Bretagne-Urlaub mit Kindern. Plus: die ideale Unterkunft für die ganze Bande (enthält Werbung)

Jun
07/18

Auf der langen Rückfahrt (elf Stunden!) aus Epiniac in der Bretagne gabs ordentlich Zoff. Das passiert, das ist normal, aber dieses Mal stritten André und ich ausnahmsweise mit. Es fing damit an, das einer sagte: „Die vielen Steinhäuser, die fand ich am Schönsten.“ „Spinnst du“, sagte ein anderer, „der Strand mit der Insel!“ „Gar nicht, die rosa Küste!“ „Neeee, die Crepes.“ „Die Blumeninsel!“ „Nis streiten!“, rief da ausgerechnet der Dreijährige. „Es war alles am Schönsteren…“
Bretagne, Familienurlaub,
Wir sind die Familie, die man ganz sicher schon oben an der Landstraße hört. Bevor man die Allee ins Grüne herunterfährt, auf das sandfarbene Herrenhaus zu, am Golfplatz vorbei, über die kleine Brücke bis zu den kleinen lichtgrauen Häuschen des Campingplatzes Domaine des Ormes. Wir sind die Familie mit der gut gefüllten Stinkewindeltüte am Verandazaun des Mobilheims. Und die mit der verschwundenen Boulekugel ganz hinten unterm Busch…
Glamping, Eurocamp
Wir sind aber auch die Familie, bei der abends fröhlich vier kleine Badehosen und eine große über den Stühlen flattern, bei der es gegen Abend nach Bratwurst duftet, bei der man Kinderlachen hört und Kinderlieder und Witze – mal gute und mal schlechte. Wir sind die Familie, zu der die Nachbarskinder neugierig herüberschauen, durch die Lücken im Holzverandazaun. Wir sind die Familie, die ich immer sein wollte…
Familienurlaub in der Bretagne,

Unterkunft für Familien, große Gruppen, Glamping, Mobilheim,
Dennoch ist es nicht immer leicht, für so eine zauberhaft wilde Bande eine geeignete Unterkunft zu finden. Eine super Alternative zu einem Ferienhaus sind die Eurocamp Mobilheime, in denen wir bereits letztes Jahr in Holland übernachtet haben. Das Schöne daran: Es fühlt sich herrlich nach Camping-Urlaub an, inklusive Freiheitskribbeln im Bauch und Dauerdraußen-Gefühl, bloß ohne all die Sachen, die ich am Campen nicht mag, also Gemeinschaftsduschen, Klohäuser, Abwaschberge und Gummigeruch.

So ein Mobilheim ist nicht groß, aber perfekt geschnitten, unsers hatte sogar zwei Kinderschlafzimmer. Die Kinder lieben es, gerade weil es recht klein ist, für sie ist es eine gemütliche Puppenstube. Ich finde die Dusche am Besten, die große Fensterfront an der Küchenzeile, die man aufschieben kann und quasi draußen kocht. Die Heizung, weil es nachts Anfang Mai noch ganz schön kalt war. Und die Moskitonetze vor den Fenstern. Und natürlich die riesige Holzveranda vor der Tür, auf der wir gegrillt, gedöst und gespielt haben.

Was ich echt schön fand: die Mobilheime sind immer gleich aufgebaut und eingerichtet. Sprich, du kommst an, wo auch immer auf der Welt, und weißt schon, wo die Gläser stehen. Beinahe ein Nachhause-komm-Gefühl. Der Urlaub kann gleich losgehen. Eurocamp-Campingplätze findet ihr übrigens in ganz Frankreich, psst, ich hab ja glatt schon mal geguckt wo es nächstes Jahr hingehen könnte…Domaine des Ormes, Bretagne mit Kindern

Bretagne
Der Campingplatz Domaine de Dormes liegt wie ein kleines eigenes Dorf im hügeligen Grünen, ein schmaler Fluss fließt mitten hindurch und gleich nebenan steht ein prächtiges Landhaus. Ab und an kommt der Landlord mit seinen Hubschschrauber angeflogen und landet auf der großen Wiese. Ein Highlight für unsere Kinder.

