Eine Bitte…

Jun
21/18

Am letzten Freitag bin ich noch kurz mit Bo über den Markt geflitzt, um Salat und frisches Obst besorgen. Ich traf eine Freundin, die grinste, als sie uns sah: „Na, bei euch geht ja die Sonne auf“. Ich trug Bo im gelben Tuch und er trug sein gelbes Mützchen. Die letzten Meter bis zum Parkplatz begann er zu zappeln, ihn störte offensichtlich das Mützen-Bändchen am Hals. Ich nahm es kurz für die letzten Meter bis zum Auto ab und freute mich, dass er ein paar Sekunden Vitamin D tanken konnte…
Hilfsbereitschaft, gutgemeinte Ratschläge
„Soviel Sonne ist nicht gut für ihr Baby“, patzte da eine ältere Frau über den halben Markt. „Wissen Sie das etwa nicht?“ Und dann: „Sie sind doch gar nicht mehr so jung.“
Ich wollte mich nicht ärgern. Ich tat es trotzdem.

Ich musste daran denken, dass ich in der vergangenen Woche sechs Mal am Gleis stand, mit Baby und Kleinkindern und Gepäck und in den Zug wollte und mir niemand half. Niemand interessierte sich für das Wohlbefinden meines Babys.

In einem Zug turnte mein Baby auf meinem Arm im Gang, weil mit der Sitzplatzreservierung etwas nicht gestimmt hatte, brüllte, jaulte. Die anderen Zuggäste zogen die Stirn in Falten und starrten wie versteinert auf ihre Laptops auf ihrem Schoß. Keiner fragte, ob wenigstens ich sitzen möchte, damit Baby es gemütlicher hat.

Am nächsten Tag in der Stadt, in der Schlange für ein Eis für die drei Großen, brüllte mein Baby ohne Ende – mit Mütze. Wir standen mitten in der Sonne, alle anderen Wartenden schauten mit hochgezogenen Augenbrauen zu mir herüber. Keiner fragte, ob ich vielleicht kurz vor möchte, damit Baby schnell wieder in den Schatten konnte.

Mir scheint, dass sich viele Leute vor allem dann sorgen, ob es meinem Baby gut geht, solange es ihnen gut geht.

Ein paar Tage später im Supermarkt, als mein Dreijähriger sich während meines Familieneinkaufs auf den Boden schmiss, weil er dies oder das wollte aber nicht bekam und ich versuchte ruhig zu bleiben und einfach so schnell wie möglich zu zahlen, waren sie sofort da. „Der arme Kleine hat wohl Hunger“, sagte die eine ältere Dame. „Ist ja auch kein Ort für Kinder so ein Supermarkt!“, sagte eine andere.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte keine Extrawürste. Ich möchte keinen Applaus, bloß weil ich vier Kinder bekommen habe. Das war meine Entscheidung und ich lebe gern damit, mit allen Schwierigkeiten. Ich frage auch gern nach Hilfe, weil ich weiß, dass man im hektischen Alltag schon mal übersehen kann, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Aber beleidigende, vorschnelle Kommentare, die brauche ich bitte, bitte nicht. Die helfen nicht. Die tun weh. Mir. Und Erst-Müttern noch viel mehr.

Freundliche Tipps dagegen sehr gern. Immer her damit. Vielleicht hätten die ältere Dame und ich uns sogar kurz nett unterhalten können. Und ich hätte ruckzuck das Mützchen hochhalten können.

In Sonnengelb.

PS. Notiz an mein 65jähriges-Ich: Junge Mütter mit Baby so oft es geht anlächeln!

Leicht genervte Grüße,

35 Kommentar zu “Eine Bitte…

  1. Katrin Lambrette on 21. Juni 2018 at 11:00 geschrieben

    Als mein Sohn mal als Baby ganz schlimm gebrüllt hat (was oft vorkam) saß ich mit ihm auf einer Parkbank. Eine alte Damen kam vorbei und sagte: „Sie machen das aber wirklich gut.“.
    Das ist jetzt schon viele Jahre her, aber ich denke immer noch oft daran, an diese Großzügigkeit, und an das Wohlwollen, und an den Respekt. Weil es so schön war – und das einzige Mal, dass ich so etwas gehört habe.
    Das ist mein Ziel: diese alte Dame zu werden. Ich bemühe mich, auch jetzt schon solche Dinge zu anderen Frauen zu sagen. Wir brauchen einander doch.

