Es ist nicht so, dass es mir gerade an Ansprache fehlt. Seit einem Jahr bin Motivationscoach, Lehrerin, Köchin, Spielbuddy, Bootcamptrainer und Seelsorgerin in Personalunion. Kurz: Mama mal drei in Pandemiezeit. Und eben nicht nur mit all meinen Fragen, Ideen und Sorgen befasst, sondern auch mit denen der anderen. Die sie in einem dauernden Plapperstrom an mich richten: „Was-gibts-zu-essen?-Muss-ich-wirklich-jetzt-Hausaufgaben-machen?-Wann-ist-das-blöde-Corona-endlich-vorbei-und-warum-soll-ich-mein-Zimmer-aufräumen…?!“ Man sollte meinen, Stille wäre derzeit mein liebster Daseinzustand. Aber erstaunlicherweise höre ich gerade wahnsinnig gern anderen beim Reden zu.

Hauptsache, von mir ist nicht sofortiger Handlungsbedarf gefordert. Hauptsache, ich hab einen Moment Ruhe vor meinem eigenen Leben. Hauptsache, andere haben mal gute Ideen und Lösungen parat. Dafür eignet sich für mich gerade nichts besser als Podcasts hören. Kopfhörer auf – und Abtauchen. Kommt ihr mit?

Verstehen, fühlen, glücklich sein

Mein absoluter Favorit ist derzeit der Achsamkeits-Podcast von Sinja Schütte (Chefredakteurin der FLOW) und dem Neurowissenschaftler Dr. Boris Bornemann. Es geht um die großen Themen im Kleinen: „Was ist Freiheit?“, „Familie – wie sie uns prägt“ oder meine absolute Lieblingsfolge „Hilfreiche Gedanken in dein Leben lassen“. Die beiden sind ein ziemlich gutes Plauder-Paar, das charmant und dennoch fundiert wichtigen Fragen unseres Lebens nachgeht – unter alltagskompatiblem und wissenschaftlichem Radar. Ich höre das gern auf gemeinsamen Autofahrten mit meinem Mann: Anschließend haben wir immer viel Redestoff. Und mindestens eine schlaue Idee, die wir im Familienkontext ausprobieren ewollen. Auch gut: Die einzelnen Folgen haben jeweils nur eine halbe Stunde Laufzeit – das kriegt man immer irgendwo unter.

Unangepasst

An Matze Hielscher kommt man im Podcast-Universum einfach nicht vorbei – aus gutem Grund! Der Host von „Hotel Matze“ (der Podcast-Klassiker) hat nicht nur diese unfassbar sexy Stimme. Er ist vor allem auch ein verdammt guter Interviewer. In diesem Podcast trifft er auf Gäste, die alle auf ihre Art unkoventionell sind – wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer Ethnie, wegen körperlicher Einschränkungen. Oder eben Ungeniert, Ungesehen, Undefinierbar, wie die Folgen unter anderem heißen. Ich mag sehr, dass er sich nicht so aufgedreht an seine Interviewpartner ranwanzt, sondern seinem Gegenüber ruhig und beharrlich dessen Leben aus der Nase zieht. Und er hat diese unfassbar sexy Stimme. Erwähnte ich das schon…?

Fest und Flauschig

Ich weiß, ich weiß: Kein bisschen neu, dieser Laber-Podcast mit Jan Böhmermann und Olli Schulz. Aber immer noch, immer wieder herrlich. Den beiden zuzuhören, ist wie früher Kiffer-Gesprächen auf Partys zu folgen: Manchmal genial, meistens gaga, aber auf eine gute Art. Und immer sehr, sehr amüsant. Wenn auch häufig an der Grenze zu Pimmelhumor, das muss man mögen. Ersetzt vielleicht auch gerade die zufällig belauschten Nonsens-Gespräche, die man v.C. (vor Corona) häufiger in Bars oder der Bahn mitschnitt. Kann ich gut hören, wenn ich gerade eine Auszeit vom Familienleben brauche. Mit dem Vorschlaghammer, weil: sensibel ist hier nicht.

