Ein Zweikindzimmer. Ein Plädoyer

Jun
18/15

Manchmal beneide ich sie. Wenn ich abends die Tür zumache, nicht ganz, ein Spalt muss offen bleiben. Und sie drinnen kichern. Wenn sie sich mittags in ihren Betten treffen – nur eine Zweijährigenarmlänge voneinander entfernt – und eine Kissenschlacht machen. Vor allem aber, wenn ich sie nachts plötzlich in einem Bett finde, Gesicht neben Gesicht, ein Berg aus Blondhaar, durcheinandergeworfen wie Mikadospielstäbe. Meine Jungs teilen sich ein Schlafzimmer. Ich nenne es Betten-WG. Ein Plädoyer…
Geschwister, Kinderzimmer teilen
Manchmal wirds echt kitschig: Dann halten sie Händchen im Schlaf. Oder der eine liest dem anderen Bilderbücher vor, zum Beispiel, wenn die Insbettbringerin noch schnell etwas anderes zu tun hat. Bei akutem Kitschalarm flitze ich schnell los um die Kamera zu holen, finde sie meist nicht, renne wieder hoch um die Szene wenigstens mit dem Kopf zu filmen. Eins-A-Erinnerungsschnulze. Aber kaum bin ich oben, ist es meist auch schon wieder vorbei. Und der Kleine hat das Bilderbuch mit lautem Rumms auf den Kopf gekriegt. Und brüllt. Neuerdings auch manchmal andersrum.

Denn logo, Streit gibts hier auch mal. Aber Hallo. Wir sind keine bonbonfarbene, brechreizauslösende Bilderbuchfamilie, falls ihr das jetzt grad – hö hö – gedacht habt. In unser Betten-WG fliegen oft genug die Fetzen. Manchmal auch Dreckwäsche. Oder ganz übel: frisch zerrupftes Taschentuchkonfetti. Nur Geschwister können sich gegenseitig so anstacheln gemeinsam Unsinn zu machen. Bis einer heult. Und nach einmal so richtig Haare ziehen schnell auch der andere. Bloß wenn ich komme und schimpfe, halten sie wieder zusammen. Dann krieg ich plötzlich die Dreckwäsche ab. WG-ler halten halt zusammen.
Geschwister, Kinderzimmer teilen
Ich weiß nicht, ob ich unbedingt wollte, dass meine Kinder zusammen schlafen, weil ich selbst Einzelkind bin und es mir immer anders gewünscht hab. Hatte ich früher Schlafbesuch, hieß das Party bis nach Mitternacht. Haben meine Jungs das jetzt jede Nacht? Finden sie es eigentlich toll – oder werden sie später beim Sonntagsbraten sagen: „Alter Mama, diese Betten-WG, das war Obergrütze. Sagt übrigens auch mein Psychater. Bei dem ich deswegen in Therapie bin. Wegen langjährigem Einzelzimmerschlafentzug!!!“

Ich glaube es nicht. Ich glaube, die durchflüsterten Nächte, die Kissenschlachten und das Haar-Mikado wird später zu ihren schönsten Kindheitserinnerungen gehören. Den Mittleren wird ohnehin nichts umhauen. So wie der Nacht für Nacht neben seinem lautstark schnarchenden Bruder schläft, kann der später ohne mit der Wimper zu zucken ein Apartment über der New Yorker U-Bahn buchen.

Warum die Betten-WG bei uns so gut klappt – von gelegentlichem lautstarken, unglaublich anstrengendem Im-Doppelpack-Aufgedrehtsein am Abend mal abgesehen? Ich weiß es nicht. Ich würde auf jeden Fall raten, wer es vorhat, sollte es so früh wie möglich tun. Erstmal jeder ein Zimmer für sich und dann zurückrudern, finde ich keine gute Idee. Jeder braucht außerdem ein paar ganz eigene Dinge um sich. Bei uns ist das ein kleiner Stuhl zum Sachen ablegen, eine Seite vom Nachttisch für die Gute-Nacht-Geschichte. Manchmal noch das Stück Wand über dem Bett, fürs aktuelle Lieblingsbild. Zur Zeit sind beide Jungs mit meinen Funkel-Füchsen an der Wand glücklich.

Noch was: bei uns wird jedes Spielzeug geteilt – außer die Bettkuscheltiere. Von gelegentlichem, inständig gewünschtem Kuschelfuchs-Tausch beider Parteien abgesehen. Und sonst noch? Ich finde es gibt leider wenig gut Geschriebenes zu diesem Thema. Eine gute Zusammenfassung habe ich bei Immowelt gefunden. Besonders interessant finde ich die Tabelle, in der aufgezeigt wird, was für Kinder je nach Alter wichtig ist. Außerdem gibt´s ein Experteninterview mit Psychologin Barbara Gmöhling und ein paar Einrichtungstipps.