    • Claudia on 21. Juni 2018 at 11:03 geschrieben

      Oh Gott, jetzt hab ich Gänsehaut. Werden wir doch bitte alle diese alte Dame!!!
      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße,
      Claudi

    • Oh wei… Direkt pipi inne Augen. Das tut so gut wenn man sowas hört in dieser Situation!!! Und hat letztes eine liebe alte Dame ihren Rollator zur Verfügung gestellt. Vollgepackt mit Kindersitz und Kind dachte ich, dass schaffen wir schon die zehn Minuten bis zum Auto. Tja.. aus Zehn Minuten wurden 30 und wir hatten gerade mal die Hälfte geschafft. Da schnappt sie sich den Sitz und fragt: wo müssen sie hin. Ich komme mit. Auch so toll oder?

  2. Hanna on 21. Juni 2018 at 11:18 geschrieben

    Ich saß letztens im Bus. Eine Mutter ging mit ihrem Kinderwagen nach draußen, um eine ältere Dame raus zu lassen. Der Busfahrer hat aber nicht bemerkt, dass sie wieder rein wollte. Als er die Türen zu machen wollte, hat sie laut „Halt! Stopp!“ gerufen.
    Als sie sicher wieder im Bus war. Hat ihr Kind sie gefragt, warum sie so gerufen hat. Da hat sie ihm völlig ruhig und geduldig erklärt, warum sie so rufen musste.
    Ich fand das total toll, wie sie das gemacht hat. Ihr Kind hat 10 Mal hintereinander Warum? gefragt und sie war gar nicht genervt oder ist ungeduldig geworden. Sie hat den Wissensdurst des Kindes gestillt. Ich hätte ihr gerne gesagt, dass ich es toll finde, wie sie das macht. Aber dann habe ich mich doch nicht getraut, weil ich dachte, ich könnte aufdringlich rüber kommen und die Mutter wolle bestimmt nicht, dass ich mich einmische.
    Hätte ich das doch tun sollen?

    • Claudia on 21. Juni 2018 at 11:19 geschrieben

      Ja, bitte bitte immer. Es tut so gut so etwas zu hören ; )
      Ich finde, wir alle machen die Welt durch so kleine Komplimente so viel sonniger!
      Liebe Grüße,
      Claudi

  3. Henriette on 21. Juni 2018 at 11:46 geschrieben

    So ein schön geschriebener und wahrer Artikel! Leider kann ich deine Erfahrungen auch teilen. Besonders ist mir eine Erlebnis in Erinnerung geblieben: Wenige Wochen nach der Geburt meiner Zwillinge hatte ich mit beiden Jungs einen Arzttermin. Ich hatte den Termin gerade allein mit den Babys erfolgreich inklusive Tandemstillen und frischer Kaiserschnittnarbe überstanden. Glücklich und schon ein bisschen mit dem Gefühl, eine Supermutti zu sein, war ich gerade auf dem Parkplatz dabei, meine Jungs vom Kinderwagen ins Auto zu verfrachten. Auf einmal schrie (ja wirklich SCHRIE) mich eine ältere Dame an, dass es unverantwortlich sei, meinen Kinderwagen hier mitten auf der Straße stehen zu lassen. Mir sei es ja egal, ob meine Kinder sterben könnten, ihr aber nicht. Ich war wirklich geschockt,habe mich versucht zu rechtfertigen, ihr zu erklären, dass nirgendwo anders Platz für den Wagen ist, ich mich beeile und es ja auch gar keine vierspurige Autobahn, sondern ein kleiner Parkplatz ist. Doch schnell war klar, dass es der Dame nicht darum ging, wirklich mit mir zu reden oder zu helfen, sondern mir nur ihre Meinung entgegen zu brüllen.

    Mit zeitlichem Abstand bleibt mir von dieser kleinen Episode der feste Wille, meinen Kindern ein anderes Verhalten vorzuleben: Hilfsbereit, ein offenes Herz und ein Lächeln im Gesicht. Das klappt mit (bald) vier Kindern natürlich nicht immer, aber immer öfter.

  4. Rebecca on 21. Juni 2018 at 11:47 geschrieben

    Liebe Claudia,

    neben all den feindlichen Kommentaren die einem als Mutter begegnen, sind es doch immer wieder die netten ehrlich aufmunternden die mir im Gedächtnis bleiben. Zumindest versuche ich diese besonderst abzuspeichern.

    Erst kürzlich ist eine Dame mittleren Alters fast in mich reingerannt.

    Sie schrie mir mit gestreckten Daumen entgegen, wie toll es ist, dass mein Baby im Tragetuch ganz nah bei Mama sein darf. Ich war etwas erschrocken, konnte aber diese Freude den ganzen Tag weitertragen, obwohl ich durch die Hitze vom Tragetuch-Tragen, selbst etwas genervt war.

    Ich bin ganz Deiner Meinung lächeln und zusammenhalten.