Neben der Brücke unten am Fluss gibt es ein Restaurant, eine Bar und eine Eisdiele, außerdem einen kleinen Supermarkt. Es gibt einen See, über den man festgeschnallt an einem Seil düsen kann (die Jungs haben es geliebt), Wasserski am Fluss, ein riesiges Schwimmbad, ein Wasserparadies für die kleinen, mehrere große Spielplätze, eine Reitschule, Tennisplätze, einen Kletterpark, Bogenschießen und noch so viel mehr zu erleben, dass man das Gelände eigentlich nicht für eine Minute verlassen müsste. „Was allerdings schade wär“, sage ich. „Nur ein bisschen“, sagen meine Jungs.

Ich hab mich fast ein wenig wie in Dirty Dancing gefühlt, wenn ich im milchigen Abendlicht mit Bo den kleinen Weg zwischen den lichtgrauen Hütten entlang geflipflopt bin, Grillfestgemurmel im Ohr und Sambaklänge von der Bar am See. Bloß die Hebefigur wollte mein Mann nicht üben, als ich die anderen bei bei der Kinderdisko treffe. Nichts zu machen.

Familienurlaub Bretagne

Dinan, Bretagne, Dinan mit Kindern
Und weil es doch schade wär, die ganze Zeit bloß auf dem Campingplatz-Gelände zu bleiben, hier unsere Bretagne-Tipps für die Umgebung:

MACHEN:
– Die Mittelalterstadt Dinan ansehen. Es macht Spaß, durch die alten Gassen zu schlendern, die Fachwerkhäuser zu bestaunen und ein wenig in den hübschen Shops zu stöbern. Im Jardin Anglaise kann man herrlich picknicken, schlafen und spielen. Und hat einen traumhaften Blick über das Rance-Tal.

– Wir waren gegen Abend in Cancale, was eine gute Idee ist, weil die Anfahrt im Abendlicht einfach traumhaft ist und man dort an der Promenade gut essen gehen kann. Überraschenderweise gehen die Bretonen relativ früh essen (ganz anders als in Südfrankreich), in vielen Läden bekamen wir um acht keinen Tisch mehr. Wir waren schließlich in der Creperie Le Ty Skorn, wo die Bedienung kaum Englisch sprach, aber mit Händen und Füßen dafür gesorgt hat, dass wir alles verstehen. Und die Crepes: Mon Dieu waren die gut. Ein richtiges Crépes-Fest. Hinterher sind wir noch ein wenig am Hafen spaziert, haben die Lichter der Promenade bewundert (und die Jungs die vielen Austern, die überall vor den leeren Verkaufsständen herumlagen).

Bretagne mit Kindern

Bretagne mit Kindern,
– Ein Muss ist natürlich der Mont-Saint-Michel, der riesige Klosterberg, der wie Lummerland mitten im Meer liegt. Im August wird ihn die Flut das nächste Mal wieder ganz umringen. Es ist unglaublich schön, auf dem Watt um den bebauten Berg herumzuspazieren. Leider, leider ist alles voller Touristen, auf der Brücke zum Mont Saint Michel fährt ein Bus nach dem anderen und die Leute drängen sich zwischen den engen Naturstein-Gassen. Unbedingt gleich früh morgens oder gegen Abend kommen, sonst ist es sogar in der Nebensaison kaum erträglich. Mein allerschönster Blick auf den Mont war dennoch mein erster, gleich als wir ankamen, noch von der Autobahn. Ein riesenhafter Burgschatten mitten im Meer – absolut surreal.

– Etwa eine Stunde vom Campingplatz entfernt liegt ein kleiner, ganz besonderer Freizeipark. Das Village Gaulois ist ein liebevoll nachgebautes gallisches Dorf, in dem Kinder zwischen Felsenhäusern und Feuerstellen über vierzig alte Spiele ausprobieren können. Wirklich besonders!


St Malo ist eine hübsche Piratenstadt direkt am Meer, mit einer komplett erhaltenen Stadtmauer drumherum, auf der man auch noch entlang spazieren kann. Vorn am Hafen steht ein altes Piratenschiff, dass besichtigt werden darf. In den mittelalterlichen Gassen gibt es herrlich französisches Sommergewusel, man kann auf den vielen Plätzen im Schatten einer Platane ein Eis schlecken, während die Kinder mit den Kieseln auf den knirschenden Wegen spielen. Und gleich vorn am Stadttor steht ein altmodisches Karussell – das fanden meine Kinder am Allerbesten. Tipp: In St Malo unbeingt auch mal an den Strand gucken, das Meer ist beeindruckend wild dort. Und die Häuser an der Promenade sehen aus wie aus einem franzöischen Film!

