Stell dir vor, du (mittelalt) wachst morgen in einem Bett mit deinem Mann (ebenfalls mittelalt) auf – und einer hat schrecklich geschwitzt. Was glaubst du, wer es ist? Nein, es ist nicht die Frau und der perimenopausale Nachtschweiß. Er war’s… Ich habe letztes einen Artikel über die Wechseljahre bei Männern gelesen und finde es so spannend…
Ich muss euch was beichten. Ich finde es super wichtig, dass ganz viel über die Wechseljahre (natürlich der Frau) gesprochen wird, ich habe wahnsinnig viel durch die mediale Berichterstattung (und auch Instagram) gelernt. Das ist toll und wichtig. Inzwischen fühle ich mich gut aufgeklärt, mein Algorithmus haut mir weiter alles dazu vor die Augen. Und jetzt ist es wie so oft bei mir, vermutlich ist das ein Journalistinnen-Ding: ich bin gelangweilt. Ich lese mich gern in ein Thema ein, recherchiere wie verrückt, denke es durch, dann bin ich durch damit.
Ich hatte angefangen, mich nur noch nach Perimenopause zu fühlen. Nur noch nach Problem. Das ging mir auf den Keks.
Seit ich weniger drüber nachdenke, hab ich weniger Symptome, ehrlich war. Ich habe bewusst aufgehört, auf Instagram diese Nische mitzubedienen. Vermutlich bin ich eine schlechte Content Creatorin, weil mir eine Nische immer schnell zu eng wird (vielleicht mögen mich meine Followerinnen aber auch gerade deshalb, hoffentlich.)
Auf jeden Fall macht es mir gerade mehr Freude, online zu zeigen, was alles möglich ist mit Ende 40: Jobs, reisen, Partys. Ätsch, fast alles. Wie schön das Leben ist. Dass es mehr ist als Schlafstörungen. Das tut mir persönlich auch besser, als ständig über die Hitzewallungen nachzudenken, die ich ab und zu habe.
Jetzt aber zurück zu den Hitzewallungen, die nicht ich hatte.
Könnte natürlich sein, dass mein Partner die bloß hat, weil er krank wurde, oder sich sorgte. Beides kommt öfter vor in letzter Zeit. Seit ich auch noch diesen Artikel gelesen habe, könnte es aber auch bei ihm an den Wechseljahren liegen, an der “Andropause”, also den männlichen Wechseljahren, ein Begriff, den ich vorher noch nie gehört hatte, ihr? Hinter dem Begriff stecken die griechischen Worte für “Mann” und “Ende”. Holla, klingt übel, oder? (Aber zumindest irgendwie gleichberechtigt).
Oft hab ich während meiner Recherche auch diese Begriffe gefunden: Klimakterium virile, PADAM-Syndrom (das steht für partielles Androgendefizit des alternden Mannes), Andropenie. Irgendwie fühle ich mich gleich besser…
Warum aber habe ich vorher noch nie davon gehört? Man könnte nun natürlich wieder über die Industrie schimpfen, dass die vornehmlich Frauen was verkaufen will, weil die kaufwilliger sind. Oder kritischer mit sich? Es könnte aber auch daran liegen, dass über die männlichen Wechseljahre einfach noch niemand spricht, so wie bis vor ein paar Jahren niemand über die weiblichen gesprochen hat. Noch nicht erforscht. Oder nicht ernst genommen?
Dabei fallen allen Frauen mit Partnern zwischen 40 und 50 Veränderungen auf.
Und die sind ganz schön ernst. Schon beim letzten Klassentreffen wurde deutlich, wie sehr viele Männer in der Lebensmitte zunehmen. Wie oft sie Haare lassen. Wie viel mehr sie grübeln. Im näheren Umfeld bemerke ich, wie sie mehr Verspannungen haben, andere Beschwerden, schlechter schlafen können und – jepp – kratzbürstiger werden. (Ist das ein gutes Wort dafür? Ja, ich finde schon.) Eingefahrener in ihren Meinungen, nicht mehr so offen.
Bisher sagen Ärzte, dass die männlichen Wechseljahre nicht mit den weiblichen zu vergleichen seien, weil es (zumindest bei gesunden Männern) nicht einen abrupten Abfall des Sexualhormons gibt, sondern das Testosteron langsam sinkt. Die ZEIT schreibt: Im Blut eines gesunden Mannes schwankt die Testosteronkonzentration zwischen einem morgendlichen Maximum und einem Tief am Nachmittag. Bestimmte Faktoren wie Schlafdauer, Stress, Körpergewicht oder das Ausmaß an Bewegung können den Spiegel in beide Richtungen beeinflussen. Unterschreitet die Konzentration acht Nanomol pro Liter, empfehlen die meisten Experten eine Substitutionstherapie mit Testosteron. Bei jüngeren Männern gilt eine solche Behandlung als medizinische Notwendigkeit – bei älteren ist die Sachlage nicht so eindeutig.”
Aber ich fühle die Veränderungen, bei meinem Partner, bei befreundeten Männern.
Klingt für mich nicht nach nichts, sondern eher nach dem Schicksal der Perimenopause vor ein paar Jahren: Als GynäkologInnen die Beschwerden abtaten (und es viele bis heute noch tun). Ich glaube es würde uns allen gut tun (den Männern und ihren Partnerinnen) mehr darüber zu sprechen.
Die Empfehlungen für Männer in der Andropause gleichen übrigens denen für Frauen in der Menopause: wenig Alkohol, auf die Ernährung achten, Sport und – ganz wichtig – viel Schlaf. Ich muss mich jedes Mal beherrschen, den zickigen Rennradfahrern, die mich bei uns in der Gegend ständig beinahe überfahren, nicht hinterherzurufen: “Andropause, oder was?”
Spürst du was bei ihm?






Liebe Claudi, also wenn es nichts ernstes war habe ich es weggelächelt bei ihm und auch bei mir. Ich habe mich aber auch nie besonders wichtig genommen. Vielleicht hat mir das geholfen, das Leben leicht zu nehmen. Wir haben nur eins. Liebe Grüße von Elke
Oh ich kann das total nachollziehen mit dem reinknien und dann irgendwann zu viel davon-haben! Diesen Themenshift finde ich spannend, ich glaube, dass das nicht nur bei den Wechseljahren so ist sondern glaube, dass Hormone auch in anderen Lebensjahren bei Männern unterschätzt/falsch wahrgenommen/nicht untersucht sind und werden. Für Frauen gibt es tolle Adjektive, die mit ihren Hormonen zusammenhängen sollen (hysterisch z.B.) und viele dieser Adjektive lösen bei mir leider auch negative Verbindungen zu Vorurteilen Frauen gegenüber aus… aber ich finde es mega spannend, wie das langsam ins Bewusstsein rückt, welche Stärken das auch mit sich bringen kann. Zum Beispiel Leistungssportlerinnen, die klar Trainingspläne nach ihrem Zyklus richten. Mein Gefühl ist: Hier wirds in den nächsten Jahren noch einiges nachjustieren auch im männlichen Bereich geben – und hoffentlich damit auch für männliche Hormone (von Pubertät bis zu den Wechseljahren) mehr Verständnis.
Danke für deinen spannenden Denkanstoß. Das mag ich grundsätzlich hier!