Ein allerletzter Besuch bei Uroma: Wie wir Abschied nehmen wollen, sollen, müssen…

Dez
03/19

Letzte Woche war einer meiner Söhne mit den Kindern einer Freundin verabredet. Morgens rief sie an. „Ich muss leider absagen!“, meinte sie leise, „meine Oma ist gestorben.“ „Oh nein!“, meinte ich. „Ach, das ist schon in Ordnung, sie war schließlich schon 102…“ Wir schwiegen beide. Vielleicht weil wir dachten, wie lange 102 Jahre sind. Oder wie kurz. „Naja, und jetzt fahren wir hin und wollen sie alle nochmal sehen und uns verabschieden.“ Ich schluckte. „Oh je, ihr Armen. Das wird sicher schwer.“ „Nö“, meinte meine Freundin, „das wird sicher schön…“

Ich habe den Menschen-Tod noch nie gesehen. Ich habe als Teenager meine beiden Omas mitbeerdigt, das ist schon eine sehr lange Weile her. Es stand damals nicht zur Debatte, dass ich sie nochmal sehe. Jetzt frage ich mich manchmal, ob ich es gern getan hätte.

Meine Freundin sagt, wenn man noch mal hinfahre, bewusst Abschied nehme, würde der Tod realer. Sie habe das schon einmal gemacht, allein, bei ihrem Opa. Und habe da bereut, dass sie die Kinder nicht dabei hatte. Es sei eine gute Erfahrung gewesen. Ein stiller, aber intensiver, ein schöner Abschied.

Ich frage mich, wie ich mit meinen Kindern damit umgehen würde.

Was meint ihr?

20 Kommentar zu “Ein allerletzter Besuch bei Uroma: Wie wir Abschied nehmen wollen, sollen, müssen…

  1. Comachara on 3. Dezember 2019 at 09:49 geschrieben

    Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, meinen Onkel, meine Tante, meine Oma usw. noch einmal zu sehen. Ich weiß, wie Verstorbene aussehen und ich weiß, was das mit mir macht. Denn dieses Bild werde ich nicht mehr los. Es überlagert meine Erinnerung aus der Zeit, als wir noch beisammen waren. Und diese Erinnerungen sind so wertvoll und kostbar.
    Als ich 8 Jahre alt war, wurde mein damals bester Freund bei einem Verkehrsunfall getötet. Meine Mutter meinte es gut, vielleicht hatte man ihr dazu geraten, mich mit zur Leichenhalle zu nehmen.
    Da lag er. Allein. Aufgebahrt in diesem dunklen Raum. In meiner Erinnerung sind seine Haare abrasiert und ein Auge ist geöffnet. Meine Mama sagt, das stimmt nicht. Das sei das, was die Kinder auf dem Schulhof erzählt hätten. Aber dieses Bild hat sich eingebrannt und mich nachhaltig geprägt.
    Als meine Tante dieses Jahr unerwartet mit 77 gestorben ist, habe ich unseren Kindern freigestellt, ob sie mit meiner Mutter, die, Entschuldigung für den Ausdruck, schon eher „Leichenhallentourismus“ begeht, zur Leichenhalle fahren möchten, ob sie mit zur Beerdigung wollen… Unsere 13 jährige, da noch 12 jährige war mit zur Beerdigung, der da 9jährige nicht. Zur Leichenhalle waren beide nicht. Stattdessen schauten wir Fotos.
    Unser Nachbar war erst noch daheim im Wohnzimmer, wo wir alle Abschied nehmen konnten, sollten…
    Ich hab es seiner Mutter zu liebe gemacht. Es war nicht weniger „schlimm“ für mich.

  2. Isa on 3. Dezember 2019 at 09:52 geschrieben

    Ich finde das eine sehr schwere Entscheidung und muss sagen, dass nicht jeder Verstorbene friedlich und schön aussieht. Mir hat sich das Bild und so ein Geruch eingebrannt von meiner Oma, das war nicht schön, aber auch ihr langsames Sterben nicht. Diesen Anblick hätte ich meinen Kindern nicht zumuten wollen.
    Die Oma von meinem Mann hingegen sah friedlich aus, es war ein auf seine Weise wirklich schöner Abschied und weil sie an Weihnachten ganz plötzlich gestorben ist,waren alle Kinder und Enkel da. Diesen Abschied hätte ich auch für meine Kinder vorstellbar gefunden. Uns allen tat er gut, auch um ihren Tod zu begreifen, saßen wir doch kurz vorher noch zusammen beim Weihnachtsessen. Ein schweres Thema. Vermutlich würde ich meine Kinder einfach fragen.