Saint Guirec,

Bretagne mit Kindern,

Saint Guirec,

– Rund eineinhalb Stunden vom Campingplatz entfernt liegen die Rosa Granitküste und die Blumeninsel Bréhat und auch wenn es ein wenig anstrengend ist, würde ich dort dringend hinfahren. Beides ist einfach zauberhaft.

Der schönste Abschnitt der Rosa Küste ist der kleine Wanderweg ab dem Strand Saint Guirec (die Villa auf der kleinen Insel vor dem Hafen gehört übrigens Didi Hallervorden.) In Saint Guirec kann man umsonst in Hafennähe parken (!) und dann so weit an der Küste entlang spazieren, wie man mag. Jede Bucht, jede Steinformation, jedes Haus ist hübscher als das vorherige. Sogar die Kinder hatten ausnahmsweise mal absolut nichts gegen wandern, sondern sind begeistert über Steine gehopst, haben Wellen bestaunt und im roten Sand gebuddelt.

Bretagne,

Zur Blumeninsel Ile de Brèhat fährt man keine zehn Minuten mit der Fähre ab Pointe de l’Arcouest, pro Erwachsener zahlt man circa 20 Euro, Kinder ungefähr die Hälfte. Die Insel ist autofrei, absolut frei von Bausünden, dafür gibt es jede Menge pittoresque Villen, zauberhafte Gärten und Buchten. Als wir mit dem Boot auf den klitzekleinen Hafen zu tuckerten, dachte ich wir würden gleich in ein Gemälde rammen, so wunderschön war das alles. Ganz ehrlich: Ich wäre am liebsten dort geblieben, hätte für ein paar Wochen ein Natursteinhaus gemietet und am offenen Fenster mit Meerblick und Blütenduft in der Nase einen Roman geschrieben.

Auch die Jungs waren hin und weg, von den kleinen Buchten, den vielen Pflanzen – und der Freiheit, einfach herumlaufen zu dürfen. Wir wollen definitiv noch einmal wieder kommen, Fahrräder für alle buchen und in Ruhe die Insel erkunden.

Mit Kindern die Bretagne entdecken...
– Unseren Lieblingsstrand haben wir ganz zufällig auf dem Weg nach St Malo entdeckt (wegen Baby-Gebrüll und Streit auf der Rückbank). Was für ein Glück: die kleine Bucht nordöstlich von Saint Coulomb (dort, wo die D201 wieder aufs Meer trifft) mit Blick auf die kleine Gezeiteninsel Ile du Guesclin ist einfach zauberhaft.

Reisen mit Kindern

Bretagne, mit Kindern die Bretagne entdecken
ESSEN:
– Leckere Crepes und Galettes in Cancale: Ty Skorn , ein wenig abseits und sehr freundlich.

Restaurant in Dol de Bretagne. Schon als wir das erste Mal an der Auberge de la Cour Verte vorbeigefahren sind, wusste ich, dass ich dort einmal essen gehen möchte. Wir haben es uns einmal gegönnt und ich hab mich schon bei der Fahrt über den knirschenden Kies auf dem Parkplatz französisch bis in die Fingerspitzen gefühlt. Und bei dem leckeren dann erst recht. Die Karte ist klein, aber köstlich und Kinder bekommen ebenfalls ein kleines Menu, wenn sie mögen. Unbedingt reservieren!

– Ein Feierabendbier und ein paar Pommes hatten wir in La Guingueta, eine Art Hippie-Biergarten mit Foodtruck an der Küstenstraße nach Hirel. Ein Deutscher hat hier eine der Windmühlen, von denen es an dieser wilden Küste viele gibt, ausgebaut und ein kleines Aussteiger Paradies daraus gemacht. Wir hatten einen überraschend schönen Abend dort, die Kinder spielten mit einer französischen Familie ein altes Mittelalterspiel, verschwanden später im Dunkeln mit den Kindern in Richtung Tischtennis und schließlich schauten wir alle zusammen den Coup de France und jubelten für die völlig unbekannte Mannschaft.

