Elf alte (und neue) Weihnachtsrituale

Dez
21/18

Ich weiß nicht was es ist, der Duft von zimtbuttrigen Hefeschnecken vielleicht, der Biss in den zuckerperligen Schokoapfel, das Beinahe-Baby, das vor dem Tannenbaum hockt, mit dem Zeigefinger darauf zeigt und quietscht, der Hüftwackeltanz des Primeministers in Tatsächlich Liebe, der alljährliche Streit um den schönsten Baum – oder der Zweitkleinste, den ich nachts im Bett des Größten finde, Arm in Arm, mit der roten Spieluhr auf dem Bauch. So langsam fühle ich mich wirklich ein wenig weihnachtlich…

Es gibt da ein paar Sachen, die gehören bei uns zu Weihnachten dazu, meist kleine Rituale, die André oder ich von unseren Familien mitgebracht haben, ein paar die wir von Freunden übernommen oder irgendwo gehört oder gelesen haben.

Ich bin immer gespannt, was bei anderen zu Weihnachten dazu gehört, deshalb dachte ich, ich schreib unsere noch mal schnell auf, bevor ich ins nächste Plätzchen beiße. Es sind auch ein paar Sachen dabei, die ich dieses Jahr gern ausprobieren und dann vielleicht für lange in unser Ritual-Repertoire übernehmen werde.


1. Mein Mädelstreffen in meiner Heimat am Samstag vor Weihnachten. Einige von meinen alten Schulfreundinnnen sehe und spreche ich das ganze Jahr nicht, aber diesen einen Nachmittag und Abend lang kleben wir aneinander, wie gebrannte Mandeln in der Tüte (auch wenn wir längst nicht mehr so knusprig sind…). Wir fangen einfach da an zu reden, wo wir im Jahr zuvor aufgehört haben und machen nur eine Pause, um eine Gänsekeule mit Rotkohl oder noch ein Glas Prosecco zu bestellen.

2. Kochen mit Knutschen. Alltags koche ich bei uns, am Tag vor Heiligabend stehen André und ich gemeinsam in der Küche, stoßen auf ein Jahr wunderbaren Familienwahnsinn an und auf uns und bereiten die Köstlichkeiten für den nächsten Tag vor: die Gans, den Rotkohl, dieses Jahr Christmas Crunch und eine Weihnachtstorte. Psst, eigentlich ist es ein flotter Koch-Dreier, Michael Bublé ist nämlich auch jedes Jahr dabei.


3. Eine neue Tischdeko, ein bisschen selbstgemacht, aber immer easy. Ich liebe es, mir ab Anfang Dezember Gedanken über unseren Tisch am Heiligen Abend zu machen. Es muss nicht zu perfekt sein, nicht wie in Schöner Wohnen, das sind wir nicht, aber mit Liebe. Dieses Jahr haben mich kleine Servietten auf die Dekoidee gebracht, aus den vielen Kartons im Dezember simple Rentiere zu schneiden. (Falls ihr auch mögt, ich habe euch hier meine Skizze zum Ausdrucken eingescannt.)

Die Kinder haben eine rote Nase und ein paar hübsche weiße Punkte mit den Fingern aufgetupft. Eigentlich sollen die Tiere bis zum 24. noch kleine Astgeweihe bekommen, so wie bei meinem Weihnachtshirsch.

4. Der Gottesdienst um 15 Uhr. Es sind mehr Kinder als Erwachsene in der Kirche, es ist laut, es riecht nach Windel (also Inhalt), aber wir treffen alle noch einmal. Fühlt sich ja irgendwie an, als ob alle mindestens nach Amerika auswandern, wenn man die, die man sonst beinahe täglich sieht, plötzlich bis ins nächste Jahr verabschiedet.

5. Unterm Tannenbaum schlafen. Ich glaube hier habe ich von der Idee gelesen und mal sehen, vielleicht schnappe ich mir meine Jungs, schleppe ein paar Matratzen unter den Baum und wir gucken mal, ob es piekst.

6. Weihnachtsrätsel. Manchmal ist es gut, ein bisschen was in petto zu haben um a) aufgedrehte Kinder zu beschäftigen oder b) aufgedrehte Großeltern oder c) beides. Perfekt dafür sind kleine Weihnachtsrätsel wie das hier: „Außen ein echter Kerl, innen ganz weich. Er raucht gerne sein Tonpfeifchen und hin und wieder hat er schon mal ein paar Rosinen im Kopf. Wer ist das?“ Oder auch sowas: „Was macht ein Niederschlag in Form von Eiskristallen plus ein erwachsener männlicher Mensch?“ Hier gibt es zum Beispiel welche. Wir lieben es.

