Dienstags-Diskussion: Gibts das wirklich, einen Urlaubs-Blues?

Jul
17/18

Ich höre die Grillen zirpen, während ich das hier schreibe. Die Sonne malt harte Kanten auf unsere riesengroße Ferienhausterrasse und die Kinder spielen „Vier gewinnt“. Sogar friedlich. Ich kann gar nicht mehr glauben, welche wirren Gedanken ich gestern hatte. Und wollte bloß mal wissen: Kennt ihr das auch, so einen Urlaubs-Blues…?
Familienurlaub, Reisen mit Kindern
Irgendwie hat es mich ans Wochenbett erinnert. Ihr wisst schon, Kind ist da und gesund und wunderschön und alles ist gut – und du liegst im Bett und weinst. Okay, im frisch entbundenen Körper sind es die Hormone. Aber im Urlaubskörper? Was ist es da, was mich relativ sicher am dritten Tag melancholisch und ja, tatsächlich traurig werden lässt. Ganz besonders auf unserer langen Reise im Sommer.

Ich könnte weinen über meinen leichten Sonnenbrand, den wilden Abendbrottisch nach dem Grillen, für den sich keiner zuständig fühlt, außer ich. Ich könnte weinen über das Baby, das beinahe kein Baby mehr ist, aber permanent an die Brust will (und bald vielleicht nie mehr wieder, was mir auch nicht passt). Über einen kleinen Trotzkopf, dem ich zwar morgens in der Dämmerung das Müsli machen darf, den ich aber zur Zeit nicht mehr trösten darf. Über all das Testosteron, das hier manchmal durchs Haus und am Strand entlang saust, dem es nicht wild genug sein kann – und ich steh manchmal daneben, schaue beim Sausen zu und fühle mich wie eine Außerirdische auf dem Planeten Sausewind.

Vielleicht liegt es an der vielen Zeit zum Nachdenken? Am Runterkommen nach dem wilden Alltag? Am Alltagswahnsinn, den man mit vier Kindern zwangsläufig auch mit in den Urlaub nimmt? Nachdenkhormone? Ausruhhormone? Urlaubswahnsinnshormone?

Verrückt: Heute bin ich aufgewacht und alle trüben Gedanken waren wie weggeblasen. Wie ein ordentlich auskurierter Urlaubskater. Ich sitze mit einem Kaffee auf dem Außenbett und lausche den Grillen, den spielenden Kindern und freu mich auf den Tag – was immer wir auch Wildes mit ihm anfangen.

Und ich frage mich, kennt ihr das auch, so einen Urlaubs-Blues?

Liebe Grüße von Korsika,

11 Kommentar zu “Dienstags-Diskussion: Gibts das wirklich, einen Urlaubs-Blues?

  1. Tatjana on 17. Juli 2018 at 12:26 geschrieben

    Ohhhh ja! Wie wahr!!! Das Supergefühlschaos, das sich im wilden Karusell dreht und sich anfühlt wie Achterbahnfahren kenne ich auch. Immer dann, wenn ich mal runterkomme, einen Gang zurückschalte… Schön, dass ich mit diesem Hormonflash wohl doch nicht alleine bin 😉 Ich wünsche euch eine wunderschöne Sommer-Urlaubszeit und lasst wieder von euch lesen! Tatjana

  2. Christiane on 17. Juli 2018 at 12:36 geschrieben

    Uiuii, den Urlaubsblues kenn ich! Im Juni waren wir zu Gast in „eurem“ Le Caldane und so schön es dort war und so sehr ich es genossen habe (ich sag nur Frühstück inklusive! Was für ein Luxus!), hat’s mich irgendwie trotzdem erwischt: zu fünft in einem Zimmer, Kinder laut und wild, Bad ein bisschen eng, überall aufgeblasene Schwimmtiere und -flügel und nasse Badeklamotten, die nicht trocknen, abends mit Baby im Bett statt mit Wein im Sonnenuntergang…Ich war plötzlich total schlecht drauf. Ich glaube, bei mir ist es am ehesten das Zuviel auf einmal, das mich eine Zeitlang überfordert. Die ganze Familie zusammen, so viel Zeit miteinander, unbekannte Umgebung, sich Eingewöhnen. Eigentlich alles total schön, aber trotzdem. Ein Luxusproblem? Bestimmt. Trotzdem doof.

    Im August geht’s in unser Ferienhaus nach Mittelitalien, das kennen und lieben wir. Ich teste mal, ob der Blues dort ausgetrickst werden kann 🙂

    Alles Liebe und eine schöne Zeit auf Korsika ♡
    Christiane

  3. E on 17. Juli 2018 at 13:41 geschrieben

    Lass die Männer mal 2 Stunden alleine wikd sein. Mit Baby. Du brauchst schließlich neue Schuhe.
    PS ich kenne den Blues auch. Oft holt er nich Sonntag morgens nach den Frühstück ein. Wenn es eigentlich gemütlich und langsam sein sollte. Aber uneigentlich eben nicht … liebe Grüße!