    Liebe Grüße
    Rebecca

  5. Rebecca Geiger on 21. Juni 2018 at 11:59 geschrieben

    Oh ja! Das finde ich auch. Mir sind schon einige lächelnde ältere Damen über den Weg gelaufen, die versonnen und freundlich in den Kinderwagen geschaut haben, aber natürlich auch die, die angesichts des Babys im Tragetuch den Kopf geschüttelt und gefragt haben, ob es so überhaupt Luft bekomme…
    Nicht vergessen werde ich aber wohl die Dame im Blumenladen, die (als der kleine Mann gerade genörgelt hat) meinte, ich sollte jede einzelne Sekunde genießen, egal wie er drauf ist, sie hätte das bei ihren Kindern nicht gekonnt und würde es jetzt bereuen. Oder die türkische Frau, die mir (da hatte ich Malheur mit dem Stillen) im Gemüseladen von ihren FÜNF Söhnen erzählt hat. Davon wie der Jüngste bis er fünf Jahre alt war, den kleinen Finger hob und „ein bisschen Milch“ -also gestillt werden wollte. Solche Begegnungen helfen mir, meine aktuellen Befindlichkeiten in Relation zu setzen und tun mir gut.

  6. Kirsten on 21. Juni 2018 at 12:00 geschrieben

    Prinzipiell würde ich jetzt gerne sagen: DU HAST JA SO RECHT! Dreifach unterstrichen. Fünf Ausrufezeichen.
    Unnütze Einmischerei nervt, quer über irgendwelche Plätze blöken geht gar nicht und offensichtliches Nicht-Helfen-Wollen weil keine Zeit/ keine Lust/ keine Wasweißichwas zeigt einem in was für einer Welt wir heute leben.
    Ich habe all diese Augenblicke erlebt, erlebe sie mit meinem kleinen eigensinnigen Wildfang immer wieder, bin frustriert, sauer und sprachlos, was für Menschen es da draußen gibt.

    ABER:
    Verurteilt bitte nicht jede ältere Dame, die Sachen sagt wie: das Kind hat vielleicht Hunger/Durst/Windel voll… das ist VIELLEICHT der Versuch einer komlett anderen Generation Kontakt aufzunehmen. Einfach tatsächlich mal was zu sagen, wo andere nur stillschweigend wegschauen. Bedenkt, dass früher Vieles einfach ganz anders gehandhabt wurde und das was uns heute nervt vielleicht ganz normal war.
    Verurteilt bitte nicht jeden Menschen, der nicht aus dem Schatten geht, der keinen Platz frei macht, der nicht hilft wo Hilfe geboten wäre. Wer weiß was diese Menschen gerade bewegt, was für Probleme sie haben und ob sie vielleicht gar nicht bemerken, in welcher Notlage Ihr gerade seid. Seid Ihr noch nie irgendwo gestanden, ohne Kinder aber mit der Müdigkeit einer ganzen durchwachten Woche in den Knochen und habt, obwohl Dinge direkt neben Euch passieren, gar nicht wirklich mitbekommen was da gerade abgeht?
    Verurteilt nicht jeden, der still hinter Euch an der Kasse steht und nichts sagt, während Euer Kind gerade den Laden zusammenbrüllt. Vielleicht weiß die betreffende Person gerade nicht was sie sagen soll, vielleicht hat sie Angst der Mutter nur noch mehr auf den Keks zu gehen. Geht mir selber ganz häufig so. Hinterher steht dann in irgendeinem dieser vielen wundervollen Blogs die ich so gerne lese was über die unmöglche Frau hinter einem an der Kasse, die wieder mal was völlig Unpassendes gesagt hat – obwohl sie eigentlich nur nett sein wollte.

    Gerade in diesen speziellen Momenten sind wir besonders dünnhäutig und haben den Eindruck mehr im Mittelpunkt zu stehen als das vermutlich der Fall ist.

    Liebe Claudia,
    versteht mich bitte nicht falsch, ich möchte Dich damit keineswegs angreifen. Nur irgendwie habe ich den Eindruck, dass es ein Problem der Mütterschaft (die mich ja einschließt) zu sein scheint, dass wir uns genervt von allem zeigen. Ich möchte aber eigentlich immmer an des Gute im Menschen glauben und versuche nicht in jedem Blick den jemand auf mich und mein Kind richtet Missfallen oder Ignoranz zu erkennen. Ist nicht immer einfach und oft fällt man damit auch gehörig auf die Nase. Aber manchmal – nur manchmal – entstehen daraus nette Begegnungen aus denen 2 Menschen mit neuen Eindrücken und etwas mehr Verständnis für das Gegenüber nach Hause gehen.

    Entschudlige bitte meinen langen Text – aber irgendwie brannte mir das mal unter den Nägeln.

