„Und wie macht ihr das so?“ Kaum ein Thema ist für viele Eltern so interessant, wie die Alltagsroutinen anderer Familien. Wie die was wuppen – oder nicht wuppen. Bei mir ist das genauso. Ich gucke mir gern Sachen ab, wundere mich über Dinge, finde Rituale gut und mache es dennoch anders, weil es zu uns einfach nicht passt. Das hier soll der Start einer kleinen Serie sein, in dem ich davon erzähle, wie es morgens, mittags, nachmittags und abends bei uns abläuft. Ich freue mich, wenn ihr hinterher auch erzählt, wenn hier eine richtige Morgenroutine-Liste entsteht…

Obwohl ich eigentlich hoffnungslos chaotisch bin, laufen Schulmorgende bei uns überraschend organisiert ab. Bevor meine beiden Großen in die Schule kamen, hatte ich fast ein wenig Angst. Ich hatte Angst vor Hektik, Angst vor Chaos, vor allem Angst zu spät zu kommen. Aber das Gegenteil trat ein. Die feste Zeit für zwei von vier Kindern hat hier ganz schön viel Ruhe reingebracht, weil sie nämlich zu zweit allein zu Fuß zur Schule gehen (und selbst pünktlich sein wollen). Für mich ist das eine riesige Erleichterung, weil ich hinterher in Ruhe die beiden Kleinen fertig machen kann. Meist hab ich sogar mal Zeit für nur einen allein – unser ganz Kleiner ist nämlich ein absoluter Langschläfer und wacht meist erst auf, wenn ich den Mittleren bereits in die Kita gebracht und sogar schon einen Kaffee getrunken habe.

Noch was, die hier beschriebene Morgenroutine gilt zu jetzigen Zeit, in diesem Jahr, unter den momentanen Bedingungen, in denen mein Mann selbstständig arbeitet, ich nur einmal in der Woche in die Schule fahre und ansonsten von zuhause arbeite. Ich kann im Moment also jeden Morgen mit den Kindern aufstehen (mein Mann ist ein absoluter Morgenmuffel, arbeitet oft bis spät in die Nacht und bleibt daher gern noch ein wenig länger liegen). Sowas kann und muss sich natürlich schnell und immer wieder ändern und an neue Bedürfnisse angepasst werden.

Mein Wecker klingelt jeden Morgen um halb sieben, meist stelle ich ihn noch einmal in den Schlummermodus und kuschele mich an die Kinder, die sich nachts um mich herum gelegt haben. Ich liebe diese Minuten Ruhe vor dem Sturm. Um viertel vor sieben stehe ich auf, dusche kurz, oder wecke gleich die Großen.

Einer steht in der Regel absolut problemlos und mit bester Laune auf, der andere braucht ein paar liebe Worte. Beide ziehen sich selbstständig an und wir gehen zusammen runter. (Ich dachte immer, dieses Anzieh-Drama von dem Freundinnen erzählten, falle weg, wenn man bloß Jungs hat. War auch so. Bis jetzt. Einer hier fängt nämlich tatsächlich doch an, jedes Kleidungsstück zu begutachten und ganz spezielle Outfitwünsche zu äußern. Gut gegen Vorurteile – anstrengend am Morgen…)
Kinder am Morgen fertig machen, Schulroutine, Alltag mit Kindern
Unten mache ich den Jungs ein Müsli, sie essen fix auf den drei Hockern an der Kücheninsel statt am großen Esstisch, ich stehe bei ihnen oder laufe herum, schenke Milch nach, schnippele Obst, bereite die Pausenbrote zu, packe die Frühstücksdosen. Wir reden darüber, was am Tag anliegt. Wenn ich Glück habe, ist es himmlisch harmonisch, wenn ich Pech habe, streiten sie über die Schalenfarbe, den Lieblingslöffel – oder die Wetterlage von morgen.

Um 7.35 Uhr schicke ich die Jungs zum Zähne putzen und Haare kämmen. Meist haben wir danach kurz ein wenig Hektik und ich muss sie antreiben in ihre Schuhe und Jacken zu schlüpfen. Ich drücke sie fest (um ihnen zu zeigen, dass ich, dass wir, dass ihr Zuhause ihre Burg ist) und sie gehen los. Selbst wenn sie eben noch gestritten haben, sehe ich sie meist bereits an der Stegel zusammen lachen. Ich lächele auch immer kurz, wenn ich ihnen hinterher sehe. Und drücke die Daumen, dass mal wieder alles gut geht.
Ruhe am morgen,
Morgenroutine mit Kindern, Schulalltag
Dann ist der Dritte dran. Manchmal muss ich ihn wecken, manchmal hat er schon in der Wohnzimmerecke gespielt, während die Großen essen. Manchmal frühstückt er auch mit. Er kann stundenlang und ganz allein in seiner Fantasiewelt versinken, das gönne ich ihm morgens gern eine Weile. Er braucht dafür immer ein wenig Zuspruch beim Essen. Ich höre mich oft zu ihm sagen: „Komm, drei Mal abbeißen noch…“ (obwohl ich das eigentlich nie sagen wollte).

Meist isst er noch im Schlafanzug, also gehen wir hinterher gemeinsam hoch und suchen ihm etwas zum Anziehen raus. (Eigentlich sucht er aus und ich betreibe Schadensbegrenzung in Sachen Spaghettiträger im Dezember oder Badesachen oder schokoverschmierten Schlafanzügen). Hinterher bringe ich ihn zur Kita, meist so gegen halb neun. Ich fahre Auto, trotz des kurzen Wegs. Das ist meine Schwachstelle, das würde ich gern anders machen im nächsten Jahr.
Schulkinder, Morgen mit Kindern
Wenn ich wieder zurück bringe, mache ich mir einen Kaffee und mein Müsli, öffne mein Laptop, lese Nachrichten und meine amerikanischen Lieblingsblogs, fange vielleicht schon einen Artikel an. Zur Zeit zünde ich jeden Morgen eine Kerze an, stäube Zimtzucker auf meinen Milchschaum und versuche trotz der langen To-do-Liste die Weihnachtsmagie zu genießen – bis ich meinen Mann mit dem angezogenen und frisch gewickelten Kleinsten die Treppe herunterkommen höre…

Und bei euch?
Von Herzen alles Liebe,

Claudi