Ein einziges Mal ist die Elbe nicht der Star. Nicht die Diva, deren Plätschern wir leise seufzend lauschen oder deren Wellenwut wir mit offenen Mündern bestaunen. Einmal war ich es. Ich war vom Rad und ins Gras gesprungen, hatte mich mit der Kamera in Richtung Wasser gelegt und geschwärmt: „Das hier ist so ein super schönes Motiv!“ Mein Mann lachte. „Das hier auch!“, meinte er und die Jungs riefen kichernd: „Mama, dein ganzes Knie ist voller Schafscheiße…!“

Ja, Scheiße gibt’s auch. Hier bei uns, gleich hinterm Deich. Aber noch mehr gibt es Schafe. Wenn ich die blöken höre, muss ich lächeln, ich kann gar nicht anders. Vielen geht’s ähnlich: Im Sommer wird bei uns viel geblökt und noch mehr gelächelt. Dazu gibt es glitzerndes Wasser, kleine Buchten, Bilderbuchhäuser und grüne Wiesen bis zum Horizont. Ich wohne jetzt seit etwa acht Jahren in Vierlanden, in der Gegend, die liebevoll der „Garten Hamburgs“ genannt wird. Und jeden Sommer bin ich frisch verknallt und Vierlanden und ich feiern zweiten, dritten, neunten Frühling.

Diesen Sommeranfang haben wir gleich zu Beginn ein besonders schönes Date: Eine Rundum-Elbe-Radtour. Wir, das sind: André mit den Kleinen im Anhänger, die Jungs auf ihren zwei Woom-Rädern und ich. Wir lieben die Kinderräder von Woom, weil sie cool aussehen und einfach eine super Qualität haben. Und ich schätze das Firmenprinzip, weil es so übersichtlich ist. Es gibt die Räder in sieben Größen für Kinder von eineinhalb bis vierzehn Jahren. So findet man schnell und das Passende. Dazu gibt es eine Mountainbikeserie in sechs Größen, mit und ohne Federgabel, für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. Alles bei Woom ist so schön easy. Mein Ältester fährt das Woom Off Air 6, ein ultraleichtes und robustes Mountainbike in 26 Zoll mit Federgabel, 9-Gang-Schaltung und Scheibenbremsen. Es ist so gut gefedert, dass mein Großer damit jede Buckelpiste bezwingt. Er hat mir erklärt, dass dafür neben der Federgabel auch das spezielle Kettenblatt, die leichtgängige Schaltung und die fetten Reifen sorgen.

Ich sehe von ihm oft nur noch seinen Staub.

Mein Zweitältester fährt das Woom 5 in coolem Gelb. Es hat ein 8-Gang-Schaltwerk und einen leicht bedienbaren Drehschaltgriff. Der leichte Rahmen aus Aluminium ist das Herzstück des Rads und sorgt für riesengroßen  Fahrspaß. Die altersgerechte Geometrie ermöglicht eine gute Kontrolle über das Rad und damit ein sicheres Erkunden der Welt. Was mich beruhigt: Dank der beiden V-Bremsen kann mein Kind dank ergonomisch angepassten Bremshebeln mit Reichweitenverstellung auch mit geringer Handkraft sicher stoppen.

Gegründet wurde Woom übrigens von den beiden „radlnarrischen“ Vätern Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld, die für ihre eigenen Kinder ein Rad entwickeln wollten, das perfekt zu den kindlichen Proportionen und dem Fahrverhalten von Kindern passt. 2013 gründen Christian, gelernter Biomedizintechniker und studierter Industriedesigner und Marcus, bis dahin Marketingmanager in der Automobilindustrie, in einer Wiener Garage das Unternehmen woom. Weil Christian im Netz zu wenige statistische Daten über die Anatomie von Kindern findet, entwickelt er eigene Größentabellen, um die Räder optimal an die Bedürfnisse und Proportionen der Kids anzupassen. Aus der kleinen Garage heraus entwickelte sich woom Schritt für Schritt zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Kinderfahrradhersteller Europas. Heute ist die Marke in 30 Ländern präsent. Was für eine tolle Firmengeschichte!

