Eine Insel mit zwei Dutzend Bergen: Tipps für einen entspannten Familienurlaub auf Korsika

Feb
22/19

(Enthält unbeauftragte Werbung) Die Insel passt zu meinen Kindern, wahrscheinlich zu Kindern überhaupt. Die wollen schließlich immer alles. Und am besten sofort: Strand – mit Wellen und aber flach, feiner Sand, aber mit Muscheln zum Suchen, hohe Berge für Abenteuer, flachere zum Hinaufklettern, Städte mit Häfen zum Gucken und Eisläden zum Leerfuttern. Plus: Mamas urkomisches Serpentinengesicht…

Ich kann es nicht anders sagen, ich fand Korsika manchmal „zum Ko…“, ihr wisst schon, vor allem auf unserer Fahrt vom Süden bis in den Norden. Schuld waren die Wahnsinns-Serpentinen – und der Korsika-Reiseführer auf meinem Schoß. Es gibt nämlich so viel zu sehen und zu erleben auf der hügeligen Insel im Mittelmeer, ich konnte es nicht lassen, während der Fahrt zu stöbern. Die Kurven waren ganz sicher totbeleidigt, dass ich ihnen keine Aufmerksamkeit schenkte – ganz bestimmt war mir deshalb ein paar mal so richtig schlecht. Also lieber schnell Bilderbuchpanorama gucken, hinter jeder Kurve ein neues – und bitte einmal kurz nach hinten: „Weil du so lustig grün im Gesicht wirst, Mama, wenn du fast spucken musst. Wie die Wiesen da draußen.“

Dieses Grün: würzige Wiesen, die nach Thymian und Salbei duften kleine, lichte Wälder und tiefe dunkle, dicht wie ein Urwald. Ich hatte ja keine Ahnung, wie grün Korsika ist und wie gut das Grün einer Sonneninsel im Meer steht (tausendmal besser als mir). Dass Korsika außerdem noch viel hügeliger ist, als wir dachten, hatten wir bereits auf der Fahrt von Bastia zu unserem ersten Ferienort im Süden der Insel gemerkt. Und hatten daher dieses Mal für die Fahrt von einem Ende bis zum anderen einen ganzen Tag eingeplant.


Damit sich die Maulerei in Grenzen hielt, machten wir einen längeren Stop: Im Schildkrötenpark Al Cupulatta. Die Kinder hat das dort so sehr beeindruckt, dass sie ab sofort nur noch Schildkröten malten, am Strand in den Sand und auf Papier.

André und mir hat es noch ein Aha-Erlebnis mehr beschert, neben den vielen anderen auf unserer Korsikareise: nämlich wie viele verschiedene Schildkröten es gibt – sogar weiße mit schwarzen Punkten. „Sieht aus als hättest du sie mit Pippis Punkten beklebt“, meinte einer meiner Söhne. „Dann müssen wir sie wirklich mitnehmen!“, meinte ein anderer, der, der überall auf der Welt alle Tiere einpacken und mit zu uns nach Hause nehmen würde (sogar den dicken, schwarzen Käfer vom Strand).


Es hat so viel Spaß gemacht, beinahe jeden Tag einen neuen Strand zu entdecken. Denn obwohl wir die Buchten im Norden nicht ganz so klein und geheim fanden wie die im Süden, gibt es hier nicht den einen langen Strand, zu dem alle fahren. Sondern viele verschiedene. Sie zu entdecken ist jedes Mal ein kleines Abenteuer, daher würde ich auch unbedingt mit dem eigenen Auto nach Korsika fahren – oder einen Mietwagen buchen.


Überhaupt: das Abenteuerliche an dieser Insel, das hat uns allen super gefallen: Berge, auf die man sich entweder mit dem Auto hinaufschraubt oder ein Stück durchs Grün wandert und hinterher kaputt ist, aber glücklich.

