Heute ist der allererste Tag, an dem ich hier nicht weiß, was ich schreiben soll. Was mein Kopf schreibt? Das: Ich bin echt ein positiver Mensch. Ich versuche immer das Gute zu sehen. Ich habe meistens so viel Energie, dass andere stöhnen: „Wie machst du das bloß?“ Gerade habe ich sie nicht.  Dank Corona fantasiere ich über Winterschlaf bis mindestens April. Gerade bringe ich meine Kinder mit einem Gesicht zum Kindergarten, dass die anderen Eltern erschrocken fragen: „Ist was?“ Gerade denke ich: „Ich mag nicht mehr!“ Aber das kann ich hier doch nicht schreiben…

Ist es nicht mein Job, hier fröhlich zu sein? Ist es nicht genau das, was wir alle brauchen? Ich schaue auf meinen News-Feed auf dem Handy und lese: „Merkel zur Corona-Pandemie: So kann es nicht weitergehen.“ (Tagesschau.de) Und: „Es stehe uns schwere Monate bevor!“ (Tagesspiegel.de) Und: „Erste Politiker befürchten Kontaktsperre zu Weihnachten.“ (Bild.de) und ich fühle mich so hilflos. So müde. Fakt ist: Ich trage seit Monaten brav meine Maske. Wir haben unsere Kontakte mehr als halbiert. Wir waschen, wir desinfizieren. Wir halten uns an alle Regeln. Dennoch ungenügend. Ich fühle mich wie ein Kind in der Schule, das immerzu sein Bestes gibt – und trotzdem schon wieder eine Sechs bekommt.

Wie verzweifeln wir nicht trotz steigender Corona-Zahlen?

Ich merke, dass diese Art der Berichterstattung etwas mit mir macht. Eigentlich das Schlimmste, was passieren kann. Sie macht mich antriebslos. Sie lässt mich denken: Bringt ja doch alles nichts. Sie macht, dass ich mir wünsche, dass Zeit einfach verfliegt. Wertvolle Lebenszeit! Was ich schrecklich finde. Ich weiß, und das will ich hier keinesfalls leugnen, die Zahlen der Neuansteckungen sind eine Katastrophe, diese Krankheit ist eine riesengroße Gefahr und Herausforderung, unser kleiner Krieg vielleicht. Aber ich frage mich, wie wir es dauerhaft schaffen können, damit vernünftig umzugehen. Brauchen wir vielleicht eine Mindestquote für gute Nachrichten?

Ich zum Beispiel denke in dieser letzten Oktoberwoche permanent daran: „Puh, endlich ist dieses seltsame Jahr vorbei.“ Bis mir einfällt: „Naja, was soll sich bitte in 2021 daran ändern?“ Meine Mantra-Artikel wie: „Diesen Winter noch…“ sind rar geworden. Überall nur Angstmache.

Ich versuche wirklich die Laune zu halten. Ich bin gerade noch dabei, meinen Kindern zu erklären, dass Halloween dieses Jahr nicht stattfinden wird. Beim Laternenumzug bin ich auch schon dran. An die wohl kaum stattfindende Geburtstagsfeier meines bald Sechsjährigen habe ich mich noch nicht drangetraut. Auch nicht an unsere regelmäßigen Spieleabende mit zwei Familien, mein Alltagslichtblick, meine kleine Laune-Therapie, zu der in Zukunft eine Familie per Zoom zugeschaltet werden muss. Ich habe noch nichts davon erwähnt, dass Weihnachten ohne Opa und Oma stattfinden wird und eine Silvesterparty gar nicht.

Wie behalten wir gute Laune angesichts all der negativen Schlagzeilen?

Ja, ich vergesse dabei nicht eine Minute, dass es sehr, sehr viele Menschen gibt, denen es viel schlechter geht. Ich bin dankbar für unser Haus, dankbar für unseren Garten. Dankbar für unsere Gesundheit. Dankbar für meine Arbeit. Dennoch sorge ich mich nicht nur um unsere Laune, sondern auch um die Laune in unserem Land. Diese Krise darf doch nicht zum Wettbewerb werden, wer seinen Frust besser verstecken kann.

Ich habe das Gefühl, wir werden angestichelt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wenn Politiker harte Strafen für Menschen ausrufen, die sich nicht an die Regeln halten, braucht es Menschen, die diese melden. Schreckliche Vorstellung. Gemeinschaft ist verboten. Feiern ist verboten. Wer sich anders äußert, bekommt die Kriegs-Keule entgegengeschleudert. Noch mehr als wir Eltern die Jugendlichen. An die muss ich ständig denken. Die Generation, die eigentlich die Leichtigkeit ins Land bringt. Ich habe noch keinen Sohn im Fetenalter, aber ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es für die Teenies und Tweenies  zur Zeit sein muss. Die Süddeutsche schreibt am Wochenende: „Selbst die Kanzlerin zementiert das Bild der Jugend, die für eine gute Party ihre Oma opfern würden.“ Für Lebensfreude gibt es keine Lobby.