Die Lösung

Psycho-Podcasts sind gerade hoch im Rennen, vermutlich nicht nur bei mir. Therapie to go, sozusagen. Mag daran liegen, dass es in unser aller Leben gerade häufiger kracht und knirscht. In diesem Podcast des Bayrischen Rundfunks navigieren uns Diplom-Psychologin Lena Schiestel und Moderatorin Verena Fiebiger durch das Wirrwarr unser Emotionen – von Prüfungsangst bis Quarterlifecrisis. Wie wir damit umgehen ist natürlich hochgradig individuell. Und dennoch werden im Laufe jeder Folge eine oder mehrere ganz praktische Lösungsoptionen skizziert. Zudem gibt’s alle paar Wochen eine kurze Coaching-Folge. Was ich gerade gehört habe: „Die Externalisierungs-Technik“ – darüber, wie man nicht mit einem Problem verschmilzt. Sehr inspirierend!

Netflixwoche

Manchmal brauche ich ganz banalen Input. Dafür, was ich mir abends auf der Couch reinziehen will. Und wenn keine Freundin neuen Stoff hat, dann ist dieser Podcast mein neuer Streaming-Dealer. Weil: Netflix ist ein verdammter Dschungel. Und oft fehlt mir am Ende des Tages die Energie, mich selber durch die Untiefen der Serienempfehlungen zu schlagen. Jörg Thadeusz und Hadnet Tesfai erledigen den Job gern für mich – und präsentieren ihre neuen Highlights und coole Klassiker. Hätte ich ohne Empfehlung nie angefangen, hat mich jetzt total im Bann: Die Mini-Serie „Die Schlange“ über ein mörderisches Hippie-Pärchen in den 70er-Jahren. Sehr düster, stylish, spannend.

Über Morgen

Wenn ich mal wieder im Hier und Jetzt feststecke, tut es gut, nach vorn zu schauen. Dieser Podcast macht das formal zum Konzept:  „Was bedeutet Heimat morgen?“, „Wie wollen wir morgen mit Sprache umgehen“ und – gerade inhaliert – „Was brauchen Familien morgen?“ mit der großartigen SZ-Kolumnistin Teresa Bücker. Schlaue Gedanken zu Themen, die uns viel mehr beschäftigen sollten, denn: Irgendwann gibt es ein Leben nach der Pandemie, dessen Horizont weiter ist als der vom zigten zum nächsten Lockdown. Und diese Welt gestalten wir – für uns und unsere Kinder. Tut gut, weil es daran erinnert, mal wieder über den gerade arg beschränkten Tellerrand zu schauen!

ELTERNgespräch

Wann mich ein Podcast richtig fesselt? Wenn die Chemie stimmt. Zwischen den Plauder-Parteien. Und mir. Das Thema passt bestenfalls auch. In der Folge „Kopfkino für alle! Die schönsten Kinderbücher!“ kommt all das für mich aufs Schönste zusammen: ELTERNgespräch-Host Julia Schmidt Jortzig und Kinderbuch-Fan Christine Knödler, die sich gemeinsam über die vorgestellten Bücher amüsieren. Sich in Anekdoten verlieren und so einen spürbaren Spaß an der Sache haben, das ich all ihre Empfehlungen haben wollte, auf der Stelle. Auch sonst finde ich hier immer wieder Themen, die mir gerade unter den Nägeln brennen – wie allen Eltern eben: „Mehr Ich in all dem Wir“, „Raus aufs Land?“, „Homeschooling – Praktische Tipps“. Nach jeder Folge stürze ich mich immer neu motiviert in den Irrsinn, der sich Familie nennt.

The IKEA Audio Catalog

Kein Witz: Wer den IKEA-Katalog vermisst, kann ihn jetzt als Podcast hören. Von „Nesting in progress“ bis „How to have fun & get things done“ liest uns eine muntere Frauenstimmen unsichtbare Bilder aus der heilen IKEA-Welt vor. Das klingt dann ungefähr so: „Chapter 13. Pages 264 to 275. We’re in a bride and colorful kids playroom with a laughing kid right in the middle sitting on a mat. I get happy just looking at this…“ O-kay. So sehr trauere ich dem Magazin des Möbelgiganten dann doch nicht hinterher. Aber für ein paar Minuten amüsiertes Kopfschütteln und Bilder assozieren reicht’s…

Und – habt ihr noch gute Podcast-Tipps? Ich bin gespannt!

PS: Hier hat Claudi ihre liebsten Folgen zusammengestellt.

Alles Liebe,

Katia