7. Knallbonbons: Diesen Brauch habe ich mir bei meiner englischen Gastfamilie zu Au pair-Zeiten in London abgeschaut. Dort gab es die bunten Knallbonbons zu Weihnachten überall, bevor ich sie bei uns überhaupt einmal gesehen hatte. Jetzt kaufe ich zu Weinachten immer eine Packung davon und verteile sie auf den Tellern. Sie sind super, um die aufgeregten Kinder bei Laune zu halten. Wenn ich es noch schaffe, mache ich sie dieses Jahr vielleicht auch einfach mal selbst: Für meinen Probe-Knallbonbon habe ich einfach eine Klopapierrolle in Packpapier eingewickelt, vorher mit einem Luftballon, einer Süßigkeit und einem Weihnachtsrätsel gefüllt und wie ein Bonbon zugebunden.

8: Essen machen aufteilen. Für alle ist Weihnachten – außer für den der kocht. Ist doch so, oder? Daher machen hier meine Eltern traditionell die Hochzeitssuppe, meine Schwiegereltern die Gans und wir den Nachtisch. Dieses Jahr haben wir getauscht und wir machen die Gans. Himmel, ich fühle mich richtig erwachsen…
Weihnachten

9. Gleiche Schlafanzüge. Ich weiß, einige können sie dank Dauerstreifen auf Instagram nicht mehr sehen. Ich schon. Ich habe meine Kinder in die gleichen Ringel-Schlafanzüge gesteckt, seit sie geboren waren und dass es die jetzt auch bei uns endlich für Erwachsene gibt, finde ich super. (Gibt auch gefühlt weniger Streit als Zuckerstangenbande.)

10. Geschenke aufbauen bis Mitternacht. Ich weiß gar nicht, wie das hier werden soll, wenn sich keiner mehr Playmobil wünscht. Vielleicht schenken André und ich uns dann gegenseitig ein Set, weil s einfach so gemütlich ist, bis in die Nacht gemeinsam etwas aufzubauen…

11. Unser Jahrbuch machen zwischen Weihnachten und Silvester. Ich fluche immer dabei, weil es wirklich so, so viele Fotos sind und ich so, so chaotisch bin im abspeichern. Dennoch mag ich es irgendwie, mich auf dem Sofa zu verkrümeln, während Oma und Opa mit den Kindern spielen und unser Jahr beim Foto-Jahrbuch machen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Was keine Nummer verdient aber auch dazu gehört: Ein bisschen Anflaumen, ein paar zu laut gesagte Worte, ein bisschen Zickerei. Ich versuchs wegzulächeln, oder mit leise zählen in den Griff zu kriegen. Gehört aber wohl einfach dazu. Hängen wir in Gedanken doch einfach eine Lichterkette über die blöden Wörter. Hilft vielleicht…

Und was darf bei euch auf keinen Fall fehlen an Weihnachten?

Alles Liebe,

15 Kommentar zu “Elf alte (und neue) Weihnachtsrituale

  1. Ricarda on 21. Dezember 2018 at 17:26 geschrieben

    Liebe Claudi,

    die neue Tradition unter dem Weihnachtsbaum schlafen hört sich toll an. Ich würde mich freuen zu hören wie es euch gefallen hat!

    Ehrlich gesagt hast Du mich jetzt doch erst mal ins Grübeln gebracht. Spontan ist mir gar nichts eingefallen aber als vorhin die Disskussion der Mega-Monster Krippe wieder aufkam und wo wir diese hinstellen dachte nur „Hallo Weihnachtstradition“.

    Die Mega-Krippe ist ein Erbstück der Ur-Oma. Mein Schwiegervater, mein Mann und zwischenzeitlich auch unsere Kinder lieben sie innigst. Sie ist riesig und komplett aus Kork. Stammt aus 1900 irgendwas und ist gut 2×2 m groß. Die Figuren dazu zigfach geklebt und schön ist etwas ganz anderes. Die Höhle für das Jesuskind ist so groß das unser Kater diese regelmäßig als Schlafplatz aufsucht.

