Ich bin ein Gaffer. Ein leidenschaftlicher. Ich gebe es zu. Ich gaffe schrecklich gern – in fremde Zimmer, Wohnungen, Häuser. Bei neuen Bekannten bitte ich zuerst um eine Wohnungstour. Kein beleuchtetes Fenster auf meiner Joggingstrecke ist vor mir sicher. Und selbst bei den frischzugezogenen Mamas aus dem Kindergarten, wenn ich bloß ein Poesiealbum zurückgeben will, stottere ich auf der Fußmatte herum. Bis ich mich endlich traue zu fragen, ob ich mal kurz gucken darf. Nicht, weil ich wissen will, was die Menschen in ihren Wohnungen gerade tun, nö, kein Stück. Nur wie sie wohnen, interessiert mich. Welche Farbe ist an der Wand? Welches Sofa? Welcher Schrank…?
KInderzimmer,
Als ich vor einer Weile bei einem Frühstück mit meinen Mädels meine Gaff-Leidenschaft zugab, stellte sich heraus, dass ich kein bisschen besonders war. Im Gegenteil. Meine Freundin S. fährt abends sogar Umwege durch Hamburg – weil man in den Nebenstraßen besser gaffen kann. „Bloß blöd, dass man um die Uhrzeit keine Kinderzimmer mehr sieht“, schnaufte S. zwischen zwei Happen Rosinenbrötchen. „Kinderzimmer gucken ist schließlich am spannensten.“
Ich dachte kurz nach und gab S. recht. Tatsächlich, seit ich selbst Kinder habe, ist Kinderzimmer gucken wirklich der Knaller. Warum? Weil es sich ein wenig anfühlt wie das erste Mal in – sagen wir – New York. Bunt. Cool. Laut. Selbst wenn man nichts hört, kann man das Laute quasi sehen. Und überall entdeckt man Neues und immerzu möchte man rufen: „Ahhh“ und „Ohhh“ und „Guck mal“.

Außerdem ist es ja so, dass gerade Kinderzimmer ziemlich viel aussagen über die Erzeuger ihrer Bewohner. Treckerbordüre? Experimentierkasten? Wolkenkratzerbarbiehaus? Jahreszeitentisch? Was beispielsweise wünschen sich die Leute aus der Gärtnerstraße 56a für ihre Kinder? Welche Ideen haben Steffi und Sven aus der Kinderturngruppe in Sachen Lotta-Sophia oder Paul-Bosse? Hach, ne, was is das spannend.

Darum gibt´s ab jetzt eine neue Serie. In AUSNAHMSWEISE AUFGERÄUMT nehme ich euch einfach mit bei meiner nächsten Kinderzimmerbesichtigung. Das Besondere: Ich zeig euch keine Kinderkühlschränke. So nenne ich diese überaus hübsch gefüllten Zimmer, die aber irgendwie kühl und praktisch unbespielbar sind. Ihr ahnt es, bloß Rauchtofu und Kapernäpfel und so. Nee, hier gibt´s echte, liebenswerte Räume mit guten Ideen und schönen Dingen für kleine Krachmacher. Den Fußboden grab ich dabei kurz für euch frei.  Ausnahmsweise. Mehr aber nicht. Was meint ihr – habt ihr Lust? Dann kommt mit. Als Einstieg sind wir bei meiner Freundin Katia zu Besuch.
schönes Kinderzimmer
Katia habe ich vor Jahren beim gemeinsamen Volontieren bei einem großen Hamburger Verlag kennengelernt und leider aus den Augen verloren, als ich den Verlag verließ. Vor knapp einem Jahr traf ich sie durch Zufall wieder – völlig unerwartet auf den Stufen unserer winzigen Dorfturnhalle, pünktlich zur montäglichen Kinderturnstunde. Heute spielen unsere Kinder mindestens einmal die Woche miteinander – und wir gern mal abends bei einem Glas Wein. Für ihren zweijährigen Sohn Mats hat Katia eins der gemütlichsten und lässigsten Kinderzimmer eingerichtet, das ich kenne.
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Kinderbuch aus Frankreich
Kinderzimmer, Emailleschüssel
KIndermatratze, Tobematratze
Wasfürmich: Verrat mal Katia, was gefällt Mats an seinem Zimmer am besten? Und was dir?
Katia: Mats liebt definitiv die große Matratze – hüpfen, hüpfen, hüpfen – jeden Tag, immer wieder. Und neuerdings sein Tipi. Höhlen gehen ja immer. Ich genieße besonders, dass das Zimmer so groß ist. Und ich mag das prall gefüllte Bücherregal, ganz besonders das französische Kinderbuch „Les instruments du Monde“, ein Geschenk unserer frankophilen Freunde. Außerdem die ganzen Familienerbstücke, wie den kleinen blauen Puppenschrank, mit dem ich schon gespielt habe und den kleinen Holzstuhl mit der blauen Sitzfläche, der meiner Mutter gehörte und den ich für Mats in tagelanger Arbeit entlackt und neu gestrichen habe.
Wasfürmich: Ganz ehrlich, meine Kinder verbringen ja (leider!) immer noch die meiste Zeit da, wo ich gerade bin. Wie ist das bei euch? Nutzt ihr Mats Zimmer so richtig?
Katia: Mats verbringt tatsächlich sehr viel in seinem Zimmer – mindestens genauso so viel, wie beispielsweise bei mir in der Küche. Nur wenn ich unbedingt möchte, dass er in seinem Zimmer spielt, geht gar nichts.
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Tipi fürs Kinderzimmer
Wasfürmich: Wenn du morgen im Lotto gewinnst – wie sieht Mats Zimmer dann nächste Woche aus?
Katia: Mats Zimmer gefällt mir eigentlich schon sehr gut. Mit einer ordentlichen Finanzspritze würde ich ihm sofort eins dieser coolen Abenteuerbetten kaufen, mit Rutsche und Lenkrad und allem Pipapo. Früher waren die von Gullibo. Ich glaube, so eins bekommt er aber auch ohne Lottogewinn – wenn er nicht mehr so oft hinfällt.
Wasfürmich: Hast du noch einen Kinderzimmertipp für Neu-Mamis?
Katia: Weniger ist mehr. Und Holzspielzeug gefällt meist bloß den Eltern. Traurig, aber ist so: Die Kids lieben Plastikstaubsauger und Autos die seltsame Geräusche machen…

                                                                 Vielen Dank, Katia!

PS. Und bei euch? Was lieben eure Kinder an ihren Zimmern und was liebt ihr? Und wie gefällt euch überhaupt diese Serie? Ein schönes Wochenende!

Allerbeste Grüße, Claudi

Ausnahmsweise aufgeräumt - Katia und Mats

Kindertisch- und passende Stühle: Ikea.
Stuhl mit blauer Sitzfläche und Puppenschrank: Erbstücke.
Schrank, Emailleschale, Stuhl mit geflochtenem Sitz: Flohmarkt.
Kinder-Tipi, Stifte-Bulli von Werkhaus und französisches Kinderbuch: hier und hier
und hier (Affiliate-Links. Sprich: wenn ihr darüber bestellt, kostet´s euch keinen Cent mehr, aber ich bekomme einen kleinen Zuschuss zu meinen Materialkosten).
Blumen an der Wand: hier.

Claudi