Ich sitze abends zuhause auf dem Sofa, Kerze an und fragte mich, warum ich nicht feiern kann. Den kuscheligen Winter, mich, uns, das Leben, eine Folge Lieblingsserie – was auch immer. Ich habe alles, was ich immer haben wollte: mehrere Kinder, tollen Mann, tolles Haus, einen Job, der mir die allermeiste Zeit über Spaß macht. Ich habe doch alles. Genau in diesem Moment wird mir klar, dass genau das das Problem ist…
Angst haben, dass etwas passiert
Nach alles haben kommt nicht mehr mehr. Klar, oder? Danach kommt bloß eins (oder zwei, oder drei?) Dinge nicht mehr haben. Ich spürte, dass ich vor lauter Grübeln so oft auf Sparflamme feierte. Beziehungsweise gar nicht feierte. Dass es mir schwer fällt abzuschalten und einfach zu genießen, weil ich Angst habe, etwas von dem zu verlieren, was mich glücklich macht. Vielleicht habe ich zu viele Seifenopern geguckt, um zu glauben zu wissen, dass alles nicht lange gut gehen kann.

Und was mache ich also? Ich sitze da, in Lauerstellung, und passe auf, dass ich nicht feiere, damit es eventuell nicht ganz so weh tut, wenn ich aus irgendeinem Grund nicht mehr feiern kann. Manchmal verfluche ich meine Fantasie für all die Independent-Filme in meinem Kopf. Verfluche mein Texter-Hirn für all die schrecklichen Titelzeilen. Boulevard-Zeilen.

Fakt ist: Ich habe die Angst mitgeboren. Sie flutschte mit einer schmerzlosen Wehe heraus, ich schätze mal zwischen Sohn eins und Nachgeburt. Sie wächst rasend schnell, schneller als jedes meiner Kinder. Als ich im Wochenbett lag, mich winzig klein fühlte neben meinem winzig kleinen Sohn, ihn quasi ohne Pause ängstlich bewachte, mich hilflos und unfähig fühlte, fragte ich meine Mutter: „Jetzt sag doch mal, wann hört sie denn auf, diese eklige Angst?“

„Nie!“, meinte meine Mutter. Sie hatte die Stirn in Falten gezogen. Aber sie lächelte.

An diesem Abend saß ich wieder da, blickte raus in die Dunkelheit und sah mich in der spiegelnden Fensterscheibe. Ich sah sie mir im Spiegelbild an, meine Sorge um meine Söhne, meinen Mann, meine Eltern. Wenn einer von ihnen sich nicht fühlt, denke ich sofort, es könnte etwas Furchtbares sein. Wenn einer nicht anruft, textet meine Kopf Titelzeilen in fetten Buchstaben. Ich sitze da und spüre die Sorgen in meinem Bauch, die dort schwerer herum liegen, als die Packung Marzipan neben mir. Die ich nicht essen mag vor lauter Sorgen machen.

Und plötzlich denke ich: Was für ein Blödsinn. Ich atme die Angst raus. Ich schmeiße sie raus aus meinem Kopf. Ich lasse sie nicht zu. Ich denke: „Ne komm, lass mal.“ Ich zünde noch eine Kerze an, schiebe mir ein Stück Marzipan in den Mund und feiere. Allein die Tatsache, dass ich ein wenig Zeit für mich habe.

Ich denke: Sich sorgen ist okay, gehört dazu, wenn man liebt. Aber mich auffressen lassen, von diesen Biestern, ist nicht okay. Das ist Quatsch.

Muss ich mich gerade in der dunklen Zeit immer mal wieder dran erinnern. Ihr euch auch?
Eine schöne Woche,

Claudi