  3. Julia on 3. Dezember 2019 at 11:37 geschrieben

    Ich finde ein offenes Gespräch mit allen Beteiligten ganz wichtig. Jeder Mensch geht doch anders mit dem Thema Tod und Sterben um und da soll jeder seinen Weg finden und gehen können.

    Als mein Opa relativ plötzlich starb, ich war gerade Studentin, bin ich mit meiner Mutter ins Krankenhaus und habe ihn dort nochmal gesehen. Für mich war das nicht schlimm und ich konnte mich persönlich nochmal von ihm verabschieden. In diesem Moment war ich ihm nochmal sehr nah und es war für mich ein sehr inniger Moment. Wahrscheinlich da mein Opa ein liebevoller aber eher reservierter Mensch war. Ich habe diese Bild neben vielen anderen von ihm und das ist für mich wunderbar, da es das Gesamtbild um eine Facette erweitert.

    Als mein Vater letztes Jahr nach längerer und heftiger Krankheit starb, war es ganz anders. Ich hatte eine ganz besondere letzte Zeit mit ihm erlebt, sein Sterben soweit es mir (nach äußeren Bedingungen (kleine Kinder, geographische Distanz)) möglich war begleitet. Diese letzte Zeit ist für mich zu einer ganz besonderen, wichtigen und intensiven Erfahrung und Erinnerung geworden. Wir waren alle (soweit man das sein kann) auf seinen Tod vorbereitet. Als er dann starb, konnte ich leider nicht schnell genug vor Ort sein und meine Mutter entschied, dass er aus dem Zimmer gebracht werden konnte. Sie meinte es gut und entschied für sich richtig und für uns mit. Anfangs war ich sehr traurig, dass ich nicht mehr von seiner „Hülle“ Abschied nehmen konnte. Es hätte mir diesen Einschnitt in meinem Leben glaube ich nochmal greifbarer gemacht. Mittlerweile habe ich meinen Weg gefunden, damit umzugehen wie es nun mal ist, bzw. war.

    Sterben, Tod und Trauer sind so individuell unterschiedlich, dass sich pauschale Aussagen und Ratschläge einfach nicht formulieren lassen. So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich das Sterben, so unerschiedlich der Umgang damit. Bloß Berührungsängste mit dem Thema sollte man nicht haben, es betrifft uns schließlich wirklich alle.

    Ach und die Kinder (damals 6 Jahre und jünger) haben sich im Krankenhaus immer unwohl gefühlt. Ich hätte sie trotzdem entscheiden lassen, ob sie sich nochmals vom toten Opa verabscheiden wollen und denke, einer wäre mitgekommen, die anderen nicht. Die Kinder haben sich bei der Beerdigung im Friedwald für sie stimmig verabschiedet und auch dadurch, dass ich in meiner Trauer ganz offen bin und sie und ihre Trauer mit einbeziehe.

    Schön, dass du dieses Thema aufgreifst und in den Raum stellst. Ich persönlich finde es wichtig, dass man sich ihm immer wieder nähert. Denn auch der eigene Umgang damit ändert sich ganz sicherlich immer wieder im Leben.

    Ganz liebe Grüße,
    Julia

  4. Ann-Kathrin on 3. Dezember 2019 at 11:53 geschrieben

    Ich finde es schön, dass du auch diese Themen aufnimmst. Tod gehört zum Leben dazu, auch wenn er für die die zurück bleiben nicht einfach ist. Ich persönlich habe erst einen Menschen gesehen und es war mein Opa. Ich habe ihn kurz nach seinem versterben im Krankenhaus gesehen und dann waren wir noch einmal mit der ganzen Familie in der Leichenhalle. Ich muss sagen, e war sehr schön und im Nachhinein für mich auch sehr wichtig. Er war die wichtigste Person in meinem Leben und ich konnte bewusst von ihm Abschied nehmen, da ich gesehen habe, das er nicht mehr lebt. Ich wünschte mit im Rückblick, dass ich auch von anderen Menschen so Abschied genommen hätte….