Strände, die man erstmal finden und dann einen Parkplatz finden  muss, und schließlich den oft holprigen Weg (wir mit Bollerwagen) schaffen muss, um sich nach so viel Eroberungsabenteuer endlich in die Wellen zu schmeißen. Überhaupt Wellen, es gibt welche, wenn man mag, es gibt aber auch Strände mit ganz flachem Wasser – perfekt für diverse Wellenreit- oder Schnorchelabenteuer.

Am Strand von Calvi gibt es bunte Hippie-Strandcafés, wenn man das mag, ansonsten auch Buchten ganz ohne Bar. Wir hatten mal Lust auf dies und auf das, vielleicht hat sich eine Woche daher wunderbar lang angefühlt, weil wir so viele unterschiedliche Sachen gesehen haben. Und ja, im Sommer sind die Strände auch auf Korsika voll, aber längst nicht so voll, wie in anderen Urlaubsregionen.

Von Calvi nach Ile Rousse fährt eine abenteuerliche, alte Bahn, die wackelt und ruckelt, ein bisschen stinkt und im Sommer oft nicht mal die Türen schließt. Der kleine Zug, liebevoll „Micheline“ genannt, hält an allen Buchten und ist angeblich die perfekte Methode, um kleine Kinder in den Schlaf zu schaukeln (wurde uns erzählt.) Im Juli und August fährt die Bahn jede Stunde, sonst alle zwei. Bloß abends muss man aufpassen, die letzte Bahn fährt um 17.30 Uhr ab Calvi. Wer die verpasst, muss lange laufen.


Die kleinen korsischen Dörfer abseits der Küste hängen wie kleine Piratennester am Berg, zwischen den Felsen bleibt oft kein Platz für Bürgersteige und in den offenen Türen schauen zwischen ausgeblichenen Plastikstreifenvorhängen faltige, tiefbraune, aber freundlich lächelnde korsische Gesichter hindurch. Wir haben in einem solchen Dorf gewohnt, abends flatterten Fledermäuse an unseren Fensterläden vorbei und wer von uns im Dunkleln den Müll rausbrachte, konnte über sich ein zauberhaftes Sternenspektakel bestaunen (und einem Katzenkonzert zwischen den stinkenden Mülltonnen auf dem Dorfplatz lauschen).

Korsika - der Norden, Calvi mit Kindern,

So radikal die Korsen übrigens ihren Wunsch nach Unabhängigkeit deutlich machen (überall auf der Insel sieht man auf Straßenschildern durchgestrichenen französische Ortsnamen), so energisch sind sie in Sachen Kinderfreundlichkeit. Als einer meiner Söhne über einen Vorgartenzaun an einer Blüte roch, rauschte in Windeseile eine Frau aus der Tür herbei. Er erschrak. Aber sie pflückte die Blume – und schenkte sie ihm.

Und als ein anderer Sohn einmal mitten auf der Straße strampelte und schrie (weil ich kein drittes Eis erlaubte), kamen augenblicklich zwei schwarz bebluste, korsische Damen mit Dutt herbei, schwenkten wütend ihre Zeigefinger vor meiner Nase und schimpften. Ich verstand kein Wort, bloß das: „Pulizzia!“ Zum Glück war mein Sohn angesichts des fremden Geschreis augenblicklich ruhig, ließ sich von mir auf den Arm nehmen und legte seine Wange an meine. Ohne Eis. Und Polizei.

Unsere Familien-Tipps für Korsika (in der Gegend von Calvi)

STRÄNDE
Calvi
Der Stadtstrand von Calvi ist lang und breit und umso trubeliger, je näher man in Richtung Stadt fährt. In die andere Richtung gibts keine Bananenboote und Surfverleihs mehr und viel mehr Platz. Das Wasser ist sehr flach und der rötliche Sand perfekt zum Burgenbauen. Auf den kleinen Parkplätzen entlang den Schienen der „Micheline“ findet man erstaunlicherweise auch am späten Vormittag immer noch einen Platz. Abends kann man vom vorderen Strand entlang zum Hafen und in die kleine Stadt bummeln.