Gefragt haben wir unsere Jungs übrigens nie, ob sie ein gemeinsames Schlafzimmer wollen. Es war einfach so, als der Umzug des Mittleren aus dem Baby-Bay und unser Umzug ins neue Haus anstand. „Das wird spitze!“, haben wir manchmal gesagt. Oft aber auch nichts – so als ob es das Normalste der Welt ist. Ist es für uns auch. Inzwischen bemerkt der Große immer öfter, dass niemand seiner Freunde mit seinen Geschwistern zusammen schläft. Er stellt es mit Verwunderung fest. Und wenn seine Spielfreunde nachmittags manchmal verlangen: „Dein kleiner Bruder darf aber nicht mitspielen!“, sagt er ebenso verwundert: „Doch, darf er wohl.“ Und schon gibts neuen Stoff zum Nächteverflüstern.

Der Kleinste wird bei uns Ende des Jahres auf jeden Fall auch mit in die Betten-WG ziehen. Ich bin gespannt. Die Jungs freuen sich schon drauf. Und ich träume manchmal davon – psst – noch ein halbes Dutzend Kinder zu kriegen und sie alle in kleinen weißen Metallbetten hintereinander unter der Dachschräge schlafen zu lassen. Hach ja… Ne quatsch. Kleiner Scherz. Das gibt hundertpro Warzen wie bei Nanny McPhee.

Und wie und wo schlafen eure Kinder?

Alles Liebe,

15 Kommentar zu “Ein Zweikindzimmer. Ein Plädoyer

  1. Libe Claudi. das hast du echt fein geschrieben!!
    Das Geheimnis ist wirklich: Einfach machen. Unsere beiden großen hatten auch lange ein Zimmer zusammen, doch inzwischen sind die (Schlaf)bedürfnisse etwas verschieben und sie haben seit ein paar Monaten getrennte Zimmer, vielleicht hat es auch mit dem Jungs/mädchenunterschied zu tun? Keine Ahnung. Ich hab auch bis ich 17 war ein Zimmer mit meinem Bruder geteilt und bis ich 8 war, haben wir beide sogar eine BettenWG im Elternschlafzimmer gehabt – geht alles. Cool finde ich, dass meine beiden Großen jetzt hin und wieder doch mal im gleichen Zimmer übernachten wollen und dann morgens auch im gleichen bett/Matratze zu finden sind.
    lanmäßig sollen unsere zwei Jungs (2. und 3.Kind) mal eine BettenWG (der Name ist geil!) zusammen haben, fehlt nur noch etwas Platz und einige Umbaumaßnahmen.
    LG Katharina

  2. Liebe Claudi,

    unsere Zwei schlafen auch in einem Zimmer…
    Von Anfang an…
    Bei Großen merke ich aber, dass ab und an mal das Bedürfnis da ist, sich zurückzuziehen, bzw. dass die kleine Schwester, die immer mobiler wird, nicht seine gebauten Lego-Konstrukte zerstört.
    Allerdings sind die beiden auch 4 Jahre auseinander und spätestens wenn der Große in die Schule kommt, werden wohl beide ein eigenes Zimmer benötigen.
    Der Kleinen wird das vermutlich nicht leicht fallen, denn sie genießt die Nähe zu dem Bruder so sehr.
    (Leider kann ich in diesem Post KEIN Bild sehen!?)

    Liebe GRüße
    Julia

    • Claudia on 18. Juni 2015 at 15:36 geschrieben

      WAAAAS? Oh ich krieg die Krise!!! Ich find einfach nicht raus, woran es liegt.
      Mache ne Nachtschicht…
      Verdammte Foto- Kiste
      Ganz liebe Grüße!!!

  3. Liebe Claudi,

    ein sehr schönes Bild von deinen Jungs! Und „Peter, Ida & Minimum“ habe auch ich früher schon mit großem Interesse gelesen. Meine Mädels hatten auch eine Betten-WG und ein Spielzimmer. Mit der Schule kam dann bei meiner Großen der Wunsch nach einem eigenen Zimmer. Du glaubst nicht wie schnell sie in dem Alter sind, daß sie die Tür zu machen wollen wenn ihr Freundinnen da sind und Mama darf nicht rein kommen.
    Viel Spaß noch in der Herren-WG! Ach ja, Taschentücher-Konfetti werden hier auch gerne geworfen.

    Liebe Grüße! Ann-Cathrin

  4. Magda on 18. Juni 2015 at 22:10 geschrieben

    Hi Claudi,
    das hört sich echt gut an. Und die beiden gehen dann auch zur gleichen Zeit ins Bett? Das hätten wir auch gerne. Unser Großer will erst um 22 Uhr ins Bett und der Kleine ist schon früher müde.
    Mein Mann und sein Bruder hatten übrigens auch so eine Betten-WG. Und die Eltern fanden das ganz toll. Zu toll. Mein Mann ist dann mit 16 Jahren heimlich nachts in ein andres freies Zimmer gezogen, weil er endlich sein eigenes Zimmer haben wollte. Die Eltern hätten sie wahrscheinlich bis zum Abi zusammen in einem Zimmer gelassen.
    Und Du bist echt Einzelkind? Wie André! Und ich…;-)

  5. Kama on 19. Juni 2015 at 11:35 geschrieben

    Liebe Claudi,
    es ist immer wieder eine Freude hier zu lesen, was du so denkst und schriebst.
    Unsere beiden Jungs (3 und 6) haben auch ein gemeinsames Schlafzimmer und finden es toll. Doch in ca. 4 Wochen ziehen wir um und die Einschulung steht auch bevor, deshalb bekommt bald jeder sein eigenes Reich. Wir sind sehr gespannt, wie die beiden diese Veränderung annehmen werden und ob es gut klappt.
    Ganz liebe Grüße
    Kama

    Achja, deine Funkelfüchse sind der Knaller!!!