Unsere Tour startet am Marschbahndamm. Das ist die ehemalige Bahnstrecke, auf der früher Gemüse und Obst von den Feldern bis in die City transportiert wurden. Sie führt einmal durch halb Vierlanden – und ist perfekt zum Radfahren. Wir fahren mit dem Rad zum Startpunkt, wer mit dem Auto zu uns raus kommt, kann an der Ecke Neuengammer Marschbahndamm/Kiebitzbrack parken (hinter der Bushaltestelle, beim Schützenhaus.)

Willkommen im Garten Hamburgs

Wer mag fährt von dort gleich runter zum Deich, wir sind noch ein Stück weiter auf dem Marschbahndamm geblieben. Der Fußweg am Deich ist an diesem Streckenabschnitt nämlich schmal und die Autos fahren meistens viel zu schnell. Da ist es zwischen Wiesen und Feldern gerade mit Kindern deutlich entspannter. In Richtung Zollenspieker geht es zunächst durch ein kleines Waldstück. Zauberhaft ist der, ein grüner Tunnel durch einen richtigen Feenwald. Danach reihen sich Gärten an Gärten, Gewächshaus an Gewächshaus. Direkt vor unseren Vorderrädern watschelt eine Entenfamilie mit fünf Jungen über den Asphalt. Überall brummt, summt und zirpt es. Gegenüber der Gartencommunity kann man sich in einem Holzschrank mit Picknicksnacks eindecken.

Am Spielplatz Deichvogt-Peters-Straße machen wir eine kleine Rast. Meine Kinder lieben den Feuerwehrspielplatz, vor allem die lange Rutsche und das Holzauto zum Klettern. Gleich nebenan wohnt eins der vielen Storchenpaare bei uns in Vierlanden – beziehungsweise wohnte. Dieses Jahr habe ich keine gesehen. Das Nest sieht neu gemacht, aber nicht wirklich kuschelig aus. Und unbewohnt. Wusstet ihr, dass so ein Nest in gemütlich bis zu zwei Zentner wiegen kann?

Wer mag kann kurz hinter dem Spielplatz rechts zum Hof Eggers abbiegen. Da kann man Schweinen beim Grunzen zuhören, Treckern beim Tuckern, Kühen beim Schmatzen und Kindern auf der langen Tellerschaukel beim Jauchzen. Und man kann köstlichen Kuchen essen. Uns zieht es dieses Mal aber gleich weiter in Richtung Zollenspieker.

Am Kirchwerder Mühlendamm geht es rechts zur Riepenburger Mühle, auch dort gibt es leckeren Kuchen. Wir widerstehen schon wieder und radeln stattdessen links hinunter, endlich in Richtung Funkelwasser. Ich liebe diese Straße, sie führt nämlich durch den sumpfigsten Wald in ganz Vierlanden. Das Wasser glitzert zwischen den Bäumen, die Äste bewundern ihr grünes Spiegelbild und überall quakt es. Hier bekommt man eine Ahnung davon, wie das Land früher ausgesehen hat – und was die Menschen anstellen mussten, um es trocken zu legen.

Wenn ich die kleine Abfahrt zur Elbfähre Zollenspieker heruntersause, kribbelt es jedes Mal in meinem Bauch. Ich mag diesen Ort so sehr. Vom kleinen Imbisswagen duftet es nach Fischbrötchen, die Möwen meckern und von der Elbmitte tutet bereits die Fähre. Es fühlt sich nach ganz großem Urlaub an, dabei ist morgen wieder Montag. Aber da denkt hier gerade niemand dran. Wer noch Zeit und Lust auf eine Pause hat, kann einfach vom Parkplatz ein Stück weitergehen und nach einer Weile links in den Wald abbiegen – genau dann, wenn oben am Deich ein Bushaltestellenschild auftaucht. Auf einem Trampelpfad gelangt man dann zu einem besonders schönen Strand. (Habe ich hier schon mal näher beschrieben).

Wir fahren gleich rüber nach Hoopte und damit von Hamburg nach Niedersachsen. Der Wind an Bord pustet die letzten Montagsgedanken weg und kaum sind wir losgefahren, sind wir auch schon da. Dank der Fähre sparen Autos einen Umweg von 33 Kilometern – und in Gedanken kann man jedes Mal weiter schippern – ans Meer oder nach Saltkrokan. Diese Verbindung gibt es bereits seit 1252 und die Fähre ist damals wie heute in Familienbetrieb. Es ist die letzte Elbfähre.

