Was uns schon an manchem Wochenende Laune und Leben gerettet hat: Uns fünf zu trennen. Nicht fünf Menschen, Meinungen und Macken mit Mühe zu einer gemeinsamen Sache zu bewegen. Sondern in deutlich verkleinerten familiären Einheiten Alleingänge zu unternehmen. Fußballplatz versus Tierpark. Keramikcafé versus Abenteuerspielplatz. Friede, Freude, Fokus auf ein Kind funktioniert bei uns häufig besser so. Und warum das Sonntagsmodell nicht einfach mal auf einen Urlaub übertragen…?

Dennoch war unser erster Mama-Mäusi-Mädels-Trip eine absolute Spontanidee: Eine Freundin erzählte, dass sie sich mit ihrer Tochter auf einem Reiterhof eingemietet hätte – „Aber die Wohnung ist für uns beide viiiel zu groß…!“ Eine Minute später stand der Plan: Zwei Mütter, zwei Töchter, ein gemeinsames Hobby – und ein ganz neues Ferienfeeling. Ich badete in Vorfreude: Ganz viel gemeinsame Zeit für mich und mein Sandwich-Kind, prägende Erlebnisse, an die wir uns noch in Jahren nostalgisch erinnern würden und ein starkes Band durch die gemeinsame Freude am Reiten …

Wen ich bei unserem nur-wir-Mädels-Urlaub allerdings am wenigsten zu Gesicht bekommen habe, war meine Tochter.

Die war über Stunden bei ihrem Reitabzeichen-Kurs, in der Spielscheune oder auf dem weitläufigen Gelände verschollen – und absolut glücklich. Denn ihre favorisierte Urlaubsgefährtin war natürlich nicht ihre Mutter, sondern ihre mitgereiste Freundin. Neben mindestens zehn weiteren Kindern, die alle zusammen beseelt und völlig mit sich und der Welt zufrieden über die Hofanlage tobten. Hätte ich mir auch gleich denken können: Erwachsene Erwartungen und das echte Leben sind ja meist auf unterschiedlichen Planeten zuhause.

Selbst Reiten war für sie irgendwie zweitrangig – der Kurs meiner Tochter und meine Wiedereinstiegsversuche sowieso. „Besuchst du mich denn nachher mal in der Halle und schaust mir zu…?“ Netter Versuch. „Oh, Mama, da hab‘ ich keine Zeit – wir spielen gleich heiße Kartoffel! Außerdem ist Reiten auch nicht sooo spannend.“ Ach so. Ich dachte ja nur…

Und doch war unser Urlaub auch für mich ziemlich schön.

Weil es eben genau das wirklich war: Ein Urlaub. Zeit, erstaunlich viel Zeit, in der ich mich um NICHTS kümmern musste. Weil die kleinste familiäre Einheit meistens ich allein war. Anders als ursprünglich gedacht zwar, aber unbestreitbar erholsam. Ich hatte viele Stunden, in denen ich lesen, tagträumen, reiten konnte – ohne schlechtes Gewissen, ohne das nächste familiäre To-do auf meiner imaginären Liste.

Manchmal saß ich in einem der sonnigen Strandkörbe und wartete förmlich auf meinen nächsten Mutter-Einsatz. Der meist ausblieb. Nur abends, wenn die Müdigkeit auch das energiegeladenste Kind irgendwann umhaute, hatte ich ein kurzes Mama-Mäusi-Zeitfenster. Zum Trösten (Dreierkonstellations-Drama), zum Schmusen auf dem Schoß (geht doch!), zum schöne-Erlebnisse-einprägen („Das war doch ein toller Tag, Mäusi, oder? Mäusi? Schläfst du schon…?“)

Das Leben ist ein Ponyhof.

Das mit der Nostalgie hab‘ ich dann einfach für mich geregelt. Jeden Tag auf dem Pferd zu sitzen, hat mich aufs Herrlichste in meine eigene Kindheit und Jugend zurückkatapultiert, wo ich zum Reiten sommers wie winters auf einen Hof in der Heide fuhr. Und dort stets die schönsten Wochen im Jahr verbrachte.

Ich liebte einfach alles daran: Den in die Jahre gekommenen, aber schwer romantischen Fachwerkhof, die Ausritte durch den Wald, die viele Zeit mit den Ponys. Ich erinnere mich noch, dass ich täglich freiwillig den Stall ausgemistet habe und bei jedem Abschied in Tränen aufgelöst war – und meine Eltern nötigte, schon den nächsten Aufenthalt zu buchen.

Dass meine Tochter offenbar eine viel nüchternere Beziehung zu Pferden und zum Reiten pflegt, ist eine Erkenntnis aus diesem Urlaub, die ich auf das stetig wachsende Erfahrungskonto „meine Kindheit/ihre Kindheit“ buche.

Was ihr an unserer Zeit dort am besten gefallen habe? Die Spielscheune! Und das Trampolin war auch ziemlich toll. Nicht das Reiten, nicht die Pferde – das war mein Highlight ziemlich für mich allein. Dafür ein sehr prägendes – seitdem gehe ich wieder regelmäßig aufs Pferd. Was mich wirklich glücklich macht.

Wiederkommen will meine Tochter übrigens dennoch, wenn auch aus anderen Beweggründen. Aber vielleicht ist das auch eine wichtige Erkenntnis: Wir müssen nicht die gleichen Dinge mögen, um eine gute gemeinsame Zeit zu haben. Denn ich glaube schon, dass diese Urlaubswoche meiner Tochter in bester Erinnerung bleiben wird: Eine Woche Mamas ungeteilte Aufmerksamkeit (wenn auch nur punktuell) und jede Menge exklusive Erlebnisse, die sie ihren Brüdern unter die Nase reiben kann.

Allerdings: Mein Mann war von diesem Urlaubsmodell weit weniger angetan als ich.

„Das machen wir so nicht noch mal“, war ungefähr der erste Satz, den er bei unserem Wiedersehen am Ferienende sagte. Weil: Anders als uns hat es den drei Jungs offenbar an Beschäftigung und meinem Mann ergo an Erholung gefehlt. Es ist eben ein Unterschied, ob man sich auf ein Kind allein konzentrieren darf – oder parallel einen Zehn- und einen Dreijährigen beschäftigen muss, die ihr Streitpotenzial gnadenlos nutzen. Ich denke, da hilft nur eines: Nächstes Mal müssen wir eben doch wieder zu fünft los – und zwar genau dorthin. Ich hege die Hoffnung, dass dieser Hof der kleinste gemeinsame Nenner für alle unterschiedlichen Interessen unserer Familie ist.

PS: Meine Tochter und ich waren übrigens auf diesem wunderschönen Hof auf Fehmarn. Eine tolle Anlage mit viel Platz und Beschäftigung für alle Familienmitglieder – auch für die, die nicht aufs Pferd wollen. Manche Wohnungen haben eine eigene Sauna, die Tobescheune beschäftigt Kinder von zwei Jahren bis ins Teenie-Alter locker einen kompletten Tag und in Planung sind noch ein Yoga-Raum sowie ein Atelier. Ach ja, und der Haus- und Hof-Allrounder wird gerade noch zum SUP-Trainer ausgebildet – die Ostsee ist schließlich direkt ums Eck. Das ist eine rein private Empfehlung wie auch unser Aufenthalt ein rein privater war. Aber hoffentlich nicht unser letzter!

Habt Ihr auch schon mal nur mit einem Kind Urlaub gemacht? Und würdet Ihr es wieder tun?

Alles Liebe,

Katia