Am Wochenende liegt der Duft von Holzkohle und Knusper in der Luft. Schon ab mittags halten wir unsere Nasen hoch in die Frühlingsluft und schnüffeln. Freuen uns auf ein Abendessen mit Röstaroma. Während ich Unkraut zupfe und meine Nachbarin Unkraut zupft, unterhalten wir uns durch die Holzzaunlatten. „Grillt ihr heute auch noch?“ „Ja, ihr auch?“ Mache gleich schon mal den Salat.“ „Ach wie schade, dass wir nicht zusammen grillen können!“ Beim Wort Salat haben wir die selbe Idee…

Klar können wir uns nicht zum Grillen treffen und über Gott und die Welt austauschen – aber Salat tauschen, das geht. Wäre doch mal eine schöne Abwechslung. „Was machst du für einen Salat?“, frage ich. „Och, bloß einen ganz einfachen mit Dill und Frühlingszwiebel, essen wir ständig. Und ihr?“ „Wow, Dill!“, raune ich und überlege, welche Gemüsereste ich noch so im Kühlschrank habe.

„Ich denke einen gemischten Salat mit Schafskäse und Möhrenschlangen.“ „Möhrenschlangen?“, fragt meine Nachbarin, „Wie cool ist das denn?“. „Ach naja….“, meine ich. „Einfach Möhren mit dem Kartoffelschäler geschnitten. Meine Kinder lieben das.“ Sie lächelt breit hinter einem Kirschbaumzweig.
„Was, wenn wir einfach unsere Salate tauschen…?“, schlägt eine von uns vor. Die andere grinst: „Genau das habe ich auch gerade gedacht. Das ist dann fast so, als würden wir gemeinsam grillen!“ Plötzlich habe ich richtig gute Laune.

Die Salate liebe ich vielleicht am meisten an der Grillsaison. Wenn wir bei uns grillen, bringen meist unsere Freunde Salat mit, wenn wir eingeladen sind, sind wir dafür zuständig. So wird es nie langweilig. Und es ist doch verrückt, wie anders bei anderen sogar eine simple Vinaigrette schmeckt. Absolut köstlich, sich durch dutzende Freundeskreis-Varianten durchzuprobieren.

Der Salattausch-Deal war also abgemacht. Ein paar Stunden später stand eine blauweiße Tupfenschüssel vor unserer Tür. Und unsere große weiße vor der von den Nachbarn. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Vanillezucker ins Dressing zu geben, aber es schmeckt wahnsinnig gut. Dill sowieso. Während wir aßen, erzählte ich meinen Jungs die Geschichte, die meine Nachbarin mir über den Salat erzählt hatte: Dass sie und ihr Mann ihn zum ersten Mal in einer kleinen Taverne auf Kreta gegessen hatten. Mit ihrem kleinen Sohn auf dem Schoß, damals noch sehr klein. Sanft zum Sirtaki wippend. Mir war fast so, als säße ich bei ihr oder sie bei mir mit am Tisch. Ich glaubte fast, die Bouzoukiklänge aus einem knisternden Radio hören zu können, dazu das Sirren der Grillen.

Nebenan wurden übrigens zur gleichen Zeit Möhrenschlangen bewundert und überlegt, was wohl Gutes in meinem Dressing steckt (körniger Senf plus Ahornsirup!). Meine Nachbarin erzählte mir am nächsten Tag begeistert, dass ihr großer Sohn zum ersten Mal in seinem Leben Möhren mochte.

Am nächsten Wochenende geht unser Salatclub in die nächste Tauschrunde. Ich freue mich schon. Tauscht ihr mit?

Rezept für grünen Salat mit Frühlingsziebel und Dill

Ihr braucht: 2 kleine Romanasalate, 3 Frühlingsziebeln, einen Bund Dill, Olivenöl, Weißweinessig, 1 Päckchen Vanillezucker, Salz, Pfeffer

Und so geht’s: Romanasalat waschen, trocken schleudern und sehr fein schneiden. Frühlingsziebeln putzen und die hellen Teile in feine Ringe schneiden, Dill waschen, trocknen und fein hacken. Alles in eine Schüssel geben.

Für das Dressing vier Esslöffel Weißweinessig, Vanillezucker, Salz und Pfeffer vermengen und mit einer Gabel leicht aufschlagen. Zum Schluss langsam sechs Esslöffel Olivenöl dazu fließen lassen und weiter schlagen. So wird das Dressing schön cremig und Öl und Essig trennen sich nicht, selbst wenn sie eine Weile auf dem Tisch (oder vor der Tür) warten.

PS. Noch mehr Geschichten übers Essen und Kochen, über unsere Rezepte und die unserer Freunde, findet ihr in meinem Kochbuch „Barfuß in der Küche“. Gibt’s bei uns im Wasfürmich-Shop. Viele von euch kochen sich bereits Corona schön. Das finde ich so schön!

Genießt die Sonne, alles Liebe,

Claudi