    Liebe Grüße,
    Kirsten

    • Magda on 21. Juni 2018 at 18:32 geschrieben

      Liebe Kirsten,
      Was für eine gute Botschaft! Ich finde, du hast genau den richtigen Blickwinkel geöffnet.
      Mein Mann sagt immer: „wenn dich solche Kommentare treffen, bist du selbst wohl nicht in deiner Mitte“ .
      Ich glaube, meist hat er Recht 😉
      Brust raus, Herz auf!

    • Katja on 21. Juni 2018 at 21:25 geschrieben

      Liebe Kirsten, danke für diese – mal ganz ungewöhnliche – Perspektive. Die zu teilen und selbst einzunehmen, sich sicher lohnt. Es zeigt uns damit ziemlich genau, was wir gerade brauchen. Und erleichtert uns von der Bürde, dass auch wir nicht immer die Bedürfnisse anderer Menschen sehen – und auch nicht sehen müssen.

  7. Rebecca Geiger on 21. Juni 2018 at 12:01 geschrieben

    Oh ja! Das finde ich auch. Mir sind schon einige lächelnde ältere Damen über den Weg gelaufen, die versonnen und freundlich in den Kinderwagen geschaut haben, aber natürlich auch die, die angesichts des Babys im Tragetuch den Kopf geschüttelt und gefragt haben, ob es so überhaupt Luft bekomme…
    Nicht vergessen werde ich aber wohl die Dame im Blumenladen, die (als der kleine Mann gerade genörgelt hat) meinte, ich sollte jede einzelne Sekunde genießen, egal wie er drauf ist, sie hätte das bei ihren Kindern nicht gekonnt und würde es jetzt bereuen. Oder die türkische Frau, die mir (da hatte ich Malheur mit dem Stillen) im Gemüseladen von ihren FÜNF Söhnen erzählt hat. Davon wie der Jüngste bis er fünf Jahre alt war, den kleinen Finger hob und „ein bisschen Milch“ -also gestillt werden wollte. Solche Begegnungen helfen mir, meine aktuellen Befindlichkeiten in Relation zu setzen und tun mir gut.
    Liebe Grüße

  8. Wiebke on 21. Juni 2018 at 12:12 geschrieben

    Ich muss sagen, dass mir freundliche Kommentare tatsächlich häufiger passiert sind. Mit vier Kindern, scheinen andere Menschen zu denken, kann es nur Lärm und Chaos geben. Immer wieder höre ich wie gut sich meine Kinder benehmen. Auch von Fremden. Aber ist das wirklich ein Kompliment? Oder hatten sie erwartet, dass eine Mutter sowieso nicht vier Kinder im Zaum halten kann?
    Ich habe beschlossen mich darüber zu freuen. Ist ja auch immer nett gemeint.

  9. Claudia Siebert on 21. Juni 2018 at 12:22 geschrieben

    Liebe Claudia,

    auch ich kenne solche Kommentare, vor allem das orakeln was ein schreihendes Baby oder Kleinkind wohl braucht, möchte, könnte oder will….im Laufe der Jahre habe und nun mit mittlerweile 4 Kindern passiert es immer noch und ich habe gelernt zu akzeptieren, dass es Menschen in dieser Gesellschaft gibt, die wollen einfach Meckern und egal in welchem Bezug, man kann es nicht erklären, weil sie es nicht hören wollen. So will ich nicht werden und sein.

    In Erinnerung ist mir auch die Frau geblieben, die nach einer Stunde Wutanfall mitten in der Einkaufspassage mir über die Schulter Strich und sagte, bleiben sie so stark, freuen sie sich über ihr energischer Kind, sie machen das so toll und ruhig. Der türkische junge Papa, der kurz auf meine Mädels aufpasste, damit ich die passenden Socken raussuchen konnte. Oder die Frau, die meinte, sie hat mich jetzt eine Weile beobachtet und findet das toll, wie ruhig ich bin.

    Diese Menschen tragen uns und das gebe ich weiter an den nächsten der es braucht…. die anderen streichen wir aus dem Kopf.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Claudia

  10. Henrike on 21. Juni 2018 at 12:32 geschrieben

    Ich hatte vor kurzem genau diesen Fall mit der Mütze. Mein Sohn hat sich seine Mütze beim Spazierengehen kurz vor unserem Haus abgezogen und eine Fahrradfahrerin hat mir im Vorbeifahren wirklich unschöne Worte an den Kopf geworfen. Mir kamen die Tränen, weil ich es einfach unfair fand. Man muss nicht erst alt werden, um die jüngere Generation zu unterstützen. Auch von Mutter zu Mutter sollte man sich nicht abwertend äußern, sondern hilfsbereit und aufmunternd zeigen. Ich freue mich über jeden, der mir und meinem Bub ein Lächeln schenkt. Ich lächle gerne zurück. So geht es uns allen besser.

