Normalerweise ist es bei uns kein Thema mehr, dieses vier Jungs-Ding. Nachdem ich eine Weile wirklich traurig war, dass ich keine Tochter habe, ist es jetzt wie es ist. Und es ist gut. Sehr gut. Tatsächlich denke ich überhaupt kein bisschen darüber nach im Alltag. Denke nicht, dass ich vier Söhne habe, sondern, dass ich vier Kinder habe. Alle komplett unterschiedlich. Und ich würde keinen von ihnen gegen ein Dutzend Mädchen eintauschen…
Jungsmama, Söhne, Schwiegermutter
Doch gestern morgen, bei meiner Online-Zeitung- und Kaffee-Halbenstunde, war da plötzlich seit langer Zeit mal wieder ein Moment, der mich nachdenklich gemacht hat. Ich nenne ihn jetzt mal einen „Gilmore-Girls-Moment“, also ein kurzer Anflug von Enttäuschung, weil mir etwas eingefallen ist, was eben doch nur mit einer Tochter geht. Kichernd in rosa Pyjamas mit Gesichtsmaske Fußnägel lackieren zum Beispiel. (Habe keinen rosa Pyjama und keine pinken Fußnägel. Aber egal.)

Dieses Mal ging es um etwas wirklich wichtiges, ich hatte ich in der New York Times über den „Maternal Grandparent Advantage“ gelesen. Der besagt, dass Töchter ein besseres Verhältnis zu ihren Eltern haben, sie öfter sehen und die Eltern daher später auch mehr Zeit mit den Kindern von Töchtern verbringen als mit denen von Söhnen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass es in den allermeisten Familien die Frauen sind, die Verabredungen und Urlaube organisieren, Einladungen zu- oder absagen und Geschenke planen. Frauen sind in der Regel aktiver im darin, Beziehungen zu pflegen, hat man also eine Mutter und eine Tochter, wird von zwei Seiten aktiver an der Beziehung gearbeitet.

Wie ist es bei Söhnen? Eine große Rolle spielt hier laut Times-Artikel die Frau an der Seite des Sohnes. Sie ist es, von der die Beziehung zu Eltern und Enkeln abhängt. Ich habe eine ganze Weile deprimiert darüber nachgedacht. War alles, was ich tun konnte, also bloß Daumendrücken für willige Schwiegertöchter?

Ein bisschen versöhnt hat mich, dass der NYT-Artikel noch andere Gründe für regelmäßige und gute familiäre Beziehungen aufzeigt: ganz simple, wie räumliche Nähe zum Beispiel, die Arbeitssituation von Eltern und Großeltern und auch Geld. Wer finanziell gut da steht, kann räumliche Trennungen öfter für Besuche überwinden. Dann ein neuer Stich in der Magengegend: Im Artikel wird Doktor Arthur Kornhaber zitiert, ein amerikanischer Kinderpsychologe, der betont, dass „die Bindung zwischen einer Frau und ihrer Mutter tatsächlich besonders tief ist, das sei einfach menschlich.“ Aber auch sagt, dass er nicht ausschließe, dass das ein kultureller und kein biologischer Fakt sei. Sprich: mit viel Liebe und aufgebrochenen Geschlechterstereotypen könnte sich das ändern.

Dr. Kornhaber nutzt für Familie das Bild einer Pyramide. Unten eine breite, feste Basis der Großelterngeneration, darüber die junge Familie und die Enkel. Je fester die Basis unten sei, sprich je liebevoller und verständnisvoller die Großeltern mit den Jungen umgingen, sie schätzten, stärkten und unterstützten, desto kräftiger stehe die Familienpyramide da. Desto vertrauter sei der Umgang der Menschen darin miteinander. Ich mag das Bild. Ich mag gern in die Basis investieren und so an eine gute Beziehung zu meinen Kindern (und hoffentlich auch Enkelkindern) glauben.

Zu guter Letzt ist mir meine eigene Familie eingefallen. Ich musste kurz lachen, über all meine trüben Gedanken – manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wir wohnen schließlich direkt neben meinen Schwiegereltern, meine Schwiegermutter sieht unsere Kinder allein aus räumlichen und zeitlichen Gründen viel häufiger als meine Mutter. Der Grund dafür: reiner Zufall. Aber: Meine Schwiegermutter hat auch fantastisch gearbeitet an der Basis, mein Mann schwärmt heute noch davon, wie er als Sechzehnjähriger mit seiner Mama abends oft draußen saß, mit einem Glas Wein und einem winzigen Schluck Wein und sie sich stundenlang unterhalten haben. Mein Mann macht bei uns übrigens mindestens genauso viele Verabredungen mit Freunden und Familie aus wie ich. Und er telefoniert viel lieber.

Schön, dass heute alles möglich ist.

Was denkt ihr darüber? Gibt es einen Töchtervorteil im Bezug auf Enkel? Glaubt ihr, dass die meisten Mädchenmütter ihre Enkel öfter sehen? Wie leicht fällt euch der Umgang mit eurer Schwiegermutter? Und zu welchen Eltern habt ihr mehr Kontakt?

Ich hoffe auf eine spannende Dienstags-Diskussion,
alles Liebe,

Claudi