Die Welt gerät aus den Fugen. Die Erde brennt. Die Erde wird überflutet. Die Erde vermüllt. Und ich? Tue nichts. Oder zumindest nicht genug. Die Politik ignoriert den Klimawandel. Die Politik lässt Familien in einer weltweiten Pandemie weitgehend allein. Und ich? Tue wieder nicht genug. Nicht genug gegen die Missstände, nicht genug dafür, dass sie sich ändern. Aber genau DAS will ich ändern! Weil ich nicht mehr hilf- und tatenlos zuschauen will, wie die zukünftige Welt meiner drei Kinder den Bach runtergeht. Nur: Wo anfangen, wenn man sich aktivistisch bislang nicht wirklich auf die Hinterbeine gestellt hat…?

Dabei hatte ich vermutlich bessere Voraussetzungen als die meisten von uns: Als Tochter von 68er-Eltern, die aus Berufung Lehrer an Brennpunktschulen waren. Die sich mit großem gesellschaftspolitischem Herz und Anspruch für eine bessere Welt eingesetzt haben. Die mich schon im Tragetuch zu 1.-Mai-Demonstration und Anti-Atomkraft-Versammlungen mitgenommen haben. Leider ist ihr Aktivismus-Funke nicht wirklich auf mich übergesprungen. So sehr ich mich schäme, es hier in aller Offenheit zu gestehen:

Bisher habe ich mich als ziemlich typischer Vertreter der späten Generation X hervorgetan.

Unpolitisch, Ich-bezogen und eher passiv, was die Belange außerhalb meiner persönlichen Blase anbelangt. Natürlich verändert sich der Blick, wenn man selbst Kinder in diese Welt setzt. Natürlich wünscht man sich für seine Kinder eine lebenswerte Welt von Morgen. Doch noch war ich kein einziges Mal bei Fridays for Future. Habe nur in Ausnahmefällen Petitionen unterzeichnet. Geschweige denn, dass ich mich für eine Partei oder ein wichtiges Projekt stark gemacht hätte.

Dabei ist kein vehemmentes Desinteresse das tiefersitzende Problem. Eher ein unübersichtliches Kuddelmuddel aus zu wenig Zeit, zu wenig Energie – und ja, auch mitunter zu wenig Lust. Wenn ich den halben Tag im familiären Krisenmodus aus Hausaufgaben-und Geschwisterzwist, Care-Arbeits-Debatten und es-ist-irgendeine-Phase-Dramen verbringe, mag ich mich nach Feierabend nicht auch noch mit den großen Krisen der Welt befassen. So einfach. So menschlich. Und dennoch kein Grund, es nicht anders machen zu wollen. Zu meiner Verteidigung kann ich immerhin vorbringen:

In meiner kleinen Blase bin ich bereits ein Rädchen für die bessere Welt von morgen.

Kaufe Möbel, Spielzeug und Fashion möglichst konsequent Secondhand. Tausche und verschenke Überflüssiges lieber, als es reflexhaft zu entsorgen. Unterstütze Greenpeace und wohne in einem Niedrig-Energie-Haus, das seinen eigenen Strom produziert und Wärme aus der Erde bezieht. Bin seit Jahren nirgendwo mehr hingeflogen, hege meinen insektenfreundlichen Garten und ziehe mein eigenes Gemüse.

Und vor allem versuche ich, mit meinen Kinder darüber zu reden: Warum sie keine fabrikneuen Dinge benötigen, warum Bäume und Bienen so wichtig sind, warum Müll in der Natur nicht nur hässlich, sondern auch gefährlich ist. Das ist ein Anfang – aber sollte nicht das Ende meines persönlichen Aktionismus sein. Daher gibt’s hier und jetzt 7 einfache Ideen für Familien, ins Handeln zu kommen. Oder auch erstmal ins Nachdenken. Für mich, für euch, für uns alle.

