Kürzlich musste ich fast ein wenig heulen. Vor Rührung. Weil ich Zeuge dieses kleinen Alltagsglücks wurde, das einen manchmal unvermittelt aus dem Trott reißt: Wie meine Tochter und mein Mann einträchtig und vierhändig „Lasst uns froh und munter sein“ auf dem Klavier klimperten. Holperig zwar, aber mit viel Herz. Später sagte mein Mann zu mir: „Es gibt gerade wenig, das mich so froh macht, wie mit meinen Kindern Klavier zu spielen.“ Ich wusste genau, was er meint.

Klavier, Kinder und Klavier

Die einen haben sich einen Pandemie-Pudel zugelegt. Wir ein Corona-Klavier. Seit fast einem Jahr ist es der Mittelpunkt unseres Hauses. Buchstäblich. Im Flur unter der Treppe ist es das präsenteste Möbelstück, das wir gerade haben. Und das am meisten bespielte. Die Kinder setzen sich frühmorgens dran, nach der Schule, kurz vorm Schlafengehen. Nahezu immer, wenn sie daran vorbeigehen: Auf dem Weg in die Küche oder aufs Klo, wenn sie nur kurz etwas aus der Speisekammer holen oder einen Stift besorgen wollten. Eigentlich endet jeder Gang am Klavier.

Ich finde es toll, wenn Kinder ein Instrument lernen.

Vor allem, wenn sie es so en passant tun, wie ich es hier gerade erlebe. Freiwillig. Mit ganz viel Spaß, und Neugier – wie nur Kinder das können. Unvoreingenommen, spielerisch, intuitiv. Ehrlich gesagt bin ich selbst ziemlich überrascht, mit wie wenig Regelement wir dabei auskommen. Klar üben wir mit den Kindern auch. Aber das meiste nehmen sie aus eigenem Antrieb mit. Aus kindlichem Spaß am Spiel.

Der einzige Plan, den ich mal für die musikalische Erziehung meiner Kinder hatte, war der: Alles, nur keine Blockflöte! Was natürlich nicht von ungefähr kommt: Ich habe über Jahre Block- später Altflöte gespielt – bis hin ins Schulorchester. Und das sogar gern. Allerdings weiß ich auch, was meine Eltern dabei ertragen mussten. Bis heute kursiert in meiner Familie die Anekdote, wie sie mich im Sommer zum Üben immer auf das maximal weit entfernte Laubendach unseres Gartens schickten. „Weil die Akustik da viel besser ist, mein Schatz.“

Kein Wunder, dass die Liebe nicht von Dauer war: Als Teen spielt man nicht mehr ungestraft Flöte.

Und so war die Liaison einfach keine fürs Leben. Ich finde es manchmal schade, dass ich kein zeitloseres Instrument gelernt habe. Mein Mann hat schon als Kind Klavier, später Gitarre gespielt – und tut es bis heute richtig gern. Vielleicht sollte ich meiner musikalischen Erziehung noch eine zweite Chance geben.

Ich mag, wenn das Leben eine Melodie hat. Wenn Familie nicht nur einen Geruch, sonden auch ihren eigenen Sound hat. Unser Leben klingt gerade nach Fragmenten von Kinder- und Weihnachtsliedern, häufig eine Oktave versetzt oder ein wenig schräg. Es ist oft nicht besonders virtous und wenn ich kaputt bin, geht mir das Geklimper auch schon mal gehörig auf die Nerven. Aber ich versuche, trotzdem nicht reinzugrätschen. Weil ich meinem Trio die Musik nicht verleiden will.

Und weil ich auch verdammt stolz auf meine Kinder bin.

Immerhin haben sie im Lockdown Klavier gelernt – die Lehrerin eine kleine Kachel auf dem Laptop. Ich weiß noch, wie überrascht sie selbst war, dass die Kinder es ohne persönliche Anleitung so gut gemacht haben. Dass ein Funke übergesprungen ist bei diesen unsäglichen Jitsi-Sitzungen, die generell nie besonders inspirierend sind. Aber es hat gefunkt, unüberhörbar.

Und jetzt freue mich auf das erste Weihnachten, an dem die Großen uns vor der Bescherung ein Ständchen klimpern. Ich wette, ich bin aus unserer Familie dann nicht die einzige, die eine Träne vergießt…

Wie ist es bei euch: Spielen eure Kinder auch ein Instrument – und das gern?

Foto: Shutterstock

PS. Lernen eure Kinder ein Instrument?

Alles Liebe,

Katia