Drüben fahren wir auf der Elbuferstraße in Richtung Geesthacht. Erst an der Straße (aber durch einen Parkstreifen von der Fahrbahn getrennt), danach auf asphaltierten Wegen mitten durch die Wiesen, mal vor und mal hinter dem Deich. Die Blicke über die Elbe sind atemberaubend. Auch hier gibt es nochmal einen Spielplatz (gleich nach dem Überqueren der großen Straße). Wir legen uns ein Stück weiter am Deich ins Gras. Ganz vorsichtig natürlich, denn auf unsere Deiche müssen wir gut aufpassen.

Kackknie und Pogewedel: Alles so schön entspannt.

Irgendwo hier passiert mir auch die Sache mit der Schafscheiße. Ich überlasse das Divasein aber der Elbe – und lache lieber mit meinen Männern mit. Den Rest des Tages trage ich also einen braungrünen, kreisrunden Fleck auf dem Knie. Meine Jungs kichern jedes Mal, wenn sie ihn sehen. Ich auch. Ich bin nämlich wirklich froh, dass mein Kniekackknutschfleck vom Schaf und nicht vom Hund ist. Einer meiner Söhne kann so täuschend echt Mäh rufen, dass die ganze Herde antwortet. Und die Lämmer wedeln vor Freude mit dem ganzen Po.

Die dicksten Torten gibt es im Elbcafé, am liebsten draußen auf der hübschen Veranda. Da ist dann unklar, ob alle seufzen, weil der Elbblick so schön oder die Torte so lecker ist. Wer nach seinem Stück noch ein bisschen Platz hat, kann noch eine Kugel Eis probieren, das gibt’s neuerdings draußen am kleinen Schaufenster. Die Spezialität hier und gegenüber bei uns in Vierlanden ist die Marzipan-Nuss-Torte, die gibt’s auf nahezu jedem Geburtstag. Leckerer als das Elbcafé backt die höchstens meine Schwiegermutter.

Abendbrot essen wir Beachclub Unsinkbar beim Campingplatz Stover Strand. Bestellt wird auf dem Hausboot auf der Elbe. Wir klettern also den schwankenden Steg hinüber und bewundern auf dem Weg jede Menge schaukelnde Boote. Hinterher schaukeln wir auch. Das Essen nehmen wir gut verpackt in Pappschalen rüber zu den Tischen und Stühlen im Sand und lassen uns die Currywürste, Burger und Süßkartoffelpommes mit Trüffelmajo schmecken. Die Pommes mögen ein wenig 2000er und in den Städten schon wieder out sein, hier schmecken sie uns immer noch bestens.

Es ist schon spät, aber wat mut, dat mut, würde mein Schwiegervater sagen. Direkt hinter dem Campingplatz, hinter der großen Wiese, auf der einmal im Jahr das Stover Rennen stattfindet und alle zwei Jahre ein wunderschöner Mittelaltermarkt, genau da erobern wir uns eine der kleinen Buchten. Die Wellen plätschern einen Feierabend-Beat, die Kinder buddeln und wir gucken ihnen dabei zu. Die Sonne malt eine funkelnde Silberstraße rüber auf die andere Seite. Ich würde am liebsten liegenbleiben, aber da drüben, da müssen wir ja noch hin.

Frau Elbe gibt alles.

Keiner von uns will weg, wir nehmen uns fest vor, die Runde bald wieder zu fahren – und eher loszuradeln, um die Tour noch schöner sommerzuvertrödeln. Einen ganzen Tag sollte man für die etwa 30 Kilometer schon einplanen. Wir radeln über die lange Brücke in Geesthacht zurück nach Hamburg. Frau Elbe gluckst und gurgelt und schmettert am Wehr wilde Wellenarien, die alte Diva. Danach geleitet sie uns aber freundlich nach Hause. Scheint uns im Dämmerlicht mit wässrigen Augen zwischen Schilfwimpern zuzuzwinkern. Ich nehme ihren herben Duft in der Nase mit ins Bett – und dazu einen Hauch von Schafscheiße.


Vielleicht sehen wir uns demnächst Mal bei uns auf dem Eck und auf dem Rad. Falls ja, klingelt doch mal.

Alles Liebe,

Claudi