  11. Mama von E. on 21. Juni 2018 at 12:38 geschrieben

    Ach ja, das Vergnügen hatte ich auch. Auf der eintägigen Rückfahrt mit dem Zug aus dem Sommerurlaub. Strömender Regen und Schienenersatz Verkehr. Alle rennen zu den Bussen und steigen ein, nur ich stehe da mit Kinderwagen und passe nicht mehr rein-drei Busse voll mit Menschen die alle doof gucken. Nur einer hat versucht zu helfen-hat am ende nichts gebracht. Glücklicherweise kam noch ein Bus. Ein andermal bei minus 11 Grad, Bis voll. Der Fahrer sagt er könnte mich ja hinten anbinden, aber das fände ich ja sicher doof und fährt ab.
    Aber es geht auch anders. Einige Monate nach der Geburt, ich war sehr sehr unglücklich, ein älterer Herr mit Hund:“ Moritz, Mütter und Kinder haben immer Vorrang, das habe ich schon im Kindergarten gelernt“ und macht mir Platz zum vorbeikommen. Ich bin ihm bis heute so, so dankbar fürdiese Worte. Sie waren-sind immer noch- Balsam für meine Seele

  12. Anna on 21. Juni 2018 at 13:01 geschrieben

    Es ist so schade, dass es so viele Menschen gibt, die einfach nicht freundlich und offen durch die Welt gehen. Dabei macht das so viel mehr Spaß. Ich finde du hast es genau richtig beschrieben. Freundlichkeit ist ja keine Frage der Generation. Ich hatte vor zwei Wochen auch ein Erlebnis, bei dem ich mich an die eigene Nase fassen muss. Wir gingen mit Freunden durch die Stadt, es war super heiß. Auf einem Betonpfeiler saß eine schwangere Frau und sah irgendwie ziemlich fertig aus. Alle gingen an ihr vorbei, ich ehrlich gesagt auch. Der Freund mit dem wir unterwegs waren ging aber direkt auf sie zu und fragte ob alles in Ordnung sei. Nein war es nicht, ihr war schwindelig, sie machte sich Sorgen ob mit dem Baby alles okay sei und fragte, ob wir bei ihr bleiben würden bis ihr Mann da sei. Wir setzten uns alle zusammen in ein Cafe, ein kühles Wasser und das Ankommen des Mannes entspannte die Frau bald und wir verbrachten eine nette Stunde zusammen. Und ich war unserem Freund so dankbar für die Lektion und glücklich, dass unsere Jungs die Situation miterlebt haben.

  13. Anna on 21. Juni 2018 at 13:05 geschrieben

    ich MIR an die Nase fasse

  14. Lena on 21. Juni 2018 at 13:15 geschrieben

    …. so wahr. Manchmal bin ich auch traurig und frage mich, was den meine Kinder überhaupt noch dürfen?!
    Am liebsten ein angepasstes, leises, freundliches Kind das im Einksufswagen sitzt und keinen Ton von sich gibt.

    Ich habe laute und wilde Kinder und werde oft doof angemacht. Diese Menschen geben mir das Gefühl ich hätte freche, unerzogene und unfreundliche Kinder. Dabei sind sie so fröhlich, humorvoll, offen, herzlich, sensibel und einfach „nur“ Kinder die Kinder sein dürfen.

    Es tut so gut in der Öffentlichkeit von Fremden Menschen ein Lächeln geschenkt zu bekommen wenn ich mit den Kindern in einer heiklen oder brenzligen Situation stecke. An der Kasse, im Zug, im Bus, auf dem Spielplatz usw….
    Und wenn sie dann noch Hilfe anbieten, umso schöner.
    Ich hoffe ganz fest, dass unsere Welt ein Ort bleibt, wo Kinder willkommen sind.❤️

  15. Girlfrommars1 on 21. Juni 2018 at 13:50 geschrieben

    Das kenn ich auch diese vermeintlichen guten Ratschläge! Meine Kinder haben mal an einer Schlange am Flughafen einem schreienden Kind ( es schrie seit der Kinderwagen aufgegeben werden musste und es dachte er ist für immer weg ) ein Pixi Buch geschenkt. Es war sofort Ruhe u die Mutter hat so glücklich geguckt . Ich war richtig stolz ! Denn viele der Wartenden waren schon sehr genervt . Manchmal kann ich solche Ratschläge nur belächeln aber manchmal machen Sie mich auch wütend …