Aregno
Ein langer, breiter Strand mit mehreren Bars und Restaurant und einem Beachvolleyballfeld. Für Tage, an denen man mal Lust auf ein wenig Remmidemmi hat -an dem lebhaften Strand finden Kinder garantiert Spielkameraden und Fußballfreunde. Wenn der Mistral weht, gilt der Strand als (schwieriges!) Surferparadies, als wir da waren, war es beinahe windstill.

Plage Bodri (Corbara)
Die bildhübsche Bucht von Bodri ist gerahmt von Klippen und Felsen und das Wasser schimmert knalltürkis. Vom Parkplatz läuft man einen kleinen Fußweg durch duftende Macchia-Büsche hinab zum Strand. Die beiden Großen haben die Wellen geliebt, die hier stürmisch auf den Sand brausen. Der Strand fällt allerdings nach einem flachen Meter plötzlich steil ab, ist also weniger geeignet für kleinere Kinder. In der Mitte des Strandes gibt es eine kleine Beachbar mit einer gut gefüllten Schleckeiskühltruhe. Vielleicht mein Lieblingsstrand auf dieser Seite.

Plage De Ghjunchitu
Zu diesem schönen, breiten Strand muss man eine ganze Weile lang an den Gleisen entlang gehen, der Sand ist fein und hell, als wie da waren, war es allerdings ziemlich windig. Am linken Buchtende wird der Strand immer steiniger, auf den Felsen gibt es dort eine hübsche Hippie-Bar.


MACHEN
Bummeln in Calvi
Ein zauberhaftes kleines Städtchen. Wir haben einmal Pizza geholt und sie auf einer kleinen Steinmauer in der Nähe der Pizzeria (Mamma Lucia) verspeist. Ein paar mal mehr gab es abends noch ein Eis von nebenan, gegessen (und verkleckert) auf derselben Steinmauer. Gleich gegenüber der Pizzeria gibt es in einem winzigen Laden eine riesige Auswahl an Armbändern (wir kaufen immer eins für jeden von uns als Urlaubserinnerung). Geht man den kleinen Weg an der Pizzeria vorbei hoch in die Einkaufsstraße kommt man zu einem kleinen Hutgeschäft, in dem wir fast eine Stunde verbracht haben; wir lieben nämlich Strohhüte.


Ausflug nach Pigna
Ein Dorf wie ein Gemälde, wir kamen aus dem „Oh“ und „Ah“ sagen nicht mehr heraus. Weil viele Künstler in das Dorf gezogen sind, ist nicht nur das Dorf an sich und die Aussicht wunderschön, es gibt auch überall hübsche kleine Tonarbeiten, räkelnde Katzen, besondere Pflanzen und handgemachte Möbel zu sehen. Und von überall her hört man Musik.

Wir haben in einem kleinen Lokal ganz oben im Dorf gegessen, mit einem Drink auf den knallroten Barhockern und Blick auf den rosa Horizont. Aus Kostengründen gab es hinterher am runden Tisch für alle die Tapasplatte, die lecker war (fand ich) und abenteuerlich (fanden meine Jungs). (A Moresca, 20220 Pigna, Tel +33 4 95 55 64 53). (PS. Der alte Bus vor der Steilküste ist sehr instagrammable).

Strand-Olympiade
Den Kindern hätte es absolut gereicht, jeden Tag einen anderen Strand zu entdecken (oder auch mal den gleichen nochmal neu). Falls doch mal Langeweile aufkam, war eine kleine Strand-Olympiade immer eine gute Idee. Und natürlich: Wellen reiten, schnorcheln, Burgen bauen.


Baden in einer Gumpe
Von Gumpen hatte ich vorher noch nie etwas gehört, jetzt gehört es zu meinen absoluten Lieblingswörtern (klingt es nicht niedlich?). Gumpen sind kleine (oder große) Badestellen an Flüssen und typisch für Korsika. Unsere liebste Flussbadestelle liegt bei Ajacco, ganz in der Nähe des Schildkrötenparks. Man fährt auf der T20 Richtung Bastia und biegt etwas einen Kilometer vor dem Park auf die D129 ab. Nach etwa 250 Metern erreicht man die Pont de Carbuccia, hinter der Brücke kann man das Auto abstellen (und von der Brücke schon mal auf den Abenteuer-Fluss gucken).