– Auf dem Rückweg von der Ile de Bréhat haben wir in der Crêperie de Launay gegessen. Wir hatten ein großartiges drei Gänge Menu, was ich mit 25 Euro pro Erwachsener preislich wirklich okay fand, und der Nachtisch war nicht nur lecker, sondern überraschend entspannt, weil die Kinder draußen im Garten zwischen dem Lavendel verstecken spielten. Ich hätte aufgrund vergessener Französischvokabeln beinahe Nierchengulasch bestellt – uahhh – habs aber glücklicherweise gerade noch gemerkt und hatte eine wunderbares Steak Frites mit Salat und dem besten Dressing überhaupt. Und als Vorspeise: knusprige Langusten-Ravioli. So überraschend, so gut.

Pizza auf dem Campingplatz. Mittendrin in der Domaine des Ormes gibts per Straßenverkauf wirklich leckere Pizza, am besten trägt man den Kartonstapel ein Stück weiter und pizzapicknickt auf der großen Wiese neben dem Kletterspinnennetz.
Bretagne mit Kindern

Saint Guirec
Bretagne
Bretagne mit Kindern,

MITBRINGEN:
-Die hübschen Fischdosen aus dem kleinen Laden an der Hauptstraße von Dinan. Ich mag keinen Dosenfisch, aber die Verpackung – so schön!
– Ein Holzschwert oder einen Ritterhelm vom Mont Saint Michel, kauft man hier mit echtem Mittelalter-Gefühl (und lenkt von den Touristenmassen ab).
– Alles mit Salzkaramell im Supermarkt (Creme fürs Brot, Schokolade, Kekse). Ich finde die bretonische Spezialität sooo lecker. (Ein paar Beutel grobes Salz, dass hier irre günstig ist und trotzdem in hübscher Verpackung steckt, haben wir auch noch mitgenommen.

Übrigens: Man kann bei der Mobilheim-Buchung ein Willkommenspaket mitbestellen, für die Küche (unter anderem mit Nudeln, Wein, Kaffee, Marmelade, Salz) und ein Reinigungspaket mit Schwamm, Bürste und Geschirrspülmittel. Mitnehmen würde ich für jeden Tag einen Geschirrspültab, dann muss man die dort nicht kaufen. Außerdem ein paar Gewürze (unsere Nachbarn hatten sogar welche in Tontöpfen auf der Veranda). Ich habe immer noch Küchenrolle, Kaffeefilter, ein paar Kerzen und eine Tischdecke dabei.

Ach so, die Navis schicken einen regelmäßig auf die falsche Seite der Domaine des Ormes – auch wir standen planlos vor einem rostigen und vor allem verschlossenen Tor. Zum Glück wissen die Nachbarn bescheid – und haben uns den Weg erklärt. Zur Info für euch: Die Einfahrt zur Domaine liegt an der Hauptstraße, der D85, gleich hinter Epiniac.
Ile de Brehat
Bretagne,
Bretagne mit Kindern
Die Fahrt von Hamburg aus, die ist wirklich weit, das hatte ich ein wenig unterschätzt (und vergessen, dass Frankreich beinahe so breit wie lang ist.) Auf der Hinfahrt haben wir eine Zwischenübernachtung gemacht, was definitiv eine gute Idee ist. Freunde von uns fahren immer mit der Bahn, das geht auch, dauert aber ebenfalls lange. Direktflüge von Deutschland nach Brest habe ich keine gefunden. Hat ja auch was Gutes, dann sind nicht so viele Touristen da.

Also doch mit dem Auto. Tollerweise hat man das dann auch vor Ort, für alle die schönen Ausflüge in die beinahe poetische bretonische Umgebung. Und hey, ohne lange Autofahrten würde man Rückbank-Dialoge wie diesen verpassen:

Kind 1: „Was ergibt Brombeere und dreißig?“
Kind 2: (kichert) „Weiß nicht…“
Kind 1: (grölt) „Brombeerdreißig!“
Beide kichern die nächsten fünfundzwanzig Kilometer.

Und das wäre doch nun wirklich schade.
Glamping,
PS. Diese Reise wurde unterstützt von Eurocamp (und enthält daher Werbung) und der Französischen Zentrale für Tourismus. Danke dafür!
PPS. Eurocamp hat jetzt auch einen Blog. Guckt doch mal vorbei, für noch mehr Urlaubsgefühle…
PPPS. Habt ihr noch Tipps für diese Gegend in der Bretagne?
Alles Liebe,

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