„Mach die Tür zu!“, liegt ganz weit vorn. Vor allem jetzt, in der kühlen Jahreszeit. „Bring bitte deinen Teller weg!“ hüpft auch ganz vorn mit herum. Aber unschlagbarer Sieger meiner meistgesagten Sätze ist: „Bitte sag es ihm selbst.“ Und ich glaube, das ist auch gut so…

Laut Studien streiten Geschwister etwa sechsmal in einer Stunde miteinander. Macht an einem Tag und mal vier bei uns ganz schön viel Gestreite. Und ja, klar, geht’s hier öfter mal zur Sache und ich gebe zu, nichts nervt mich am Familienleben mehr. Aber ich habe das Gefühl es wird weniger, seitdem ich mich weniger verantwortlich fühle. Seitdem ich in den allermeisten Fällen sage: „Sag es ihm selbst.“

Ich traue mich, ihnen zu vertrauen.

Klar gehe ich dazwischen, wenn es gefährlich wird. Klar helfe ich, wenn einer gar nicht weiter weiß oder offensichtlich unfair behandelt wird. Und klar haben wir besprochen, wie man beim Streiten eine Lösung finden kann. Aber bei den ganzen kleinen Piesackereien halte ich mich einfach raus. Bleibe ganz ruhig, wenn einer in die Küche stürmt und brüllt: „Der hat aber dies und das gesagt.“

Ich sage: „Bitte sage es ihm selbst.“ Meist wird die Wut dann schon weniger. Meist folgt dann ein: „Hab ich schon.“ Manchmal erkläre ich noch, dass ich schließlich in der Küche war und von oben gar nichts mitbekommen habe. Dass ich also wirklich nichts dazu zu sagen kann. Manchmal überlegen wir auch nochmal gemeinsam, wie man jemandem freundlich aber bestimmt mitteilen kann, was man möchte oder was eben nicht.

Ich glaube: Kinder können viele Konflikte ohne uns viel besser klären.

Wir halten es bloß oft einfach nicht aus. Und überhaupt: Zu lernen, dass nicht jeder Streit geklärt werden muss oder kann, ist für mich ein wichtiger Lernprozess. Manchmal muss man auch einfach akzeptieren lernen, dass man unterschiedlicher Meinung ist. Auch als Erwachsener.

Ich bin ziemlich stolz auf meine kleine Bande. Hier wird jede Menge gestritten. Aber sich noch viel mehr vertragen.

PS. Und was ist dein meistgesagter Satz?

Claudi