Einer meiner Söhne ist ein richtiger Tierfreund. Er schwärmt nicht bloß für sein Kaninchen, sein Lieblingshuhn und ganz allgemein für Löwen – er sucht sich beinahe täglich ein anderes Tier aus, das er selbst ist und zu dem er einen ganzen Haufen Fragen stellt. Das ist sehr niedlich und ein bisschen anstrengend. Aber vor allem niedlich. Ich muss ihn dann hinter den Ohren kraulen und eine Wasserschale auf den Boden stellen (wenn er ein Hund ist). Und ich muss Angst vor ihm haben (Leopard). Letztens war er Biene. Biene sein ist schwer…
Bienen basteln
„Weißt du Mama, ich bin einfach schon zu groß für die Blumen, ich passe da nicht mehr drauf!“, meinte er enttäuscht, als er aus dem Garten zu mir in die Küche kam. „Wie wärs, wenn wir Blumen aus Tüchern legen?“, schlug ich vor. „Wir formen die blumenförmig und du kannst von Tuch zu Tuch hopsen…!“

Er überlegte kurz. „Nein, Mama, nein, so groß sind Blumen doch nicht.“ Er schaute sich um. „Ich weiß was!“, rief er und rannte nach oben ins Kinderschlafzimmer. Er kam mit seinem Bienen-Buch herunter („Schau was machen die Bienen“ – Amazon-Partner-Link). Ich hatte ihm die letzten drei Abende daraus vorlesen müssen und jedes Mal wollte er die Biene daraus basteln. (Jedes Mal war es Abend gewesen und sowieso viel zu spät. Und wir hatten auch kein einziges dieser gelben Plastik-Überraschungseier da, die man für die Bienen braucht.)
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In diesem Moment, an diesem Nachmittag, hatte ich eigentlich etwas anderes vorgehabt. Aber er stand da mit seinem Bienenbuch, brummte leise und war so motiviert, dass ich gleich mit motiviert war. Wir begannen damit, die Anleitung nochmal zu lesen. Dann kam das Wichtigste: kurz zum Tante-Emma-Laden gehen und zwei Überraschungseier kaufen. (Die beiden Großen waren nicht da). Meine beiden Kleinen konnten ihr Glück kaum fassen. Wieder zuhause, mit Schokobart, suchten wir einen wasserfesten, schwarzen Stift. Und im Plastikmüll fand ich einen Deckel, der genau für zwei Bienenflügel reichte.
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Mein Sohn malte seiner Biene Mund und Augen, für die Streifen hielt der den Stift und ich drehte das Plastikei – ein riesengroßer Spaß. Die Flügel schnitten wir frei aus dem Plastikdeckel aus. Wir mussten sie nicht mal ankleben, sondern steckten sie einfach in das Ei. Fertig. Sofort wurde losgebrummt und losgeflogen. Nach einer Weile suchte mein Sohn alle leeren Klopapierrollen im Haus zusammen, zerschnitt sie in jeweils drei Teile. Die klebten wir aneinander. Das war der Bienenstock für die beiden Bienen.

Ich habe außer über Bienen an diesem Nachmittag noch etwas ganz anderes gelernt. Nämlich, dass es Sinn macht, spontane Ideen von Kindern für gemeinsame Aktionen, sei es ein Buch lesen oder Basteln oder etwas Spielen, am besten sofort zu erfüllen. Es macht einfach glücklich. Ihn – und mich.

Ich gebe es zu, es fällt mir oft nicht leicht, in Sachen Prioritäten so herum zu entscheiden. Ich neige dazu, mein Kind mit seinen Wünschen zu vertrösten (meine eigenen Wünsche übrigens auch), mir zu sagen, ich müsse erst noch dies und das erledigen, bevor ich lesen, spielen, basteln könne. Nur um jedes Mal wieder zu merken, dass das keine gute Idee ist. Weil mein Kind eben doch weiter bettelt und mich nicht in Ruhe machen lässt. (Es ist zu begeistert und motiviert von seiner Idee, was ja großartig ist.) Noch schlimmer: Manchmal mag mein Kind das Projekt nicht mehr mit mir umsetzen, wenn ich endlich fertig bin. Weil es längst etwas anderes macht. Ich bin dann jedes Mal enttäuscht. Von mir selbst.
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Meine beiden Kleinen spielten den Rest des Nachmittags mit ihren Bienen und Waben – und ließen mich mein Ding machen. Mit dem warmen Gefühl im Bauch, eine gute gemeinsame Zeit verbracht zu haben. Morgen wollen wir noch Blumen für die Bienen basteln. Und ganz bestimmt noch ein Dutzend mal das Bienen-Buch vorlesen und die wimmeligen Bilder anschauen, auf denen man so viel entdecken kann: zum Beispiel die Arbeiterinnen mit ihren Arbeitstaschen. Ich mag das Buch, weil es Informationen für kleine Leute gut vermittelt und sich trotzdem traut, durch kleine lustige Details die Fantasie von Kindern anzuregen.

Wir haben irre spannende Gespräche hinterher gefühlt, zum Beispiel darüber, ob Bienen wirklich Taschen brauchen beim Nektar einsammeln. Und natürlich auch, warum wir überhaupt so dringend Bienen brauchen. Alles in allem ein unkompliziertes, aber sehr schönes kleines, großes Projekt für einen trödeligen Spätsommernachmittag. Und ein Plädoyer fürs „Alles-stehen-und-liegen-lassen“.

PS. Abends hüpfte die große Biene dann übrigens doch noch begeistert von Tuchblume zu Tuchblume.

Alles Liebe,

Claudi