    Letztes Jahr war sie durch den Umzug so zu gestapelt, dass wir sie nicht aufbauen konnten und ich konnte mir das ganze Weihnachten und auch das Jahr über anhören das es ohne die Krippe gar kein richtiges Weihnachten war.

    Also unsere Weihnachtstradition, diskutieren wo die Innig-geliebte-Mega Krippe aufgebaut wird, diese dann am Nachmittag des Heiligen Abends mit frischem Moos (das die Schwiegereltern mitbringen) auslegen und bestücken.

    Ach da fällt mir jetzt auch ein, es gibt noch so Traditionen wie 2 Tage Plätzchen-Back Marathon am ersten Adventswochenende mit der Patentante oder ganz klassisch Raclette am Heilig Abend. Und da wäre dann noch mein einmal im Jahr Saxophon-Weihnachtsmusik Duett mit meinen Vater (und jedes mal schwitzen ob ich noch genügend Ansatz hab um die 5-6 Weihnachtslieder durchzuhalten). Dieses Jahr kommt vielleicht eine neue Tradition dazu indem die Kinder mit musizieren. Mal sehen…

    Wünsch Euch von Herzen ein frohes Weihnachtsfest voller Glanz, Lichter und Freude.

    • Claudia on 22. Dezember 2018 at 23:46 geschrieben

      Himmel, das klingt ja super, ein Saxophon-Duett, ich drehe durch. Und wie toll klingt bitte diese Krippe und wo um alles in der Welt stellt ihr eine so große Krippe auf! Und: Kann man irgendwo ein Foto davon sehen?
      Baffe Grüße,
      Claudi

  2. Christine Heilig on 21. Dezember 2018 at 19:23 geschrieben

    Am 2. Weihnachtsfeiertag vormittags ins Naturkundemuseum, nur die Jungs und ich…mal rauskommen, mal ohne Schwiegermama die den verlorenen Sohn umschwirrt wie eine Hummel das Marmeladenbrot…und ehrlich, ich schwörs, da ist am 2. Weihnachtstag morgens um 10:00 keine Seele…außer uns und der Museumswärtern 😉

  3. Liebe Claudi,
    bei uns zur Tradition geworden: die Kinder malen schöne Tischkärtchen für uns zehn. Ist eine schöner Erinnerung (werden von den Gästen immer mitgenommen) und die Kinder sind eine Weile gut beschäftigt, vergessen mal kurz die Aufregung, plus es sieht einfach schön aus!
    Viele liebe Grüße!
    Meike

  4. Anna on 21. Dezember 2018 at 21:58 geschrieben

    Bei uns gibt es am Weihnachtsvormittag das traditionelle Astrid Lindgren- Gucken. Und im Adventskalender der Paten (statt Weihnachtsgeschenk) ist eine kleine Bastelaktion, die die Wartezeit verkürzt.
    Ein paar Tage nach Weihnachten findet bei uns der Punschpalast in der Gartenhütte statt mit Freunden und Familie.

    Viele Grüße und schöne Tage mit der Familie
    Anna

    • Claudia on 22. Dezember 2018 at 23:42 geschrieben

      Das klingt wunderbar. Und ich glaube, den Film lege ich hier am Heilig Morgen auch ein! Danke fürs dran erinnern 😍
      Herzlichst, Claudi

  5. Nora on 22. Dezember 2018 at 00:37 geschrieben

    Liebe Claudi,

    was für schöne Traditionen! Wenn auch nur zu zweit, trotzdem interessiert es mich brennend, woher Du die Schlafanzüge hast, ich finde es so eine schöne Tradition, finde bisher aber nur kitschige Pyjamas, Eure sind hingegen richtig schön!

    Liebe Grüße in den Norden und morgen viel Spaß mit Deinen Mädels
    Nora

  6. Jo on 22. Dezember 2018 at 13:51 geschrieben

    Anpflaumen… Du wolltest es ein bisschen weniger schlimm machen und hast einfach das p weggelassen, so süß!

  7. Christine on 22. Dezember 2018 at 23:18 geschrieben

    Liebe Claudi,

    sehr süße Tischdeko, besonders die roten Kerzenleuchter haben es mir angetan…so skandinavisch schlicht. Verrät’s Du, wo Du die gekauft hast? 😍

    Fröhliche Weihnachtstage und einen schwungvollen Rutsch in ein spannendes Neues Jahr ⭐️

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