Es ist da: mein allererstes Bilderbuch! Ihr könnt es ab jetzt in unserem frisch gerelaunchten Shop kaufen – und ich würde mich so, so freuen, wenn es bei euch unterm Weihnachtsbaum liegen darf. Oder im Nikolausstiefel. Es geht um ein kleines Schwein, das abends einschlafen soll, aber nicht mag, weil es doch so viel spannendere Dinge zu tun gibt… Kennen wir doch alle, oder?
Schwups, der Traum vom Buch
Wie es zu dem Buch kam? Moment. Da gibt es einen regelrechten Film in meinem Kopf. Anfangsszene: Ich, ungefähr elf Jahre alt. Mein erstes Jahr auf der neuen, weiterführenden Schule, alles neu, alle so laut und ich so schüchtern, dann, im Deutschunterricht, ich sollte meine Geschichte vorlesen. Ich lese erst mit brüchiger Stimme, dann immer lauter. Erst hinterher fällt mir auf, dass es vielleicht zum ersten Mal so richtig leise in der Klasse war. Als ich fertig bin, sagt niemand was. Ich warte, blicke in die Runde. Und dann plötzlich: der lauteste, wildeste Junge klatscht, die Lehrerin klatscht und schließlich klatscht die ganze Klasse. Manchmal kann ich dieses Klatschen noch heute hören. Seit diesem Moment wusste ich ganz sicher, dass ich später mal Geschichten schreiben will…
Bilderbuch
Rückblende: Ich habe schon immer gern gelesen. Und geschrieben. Sonntag Morgende durch. Nachmittagelang. Nachts, heimlich unter der Bettdecke. Ich habe Bücher gebastelt, meine Geschichten hineingeschrieben, dazu gemalt und diese selbstgemachten Bücher zu Geburtstagen verschenkt.

Mein erstes richtiges Kinderbuch-Manuskript schrieb ich während der Uni, abends bei einem Glas Wein, oder wieder einmal, nachts im Bett. Es folgten weitere. Manchmal traute ich mich, sie zu Verlagen zu schicken. Und bekam Absagen. So viele Absagen. Heute weiß ich, dass das ganz normal ist. Auf einer Pressekonferenz des Carlsen Verlags vor einer Weile erzählte der Programmchef, dass sein Verlag pro Jahr ungefähr 1000 unverlangte Manuskripte zugeschickt bekommt. Vielleicht alle zwei Jahre würden sich die Lektoren mal eins aus dem Stapel greifen und ein Buch daraus machen. Eins aus 2000. Reiner Zufall, wenn das klappt.

Meine Schwupsgeschichte schrieb ich in meiner ersten Elternzeit: mein kleiner Sohn wollte und wollte nicht schlafen, ich war die ganze Nacht mit ihm wach und blieb am nächsten Morgen im Bett; völlig fertig, mit Augenringen in der Farbe des Kaffees auf dem Nachttisch neben mir. Irgendwann schnappte ich mir einen Zettel und einen Stift und schrieb die Geschichte von Schwups in einem runter. Zum ersten Geburtstag meines Sohnes tippte ich sie ab, malte ein paar Bilder dazu und ließ im Copyshop ein Buch daraus machen. Es wurde sein Lieblingsbuch.

Nicht nur seins, sondern auch das meiner anderen Kinder. Besucherkinder. Ich weiß nicht wie oft, ich „Schwups will nicht schlafen“ schon vorgelesen habe. Viele, viele Male. Mein Mann und alle Freunde, die es sahen, sagten immer wieder: “ Das musst du an einen Verlag schicken.“ Irgendwie habe ich es nie gemacht. Nicht diesen Text. Nicht meinen Schwups. Ich wollte für Schwups keine Absage. Und für den Zufall, dass es mit diesem Text geklappt hätte, ich wollte dieses Buchbaby nicht hergeben. Nicht in die Hände von Pflegeeltern, sprich einem Verlag. Mit denen ich dann den Namen meines Babys ausdiskutieren müsste. Wollte keine Kompromisse eingehen beim Text, bei den Illustrationen. Verlage sind super, aber sie wollen vieles bestimmen. Wer das Geld gibt, hat das letzte Wort.
Geschichte
Es war Anfang diesen Jahres, wir saßen alle auf dem Sofa, das Schwupsbuch mit dabei, da sagte mein Mann plötzlich: „Warum machen wir es nicht einfach selbst?“ Er sagte es beiläufig und ohne viel Betonung, gerade so als ob er sagen würde: „Sollen wir heute Abend Pizza machen?“ „Du spinnst!“, sagte ich. Zwei Monate später saßen wir abends wieder auf dem Sofa, Laptop auf dem Schoß und bestellten statt Turnschuhen für die Kinder eine ISBN-Nummer. Völlig verrückt.

Es ist so schön: dieses Buch ist genau so, wie ich es haben wollte. Wir kratzten unsere Ersparnisse zusammen für dieses Buch. Ich suchte im Netz eine Illustratorin, fand die tolle Sandy von Vierundfünfzig Illustration dank Instagram und Sandy schenkte meinem kleinen Schwein genau das Gesicht, dass ich für ihn immer im Kopf gehabt hatte, aber so nicht zeichnen konnte. Ich wollt unkitschige und trotzdem kindgerechte Zeichnungen, liebenswerte Figuren und Details in den Illustrationen, die man beim Vorlesen erst auf den zweiten Blick entdeckt. Ich mag es, wenn man eine Geschichte zack zack vorlesen (wenn es abends mal schnell gehen muss) oder dank der Bilder ausschmücken kann, wenn man Zeit hat und es gerade so gemütlich ist. Gemeinam mit den Kindern überlegten wir, wie der Schweinestall aussehen soll, wie die Schweinsgeschwister. Wir verliebten uns alle fünf jeden Tag ein bisschen mehr in dieses Buch.

Die Wunschliste für Schwups war lang: ich wollte feste, stabile Seiten, die auch kleine Kinder umblättern und ein großes Format, bei dem alle Zuhörer etwas sehen können. Ich wollte eine matte Optik, die hübsch aussieht, aber glatt genug, um im Notfall abgewischt zu werden. Ich wollte Umweltpapier, das nicht nach Umweltpapier aussieht. Farben auf Pflanzenölbasis, Lacke auf Wasserbasis und einen Klebstoff ohne Lösungsmittel. Schließlich wollte ich, dass mein Buch in Deutschland gedruckt wird.

Vorlesen

Übrigens spricht die Schwupsgeschichte sicher vor allem Kinder zwischen eineinhalb und fünf an: Bei uns wird sie noch immer gern von allen gehört: vom Baby bis zum Siebenjährigen. Das Buch hat 28 Seiten, ist also ganz schön dick. Noch eine Idee: Ich finde, mein Schwupsbuch ist auch ein tolles Geschenk für Freundinnen, die zum ersten Mal Mama werden. Oder zum zweiten, dritten oder vierten und schon alles haben. Vielleicht mit einer Augenmaske dazu – und einem Augenzwinkern. Als liebevolle Einstimmung auf die schlaflosen Nächte.

Himmel, es ist mir noch nie so schwer gefallen, bei einem Text auf Veröffentlichen zu drücken, wie dieses Mal. Mein Buchbaby, jetzt saust es raus, hinaus in die weite Welt. Ich fühle mich dünnhäutig wie im Wochenbett – und bin so, so gespannt, wie es euch gefällt.

Gute Reise Schwups. Und meld dich mal!

Herzliche, furchtbar aufgeregte Grüße,

Claudi