  16. Liebe Claudi,
    ich kann dich so gut verstehen … vor allem, weil ich dummerweise obendrauf auch noch immer versuche, es allen recht zu machen …
    Mein Mann musste sich tatsächlich mal den Spruch „schon wieder so ein Assi-Vater“ reindrücken lassen, weil er sich sein wütendes Kind unter den Arm geklemmt und aus einem Geschäft getragen hat …
    Wir versuchen seit einer Weile, die „netten“ Leute zu zählen, damit uns die schlechte Laune der anderen nicht so grummelig zurücklässt … klappt mal gut, mal nicht …
    Ich wünsche dir viele lächelnde Omis!
    Liebe Grüße, Dorthe

  17. Jule on 21. Juni 2018 at 15:57 geschrieben

    Eine schöne Bitte, die hoffentlich viele lesen. Ich habe manchmal das Gefühl ich bin auch erst aufmerksamer seitdem ich selbst ein Kind habe. Ich nehme eher Situationen wahr in denen jemand Hilfe braucht als vorher, glaube ich zumindest. Leider nehme ich auch mehr wahr wann ich Hilfe bräuchte und keinet reagiert und dann überlege ich ob es nicht besser gewesen wäre es einfach zu sagen, darum bitten. Morgens im Bus machen 3 gebrechliche Omis trotz Rollator usw. Platz und helfen meinem 2jährigen beim Aufstehen, aussteigen, dass ich mich um den Buggy und Laufrad kümmern kann. Nachmittags stehen ein Haufen junger Leute um uns herum und keiner rückt auch nur minimal zur Seite. Ein andermal helfen mir drei Männer gleichzeitig und reichen alles raus, auch den Schuh, der beim Aussteigen verloren ging. Man macht zum Glück gemischte Erfahrungen, die negativen hallen nur immer so lange nach… Deswegen hoffe ich, deine Bitte wird viel gelesen und beherzigt. Wir brauchen das: Hilfe, Aufmunterung, ein Lächeln und keine Bevormundung. Davon gibt’s überall genug.

  18. Lea on 21. Juni 2018 at 17:02 geschrieben

    So gut kann ich dich verstehen.
    Dennoch eine schöne Begegnung im Supermarkt: An der Kasse fängt mein Sohn an zu schreien, ich versuche, hektisch einzupacken und zu bezahlen, die Schweißperlen treten schon auf die Stirn, da schaut ein älterer Herr in den Wagen und spricht meinen Sohn, ein Baby, freundlich an. Der ist überrascht, hält inne und wird ruhig. Bis ich eingepackt und bezahlt habe, bleibt der Mann am Wagen stehen und unterhält sich mit meinem Sohn. Ein Engel.

  19. Cathleen on 21. Juni 2018 at 19:08 geschrieben

    Liebe Claudi,

    ich wünsche mir einfach von Herzen für Dich, dass es Dir gelingt (auch wenn es scheinbar öfter vorkommt und es schwer ist, sich da abzugrenzen), es nicht an Dich heran zu lassen, was Menschen denken, sagen oder sogar schreien, die Du oftmals nicht kennst und Dir auch nicht wichtig sind. Denn das hat ja in der Regel nichts mit Dir zu tun, sondern mit ihnen selbst. Ich finde es nämlich sehr schade, dass jemand wie Du (eine augenscheinlich sehr engagierte und liebevolle Frau und Mutter), sich hineinziehen lässt in das Negative von anderen Menschen, obwohl es doch garnicht zu Dir gehört. Du kannst doch einfach stolz sein auf das, was Du jeden Tag leistest. Das darf an Dir abperlen wie von einem Lotosblatt… 🙂

    Alles Liebe wünsche ich Dir, Cathleen

  20. Kathi on 21. Juni 2018 at 19:36 geschrieben

    Liebe Claudi, das kann ich gut verstehen, dass die negativen Begegnungen besonders hängen bleiben. Die meisten meiner Erfahrungen, besonders auf Zugreisen mit unseren Kindern, sind zum Glück positiv. Und die positiven Erinnerungen versuche ich mir immer ins Gedächtnis zu rufen, wenn mir mal wieder eine negative passiert und kleben bleibt.
    Ich versuche meinen Kindern Hilfsbereitschaft für andere vorzulegen und beizubringen, jede kleine nette Geste zählt.

  21. Lm on 21. Juni 2018 at 20:26 geschrieben

    Das sollte man an jedem supermarkt plakatieren anstatt der Angebote. 🙂
    Ich kenne die Kommentare, ich kenne auch halbvolle Restaurant s in denen kein Tisch mehr frei ist, wenn man Kinder dabei hat . Es geht auch so anders. Eine Dame hat mir angeboten meine Einkäufe nach Hause zu fahren, damit ich den Heimweg mit den Kindern noch schaffe. Was für ein Lichtblick an dem Tag.

