Ich habe mich mit meinen Tomaten versöhnt. Dabei hatten wir uns ewig lange bloß angezickt. Weil sie überhaupt nicht rot werden wollten. Gar nichts wollten sie werden, nicht mal grün. Seit drei Jahren geht das so. Im ersten Jahr alle braun, im letzten Jahr vertrocknet. Und dieses Jahr den ganzen Sommer mickrig. Dabei habe ich ihretwegen dieses Gärtnerding überhaupt erst angefangen. Weil Tomaten aus dem eigenen Garten nun mal noch so viel besser schmecken, als die besten Bio-Tomaten vom Markt. Wenn bloß dieses Gezicke nicht wäre…
Familienküche
Jetzt allerdings, in den vergangenen zwei, drei Wochen, kommen sie. Werden doch noch rot. Und schmecken himmlisch. Haben vielleicht doch noch ein gutes Tomatenherz. Vielleicht merken sie, dass ich es grad gebrauchen kann. Habe nämlich – wie immer um diese Zeit – Grau-Panik. Mag den Sommer, das Grün, die Wärme, die Helligkeit gar nicht gehen lassen. Fürchte mich ein bisschen vor dem Spätherbst und dem Winter, wenn wir vor lauter Nebel wochenlang den Hühnerstall vom Schlafzimmerfenster nicht mehr sehen. Wenn es immer noch mal ein paar Grad kälter ist als in der Stadt. Und wenn ich die Jungs morgens wieder ewig lang aus dem Bett rausüberreden muss, weil es eiskalt und so dunkel ist. (Und vorher mich).

Vielleicht sind sie also doch ganz freundlich, die ollen Tomatenziegen. Und geben scheinbar noch mal alles, um mich aufzumuntern. Um mir zu zeigen, guck mal, so süß schmeckt der Sommer. Und so duftet er. Und um mich drauf zu bringen, ihnen im nächsten Jahr vielleicht doch ein kleines Tomatengewächshaus zu bauen.

Die Jungs freuen sich. Auf alles. auf den Winter, auf Weihnachten. Sie finden es super, dass sie gleichzeitig Tomaten und die ersten Kastanien sammeln gehen können. Oben im Strickpulli übrigens, unten noch in Sandalen. Verrückte Jahreszeit, dieser Frühherbst.

Ein paar der kleinen Tomaten naschen die Jungs und ich immer direkt vom Strauß. Klar, ein paar schnappen sich die Schnecken. Ein paar landen auf einem simplen Butterbrot. Und der Rest hopst in diese köstliche Tomatensuppe, die ich zum ersten Mal bei unserem Freund Jo gegessen habe. Die Suppe ist genau richtig scharf, ein bisschen süß und ein bisschen bittersüß. Weil sie leise, aber sehr deutlich: „Tschüss Sommer“ flüstert.

Köstliche, süß-scharfe Tomatensuppe (für zwei Personen)

1 Zwiebel
1 kleine rote Chilischote
250 Gramm kleine Tomaten
3 Esslöffel Olivenöl
1- 2 Teelöffel Zucker
1 Teelöffel Tomatenmark
2 Esslöffel Aceto Balsamico bianco
300 Milliliter Tomatensaft
200 Milliliter Gemüsebrühe
2 Basilikumzweige
2 Nelken
1 Knoblauchzehe
50 Gramm Weißbrot
Salz, Pfeffer

Zwiebel schälen und die Chilischote entkernen. Beides fein würfeln und mit den Tomaten in einem Esslöffel Olivenöl anschwitzen. Etwas Zucker darüber streuen und leicht karamellisieren lassen. Das Tomatenmark unterrrühren, mit Essig ablöschen und mit Tomatensaft und Brühe aufgießen. Suppe bei schwacher Hitze etwa 25 Minuten köcheln lassen.

Die Basilikumblätter von den Stielen zupfen und grob hacken. Basilikum (bis auf ein paar Blätter) zusammen mit den Nelken zur Suppe geben und darin ziehen lassen. Knoblauch pellen und pressen. Brot in Würfel schneiden und mit dem Knoblauch im restlichen Olivenöl goldbraun und knusprig rösten.

Nelken entfernen. Suppe mit einem Pürierstab fein pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Tomatensuppe in tiefe Teller geben und mit Brotwürfeln und restlichem Basilikum bestreut servieren.

Tomatensuppe, leckere Herbstsuppe, Tomaten
Familienrezepte, Familienessen
Und ihr so? Seid ihr Team „Sommer-Wehmut“ oder Team „Hurra-Herbst“?

Alles Liebe,

Claudi