Ja, es gibt hohe Ansteckungszahlen unter den 15 bis 34 Jährigen. Aber an den aktuellen Super-Spreader-Events wie Hochzeiten, Familienfeiern, Gottesdiensten und Privatpartys in Restaurants sind nicht nur sie beteiligt. Für all die Politiker im fortgeschrittenen Alter ist es leicht zu fordern, dass man auf unbeschwerte Feierei einfach verzichten solle – sie haben das unbeschwerte Feiern, Knutschen, Kennenlernen ja auch gehabt. Ich denke an all die Studenten, die in diesem Jahr anfangen und frage mich, wie sie Kontakte knüpfen sollen bei all den Einführungsveranstaltungen via Zoom und gestrichenen Ersties-Parties. Ich durfte in dieser Zeit Freundschaften fürs Leben knüpfen. Ein soziales Netz stricken, das bis jetzt und hoffentlich ein Leben lang hält.

Wie kommen wir gut durch diese Krise?

Wie sollen die Jugendlichen und der Rest der Bevölkerung Durchhaltepower und Mut entwickeln, wenn überall nur Negatives steht? Keine Nachrichten lesen scheint mir auch nicht die Lösung zu sein. Aber ich sorge mich, dass wir demnächst nicht nur eine Corona- sondern auch eine Lebensfreude-Impfung brauchen könnten. Darum, nur darum, atme ich jetzt ganz tief durch. Und schreibe doch was. Ich kann nämlich doch etwas tun. Ich erzähle euch einfach, was mir am Wochenende bei Launeabsturz geholfen hat. Vielleicht werden Blogs wie meiner in dieser Zeit sogar noch wichtiger. Als Laune-Lobby.

1. Es gab die schnellste Birnentarte der Welt. Irre gut und ganz einfach. Das Rezept gibt es im neuen Kochbuch und das erscheint schon nächste Woche. Juchhu!!!!

2. Meine liebste Schlodder-Hose ist wieder da! Ich habe die Mona-Pants von Lollys Laundry meine ganzen Schwangerschaften durch getragen, sie ist irre bequem und sieht dennoch schick aus. Und macht auf verrückte Schlabberhosen-Weise eine gute Figur. Jetzt gibt es sie gerade ausnahmsweise bei Wohngeschwisterchen und wenn ihr Caro eine nette Mail an info@wohngeschwisterchen.de schreibt, ist sie sicher so nett und schickt euch auch eine.

3. Wir haben weiter daran gearbeitet, unsere Geburtstagsbücher nachzutragen. Für alle die es noch nicht mitbekommen haben: Dieses wunderschöne und sehr besondere Erinnerungsbuch für Geburtstage (und den Rest des Lebens) gibts bei uns im Shop. Schaut doch gern mal. Und noch eine Bitte: Falls es euch gefällt, hinterlasst gern eine Rezension bei Amazon. Das ist für uns als Miniverlag sooooo wichtig. Danke!

4. Ich mag die Karten von Monimari immer. Dieses Jahr aber tun die zuckersüßen Motive besonders gut. Ich denke, ich sollte unser Haus damit tapezieren.

5. Außerdem gab es bei uns am Wochenende noch diese leckere Kürbislasagne.

6. Helfen ist hart. Bei uns uns im WASFÜRMICH-Büro stapeln sich über dreißig Helme, die ich hier gesammelt habe und die ihr tollerweise geschickt habt. Was nicht so leicht ist: Diese Helme denen zukommen zu lassen, die sie so dringend brauchen. X-Mal haben wir bereits mit der Polizei telefoniert. X-Mal auf einen Rückruf des DRK gewartet. Für spontane Hilfsaktionen gibts scheinbar keinen Asprechpartner. Aber wir bleiben dran und ich bin guter Dinge, dass wir die Helme spätestens nächste Woche übergeben können. Ich werde berichten!

Was das mit Nüssen zu tun hat? Nichts. Die haben meine Jungs gepflückt und sie sehen soviel besser aus als ein Haufen Helm-Pakete.

7. Diesen Tee-Adventskalender habe ich bei uns im Supermarkt entdeckt und gleich einen zum Verschenken mitgenommen. Jetzt habe ich ihn am Freitag geöffnet und gleich jeden Tag einen getrunken. Tat so gut und macht mich kurz glücklich. Werde ich jetzt einfach täglich machen. Dieses Jahr ist vielleicht das Jahr für einen Kalender von Ende Oktober bis Anfang Mai.

8. So sieht er aus, ein Sonntag bei uns: Schlabbersachen und Kabelsalat. Überall Lesestoff, ein durcheinander gespieltes Jahreszeitenfenster. Gemütlichkeit statt Glamour. Dazu zu stehen, hat mir die Corona-Krise beigebracht. Ich denke, 2020 ist auch eine Chance, in den eigenen Ansprüchen aufzuräumen. Und das ist wiederum, kann ziemlich gute Laune machen.

Sagt mal ehrlich: Wie gehts euch?

Alles Liebe,

Claudi