  22. Pingback: wasfürmich: Familienfreundlichkeit - Geborgen Wachsen

  23. Ronja on 21. Juni 2018 at 21:24 geschrieben

    Ich kenne solche Situationen auch zu Genüge. Meine 4 sind fast gleichalt wie deine süßen Jungs (ich hab sogar auch einen Lasse).

    Ich versuche auch immer, mich an den positiven Begegnungen zu erfreuen. Und ich scheue mich auch nicht, Leute direkt anzusprechen. Ich war vor kurzem mit dem Baby allein in den USA. Tatsächlich begegnen die Menschen einem dort meist freundlicher. Auf dem Rückflug waren in Amsterdam dann fast alle Flüge gestrichen, großes Chaos. Ich wurde mit Minibaby vorm Bauch zur Seite geschubst, musste im stehen stillen etc. Aber dann auch wieder nette Leute, die Hilfe anboten.

    Besonders freue ich mich immer über nette Worte. Ich gehe oft zu Fuß mit den 2 Mittleren auf Fahrrad und Laufrad und der kleinen vorm Bauch zum Kindergarten. Auf der engen Straße müssen Auto oft warten dann, und die Fahrer sind genervt oder hupen sogar. Letztens hielt ein Mann aber extra an und sagte, er fände es ganz toll, dass ich mit meinen Kindern zu Fuß unterwegs sei, dass sie sich bewegen können und wie toll ich das mache. Daran hab ich mich den ganzen Tag erfreut.

    Ältere Leute freuen sich oft, dass wir so viele Kinder haben und erzählen von ihrer Kindheit mit vielen Geschwistern.

    Wir haben aber auch schon ein abfälliges „was für ein Haufen Kinder!“ zu hören bekommen, und meine 7jährige fand das ganz traurig.

  24. Meike on 22. Juni 2018 at 12:02 geschrieben

    Dazu möchte ich nun auch etwas sagen. Ich weiß, Mütter sind diejenigen in unserer Gesellschaft, die es grundsätzlich am schwersten haben. Sorry – jetzt bin ich leicht genervt, denn ich kann es langsam nicht mehr hören.

    Der letzte Satz „Junge Mütter mit Baby öfter anlächeln!“ sagt ja schon sehr viel. Lächelt doch bitte generell öfter mal. Und lächelt doch bitte nicht nur junge Mütter an. Im letzten Jahr hat mich die Diagnose Krebs „überrascht“. Es folgten Monate mit Chemotherapien, OP und Bestrahlung. Mit Mitte 30. Manchmal ging es mir grottig. Trotzdem wollte ich nie das Opfer sein. Ich habe mir eine Perücke ausgesucht, die aussah wie meine echten Haare und versucht so normal wie möglich am Alltag teilzuhaben. Ohne Sonderbehandlungen und mitleidvolle Blicke. Wollte ich nicht. Es gab Tage, da wurde ich beschimpft, weil ich einer älteren Dame nicht meinen Sitzplatz anbot. Es gab Tage, da habe ich böse Blicke für jungen Müttern geerntet, denen ich nicht die Tür aufgehalten, damit sie mit ihrem Kinderwagen noch durchkommen. Das waren aber auch die Tage, an denen ich froh war, wenn ich überhaupt die Tür mit meiner letzten Kraft noch aufbekommen habe. Meine Entscheidung: ich habe mich nicht als Kranke und Schwache geoutet. Wollte ich nicht. Aber wie oft, habe ich in diesen Momenten gedacht: „Wenn du es wüsstest, wärst du vielleicht netter.“

    Deshalb mein Appel (und ich mache es schon seit Jahren und es bewirkt Wunder!!): Seid doch bitte einfach generell netter zu anderen Menschen. Man weiß nie, welches Päckchen sie gerade mit sich herumschleppen. Seid achtsam mit euch aber AUCH MIT ANDEREN! Gebt Wärme in diese Welt, den sie braucht sie so sehr und lächelt mehr. Wir haben so ein wunderbares Leben, wir sind so privilegiert und wir können so viel mehr geben als wir geben. Ein Lächeln und ein wenig Aufmerksamkeit können den Tag eines anderen oder vielleicht sogar sein Leben verändern. Versucht es – ihr bekommt so viel mehr zurück, als ihr gebt!

