Als mein Sohn das erste Mal fragte, ob er mitjoggen dürfte, reagierte ich ziemlich unsportlich. Ich glaube, ich seufzte laut. Ich laufe seit einiger Zeit wieder regelmäßig, meistens morgens, wenn ich die Kinder zu Schule und Kita gebracht habe und bevor ich mich danach an den Schreibtisch setze. Es ist meine Chance, den Kopf frei zu kriegen, ich höre dabei entweder einen Podcast – oder Vogelzwitschern. Und die Vorstellung, diese Ruhe aufzugeben, fand ich ziemlich doof. Doch dann…

…war da natürlich der Gedanke: „Was für eine Ehre, dass mein großer Sohn mit mir laufen will. Wer weiß, wie lange er das noch möchte. Und hey, nur mal eine halbe Stunde er und ich – was für ein Geschenk!“ Ich ließ das Handy zuhause und wir liefen los.

Ich habe eine Freundin, die macht tatsächlich immer Yoga mit ihrer Tochter. Erst eine Viertelstunde Kinderyoga, dann eine Einheit für Erwachsene. Sie muss beim ersten dringend mitkichern und Quatsch machen, die Tochter muss beim zweiten dringend den Mund halten. Darf mitmachen, oder gehen – beides mit Kicherverbot. Meine Freundin schwört, dass es sich hinterher richtig nach Sport anfühlt. Nicht bloß nach ner Kindernummer.

Eine andere Freundin, alleinerziehend, nutzt die Fahrradrunde um einen kleinen Stadtteich als Joggingrunde, während ihr kleiner Sohn Fahrrad fährt. Er macht fünf Runden um den See und ist irre stolz – sie nassgeschwitzt und fertig.

Eine andere Freundin geht mit allen drei Kindern jeden Tag reiten. Erst reiten die Kinder, dann spielen die auf dem Hof – und sie dreht eine Runde.

Ich bin am Anfang mit meinem Sohn ein wenig langsamer gelaufen, als ich es sonst mache. Habe auf der Brücke nicht ganz so genüsslich gedehnt, weil wir über irgendwas zusammen gelacht haben. Inzwischen laufe ich genauso schnell wie sonst. Statt Podcast höre ich meinen Sohn. Ich habe mich ihm schon lange nicht mehr so nah gefühlt, wie auf diesen Joggingrunden. Es tut jetzt uns dreien gut: meinem Sohn, meinem Body und mir.

Treibst du mit deinen Kindern Sport? Oder lieber allein?

Claudi