Nach 10 Tagen in einer ausgebauten Weinhalle im Medoc, ging es für uns in eine zweite Unterkunft. 1,5 Stunden weiter südlich, Meer plus See, wir entspannt und gespannt. Wir lieben Unterkunftswechsel. Dadurch fühlt sich alles länger an. Außerdem ist es immer so aufregend…

Leider entpuppte sich mein als hübsche Holzhütte zwischen Pinien gebuchter Geheimtipp als marodes Mobilheim – und wir waren ziemlich enttäuscht. (Hier hab ich mehr drüber geschrieben). Genießen wollten wir es trotzdem.

Aber das war echt nicht so einfach. Ich hab mich selbst erschrocken, wie sehr sowas uns das auch die Stimmung schlug. Zum Glück waren Freunde von uns auch in der Gegend – und so haben wir einfach mehr Zeit auf deren Campingplatz verbracht, als auf unserem. Unter anderem haben wir diesen Fisch gemeinsam gegrillt. Es war köstlich!

Ich weiß nicht, ob es an der Hütte und der gedrückten Stimmung lag, auf jeden Fall hat uns auch der Ort Biscarosse nicht ganz sooo gut gefallen. (Obwohl die französische Atlantikküste wie Schokoeis ist… also immer irgendwie gut.) Uns war Bisca, wie der Ort liebevoll genannt wird, zu laut, zu trubelig. Eine Leserin nannte es „Malle en France“…   (Ich weiß, da gibt’s auch super schöne Ecken).

Aber natürlich gab es so viel Gutes!

Rosa für den Mann. Das Meer, super Wellen, Strandbars.


Einmal sind wir Erwachsenen nach Arcachon gefahren und das war ein wunderschöner Ausflug. Kein Maulen, plus Sätze beenden. In Ruhe in Sardinenbüchsenläden, Promenadenbummel, Drink am Stehtisch: Erwachsenenkram. Hach.

Und nachdem ich jahrelang dachte, ich mag keine Austern, mochte ich sie überbacken eben doch. Wir hatten abends ein Tisch für vier in einer sonnenwarmen Gasse unter Stuckbalkonen. Kühler Rosé verdunstete am Glasrand, noch mehr Austern und anderes köstliches Essen, das Kinder nicht gemocht hätten und in Ruhe reden, bis es dunkel wurde. Herrlich.

Eine kleine Bibliothek am Meer. Mein Traum.

Super spannend sind die beiden alten Häuser auf der Klippe in Biscarosse. Die Maison du Jumelles (Zwillingshäuser) stammen aus der Belle Epoque, also aus dem Start der Badeort-Zeit. Allerdings stehen sie gefährlich nahe an der Küste und sind wohl immer mal wieder nicht zu betreten. Keiner dort wusste es so richtig – ein hübsches Mysterium.

Erschreckend fand ich übrigens, wie viele Erwachsene die Dünen als Abstieg benutzen oder ihre Kinder dort spielen lassen. Das ist doch scheiße.

Die Franzosen? Meister der crazy Chipssorten. Wir haben jeden Tag eine andere probiert. Lieblingssorte: Brathähnchen.

Einer meiner Lieblingsmomente jeden Tag? Für einen Kaffee auf die Terrasse setzen, bevor alle anderen wach waren. Bloß Sonne, Grillenzirpen und ein weiterer Urlaubstag vor mir. Mehr Freiheitsgefühl geht nicht. So, so dankbar. Manchmal, nein oft, sind es die kleinen Momente.

Hab meine weißen Spitzenshirts hoch und runter zu Jeansshorts getragen. Und meinen 12-Euro-Strandhut. Und meine Croissantohrringe. (Werbung) Hier erzähle ich mehr von meine Urlaubsgarderobe.

Natürlich gab es auch: Streit, auch laut, schlechte Laune, keinen Bock. Es gab Wörter, die die Kinder sagen, die uns Eltern in den Wahnsinn treiben und Ansichten von uns, die unsere Kinder nerven. Aber: Urlaub ist immer so gut, um zu reden. Und das tut gut, egal wie unterschiedlich man auch denken mag.

Außerdem: ich kann meinen Großen nicht mehr viel vorschreiben und schon gar nicht hören sie noch oft auf mich. Aber ich kann meine Meinung sagen und hoffen, dass sie davon eben doch ein bisschen was mitnehmen. Davon abgesehen müssen sie eh ihr Leben leben – schön (und aufregend), dass wir es grad noch parallel tun.

Zum Abschluss: ein Gruß von Kiefer und noch einmal verrückt gute Törtchen: Zwölf Stunden Fahrt aber immerhin eine Nase voll Sahne. Bis nächstes Jahr, au revoir. Freu mich jetzt schon wieder drauf.

Claudi