Vor der Brücke rechts führt ein Trampelpfad an Eukalyptusbäumen vorbei zur Badestelle. Das Wasser ist eiskalt und in der Mitte tiefschwarz, Weidenäste hängen wie Lianen ins Wasser und die feuchten Steine schimmern smaragdfarben. Trotzdem gibt es einen kleinen Sandstrand und Platz zum Buddeln – ein wirklich magischer Ort. Eine tolle Übersicht über mehr familienfreundliche Gumpen auf Korsika gibt es hier.

Auf dem Weg: Schildkrötenpark A Cupulatta
Schildkröten aus allen Kontinente gibt es im Schildkrötenpark an der N 193 in Vignola, zwischen Ajaccio in Richtung Bastia. Wir haben circa eineinhalb Stunden damit verbracht, uns alle Tiere anzusehen und eine kleine Pause im Schatten an einem kleinen Bach zu machen.

Korsika mit Kindern
ESSEN
Essen gehen ist teuer auf Korsika, daher haben wir an den meisten Tagen ein Picknick (Kekse und Obst) mit an den Strand genommen und abends selbst gekocht. Eine günstigere und leckere Alternative gerade für Familien mit mehreren Kindern sind oft die Pizzerias.

Kekse kaufen
In einem kleinen Bergdorf findet man die kleine Biscuiterie Salvatori, ein echter Familienbetrieb, mit durchsichtigen Beuteln gefüllt mit herrlich ungeraden Keksen in einer klitzekleinen Vitrine – und großen Blechen mit duftendem Nachschub im Raum nebenan. Wir hatten die Kastanienkekse (typisch für Korsika) und die Zitronenkekse und beide waren sehr lecker (Fango Soprano 18, Île-Rousse).

Pizza picknicken
Mehr Urlaub geht nicht: Wir alle sechs lieben es, nach einem Tag am Strand noch in einen kleinen Ort zu bummeln, in einer Pizzeria einen Stapel Pizzen zu ordern, uns damit auf eine Bank oder Mauer zu setzen und zu schauen und zu schmausen. Die Pizza in der Pizzeria Mamma Lucia (4 rue des Anges) in Calvi war ganz besonders lecker, mit knusprigem Rand und matschiger Mitte. Das beste Eis gibts gleich nebenan bei Completement Givres.

Festlich futtern
Einmal im Urlaub gönnen wir uns ein richtig gutes Essen, dieses Mal im U Nichjaretu (route de Porto par la côte, Tel : 04 95 47 84 36). Es gibt köstlich knuspriges Fleisch am Spieß und einen traumschönen Blick und einen Kellner, der noch Nerven hat mit den Kindern französisch zu üben, während er etwa fünf reifengroße Teller auf den Armen balanciert: „Merci!“, „Morki?“, „Merci!“, „Morki?“, „Ohh, trés bien!“ (Achtung: Unbedingt vorher reservieren und Bargeld mitnehmen.)

Habt ihr noch Tipps für diese Gegend auf Korsika?
Ein schönes Wochenende und alles Liebe,

4 Kommentar zu “Eine Insel mit zwei Dutzend Bergen: Tipps für einen entspannten Familienurlaub auf Korsika

  1. Vreni on 22. Februar 2019 at 15:51 geschrieben

    Liebe Claudi,
    wo findet man diese supertolle Sommerhose mit Trägern, die Tjelle auf den Bildern trägt? Sie ist mir schon früher aufgefallen und ich suche danach.
    Toller und abenteuerlicher Bericht von Korsika!
    Lg, Vreni

  2. Tonja on 22. Februar 2019 at 20:58 geschrieben

    Jetzt ist aber mal gut mit den Schwärmereien über Korsika. Schließlich wollen wir da heuer hin und Deine Tips einsam und alleine genießen 😜

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