  4. Katie on 17. Juli 2018 at 16:45 geschrieben

    Ach weißt du, liebe Claudi, dazu braucht man noch nicht mal so eine große wilde Bande! Ich habe gerade zwei Monate einfach Freizeit aufgrund eines Jobwechsels und man denkt: Jaaa endlich ganz viel Zeit, jetzt mache ich alles was ich schon immer machen wollte!! Pustekuchen! Stattdessen die erste Zeit ein komisch bedrückendes Gefühl, alle arbeiten, man selbst hat Zeit zum nachdenken, vertrödelt die Zeit und das hochersehnte Freiheitsgefühl tritt garnicht ein… Jetzt geht es schon besser, aber ja, ich kenne das 😉 Macht es euch noch schön!!! ☀️ Liebe Grüße, Katie

  5. Ringelrose on 17. Juli 2018 at 18:59 geschrieben

    Ja, genau jetzt gerade habe ich mich mit Urlaubsblues zurückgezogen und stoße auf deinen Blogbeitrag.
    Ich glaube, es sind die fehlenden Strukturen von zuhause, man muss sich neu erfinden, herausfinden,wo alles ist und wie alles geht, Verantwortlichkeiten neu aufteilen…wir kommen vom Strand, alle müssen duschen oder geduscht werden, sind hungrig und müde, überall nasse Sache, überall Sand…da muss man erst seinen Rhythmus wiederfinden, damit der Blues einem schönen Sommersong weichen kann.

  6. Kathi on 17. Juli 2018 at 20:36 geschrieben

    Hallo Claudi,
    ja den kennen wir hier auch diesen Blues, der einen plötzlich überkommt und der manchmal alle erwischt. Meistens am zweiten Urlaubstag 🙄. Ein anderes Phänomen ist allerdings „der Konfliktetag“ vor der Abreise. Erst heute wieder da gewesen 😬. Alle sind angespannt. Die großen und die kleinen Leute und dann knallt es. In der Hoffnung, dass die Anreise dann morgen besser läuft und alle die Vorfreude nochmal spüren können.
    Euch noch einen schönen Urlaub 😊!

  7. AnjaSchpunkt on 17. Juli 2018 at 22:45 geschrieben

    Ich sitze gerade mit Baby an der Brust im Auto während die Kinder im Wohnwagen toben obwohl sie seit einer Stunde schlafen sollen. Nach 8 Stunden Fahrt, schlechtem Schlaf und mit überdrehten Kindern mag sich so gar kein Urlaubsgefühl einstellen, schon gar keine Erholung. Aber morgen wenn die Sonne aufgeht und der Kaffee draußen vor dem Wohnwagen wartet, ich weiß zum Glück dass die Welt da wieder anders aussehen wird.

  8. Regina on 18. Juli 2018 at 11:45 geschrieben

    Kenne ich, kenne ich … nur weil Urlaub ist, lässt einem der Kopf ja nicht los und so ist das nun manchmal – aber der nächste Tag ist dann wieder ganz anders, das ist das Gute dran!
    Schönen Urlaub noch!

    Regina

    PS.: ich hab mich in dein wunderschönes Kleid verliebt!!! … wo bekommt man sowas? bitte & danke

  9. Liebe Claudi,
    ja, kenne ich. Wir waren ja letztens vier Wochen in Kanada und davon 9 Tage im Camper unterwegs. Irgendwann sind wir uns da gegenseitig auf den Senkel gegangen, weil einfach alles so eng und dreckig war. Egal wie oft ich gefegt habe, 5 Min später war wieder alles voll. Und das Baby konnte man nirgendwo absetzen ohne es rund um die Uhr zu beobachten. Gott sei dank kam dann das traumhafte Ferienhaus und alles war wieder gut.
    LG Steffi

  10. Steffi Feldmann on 12. August 2018 at 22:45 geschrieben

    Liebe Claudi,

    wie schön, dass du das geschrieben hast. Mir ging es diesen Sommer wiedermal ebenso wie dir…und ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen bzw. überlege, ob ich nicht richtig genießen kann. Viele Freunde und Bekannte kommen aus dem Urlaub zurück und erzählen, „Es war traumhaft“. Dann kommt es wieder dieses Gefühl und ich denke darüber nach, ob ich unseren Urlaub als „traumhaft“ bezeichnen würde. Komme dann schließlich zu dem Ergebnis, das es ganz viele traumhafte Momente und auch Stunden gab, aber eben auch viele anstrengende, chaotische und laute…so wie es in unserer fünfköpfigen Familie eben ist 😊! Im Nachhinein bleibt aber dieses grandiose Urlaubsgefühl und ich freu mich auf den Nächsten!

    Liebe Grüße
    Steffi

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