  6. Pingback: Familiärer Bettenüberfluss | das kann ja heiter werden!

  7. Hallo liebe Claudi,

    so ein schönes Artikel! Da werde ich ganz sentimental. Und das, obwohl es bei uns noch ganz genauso ist. Im vorraus sentimental sozusagen 🙂
    Unsere Jungs sind inzwischen 6 und 9 Jahre alt und schlafen abends immer noch zusammen. Eigentlich wollte ich lang und breit erzählen, wie das bei uns so ist, aber da ich das als Erinnerung so schöne finde, habe ich einen Blogartikel draus gemacht. Freu mich, wenn du vorbeischaust:

    Familiärer Bettenüberfluss

    Liebe Grüße und weiter frohes Betten-WG-Leben!:-)
    Steffi

  8. Martina on 21. Juni 2015 at 14:56 geschrieben

    Danke für den Post. Bei und ist das dritte Kind gerade unterwegs und in ca. Einem halben Jahr werden die großen Schwestern dann ein gemeinsames Zimmer beziehen. Aktuell haben sie Einzelzimmer. Sie sind 19 Monate auseinander, die (dann) mittlere mit dem Baby 3 Jahre. Wir planen das Zimmer jetzt schon, es wird auch ein paar neue Möbel geben und sie freuen sich auch darauf. Den verlinkten Artikel werde ich mir gleich mal durchlesen.
    Liebe Grüße Martina

  9. Ich habe immer mein Zimmer zuerst mit meinem Bruder, dann noch mit dem nächsten Bruder und später mit meiner Schwester teilen müssen. Klar gab es schöne Momente, aber ehrlich: ich hätte auch gerne mal meine Ruhe gehabt. Irgendwann immer öfter, aber das ging eben nicht. Zudem hatten wir auch noch ein Durchgangszimmer, dass die beiden Brüder nutzen mussten, um aus dem hinteren Zimmer in die Wohnung zukommen. Naja.
    Heute haben alle unsere Kinder ein eigenes Zimmer. Vorher hatten die beiden Großen auch ein gemeinsames Zimmer. Bis zu einem gewissen Alter find und fand auch ich es schön das Zimmer zuteilen. Aus dem Grund (genau der entgegensetze zu deinem) haben unsere ihre eigenen Zimmer und Rückzugsorte. Sie dürfen in den Ferien und an Wochenende auch mal zusammen in einem Zimmer oder Bett schlafen, aber nicht täglich. Sie haben ganz unterschiedliche Schlafgewohnheiten und halten sich stets vom Schlafen ab.
    Allerdings lernt man gut aufeinander Rücksicht zunehmen, wenn man ein Zimmer teilen muss, aber das kann man ja auch anders lernen.
    Ich denke, jeder sollte dies für sich entscheiden und ist da auch beeinflusst durch seine eigene Geschichte. Oder die Kinder entscheiden für sich selbst, eh meist die beste Lösung und so kommt es eben häufig vor, dass sie gemeinsam in einem Bett schlafen wollen, aber schon nach einiger Zeit merken, dass das einfach nicht funktioniert und jeder wieder in sein Bett geht oder sie erobern eben unser Ehebett.

  10. Also mein BRuderherz und ich haben auch ganz lange in einem Zimmer geschlafen udn geschadet hat es uns nicht.
    allerdigns war ich dann in der 5ten Klasse schon froh mein eigenes Zimmer bekommen zu haben… liegt dann aber vielleicht auch daran,dass wir eben junge und mädchen sind…
    Ich find eure Betten-WG auf jeden fall super 🙂

    Viele liebe Grüße

    Franzy

  11. Mari on 11. November 2016 at 08:56 geschrieben

    Ein sehr schöner Artikel!

    So hatte ich mir das für meine Kinder immer gewünscht und vorgestellt, weil ich es auch aus meiner Kindheit so kenne.
    Ich habe es geliebt, bei meinen Schwestern ins Bett zu krabbeln.

    Und obwohl meine Jungs nur 2 Jahre auseinander sind, hat es hier nur ein paar Monate geklappt mit dem gemeinsamen Schlafen. Sie sind einfach zu unterschiedlich in ihren Schlafgewohnheiten und das hat uns schon sehr traurig gestimmt, aber wenn nachts keiner mehr schläft, muss Plan B her.

    Im neuen Haus haben die Kinder wahrscheinlich beide nur ein sehr kleines Zimmer, da das eigentliche Kinderzimmer geteilt wurde. Wir werden sehen wie das klappt…..
    Dem Geschwisterzimmer trauere ich aber weiterhin hinterher. Zumal ich sehe dass bei Freunden problemlos die 3 Jungs in einem Zimmer schlafen.

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