  5. Jeannette Forster on 3. Dezember 2019 at 13:55 geschrieben

    Liebe Claudia
    Sehr spannend, war vergangen Montag auf einem Vortrag zu genau dem Thema. Schau mal rein bei http://www.trauer-go-on.ch die liebe Nicole hat ihren Mann verloren und ist Mama von drei Kindern. Zum Zeitpunkt des Todes war das jüngste gerade mal Eins. Sie hat sich spezialisiert auf dem Gebiet Trauerbegleitung und ich kann Sie wärmstens empfehlen.

    Meine Mutter, ursprünglich aus Holland, hat uns den Umgang mit dem Tod auf „holländische“ Weise mitgegeben. Der Tote wird zu Hause aufgebahrt und jeder der möchte und kann, darf sich persönlich verabschieden. Dank dieser Kultur, ist der Tod für mich nichts schlimmes. Logisch ist der Abschied von geliebten Menschen immer sehr schwer und tut weh und doch ist die „Hülle“ noch da und ich kann mit dem Toten noch „reden“ noch etwas sagen.

    Was Sie uns am Vortrag auch mitgab, Kinder können indem Sie eine Hand, Bein berühren fühlen, dass der Mensch kalt ist. Oma, Opa, Tante Onkel schlafen nicht, die kommen nicht wieder.

    Schön, hast du das Thema aufgenommen

  6. Hallo Claudi,
    ein sehr wichtiges Thema und mit Sicherheit gut, wenn man sich schon beizeiten darüber Gedanken macht, da man ja nie weiß, was passiert. Trotzdem ist das was man tut ja nicht in Stein gemeißelt und kann je nach Situation entschieden werden.
    Wir hatten leider in den letzten Jahren mehrere lieb gewonnene Menschen verloren. Schon deshalb war das Thema immer präsent. Ich habe meine Mama sehr früh hergeben müssen und habe sie ganz alleine noch einmal gesehen, weil ich gerade vor Ort war. Es war nicht schlimm, sie so zu sehen. Ich hätte mir jedoch mehr Einfühlungsvermögen des Krankenhauspersonals gewünscht. Der Tod ist so wie er ist. Mal eine Erlösung, mal fies, mal überraschend, mal vielleicht sogar herbeigesehnt und trotzdem schrecklich. Aber ich habe im Hospiz erfahren, dass der Abschied auch schön verlaufen kann. Und damit habe ich den Tod meines Opas weit weniger schlimm in Erinnerung, als den meiner Mama. Und ich meine damit nur diesen endgültigen Moment. Seitdem gehören Rituale für mich dazu. Wie das Öffnen des Fensters.
    Meine Kinder haben meinen Opa übrigens nicht mehr sehen wollen. Haben sich aber auch zwei Tage zuvor in seinem wachen Zustand, noch von ihm verabschieden können. Ich glaube, das war für sie realer. Sie haben aber sehr aktiv an der Beerdigung teilgehabt. Sie haben die Urne ausgesucht, die Sachen die Opa tagen sollte, ihm Bilder, Briefe, seine Talismänner und anderes mitgegeben und am Ende die Erde auf die Urne geschaufelt, bis nichts mehr da lag. Abschied kann also ganz vielfältig sein.

    Ich habe auch die Kommentare davor gelesen und war ein bisschen traurig, wie unterschiedlich die Erfahrungen waren. Um so wichtiger, den Tod in unser Leben miteinzubeziehen, damit wir im Falle eines Falles vorbereitet sind. Serh empfehlen kann ich allen den Blog https://www.sterbenueben.de/ Ich weiß gar nicht mehr, von wem ich den Tipp hatte. Von dir? Aber die Artikel sind wirklich gut. Eine echte Bereicherung.

