Bevor wir in den Urlaub gefahren sind, gab es da diesen Moment. Ich war gießen im Garten. Die Sonne war fast untergegangen, der Himmel hatte die Farbe von Himbeersorbet. Ich lief barfuß über abendnasses Gras, hüpfte manchmal, weil ich dachte, ich hätte eine Nacktschnecke gestreift. Ich bewunderte meine Verbene im Beet, die kurz vor dem Aufblühen war. Ein bisschen lila konnte ich bereits sehen. Und für einen klitzekleinen Moment dachte ich: „Schade!“

Ich spürte eine leise Wehmut, diesen Garten zu verlassen, der Verbene nicht beim Aufblühen zusehen zu können. Den Kaninchen nicht beim Hoppeln, die Hühner nicht gackern zu hören. Es duftete vanillesüß nach Sommerabend und die Luft war so weich. Ich holte tief Luft. Dann war die Vorfreude auf den Urlaub wieder da. Riesengroß und mit Kribbeln im Bauch. Aber dieser eine kleine Moment, in dem ich mein Zuhause so mochte, dass ich kurz traurig war, es zu verlassen, der hat mich glücklich gemacht.

Urlaub macht viel mit mir. Unsere lange Sommerreise ganz besonders. Ich tanke nicht nur meine Akkus wieder auf. Mein Kopf fängt wie ein Netz Sätze und Ideen aus dem Leben ein für neue Geschichten. Und ich schaue, was mir gut tut und überlege, wie ich das mit rüber in den Alltag nehmen kann. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel angefangen, mir im Urlaub ganz bewusst Zeit für mich zu nehmen. Nicht das Gefühl zu haben, bei jedem Spiel der Kinder dabei sein zu müssen. Sondern mich zu trauen auch mal zu sagen: „Du, ich möchte jetzt hier lesen. Ich habe ja auch Urlaub!“ Ich hatte eine Affäre mit mir selbst. Und das war so gut.

Letztes Jahr hatte ich eine Affäre mit mir selbst, dieses Jahr ein Gespräch mit dem Coach in meinem Kopf

Ich habe dieses Mal besonders hingeschaut und ein paar Pläne gemacht. Während mein Mann vom Surfen und Kicken im Urlaub jeden Abend Muskelkater hatte, fühlte ich mich nach ein paar Tagen ziemlich matt. Wir hatten die Sportrollen getauscht. Während er zuhause in letzter Zeit überhaupt keinen Sport gemacht hatte, war ich jeden Werktag laufen. Zum Schluss mit weniger Lust. Ich habe mich richtig darüber gefreut, wie sehr ich den Sport nach ein paar Tagen vermisst habe.

Weil nicht nur ich so schlapp war nach diesem Jahr, sondern auch mein Body, habe ich mir fest vorgenommen, nach meiner morgendlichen Laufrunde noch eine kleine Krafttrainings-Einheit einzubauen. Ich glaube, es wird Zeit. Jetzt warten drei Youtube-Filme mit kurzen Einheiten auf mich – und ich freue mich richtig darauf, loszulegen.

Ich habe wieder gemerkt, wie gern ich lese und wie gut es mir tut, so wenig wie möglich auf sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. ich weiß, es klingt ein wenig lächerlich, schließlich liefere ich da selbst Inhalte und es ist mein Job. Aber dennoch kann ich nur Werbung machen, sich ein bestimmtes Zeitfenster für seine liebsten Kanäle und Accounts zu nehmen und danach abzuschalten. (Ich habe wieder angefangen die App nach meiner Insta-Zeit vom Handy zu löschen und es tut so gut.) Ich hoffe ihr bleibt WASFÜRMICH online treu, dennoch muss ich hier regelmäßig die Claudia Lustig machen und euch ans Abschalten erinnern. Weil es einfach so gut tut.

Ich habe mich getraut, Nein zu sagen.

Ich habe mit einem wirklich realitischem Blick in meinen Kalender geguckt und gleich mehreren Auftraggebern abgesagt, weil ich nicht gleich wieder in Autobahngeschwindigkeit am Schreibtisch losrasen will. Ich habe auf meinen Mann gehört und im Urlaub kurz zurückgemailt oder angerufen, wenn jemand Termindruck gemacht hat. Und tatsächlich konnte ich die allermeisten Dinge problemlos auf nach dem Urlaub verschieben. Verrückt, wie einfach es sein kann, einfach mal nicht Gas zu geben.

Ich habe meinen Kindern so viel zugeguckt, so viele Arschbomben bejubelt, Käfer bewundert, so viel vorgelesen, so viel zugehört, dass auch der Mama-Akku wieder aufgeladen scheint. Aber ich mag mich so gern als Urlaubs-Mama. Ich habe mir vorgenommen, meinen Kindern auch zuhause noch mehr zuzuhören und zuzugucken.

Und dann habe ich es endlich gewagt, einen meiner Jobarme zu kappen. Ich sehe mich immer als Krake: Ich habe so viele Jobs, wie ein Krake Arme und ich liebe das auch. Aber ein Arm wurde so schwer in letzter Zeit. Ich hielt mich an ihm fest, weil er mir Sicherheit gab – dennoch habe ich mich jetzt getraut, ihn abzuwerfen. Ich fühle eine warme Ruhe bei dem Gedanken. Und schwimme jetzt einfach mal mutig ohne weiter. Ich hoffe, da wächst bald ein neuer Arm. Einer, der nach neuen, spannenden Dingen greift.

Manchmal braucht es Mut, um das Leben zu beruhigen.

Ich habe so etwas schönes bei der tollen Lovis Messerschmidt gelesen. Sie schreibt unter ein (grandioses!) Bild bei Instagram: „Viele sagen ja, dass er Urlaub zu schnell vorbei geht. In meiner Wahrnehmung war unser Urlaub genau im richtigen Moment vorbei, das Ende der Ferien fühlt sich richtig an.“  Und dann schreibt sie noch: „Denn so groß mein Drang nach Freiheit und Weite manchmal ist, gerade erfreue ich mich sehr am Gewohnten, an meinen ausgetretenen Pfaden, der Routine…“

Was für ein schöner Gedanke, oder? Ich möchte mich auch freuen. Ich freue mich also auf ein paar letzte Tage mit meinen Liebsten an der Mosel und dann freue ich mich auf Zuhause und den Alltag. Und auf die lila Verbene im Garten, die hoffentlich noch eine ganze Weile blüht.

Richtig schön übrigens, wieder hier zu sein. Welches Mitbringsel nimmst du aus diesen Sommer mit?

Alles Liebe,

Claudi