Es kommt mir vor, als wäre dieses Wochenende unser Sommer-Hupferl. Ein letzte kleine Süßigkeit, bevor  – zumindest in Hamburg – die Herbstruhe kommt. Ein mal noch Schwitz-Glow auf der Haut und draußen sitzen bis halb eins…

Ich mag es nicht, wenn Dinge gehen. Der Sommer schon gar nicht. Ich mag die Leichtigkeit, die er mir auf dem Silbertablett serviert, gleich morgens, wenn die Brotdosen im hellen Licht funkeln, während ich müde Pausenbrote schmiere. Es fühlt sich alles leichter an, auch wenn es das nicht ist. Vielleicht ist der Sommer ein Blender. Aber ich lass mich gern blenden.

Ich werde dieses Wochenende nochmal alles machen, was ich am Sommer besonders mag: Heute draußen sitzen und am Kinderkochbuchschreiben, bis die Mücken gar zu aufdringlich werden. Eine klirrendkalte Weinschorle im Gegenlicht. Sommerkuchen. (Mit einer Backmischung selbst gebacken, damit ich bloß nicht zu viel Draußenzeit verpasse. Der Blaubeercheesecake einer bekannten Firma mit einem Doktor im Namen wirklich richtig gut).

Den Kindern-Kreischen beim Wasserschlauchspringen zuhören, siebenundfünfzig Handtücher runterholen und gefühlte 35 Badehosen zum Trocknen aufhängen. Morgen draußen Frühstücken und dann nochmal schwimmen gehen. Wieder draußen arbeiten und abends kommen Freunde zum Grillen und ich mache einen Pfifferling-Burrata-Salat aus der aktuellen Brigitte. Ein paar Mal seufzen, weil es so schön ist. Hachz. Und bald vorbei. Autsch.

Im Happy Way-Magazin habe ich etwas Spannendes übers Festhalten wollen gelesen. Festklammern, so steht es da, läge in unserer Natur. Der Buddhismus aber lehrt uns etwas anderes. Nämlich, dass das „Anhaften“ an etwas, die Wurzel von allem Leid in der Welt ist. Wenn wir zufrieden und ohne Angst leben wollen, dürfen wir nichts festhalten wollen, sondern müssen alles gehen lassen können.  Wenn wir das schaffen, werden wir immer öfter überrascht werden, was noch so kommt.

Meine Gedanken sind plötzlich von Pfifferlingen hin zu all den anderen Pilzen gesaust. Zum Waldpilzbummel mit unserem Freund, den wir jeden Herbst machen. Mir fielen die Kinder ein, die letztens freiwillig den Kinderzimmerboden freigeräumt haben, weil sie bald so richtig losbauen wollen.

Wir haben ein neues Buch, das das Sommergefühl für mich perfekt einfängt. „Kalle und Elsa – ein Sommerabenteuer“ heißt es, ist Teil einer kleinen schwedischen Serie und man kann die Pinien darin quasi riechen, die Gischt spritzen und den weichen warmen Sand unter den Füßen fühlen und die Möwen motzen hören.

Die Geschichte erzählt von der sonnenfunkelnden Leichtigkeit und der grenzenlosen Fantasie von zwei Kindern an einem Sommertag am Strand. Ein simples Abenteuer – mit ganz viel Fantasie. Ich habe das Gefühl, ich klappe das Buch zu und kann den Sommer zwischen den mattbunten Seiten zur Erinnerung pressen, so wie sonst ein paar bunte Wiesenblumen.


Irgendwie passt eine derzeitige Spielidee meiner Jungs dazu. Die große Sandkiste scheint langweilig geworden zu sein. Darum werden auf einem Tablett mit Sand, Wasser, Blumen, Muscheln, Steinen und Schleichtieren kleine Fantasiewelten gebaut – und stundenlang damit gespielt. Als ich bei ihrem Anblick sommerseufzte, fiel mir plötzlich die verrückte Idee ein, dass wir das ja auch mal im Herbst oder Winter auf unserem großen Esstisch machen könnten.

Ich wünsche euch ein zuckersüßes Sommer-Hupferl. Vielleicht ist ja bloß das Vorletzte. Oder das Vorvorletzte. Wir lesen uns am Montag, bis dahin, alles Liebe,

Claudi