„Kopf!“, rief meine Sohn. „Also nach rechts.“ Ich schaute nach rechts, in die triste Straße. Das Bunteste waren die großen Müllcontainer. Dann guckte ich nach links: Blitzblanke Schiffsmasten vor einem Streifen blauem Himmel, Möwen. Ein Schiff hupte. Mir kam es vor, als ob es uns rufe. „Okay…“, seufzte ich. Und wir liefen los in Richtung Mülltonnen…

Das war der einzige Moment, an dem ich an der Idee zweifelte. Ansonsten ist es ein großartiger Tipp: Falls eure Kinder (und Männer) also auch keine Lust mehr haben, einmal um den Block durchs Dorf zu laufen oder wo auch immer, dann fahrt einfach in eine nette Ecke und nehmt eine Münze mit. An jeder Kreuzung dürfen dann die Kinder per Münzwurf entscheiden, wo es lang geht. Kopf rechts, Zahl links. Wir sind in eine meiner liebsten Gegenden Hamburgs gefahren: ins Portugiesenviertel zwischen Hafen und Michel und dort herumspaziert.

Hamburg einmal ganz anders entdecken

Oder einen Teil einer Großstadt. Oder das Heimatdorf, den Wald. Einfach mal wieder bummeln gehen wollen. Die Münz-Idee funktioniert überall. Sie ist so simpel. Und macht allen Spaß. Bestimmt sogar Erwachsenen. Vielleicht auch lustig in einem Kneipenviertel – irgendwann, wenn es mal wieder geht.

Im Hamburger Protugiesenviertel habe ich mal eine Weile gewohnt. Eine sehr aufregende Weile. Dennoch habe ich auf unserem Cent-Spaziergang so viel Neues entdeckt: die Schaukeln auf der Terrasse unterm Michel. Die blühenden rosa Büsche. Den kleinen versteckten Garten am Hang mit dem in die Luft geschossenen Kohl.

Meine alte Heimat ist ein sehr frisches Viertel Hamburgs – nicht nur wegen des Windes, der hier von der Elbe her pausenlos durch die schmalen Gassen pustet. Es gibt wunderschöne Altbauten, kleine Läden mit hübsch dekorierten Schaufenstern, Touristenkram und Designstudios. Außerdem ein paar zauberhafte Cafés – ein paar haben sogar für den Außenverkauf geöffnet.

Uns alle hat der Duft von frisch gebackenen Waffeln auf offener Straße so glücklich gemacht (die Waffel in der Hand natürlich auch). Es hat gut getan, sich den Kopf mal durchpusten zu lassen. Einfach mal etwas anderes zu sehen. Dank der Sache mit der Münze waren die Kinder die ganze Zeit beschäftigt. Es gab keine Motzerei, kein gebrummeltes: „Wie lange noch?“

Wir haben eine Rollschuhbahn entdeckt und wollen nächstes Mal Inliner einpacken. Riesige Modellschiffe im Schaufenster bestaunt. Und den Schiffen hinterhergesehen. Möwen gejagt.

Ein paar Tipps fürs Hamburger Portugiesenviertel mit Kindern – sogar im Lockdown

Leckere, frisch gebackene Waffeln gibts im Milch Feinkost, Dietmar-Koel-Straße 22.

Fischbrötchen gleich nebenan.

Modellschiffe kann man bestaunten in den Schaufenstern an der Ecke Vorsetzen/Reimarusstraße.

Unter dem Michel gibt es eine Rollschuhbahn und Schaukeln.

Bei der Norwegischen Seemansskirche gibt es eine Rollstuhlplanke, auf der meine Kinder gern gerutscht sind. Manchmal sind es die kleinen Dinge.

Und wer mal muss, kann hier aufs Klo gehen: 

  • Unterhalb der Treppe an der Promenade ist eine öffentliche Toilette.
  • Tagsüber geht es auch ei der Kafferösterei in der Speicherstadt. Das To-Go-Café und der Shop sind offen – dazwischen sind die Toiletten.
  • Bei den Landungsbrücken neben dem Blockbräu – dort ist eine geputzte Toilette gegen Bezahlung
  • Am Michel ist eine öffentliche Toilette. Genau dort, wo die Touristenbusse sonst parken.
  • Das Klo im Bahnhof Baumwall kostet 50 Cent und soll überraschend sauber sein.

Noch was Gutes: Es gab viel weniger Streit. So einer Münze ist nämlich niemand böse, die motzt keiner an oder haut ihr eine runter. Ihre Entscheidung wurde immer hingenommen. Nur ich habe sie einmal ignoriert. Als sie uns beinahe zurück zum Auto geführt hätte, ohne einmal den Hafen zu sehen, habe ich sie eingesteckt und meine Männer zum Wasser geschoben. Es hat sogar niemand gemeckert. Und dann alle einmal tief durchatmen, bitte!

Schönes Wochenende,

Claudi