Ich muss immer lächeln, wenn ich Mais sehe. Nicht nur, weil es eins der wenigen Gemüse ist, dass wirklich alle meine Kinder mögen. Sondern auch, weil ich auf den frischen Kolben in Gedanken immer mit Vollkaracho in meine eigenen Sommerferien zurücksause…

Dann stehe ich wieder auf dem Hof meiner Oma im Wendland, im staubigen Rock und barfuß. Neben mir meine drei bis fünf Sommerferienfreunde. Ebenfalls staubig. Mindestens einmal am Tag ist meine Mutter mit uns runter an die Elbe gegangen, einmal über den Deich, rüber über die kitzeligen Deichwiesen, an fußballballfeldgroßen Maisfeldern entlang und runter zum Elbstrand. Irgendwie verrückt, dass ich heute genauso wohne, wie in meinen schönsten Kindheitserinnerungen.

Wir haben in den Maisfeldern fangen gespielt und verstecken. Haben die Luft angehalten, um uns hinter den fingerdünnen Stängeln verstecken zu können. Wir sind zum Schmollen im Mais verschwunden, zum Kichern und zum Abenteuern. Man konnte sich darin furchtbar gut vorstellen, dass man nicht durch ein Feld im östlichen Niedersachsen, sondern einen Dschungel am anderen Ende der Welt läuft. Ich erinnere mich an endlose Diskussionen darüber, wie viele Futtermaiskolben wir pflücken durften.

„Höchstens einen!“, meinte meine Mutter jedes Mal. „Bloß jeder einen?“, riefen wir enttäuscht. „Einen für alle!“, rief meine Mutter. „Oh nöööö!“, riefen wir. Wir bettelten, meine Mutter seufzte. Irgendwie schleppten wir dann doch immer diverse Kolben nach Hause. Meine Mutter schaute sich um, ob uns auch bloß der Bauer nicht sah. Ich liebte es, die Blätter quietschen zu hören und sie bereits auf dem Nachhauseweg hintereinander vorsichtig vom Kolben abzuziehen. Nachschauen, wie groß der Mais darin wirklich war.

Es war mein Sommerferienüberraschungsei. Klar versuchten wir an den Kolben zu tasten und von der Größe der Blätter oder der Haarpinsel auf die Kolbengröße zu schließen, aber das war nicht möglich. Es war immer eine Überraschung. Wir kitzelten uns mit den braunen Fransen – oder banden sie uns als bunte Strähnen ins Haar. Wir fühlten uns wie Futtermaisamazonen. Zuhause bissen wir begeistert in einen Kolben. Und mussten kichern. Weil der Futtermais nämlich jedes Mal längst nicht so gut schmeckte, wie in unserer Erinnerung.

Heute ist Mais einer meiner Launeretter. Eben mal fix aus der Dose zu Kartoffelbrei und Spiegelei. Kein Applausessen, aber eins, das alle lieben. Und im Sommer, zur Maiszeit, als echtes Comfort-Food als Kolben. Heute betteln meine Jungs in der Gemüseabteilung regelmäßig: „Mehr Mais, mehr Mama!“ Noch besser als vom Grill schmecken sie uns übrigens gekocht. Nach dem Rezept der amerikanischen Freundin meiner Freundin.

Wenn noch was übrig bleibt, kratzen wir den Mais vom Kolben und servieren ihn später als Couchsnack auf dem Sofa zum Film. Ups. Und wenn nichts mehr übrig ist, öffnen wir für dieses Fingerleck-Festmahl einfach eine Dose. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust auf eine Kolbensaus-Runde am Wochenende.

Der leckerste, süßeste, buttrigste Mais der Welt

(als Beilage für uns sechs)

6 – 8 Maiskolben
100 Milliliter Milch
2 gut gehäufte Esslöffel Butter
Salz und Pfeffer

Einen großen Topf zur Hälfte mit Wasser füllen und das Wasser zum Kochen bringen. Milch und Butter dazugeben, Hitze reduzieren und die Kolben darin für etwa acht Minuten weich köcheln lassen. Herausnehmen und mit Salz und Pfeffer servieren. Köstlich!

Mexiko-Mais aus dem Backofen

(als Sofa-Snack für uns sechs)

3 frisch gekochte Maiskolben oder eine Dose Mais
1 rote Paprika
1 Esslöffel gehackte frische oder eingelegte Jalepenos
150 Gramm geriebener Käse (ich mag gern Cheddar, meine Männer lieber anderen)
Salz und Pfeffer
Tortillachips

Frischen Mais von den Kolben kratzen. Mais in eine ofenfeste Form geben. Paprika putzen und Würfeln und mit dem Käse dazugeben. Vermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Ich werfe mir über meine Seite noch ein paar Jalapenos. Für etwa zehn Minuten bei 200 Grad im Backofen goldgelb und blubbrig backen. Mit Tortillachips auf dem Sofa aufessen. Dabei vielleicht mit der ganzen Familie „Das Haus der geheimnisvollen Uhren schauen.“ Ab und zu mal herrlich!

Macht es euch schön am Wochenende!

Claudi