinahe karibisch türkis, hinten blitzen Funkelflecken und vor einem liegt der kleine Küstenort und tut so, als fahre man mitten in einen ZDF-Sonntagsfilm hinein.

Kellenhusen hat eine hübsche Promenade, eine riesengroßen Spielplatz direkt am Meer, kunterbunte Streusel in der Eisdiele und jede Menge Wellen und Fische aus Stein zum Herumklettern. Außerdem gibt es neben Minigolf auch noch Discgolf, also quasi Golf mit Frisbeescheibe. Hab ich leider erst entdeckt, als wir schon wieder weg waren. Aber ihr wisst es jetzt! Hier gibt es noch viele weitere Ideen für Radtouren in allen Schwierigkeitsstufen.

Ausflug übers Land
An einem Nachmittag war das Wetter nicht ganz so gut, also haben wir Fahrrad- gegen Autositz getauscht und eine kleine Landpartie gemacht. Man wird beim Blick aus dem Fenster fast grüntrunken vor lauter Natur und André und ich haben ständig leise gestöhnt, weil es da draußen einfach so hübsch war – bis der Große nach einer Weile von hinten fragte, was wir da vorn eigentlich machten. Ab und zu hängen kleine Schilder an der Straße, auf denen in selbst gemalten Buchstaben Feierabend-Flohmarkt steht. Ich war schon ziemlich traurig, dass die gerade nicht geöffnet waren (André glaube ich ziemlich froh).Außerdem gibt’s im OstseeFerienLand jede Menge richtig schöne Hofläden. Unser Favorit ist der Hof Klostersee, der letztes Jahr zum besten Holfladen im Norden gekürt wurde, weil es dort wunderschöne Wolle, Geschirr und oberleckeren Kuchen gibt (Schmandkuchen! Heides Lieblingskuchen!), sowie der Holfladen auf Gut Görtz, weil das Herrenhaus wunderschön ist und es außer leckerem Essen auch noch ein bisschen Kunst zu bestaunen gibt.Eins der schönsten Dörfer, das ich gesehen habe, ist der kleine Ort Siggeneben, mit seinen weißen Reetdachhäusern in üppigen Gärten. Man stellt am besten sein Auto vorn am Ortsbeginn ab und spaziert einmal hindurch. Und dann darf jeder leise sagen, welches Haus er gern hätte.

Surfen lernen
Das Beste zum Schluss, rufen meine Jungs mir grad beim Texten zu. „Du musst unbedingt schreiben, wie toll es bei Dirk war!“ Ich nicke. „Na klar, mache ich das.“ Eigentlich war bloß ein Schnupperkurs geplant, den bietet Dirk in seiner Surfschule Dahme nämlich regelmäßig an. Daraus wurden: drei Tage plus der Wunsch nach mehr. Jawohl, meine drei Großen sind im Wellenflieg-Fieber. Sehr lustig: Auch wenn ich Angsthase bin (vor Höhe, Bergen, Wasser und Geschwindigkeit) und mich nie da raus wagen würde, habe auch ich mich wie Bolle gefreut, für den Rest des Urlaubs jeden Vormittag zur Surfschule Dahme zurückzukehren. Weil dort eine ganz eigene Welt ist. Ruhiger, lässiger. Weil die Chefs Dirk, Antje, Tochter Nele und Freund Claas einfach so herzlich sind. Und weil es noch viel entspannter zugeht, als in Dahme allgemein. Wie nennt man das dann? Entspanntentspannt vielleicht.

Wir waren keine Stunde da, da hatten wir das Gefühl, wir würden alle bereits seit vielen Sommern kennen. Surflehrer Kin zeigte meinen drei größten Männern zunächst an Land und dann auf dem Wasser so viele Tricks, dass sie ganz schnell für ein paar Meter übers Wasser fliegen konnten. Ich fläzte mich in die gelben Liegestühle oder das Sitzkissen am Strand und schaute meinen Großen beim Fliegen und den Kleinen beim Buddeln zu. Dirk beantwortet lächelnd jede Surf-Frage, Antje serviert einen richtig guten Latte Macciato aus der neuen Maschine und erzählt vom Leben am Wasser, mit blitzblauen Augen, blau wie das Meer hinter uns. Nele backt eine dreidaumendicke Waffel nach der anderen und serviert sie meinen Jungs nach dem Kurs mit Sahne und Erdbeeren, während sie sich dabei mit den beiden Kleinen über Haifischflossen und Delfinluftschnapper unterhält. Und hinterher spielen wir alle eine Partie Beachvolleyball an Dirks Netz im Sand.

Wir konnten uns jedes Mal kaum losreißen, von dem breiten, besonders puderzuckigen Sandstrand hier oben ganz im Norden von Dahme, von den kuscheligen Sitzkissen zwischen Dünen und Kuhwiesen mit Blick auf die Schafe am Deich. Und den vielen herzlichen Menschen. Für mich ist die Kombination aus Surfkurs am Morgen (besonders für ältere Kinder ab etwa acht Jahren) plus Radausflügen und/oder Strandbesuchen am Nachmittag eine ideale Urlaubsidee für Familien, mit der alle ausgepowert, durchgepustet und glücklich sind. Mit reichlich Freiheitsflattern im Bauch.

Noch ein paar tolle Ideen (einige erst für die Zeit nach Corona)
In Cismar gibt es das Haus der Natur, mit vielen heimischen Tieren, Muscheln und Schnecken. Im Touristenbüro kann man Bernsteinwanderungen buchen. Der Museumshof in Lensahn soll toll sein. Und mein Highlight für den Sommer ist eine Eis-Radtour, die durch das gesamte OstseeFerienLand führt und Halt an den leckersten Eisdielen macht. Guide Axel zeigt einem  die besten Spots, weiß ganz viele Geschichten über die Region und soll  herrlich mit Kindern sein. Wir kommen wieder!

PS. Mehr Bilder, auch bewegte, von unserem Urlaub gibt’s im Dahme-Highlight auf Instagram.

Alles Liebe,

Claudi