Diesen Post zu schreiben fühlt sich seltsam an. Normalerweise hopsen meine Finger über die Tasten und die Sätze für meine Texte schreiben sich beinahe von allein. Dieses Mal nicht. Ich habe diesen Post schon x-Mal angefangen – und wieder gelöscht. Wenn ich darüber nachdenke, warum es mir so schwer fällt, dann komm ich drauf, dass ich das alles wohl selbst immer noch nicht glauben kann. Und, dass ich ein wenig abergläubisch bin, dass etwas schief gehen könnte, gerade weil ich es raus in die Welt poste. Und weil es sich irgendwie ganz schön angefühlt hat, als unser kleines, großes Familiengeheimnis…
schwanger, 4. Kind,
Aber nun wird es Zeit. Denn: Anfang Juli bekommen wir noch ein Baby. Ich bin glücklich und ängstlich und angespannt und verunsichert, wenn ich mir das vorstelle. Aber vor allem: glücklich. Es war nicht so, dass wir immer ein Viertes wollen. Eigentlich hatte ich immer gedacht, drei wären die perfekte Zahl für uns (mein Mann fand auch zwei völlig okay). Aber in letzter Zeit, gerade seit der Kleinste da ist, hatte ich immer öfter das Gefühl: Wir sind noch nicht komplett. Da fehlt noch jemand. Mein Mann wollte davon zunächst nichts wissen, ich dachte schon, das Ding wär durch, bis er plötzlich, an einem stinknormalen Dienstag meinte: „Weißt du was, ich finde, wir machen das jetzt einfach.“

Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Es hat sich verrückt angefühlt. Verrücktgut. Und irgendwie ging ich davon aus, dass ich wie bei den dreien davor wieder sofort schwanger werden würde. Wurde ich aber nicht. Ehrlich gesagt hat es ewig gedauert. Viele, viele Monate – ich dachte schon, das wird nichts mehr. Aber dann. Als ich den positiven Test in der Hand hielt, morgens um halb sechs, an einem dunklen Oktobermorgen, völlig unerwartet, mit dem schlafenden Tjelle auf dem Arm, war ich sprachlos. Nicht himmelhochjauchzend, wie bei den positiven Tests davor. Eher baff. Ich hab mich gefreut, oh ja. Aber ich habe plötzlich auch ganz große Angst bekommen. Ich musste es einen Tag und eine Nacht für mich behalten, immer wieder durchdenken, so sehr hat es mich umgehauen. Als ich es am nächsten Tag meinem Mann erzählte, waren wir zusammen sprachlos. Und überrascht, verängstigt, erfreut.

Da waren so viele unterschiedliche Gefühle: die Angst, vieren gerecht werden zu können, emotional, zeitlich, finanziell. Und überhaupt: es war doch alles gut, so wie es war. War es richtig, das Glück noch einmal herauszufordern? Würden wir, und das Umfeld, das uns im Alltag hilft, ein viertes Kind überhaupt wuppen?
viertes Kind, Geschwister
Klar dachten wir auch an die Wochenend-Morgende, die inzwischen wieder so himmlisch entspannt ablaufen, weil alle drei groß genug sind, sich eine Weile um sich selbst zu kümmern. Unsere Reisen, die wir so lieben. Werden die zu sechst (zu sechst!) überhaupt noch möglich sein? Und was, wenn einem von uns etwas passiert? Allein mit vier (4!) Kindern. Tausend Gedanken spukten in unseren Köpfen. Auch bin ich dieses Mal ängstlich wie nie, was die Schwangerschaft betrifft. Man könnte meinen, man wird entspannter. Ich nicht. Mit jeder Schwangerschaft hatte ich ein wenig mehr Angst, machte ich mir mehr Sorgen und dieses Mal, kann ich vor lauter Sorgen oft nicht einschlafen. Vielleicht ist es mein Alter, vielleicht sind es die vielen traurigen Geschichten, die man durch die sozialen Medien mitbekommt und die sich unbekannterweise dennoch so nah anfühlen. Und doch war und ist da auch vor allem eins: Glück. Freude. Riesengroße Vorfreude. Ich sehe uns da schon stehen, wir zwei Großen, Hand in Hand – und jeder mit zwei Kindern an der Hand. Irgendwie noch mehr im Gleichgewicht als jetzt.
Schwangerschaft, wir bekommen ein Baby,
Als wir es den Kindern sagten, erst vor kurzem, wie auch allen unseren Freunden – beim Vierten vermutet es ja kein Mensch mehr – waren sie aus dem Häuschen. Rannten zu völlig Fremden und erzählten von Mamas, von ihrem, von unserem neuen Baby im Bauch. Und abends, nach dem Vorlesen, sagte meine Großer plötzlich im Bett: „Vier Kinder haben nicht besonders viele Leute, oder Mama?“ „Das stimmt“, sagte ich. Und einen Moment dachte ich, das ganze könnte ihm vielleicht ein wenig peinlich sein. Aber er lächelte und sagte: „Dann sind wir ja was ganz Besonderes.“
Geschwister, viertes Kind,
Oh ja, ich freu mich. Wir freuen uns. Sehr. Ich glaube am meisten freue ich mich, meinen Kindern noch einen Verbündeten fürs Leben zu schenken. Ein kleines Geschwisterchen, dass jetzt schon pausenlos geküsst wird – durch meinen Bauch durch, mit so viel Liebe, dass ich ständig feuchte Knutschflecken auf meinem Kleid herumtrage. Einen Bruder oder eine Schwester zum Liebhaben. Zum Streiten. Zum Füreinander-da-sein. Ich weiß nicht, ob meine Kinder sich immer gern haben werden. Aber eins steht fest: Zu viert ist man weniger allein. Und zu sechst erst. Ach, ich bin gespannt. Und ich freue mich.

Aufgeregte, feuchtaugige Grüße,

Claudi