    Liebe Grüße
    Claudia

  7. Rosie on 3. Dezember 2019 at 15:43 geschrieben

    Als meine Schwester vor 10 Monaten nach schwerer Krankheit sta, habe ich mich gegen meine Eltern durchgesetzt und bin mit meiner Tochter und meinem Neffen (beide 4) noch einmal zu meinem Elternhaus gefahren, in dem sie starb, um „tschüss“ zu sagen. Es war vor allem für die Kinder wichtig. Wir fanden in der Tür und haben aus der Ferne Abschied genommen. Die Kinder haben das gebraucht, um den Tod zu verstehen. Um überhaupt begreifen zu können, dass Mama/ Tante gestorben ist. So ein abstraktes Wort für Kinder; zu sehen, was es bedeutet, kann helfen zu begreifen. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung. Ein toter Mensch, der plötzlich einfach verschwunden ist, das ist glaube ich viel schwerer zu begreifen. Wir sind mit de Kinder sehr offen umgegangen. Haben alles erklärt, wie es wirklich ist und ich glaube, das kann auch viel Schrecken und Angst nehmen.
    Trotzdem denke ich, es kommt immer auf die Situation an. In unserem Fall war das wohl der richtige Weg.

  8. Nele on 3. Dezember 2019 at 15:49 geschrieben

    Liebe Claudia,
    ja, was für ein Thema, das mich und vor allem meine Kinder (9 und 6) schon recht früh direkt betraf.
    Als meine Schwiegermutter ins Hospiz ging, es war in diesem Fall klar, dass sie dort sterben würde, haben wir sie dort oft besucht. Die Kinder fanden es toll dort, sie gehen damit einfach so viel ehrlicher und klarer damit um. Wir waren immer offen was das Thema angeht. Als dann die Beerdigung kam, hat meine Tochter vor der Kirche gesagt: „Nein, da gehe ich nicht rein!“ und ich fragte warum, sie sagte: „Guck doch mal, Mama, alle sind schwarz angezogen und gucken auf dem Boden, das ist gruselig!“ Sie ist dann mit meinem Vater derweil Eis essen gegangen, erst als wir aus der Kirche raus waren, wollte sie noch mal den Sarg und die vielen Blumen sehen. Kurze Zeit später, bei der Urnenbeisetzung, durfte man neben der Erde kleine Blütenblätter mit ins Grab geben. Meine Tochter fragte dann kurzerhand den Pastor, ob wir sie nicht lieber in die Luft werfen können, das würde Oma viel lustiger finden. Das fand er auch und so tanzten meine Kinder über den Friedhof und warfen Blütenblätter in den Himmel, ein tolles Bild.
    Später starben zwei Uromas zu meinem Kindern innerhalb eines halben Jahres, zu beiden hatten sie einen guten Kontakt. Wir haben sie auch hier immer mitgenommen, wenn wir sie im Heim besuchten. Mein Sohn sagte zu einer von ihnen: „hier ist es wunderschön, hier kannst du in Ruhe sterben“
    Unfassbar wie direkt und klar Kinder dann manchmal sein können. Mir und meinem Mann hat es oft geholfen, dass die Kinder so realistisch mit dem Thema umgehen. Ich denke es ist wichtig Ihnen zum Teil die Entscheidung zu überlassen, ob sie jemanden noch einmal sehen wollen, es kommt natürlich auch auf den Rahmen und Umstände an.

  9. Jule on 3. Dezember 2019 at 21:17 geschrieben

    Liebe Claudi. Kennst du das Projekt: „Hospiz macht Schule“? https://www.hospizmachtschule.de
    Es handelt sich um eine Projektwoche an Grundschulen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer. Vielleicht ist es interessant für dich, auch, weil du ja selbst Lehrerin bist.
    Liebe Grüße Jule