  1. logo! Wer Kinder hat, weiß aus leidvoller Erfahrung: Mit ihnen ein Gespräch anzuzetteln, ist oft ein schwieriges Unterfangen. Selbst wenn ich diese hehren Ziele verfolge (siehe oben) – packe ich beim Mittagessen die Klimakatastrophe auf den Tisch, ernte ich eher Desinteresse. Oft ist es eine Frage des Timings. Oder eben des Triggers. Daher schaue ich mit den beiden Grundschulkindern jetzt abends immer logo! – die Kindernachrichten. Dort wird kompakt und kindgerecht der Zustand der Welt erklärt – und wir haben hinterher einen Anknüpfungspunkt für Themen wie die Flutkatastrophe oder die Situation in Afghanistan. So halten in unsere Alltagswahrnehmung nach und nach Belange Einzug, die über unser unmittelbares Familienleben hinausgehen.
  2. Kinder brauchen Helden. Ein Job, den die Paw Patrol oder Feuerwehrmann Sam nur temporär einnehmen können (und sollten). Für Grundschulkinder mit mehr kognitivem Verständnis eignet sich Greta Thunberg hervorragend als Identifikationsfigur: Selbstbewusst, mutig und sehr erfolgreich in dem, was sie tut. Eine reale Superheldin, sozusagen. Das Buch „Little People, Big Dreams: Greta Thunberg“ zeichnet sehr anschaulich ihren Weg, ihre Überzeugungen und ihren Kampf fürs Klima nach. Und ermutigt Kinder, etwas zu bewegen – weil auch kleine Menschen eine wichtige Stimme haben. Macht bestenfalls Lust, selbst in Aktion zu treten, beispielsweise bei der…
  3. Klimastreik-Demo #ALLEFÜRSKLIMA am 24. September: Fridays for Future geht wieder auf die Straße – und diesmal will ich und wollen wir als Familie endlich auch mal mit dabei sein! Weil: Kein Faktor wird so sehr über die Zukunft unserer Kinder entscheiden wie der Zustand unseres Klimas. Und wer den Kopf nicht komplett in den Sand gesteckt hat, weiß: Es ist nicht mal mehr fünf vor zwölf… Hier gibt’s alle Infos zu dieser und zukünftigen Klima-Demos.
  4. Die Petiontionsweltmeister Campact sind irgendwie von meinem Radar verschwunden – höchste Zeit, die Bürgerbewegung wieder zu unterstützen. Der Verein richtet seine Online-Appelle direkt an Parlamente, Regierungen oder Konzerne – und macht uns politische Teilhabe damit ziemlich leicht. Mit einem Klick auf Petitionen tragen wir unseren Teil zu progressiver Politik bei. Da schaff ich auch noch nach einem Trubel-Tag…
  5. Plogging Gerade brandneu als Begriff im Duden aufgenommen, wird Plogging mein neuer Lieblingssport. Zusammengesetzt aus dem schwedischen plocka (auflesen) und Joggen, meint es das Müllsammeln während des Lauftrainings. Perfekt für mich, die ich drei Mal wöchentlich meine Runden am Deich oder durch den Wald drehe – und mich immer über den achtlos weggeworfenen Müll ärgere. Ab sofort hab ich Tüte und Einweghandschuhe mit am Start. Oder ich gehe einfach mit Müllsack und Kindern an den Elbstrand, um unsere Lieblingsplätze zu säubern – schärft die Wahrnehmung für unsere unmittelbare Umwelt.
  6. Pfadfinder-Trend Jeden Tag eine gute Tat! Aktuell verzeichnen viele Pfadfindergruppen großen Zulauf. Kein Wunder: Corona hat die Lust auf Naturerlebnisse noch mal deutlich verstärkt. Doch die Arbeit geht weiter über den Umweltgedanken hinaus: Hier sollen Kinder und Jugendliche bestärkt und befähigt werden, ihre Welt verantwortungsbewusst zu gestalten – von Anfang an. Am besten direkt beim Hauptverband über Ortsgruppen informieren – mitunter gibt es freie Gruppierungen, die unter dem Deckmantel des Pfadfindertums leider eher nationalistisch als demokratisch agieren.
  7. Familienpolitisch – Der Podcast Manchmal hapert es einfach an Energie und Zeit, aus der Informationsflut die Themen herauszufiltern, die für uns als Familie wichtig sind. Dabei bin ich kürzlich über diesen Podcast gestolpert, in dem Themen „Wie Familien sich politisch engagieren“, „Kinderwahlrecht“ oder „Familien gegen Rassismus“ thematisiert werden. Allesamt gute Aufhänger, die Wahrnehmung für relevante Inhalte zu schärfen – und mit Tipps und Anregungen, wie man schnell ins Handeln kommt.

Und – was dabei für euch? Oder habt ihr andere, gute Ideen, wie wir uns besser engagieren können?

Alles Liebe,

Katia