    • Claudia on 23. Juni 2018 at 15:40 geschrieben

      Hallo – und lieben Dank für deinen Kommentar. Natürlich hast du Recht, wir sollten alle viel mehr lächeln und freundlich zueinander sein. Allerdings ist dieses nun mal ein Familien-Blog, ich schreibe fast immer aus eigenen Erfahrungen heraus und die waren in diesem Fall nun mal mit Kind und als Mama. Dennoch teile ich dein Motto: Lasst uns alle viel mehr lächeln…! (Fürs nächste Mal würde ich mir dann vielleicht auch ein klein wenig mehr Freundlichkeit im Kommentarton wünschen ; )
      Ganz liebe Grüße und ein Lächeln,
      Claudi

    • Sara on 6. Juli 2018 at 17:27 geschrieben

      Hallo Meike,

      ich wollte dir an dieser Stelle einen lieben Gruß da lassen – ich hoffe, du bleibst weiterhin stark und bei guter Gesundheit! Gerade bei einer Krebserkrankung ist es nicht leicht, positiv zu bleiben und sich nicht unterkriegen zu lassen.

      LG

  25. Katy on 22. Juni 2018 at 18:03 geschrieben

    Hallo Claudia,
    dein Blogpost spricht mir aus dem Herzen. Immer wieder sind es gerade ältere Damen die es „gut meinen“. Ob im Supermarkt, auf dem Fahrrad oder in der Apotheke.
    Kinder sind nicht immer still. Sie verleihen ihren Gefühlen auch im Alltag lautstark Gehör.
    Manchmal lässt sich der Supermarktbesuch auch mit zwei kleinen Kindern eben nicht vermeiden. Und in der Apotheke unter dem Kinderarzt kann es durch kranke Kinder, die schon lange beim Kinderarzt gewartet haben, eben auch mal laut werden. Vorgelassen hat uns aber trotzdem niemand…

    Schönes Wochenende.
    Viele Grüße in den Norden
    Katy

    • Claudia on 23. Juni 2018 at 15:34 geschrieben

      Liebe Katy, vor allem finde ich es sogar wichtig, meine Kinder mal mit in den Supermarkt zu nehmen. Ich möchte nämlich, dass sie sehen, dass sich ein Kühlschrank nicht von allein füllt, dass es eine Riesenschlepperei ist und – dass es viel, viel Geld kostet.
      Alles LIebe und Danke für deinen Kommentar!
      Claudi

  26. Nadine on 24. Juni 2018 at 18:21 geschrieben

    Schon verrückt Bo und Mads haben nicht nur am gleichen Tag Geburtstag, ich hatte auch die genau die gleiche Situation letzte Woche: Trage wie gingen auf der schattigen Seite der Strasse und Mads zog fröhlich seine Mütze ab und wir bekamen paar Meter weiter ein Kommentar von einer älteren Dame im Rollstuhl.
    Ich dachte tatsächlich bis zu Deinem Post, dass man diese Kommentare nur hier im Süden Deutschlands bekommt, jedenfalls bin ich oft traurig mit noch mehr Heimweh nach Hause und meinte zu meinem Mann ich könne mir nicht vorstelln, dass man bei uns im Norden so übergriffig sei….
    Dein Post tat gut und bin voll bei Dir!

    Und jetzt nehme ich es nächstes Mal nicht mehr so schwer, wenn jemand auf der Strasse meint zu wissen, wann mein Kind Hunger hat;-), wenn es sogar einer 4- Fach Mami passiert

    Liebe Grüsse und verräts du wo du die sonnige Mütze und das sonnige Tuch her hast?
    Und das rosa Kleid aus dem Schwups Post;-)

  27. Julia on 24. Juni 2018 at 22:43 geschrieben

    Liebe Claudi,
    Ich hatte gestern an der Kasse ein ähnlich blödes Erlebnis. Während ich meinen Rieseneinkauf einpackte und dabei verhindern müsste, dass meine Zweijährige die Eier aus dem Wagen wirft oder selbst kopfüber aussteigt, würde ich von einem älteren Herren hinter mir angepöbelt, dass endlich hinmachen solle. Von weiter hinten zeterte dann noch eine ältere Dame, ich solle bezahlen, statt zu trödeln, und später einpacken. Keiner der vielen Menschen um mich herum ist mir zur Seite gesprungen. Ich bin immer noch schockiert, habe sogar auf dem Parkplatz noch bei beiden um Verständnis für meine Situation gebeten. Ohne Erfolg. Dieses Erlebnis hat mich wirklich entsetzt. Du hast so recht mit deinem Text. Ich habe mir vorgenommen, mich zukünftig noch beharrlicher für gegenseitigen Respekt und Anstand einzusetzen, meinen drei Töchtern ein gutes Vorbild in Sachen Rücksicht zu sein und lautstark zu äußern, wenn sich jemand unanständig verhält. Fürs Erste habe ich eine E-Mail an den Supermarkt geschrieben. Danke für deine Stärkung!

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