  10. Gis on 3. Dezember 2019 at 22:57 geschrieben

    Danke, dass Du so ein wichtiges Thema aufgreifst, ein Thema, dass in unserer Gesellschaft mit soviel Schrecken und Abwehr besetzt ist.
    Wir haben vor 5 Jahren von meinen Vater Abschied nehmen müssen, und hatten vorher ein bewusstes Jahr Zeit, mit dem Abschied zu beginnen. Wir sind hinsichtlich unseres Einbindens der Kinder auch auf Unverständnis bei Außenstehenden gestoßen. Alle Enkel haben ihren Großvater oft besucht und wir haben altersgerecht, aber sehr offen mit ihnen über die Krankheit und den Tod gesprochen. Eines Tages ist mein Vater morgens nicht mehr aufgewacht und alle meine Geschwister sind angereist. Am nächsten Morgen haben wir mit einem Pfarrer Abschied genommen,immer noch zu Hause. Das war ein sehr schwerer und dennoch wunderschöner Moment für uns.
    Zur Beerdigung waren alle Enkel mit, meine 4jährige Nichte in ihrem schönsten rosa Kleid… November, Schneeregen, wir gehen von der Halle zum Grab und sie sagt neben mir: „Weißt du, eigentlich hat Großvater es gut – in seinem Sarg ist es warm und weich.“
    Kinder können mit dem Thema erstaunlicherweise recht gut umgehen, wenn wir auch ehrlich sind und sie an unserer Gefühlswelt, unserem Schmerz teilhaben lassen. Sie benennen Dinge so klar und direkt und ohne falsche Scham – für mich oft großer Trost von den kleinen Menschen.
    Als ich nur wenige Monate später eine Fehlgeburt hatte, haben wir auch das den Kindern nicht verheimlicht. Das Schöne daran ist, dass dieses kleine Wesen nun auch in den Herzen der Brüder einen kleinen Platz hat.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Sterben muss seinen Platz im Leben haben, dann verliert es seinen Schrecken. (Ich mag ja sehr gern Wolf Erlbruchs Buch „Ente, Tod und Tulpe“, meine Kinder auch…)
    Und nachdem ich das innerlich ruhig geschrieben habe, wische ich mir doch eine kleine Träne aus dem Augenwinkel – Trauer ist ein treuer Begleiter, sie schaut ab und zu mal nach dem Rechten…
    Liebe Grüße,
    Gis

    • Claudia on 4. Dezember 2019 at 22:48 geschrieben

      Waaah, Gis, was seid ihr bitte für Poeten! Schon wieder so ein guter letzter Satz!
      Vielen Dank für deine Gedanken!,
      ganz liebe Grüße,
      Claudi

  11. Elke on 3. Dezember 2019 at 23:29 geschrieben

    Hallo liebe Claudia, meine Mutti ist friedlich im Hospiz gestorben und ich habe das offene Fenster, die Kerze vor dem Zimmer und ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin zusammen mit uns Kindern im Zimmer der Mutti immer noch in einer guten Erinnerung.Ein dreijähriger Urenkel war mit auf dem Friedhof und kniete sich vor das Grab und sagte… Omi ist da drin. Ja..Auch das gehört zum Leben. Seine Mutti sagte mir später, sie hätte nicht gewusst wie sie es ihm sagen könne wo die Omi jetzt wäre.Darum hat sie mit ihm entschieden dass er mitgehe. Es gibt in der Trauer kein richtig oder falsch, da jeder anders empfindet. Liebe Grüße von Elke

  12. Christina on 4. Dezember 2019 at 00:09 geschrieben

    Hi!
    Wenn man Glück hat, kann man den Tod mit Kindern gut an einem Haustier oder Wildtier kennen lernen, bevor Menschen aus ihrer Umgebung sterben.
    Diesen Einstieg in das Thema fand ich für unsere Kinder sehr hilfreich. Immer wenn die Kinder ein totes Tier sehen, sprechen wir kurz darüber, dass es nun nicht mehr fressen und rumlaufen usw. kann und haben schon einige beerdigt, so dass auch das schon Mal erlebt wurde.
    Ich persönlich finde auch die Vorstellung hilfreich, dass Verstorbene nach dem Tod „im Himmel“ sind und auf uns aufpassen. Wer das nicht mag, kann vielleicht eine tröstliche Alternative finden.
    Abschied nehmen – in der Leichenhalle oder am Grab- gehört für mich auch dazu, man kann sich vielleicht vorher ein paar kindgerechte Erklärungen zu möglichen Fragen überlegen.
    Ein wunderbares Buch zu diesem Thema, vollkommen unverkrampft und vielleicht braucht man etwas schwarzen Humor, aber wir lieben es: Das platte Kaninchen von B. Oskarsson
    http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinderbuch/bilderbuch/das-platte-kaninchen/
    Grüße Christina

  13. Bea on 4. Dezember 2019 at 09:34 geschrieben

    Unsere Tochter war zehn Jahre alt, als die heissgeliebte, und bis heute vermisste, Oma durch einen Badeunfall ums Leben kam. Sie hat ihr einen Brief geschrieben und ihr in den Sarg gelegt. Der persönliche Abschied war ihr sehr wichtig. Bis heute (15 Jahre später) arbeitet sie am Schreibtisch von Oma und es gibt auch noch den ganz bestimmten Kopfkissenbezug. Seitdem sind schon mehrere Familienangehörige, Freunde und Bekannte gestorben, aber Oma bleibt die Einzige, von der sie sich persönlich verabschiedet hat.

