Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als mein großer Sohn zum ersten Mal etwas sagte. Ich stand im Bad, ich glaube, ich machte gerade etwas absolut nichtsagendes, Badewanne putzen oder so. Mein kleiner Sohn tappste hin und her und um mich herum, brabbelte, trug ein Spielzeug nach rechts und links und wieder zurück und plötzlich sagte er, ganz klar und deutlich, „Mama“….
Wann sprechen Kinder, Kindersprüche,
In meinem Bauch kribbelte es wie Brausepulver und Badewanneputzen fühlte sich plötzlich an wie die schönste Beschäftigung der Welt. Weil er dabei war. Und weil er dieses wunderbare Wort gesagt hatte. „Mama“. Sein allererstes Wort. Und dann das. Oh ja, ich war ein wenig stolz, dass es Mama war. Und überhaupt, wie zuckersüß seine Stimme klang, wenn er sprach.

Wir liefen beide über den langen Altbauflur in Richtung Wohnzimmer, wo André fürs Examen lernte. Mein Sohn voran, mit tapsigen Schritten auf ein wenig zu durchgedrückten Beinen, ,wie ein angeheiterter Seemann und ich hinterher, bauchkribbelig und noch immer mit rosa Gummihandschuhen an den Händen. Mein Mann lag mitten auf dem Dielenboden, vor mehreren Haufen Merkblättern, und las. Unser Sohn rannte auf ihn zu, schmiegte seinen Kopf gegen ihn und sagte: „Papa!“

Im Nachhinein denke ich, wie typisch für meinen Großen: seine beiden ersten Wörter, die Bezeichnungen für die beiden Menschen, die ihn am allerliebsten haben. Und beide Namen keine drei Minuten voneinander entfernt – damit bloß keiner traurig werden konnte. So ist er auch heute noch: absolut fair. Und sehr bedacht, niemandem weh zu tun.

Heute denke ich außerdem, wie bezeichnend, dass er diese Wörter zuerst konnte, schwirrten wir doch in seiner ersten Lebenszeit mit beinahe hunderprozentiger Aufmerksamkeit pausenlos um ihn herum. Eins seiner nächsten Wörter übrigens: Effe. Das bedeutete, wieso auch immer, Staubsauger und zeigt auch, dass ich damals noch regemäßig dazu kam, eben diesen zu benutzen.

Mein zweiter Sohn fauchte lange Zeit nur, ein Geräusch das ungefähr klang wie „Pffff“. Dieses benutzte er für scheinbar alles, was er sah. Erst viel später sagte er „Auto“. Und „Beia“ für „Tschüß“. Und „Urt“ für Joghurt. (Unsere ganze Familie hat eine Weile „Urt“ gesagt. Und ich wünschte, es würde niemals enden). Ich würde wirklich gern wissen, ob mein mittlerer Sohn so lange bloß fauchte, weil ich viel weniger Exklusivzeit mit ihm verbrachte, weil ich in diesem ersten Jahr mit zwei kleinen Kindern so gestresst war, wie nie wieder in meinem Leben.

Mein dritter Sohn sprach lange gar nicht. Erst jetzt, ganz langsam, fängt er damit an. Er sagt „Mama“ und „Papa“, aber seltsamerweise es ist bei ihm nicht personen- sondern tätigkeitsgebunden. Sprich: er ruft „Mama“ wenn er kuscheln will. Oder etwas zu essen. Oder sich weh getan hat. Wenn er beigeistert mit einem Ball angerannt kommt oder unglaublich gern durch die Luft geschleudert werden möchte, dann ruft er „Papa“. Sogar beim wilden Toben auf dem Bett – auch wenn ich ausnahmsweise mal die Tobe-Kompanin bin.

Das wahrhaftig allererste Wort meines Dritten ist aber: „Auch!“. Und das ist scheinbar alles, was man in den ersten zwei Lebensjahren mit zwei großen Brüdern braucht.

Erinnert ihr euch noch an die ersten Wörter eurer Kinder? Und wie hießen sie? Ich würde wahnsinnig gern eure Geschichten hören.

Ganz liebe Grüße,

Claudi