Ich weiß nicht was es ist, der Duft von zimtbuttrigen Hefeschnecken vielleicht, der Biss in den zuckerperligen Schokoapfel, das Beinahe-Baby, das vor dem Tannenbaum hockt, mit dem Zeigefinger darauf zeigt und quietscht, der Hüftwackeltanz des Primeministers in Tatsächlich Liebe, der alljährliche Streit um den schönsten Baum – oder der Zweitkleinste, den ich nachts im Bett des Größten finde, Arm in Arm, mit der roten Spieluhr auf dem Bauch. So langsam fühle ich mich wirklich ein wenig weihnachtlich…

Es gibt da ein paar Sachen, die gehören bei uns zu Weihnachten dazu, meist kleine Rituale, die André oder ich von unseren Familien mitgebracht haben, ein paar die wir von Freunden übernommen oder irgendwo gehört oder gelesen haben.

Ich bin immer gespannt, was bei anderen zu Weihnachten dazu gehört, deshalb dachte ich, ich schreib unsere noch mal schnell auf, bevor ich ins nächste Plätzchen beiße. Es sind auch ein paar Sachen dabei, die ich dieses Jahr gern ausprobieren und dann vielleicht für lange in unser Ritual-Repertoire übernehmen werde.


1. Mein Mädelstreffen in meiner Heimat am Samstag vor Weihnachten. Einige von meinen alten Schulfreundinnnen sehe und spreche ich das ganze Jahr nicht, aber diesen einen Nachmittag und Abend lang kleben wir aneinander, wie gebrannte Mandeln in der Tüte (auch wenn wir längst nicht mehr so knusprig sind…). Wir fangen einfach da an zu reden, wo wir im Jahr zuvor aufgehört haben und machen nur eine Pause, um eine Gänsekeule mit Rotkohl oder noch ein Glas Prosecco zu bestellen.

2. Kochen mit Knutschen. Alltags koche ich bei uns, am Tag vor Heiligabend stehen André und ich gemeinsam in der Küche, stoßen auf ein Jahr wunderbaren Familienwahnsinn an und auf uns und bereiten die Köstlichkeiten für den nächsten Tag vor: die Gans, den Rotkohl, dieses Jahr Christmas Crunch und eine Weihnachtstorte. Psst, eigentlich ist es ein flotter Koch-Dreier, Michael Bublé ist nämlich auch jedes Jahr dabei.


3. Eine neue Tischdeko, ein bisschen selbstgemacht, aber immer easy. Ich liebe es, mir ab Anfang Dezember Gedanken über unseren Tisch am Heiligen Abend zu machen. Es muss nicht zu perfekt sein, nicht wie in Schöner Wohnen, das sind wir nicht, aber mit Liebe. Dieses Jahr haben mich kleine Servietten auf die Dekoidee gebracht, aus den vielen Kartons im Dezember simple Rentiere zu schneiden. (Falls ihr auch mögt, ich habe euch hier meine Skizze zum Ausdrucken eingescannt.)

Die Kinder haben eine rote Nase und ein paar hübsche weiße Punkte mit den Fingern aufgetupft. Eigentlich sollen die Tiere bis zum 24. noch kleine Astgeweihe bekommen, so wie bei meinem Weihnachtshirsch.

4. Der Gottesdienst um 15 Uhr. Es sind mehr Kinder als Erwachsene in der Kirche, es ist laut, es riecht nach Windel (also Inhalt), aber wir treffen alle noch einmal. Fühlt sich ja irgendwie an, als ob alle mindestens nach Amerika auswandern, wenn man die, die man sonst beinahe täglich sieht, plötzlich bis ins nächste Jahr verabschiedet.

5. Unterm Tannenbaum schlafen. Ich glaube hier habe ich von der Idee gelesen und mal sehen, vielleicht schnappe ich mir meine Jungs, schleppe ein paar Matratzen unter den Baum und wir gucken mal, ob es piekst.

6. Weihnachtsrätsel. Manchmal ist es gut, ein bisschen was in petto zu haben um a) aufgedrehte Kinder zu beschäftigen oder b) aufgedrehte Großeltern oder c) beides. Perfekt dafür sind kleine Weihnachtsrätsel wie das hier: „Außen ein echter Kerl, innen ganz weich. Er raucht gerne sein Tonpfeifchen und hin und wieder hat er schon mal ein paar Rosinen im Kopf. Wer ist das?“ Oder auch sowas: „Was macht ein Niederschlag in Form von Eiskristallen plus ein erwachsener männlicher Mensch?“ Hier gibt es zum Beispiel welche. Wir lieben es.

7. Knallbonbons: Diesen Brauch habe ich mir bei meiner englischen Gastfamilie zu Au pair-Zeiten in London abgeschaut. Dort gab es die bunten Knallbonbons zu Weihnachten überall, bevor ich sie bei uns überhaupt einmal gesehen hatte. Jetzt kaufe ich zu Weinachten immer eine Packung davon und verteile sie auf den Tellern. Sie sind super, um die aufgeregten Kinder bei Laune zu halten. Wenn ich es noch schaffe, mache ich sie dieses Jahr vielleicht auch einfach mal selbst: Für meinen Probe-Knallbonbon habe ich einfach eine Klopapierrolle in Packpapier eingewickelt, vorher mit einem Luftballon, einer Süßigkeit und einem Weihnachtsrätsel gefüllt und wie ein Bonbon zugebunden.

8: Essen machen aufteilen. Für alle ist Weihnachten – außer für den der kocht. Ist doch so, oder? Daher machen hier meine Eltern traditionell die Hochzeitssuppe, meine Schwiegereltern die Gans und wir den Nachtisch. Dieses Jahr haben wir getauscht und wir machen die Gans. Himmel, ich fühle mich richtig erwachsen…
Weihnachten

9. Gleiche Schlafanzüge. Ich weiß, einige können sie dank Dauerstreifen auf Instagram nicht mehr sehen. Ich schon. Ich habe meine Kinder in die gleichen Ringel-Schlafanzüge gesteckt, seit sie geboren waren und dass es die jetzt auch bei uns endlich für Erwachsene gibt, finde ich super. (Gibt auch gefühlt weniger Streit als Zuckerstangenbande.)

10. Geschenke aufbauen bis Mitternacht. Ich weiß gar nicht, wie das hier werden soll, wenn sich keiner mehr Playmobil wünscht. Vielleicht schenken André und ich uns dann gegenseitig ein Set, weil s einfach so gemütlich ist, bis in die Nacht gemeinsam etwas aufzubauen…

11. Unser Jahrbuch machen zwischen Weihnachten und Silvester. Ich fluche immer dabei, weil es wirklich so, so viele Fotos sind und ich so, so chaotisch bin im abspeichern. Dennoch mag ich es irgendwie, mich auf dem Sofa zu verkrümeln, während Oma und Opa mit den Kindern spielen und unser Jahr beim Foto-Jahrbuch machen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Was keine Nummer verdient aber auch dazu gehört: Ein bisschen Anflaumen, ein paar zu laut gesagte Worte, ein bisschen Zickerei. Ich versuchs wegzulächeln, oder mit leise zählen in den Griff zu kriegen. Gehört aber wohl einfach dazu. Hängen wir in Gedanken doch einfach eine Lichterkette über die blöden Wörter. Hilft vielleicht…

Und was darf bei euch auf keinen Fall fehlen an Weihnachten?

Alles Liebe,

Claudi