    • Claudia on 4. Dezember 2019 at 22:43 geschrieben

      Wie tragisch. Aber wie schön, mit diesen Erinnerungen so gern zu leben.
      Danke für deine Geschichte!
      Alles Liebe,
      Claudi

  14. Karen-Kristina on 5. Dezember 2019 at 20:47 geschrieben

    Ausatmen…ich glaube, dass muss jeder für sich ganz individuell entscheiden. Meine Mama ist im März verstorben und unser 5 Jahre alter Sohn hat mitbekommen, dass es ihr immer schlechter ging. Kinder haben dafür ein gutes Gespür. Sie ist dann im Krankemhaus verstorben. Dort habe ich sie mir ein letztes Mal angesehen, Abschied genommen. Mein erster Gedanke? Das ist nicht mehr meine Mama. Sie war von ihrem letzten Kampf so sehr gezeichnet, wie eine leblose Hülle. Mein Sohn saß bei seiner Cousine im Warterraum und hat meine tiefe Trauer miterlebt (ich bin weinend zusammengebrochen). Irgendwie habe ich in diesem Moment entschieden, dass dieser Anblick ihn genauso verstören würde. Er hatte sie am Vorabend ein letztes Mal gesehen und sollte sie so auch in Erinnerung behalten. Zur Beerdigung durfte er mit. Es gab im Umfeld einige negative Kommentare, aber darauf hörten wir nicht. Während der (langen) Trauerfeier spazierte meine Schwägerin mit ihm über den Friedhof. Anschließend gingen wir gemeinsam ihren letzten Weg, verabschiedeten sie (an der Urne) und ließen zum Abschluss (für jedes Enkelkind) Luftballons steigen. Mein Sohn schloss damit seinen Frieden. Seine Omi lebt jetzt bei Frau Holle im Himmel. Wir hatten uns schon lange vorher mit dem Thema auseinander gesetzt. Irgendwann fragte er mich mal, wohin die Menschen gehen, wenn sie sterben und ich habe ihm einige (auch religiöse) Möglichkeiten aufgezählt & versucht, meine eigene Ansicht aussen vor zu lassen. Für ihn war der Himmel ein schöne Vorstellung und irgendwie brachte er mit Frau Holle zusammen. Er hat sehr mit mir gelitten und erst, als meine Trauer Stück für Stück weniger wurde, ging es auch ihm wieder besser. Es ist auch heute noch ein wichtiges Thema und er hat seitdem mit Verlustängsten zu kämpfen, aber ich versuche ihm immer wieder zu vermitteln, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Dass man keine Angst haben muss und immer Menschen um sich hat, die einem Halt geben und Liebe schenken.

  15. Lisa on 5. Dezember 2019 at 23:35 geschrieben

    Ich bin Ärztin und mache sehr gerne Sterbebegleitungen. Für mich schien es immer wichtig, zu „fühlen“, dass die Leiche tatsächlich nur noch eine Hülle ist, für mich war es einleuchtend, dass dies die den Tod greifbarer macht. Tatsächlich gibt es aber nicht wenige Menschen, die den Anblick eines Toten eher unangenehm finden (sicher auch, weil es eben nicht mehr selbstverständlich Teil unserer Kultur ist). Es gibt also noch nicht einmal für Erwachsene “ den“ Weg, also sicher auch nicht für Kinder. Ich denke, dass Offenheit in Bezug auf dieses Thema sehr, sehr wichtig ist, denn vielleicht mag ein Kind am Totenbett Abschied nehmen, obwohl Mama diesen Gedanken ganz furchtbar findet. Und ich denke nicht, dass ein „normaler“ Toter ein Kind traumatisierten kann, solange das Kind jederzeit alle Parameter wählen darf (ob es das ehen möchte, wie lange es bleiben möchte, wie nah es heran möchte,…). Im Gegenteil, insbesondere für Kinder kann der direkte Abschied ein ganz wichtiger Teil der Trauer sein und ihr mitunter sehr pragmatisch-direkter Umgang damit ist oft verblüffend!
    Ich finde Rituale in diesem Zusammenhang etwas wunderschönes, wie z.B. das Öffnen des Fensters, um die Seele heruszulassen.

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