Am letzten Freitag bin ich noch kurz mit Bo über den Markt geflitzt, um Salat und frisches Obst besorgen. Ich traf eine Freundin, die grinste, als sie uns sah: „Na, bei euch geht ja die Sonne auf“. Ich trug Bo im gelben Tuch und er trug sein gelbes Mützchen. Die letzten Meter bis zum Parkplatz begann er zu zappeln, ihn störte offensichtlich das Mützen-Bändchen am Hals. Ich nahm es kurz für die letzten Meter bis zum Auto ab und freute mich, dass er ein paar Sekunden Vitamin D tanken konnte…
Hilfsbereitschaft, gutgemeinte Ratschläge
„Soviel Sonne ist nicht gut für ihr Baby“, patzte da eine ältere Frau über den halben Markt. „Wissen Sie das etwa nicht?“ Und dann: „Sie sind doch gar nicht mehr so jung.“
Ich wollte mich nicht ärgern. Ich tat es trotzdem.

Ich musste daran denken, dass ich in der vergangenen Woche sechs Mal am Gleis stand, mit Baby und Kleinkindern und Gepäck und in den Zug wollte und mir niemand half. Niemand interessierte sich für das Wohlbefinden meines Babys.

In einem Zug turnte mein Baby auf meinem Arm im Gang, weil mit der Sitzplatzreservierung etwas nicht gestimmt hatte, brüllte, jaulte. Die anderen Zuggäste zogen die Stirn in Falten und starrten wie versteinert auf ihre Laptops auf ihrem Schoß. Keiner fragte, ob wenigstens ich sitzen möchte, damit Baby es gemütlicher hat.

Am nächsten Tag in der Stadt, in der Schlange für ein Eis für die drei Großen, brüllte mein Baby ohne Ende – mit Mütze. Wir standen mitten in der Sonne, alle anderen Wartenden schauten mit hochgezogenen Augenbrauen zu mir herüber. Keiner fragte, ob ich vielleicht kurz vor möchte, damit Baby schnell wieder in den Schatten konnte.

Mir scheint, dass sich viele Leute vor allem dann sorgen, ob es meinem Baby gut geht, solange es ihnen gut geht.

Ein paar Tage später im Supermarkt, als mein Dreijähriger sich während meines Familieneinkaufs auf den Boden schmiss, weil er dies oder das wollte aber nicht bekam und ich versuchte ruhig zu bleiben und einfach so schnell wie möglich zu zahlen, waren sie sofort da. „Der arme Kleine hat wohl Hunger“, sagte die eine ältere Dame. „Ist ja auch kein Ort für Kinder so ein Supermarkt!“, sagte eine andere.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte keine Extrawürste. Ich möchte keinen Applaus, bloß weil ich vier Kinder bekommen habe. Das war meine Entscheidung und ich lebe gern damit, mit allen Schwierigkeiten. Ich frage auch gern nach Hilfe, weil ich weiß, dass man im hektischen Alltag schon mal übersehen kann, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Aber beleidigende, vorschnelle Kommentare, die brauche ich bitte, bitte nicht. Die helfen nicht. Die tun weh. Mir. Und Erst-Müttern noch viel mehr.

Freundliche Tipps dagegen sehr gern. Immer her damit. Vielleicht hätten die ältere Dame und ich uns sogar kurz nett unterhalten können. Und ich hätte ruckzuck das Mützchen hochhalten können.

In Sonnengelb.

PS. Notiz an mein 65jähriges-Ich: Junge Mütter mit Baby so oft es geht anlächeln!

Leicht genervte Grüße,

Claudi