Es ist Februar, mein Unlieblingsmonat im ganzen Jahr. Es ist kalt, ich kann keinen Schnee mehr sehen, und nicht mal die Kinder haben noch Lust auf rodeln. Alle haben schlechte Laune, ich bin totmüde und habe das Gefühl, meine Lebenszeit läuft ab, während ich dreimal am Tag die Spülmaschine ausräume und ununterbrochen Vokabeln abfrage. Unsere Ausmist-Aktion im Haus stockt. Aber wenn ich mich umgucke, macht mich eins glücklich: die vielen Bücher…

Sie sind mehr als Lesestoff. Für mich sind sie eine Fluchtmöglichkeit. Ich arbeite daran, sie noch öfter zur Hand zu nehmen, statt ständig das Handy. Die Möglichkeit besteht: Es gibt kein Zimmer ohne Bücher bei uns. Selbst im Gästeklo liegen sie, leider noch als Stapel auf dem Boden. Dort brauche ich eine bessere Aufbewahrung, oder Inszenierung dafür. Ich lese Bücher nämlich nicht nur, ich finde sie auch wahnsinnig gemütlich…

Die meisten von ihnen stehen in kornblumenblauen Regal im Schlafzimmer.

Ich liebe es vom Bett auf die Kanten zu schauen. So viele Geschichten, so viele Erinnerungen. Dort hin schaffen es nur die, die ich behalten möchte. Ich greife öfter nach einem von ihnen, lese eine Stelle noch einmal, stelle es zurück. Es gibt auch ein paar darin, die ich noch nicht gelesen habe. Oder welche, die ich angefangen und abgebrochen habe, weil der richtige Moment noch nicht gekommen war.

Hinter meinem Bett in meiner Fensterbank stehen ein paar der Bücher die ich gerade lesen (ich lese meist mehrere Bücher auf einmal), ein paar besondere Bilderbücher, die ich in meiner Nähe haben will und ein abgeblättertes Notizbuch für spontane Gedanken. In dem Buch notiere ich auch besonders schöne Sätze, die ich in einem der vielen Bücher lese.

Die Kinderzimmer haben wir alle vier in den vergangenen Ferien renoviert und ausgemistet. Ich habe es übers Herz gebracht, mich von vielen Büchern zu trennen, seither passen sie ordentlich in ein Raumtrennerregal – und die Kinder lesen mehr. Weniger ist mehr, auch hier. Ich freue mich ebenfalls, ein neues Buch aus dem geordneten Regal zu nehmen, wenn ein anderes ausgelesen ist und meinem Kleinsten eine schöne Auswahl an Erstlesebüchern präsentieren zu können. Aus einem liest er mir möglichst täglich zehn Minuten vor. Immer schaffen wir es nicht, aber ich freue mich über jedes Mal, wenn ich es schaffe.

Das große Regal im Eingangsbereich ist mir viel zu wühlig.

Leider ist es Ablage für alles: Schlüssel, unbezahlte Rechnungen, Blumensamen, Pokemonkarten, Playmobilfiguren. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich Großfamilie beschreiben würde, ohne etwas zu sagen, würde ich auf das Regal zeigen. Ich mag es dennoch und nehme mir täglich vor, es endlich auszumisten. Miste ich endlich, sieht es keine Woche später wieder aus wie jetzt. Ich finde es trotzdem schön, sofort von Büchern begrüßt zu werden, auch wenn die Regenbogenordnung auch nicht mehr ganz zu erkennen ist. Das Regal ist übrigens ein altes String, das eine Mandantin meines Mannes wegschmeißen wollte. Ich habe es weiß gestrichen – und sie hat sich bis zu ihrem Tod gefreut, dass es mit uns wohnt.

Selbst in meinem Küchenregal stehen Bücher, genau gesagt meine Kochbücher, weil ich ständig aus ihnen koche. Es fühlt sich noch immer unglaublich, aber wunderschön an, dass wir die gemacht haben.

Hier geht‘s zu Hungrig am Strand. Hier zu Barfuß am Strand. Und hier zu meinem Kinderkochbuch Polly und Pelle.

Erzähl doch mal, wie wohnst du mit Büchern?

Claudi