Wir waren eine passionierte Urlaubs-, aber keine ausgeprägte Ausflugsfamilie. Was vielleicht daran lag, dass meine Eltern beide berufstätig waren und wir ein großes Haus plus Garten hatten, sprich: An den Wochenenden gab es immer etwas zu tun. Und doch sind mir unsere Ausflüge ins Umland bis heute in bester Erinnerung, weil sie mir eine prägende Erfahrung mit auf den Weg gegeben haben: Das Gute (das, was anders, spannender, inspirierender als Alltag zuhause ist), liegt oft erstaunlich nah …

Wir haben jetzt auch ein großes Haus nebst Garten, es gibt immer etwas zu tun. Doch so gern ich zuhause oder in den Beeten rumpuzzle: Wenn’s draußen grün wird, sorge ich dafür, dass wir regelmäßig für ein paar Stunden, einen ganzen Tag oder gleich ein komplettes Wochenende den Picknickkorb plus die Kinderschar ins unseren Van packen und kurz dem Alltags Adieu sagen. Weil: Es gibt einfach so viele schöne Flecken zu entdecken – und viele sind nur einen Katzensprung entfernt.

Schon eine Teezeit an unserer Wanderdüne im nahen Wäldchen kann einen banalen Tag zu einem bezaubernden machen.

Oder ein Strandtag vor der eigenen Haustür. Manchmal reicht eine andere Aussicht, andere Luft, andere Vegetation, um das Gefühl von Abenteuer, von Freiheit und Ferien vom Gewohnten zu entfachen. Woanders bin ich – sind wir alle – häufig präsenter, weil es nichts Alltägliches oder überhaupt etwas zu tun gibt. Keine lästigen Pflichten, keine dauerpräsenten Projekte. Uns bleibt nichts, außer die gemeinsame Alltagsflucht zu genießen, bei der oft bleibende Erinnerungen geschaffen werden.

So richtig ins Blaue drauflos fahren wir selten. Meistens peilen wir ein vorab gewähltes Ziel als Fixpunkt an – und erkunden von dort aus die Gegend. Ganz viel Inspiration hole ich mir aus der tollen Wochenender-Reihe, die vor allem uns Nordlichter mit jeder Menge potenziellen Lieblingsorten versorgt: Hofcafés, Badeseen, schönen Stränden oder Landschaften zum Durchatmen. Jeder Tipp ein Treffer! Zusätzlich zu meinen persönlichen all-time-Ausflugs-favourites komme ich mittlerweile auf eine beachtliche Sammlung von Geheimtipps und Wochenend-Wonneorten. Habt ihr auch so Sehnsucht nach Rauskommen? Dann mir nach!

Hier kommen meine 5 Lieblingsausflüge ins Hamburger Umland für Euch.

Hohwachter Bucht. Als Hamburger ist das Meer glücklicherweise nie weit. Obwohl wir große Nordsee-Fans sind, ist auch die Ostsee zweifellos eine Perle – und für uns meist ein Stück näher dran. Eine absolute (Wieder-)Entdeckung ist die Hohwachter Bucht und dort der Strand rund um Sehlendorf: Weißer Sand mit Blick auf die Steilküste der Holsteinischen Schweiz, wie die leicht hügelige Gegend hier liebevoll heißt. Dazu eine kleine Surfschule und die grandiose Fischbar, in der nicht nur die obligatorischen Fish&Chips, sondern auch Bowls und Suppen fantastisch schmecken. Steht im Sommer mindestens an einem Wochenende auf unserem Plan.


Lüneburg. Wenn eine hiesige Kleinstadt den Zusatz pittoresk verdient hat, dann mit Sicherheit dieses wunderhübsche Studentenstädtchen in Niedersachsen: Malerische Kopfsteinpflaster-Gässchen zwischen spitzen Giebelhäuschen – hier fühlt sich das Leben immer sofort nach Urlaub an. Von uns draußen am Deich ist es schneller in die Hansestadt Lüneburg als nach Hamburg City, weswegen wir dort oft und gern durchs Wasserviertel bummeln oder uns am Stintmarkt in das Treiben mischen, das hier wenig norddeutsch-reserviert ist.

Wir lieben für einen familientauglichen Lunch die Pasta vom Nudelkontor, und anschließend im Sommer das beste Schokoladeneis der Welt von Edelmann & Paulig (Bei der Abtspferdetränke 1). Wenn mein Mann und ich eine Date-Night haben, essen wir gern persisch im Soraya. Und weil Lüneburg die zweithöchste Kneipendichte Europas nach Madrid hat, muss natürlich auch ein Absacker noch drin sein. Ich mag das Blaenk, da kann man auch tagsüber schon lecker Happen essen (der Schoko-Nuss-Kuchen ist für Götter!) – und abends geht man zu guten Drinks über.

Schaalsee. Im ehemaligen Grenzgebiet zu Mecklenburg-Vorpommern liegt das Biosphärenreservat Schaalsee. Weil die Natur dort jahrzehntelang fröhlich vor sich hinwuchern durfte, ist die Vegetation üppig – und die Landschaft grandios. Wer im Training ist, kann in rund vier Stunden um den See radeln. Es reicht aber auch völlig, in Zarrentin im Strandbad mit Sprungturm abzuhängen (oder an einem der anderen Strände rund um den See) und später in der Schaalseefischerei köstlichen, fangfrischen Saibling zu probieren.

Mein Mann besteht bei jedem Schaalsee-Ausflug auf einen Besuch in der Kutscherscheune, um das legendäre Bauernfrühstück und die noch legendäreren Torten zu probieren – und sie sind und bleiben überwältigend (in Qualität und Quantität). Was ich in diesem Jahr gern als mal als romantische Auszeit probieren würde, ist eine Übernachtung im Nest 13 – einer kleinen Pension mit individueller Menü-Verköstigung. Sieht absolut fantastisch aus!


Wendland. Mein immerwährender Sehnsuchtsort ist das Wendland, seitdem wir dort mal ein Wochenendhäuschen hatten. Nicht-Norddeutschen vielleicht als das Fleckchen Erde bekannt, in dem sich der Atomkraft-Protest rund um Gorleben formierte, ist es bis heute Rückzugsort für Kreative und Alternative.

Besonders schön ist es dort während der Kulturellen Landpartie: Da öffnen die Bewohner der bezaubernden Rundlingsdörfer wie Satemin ihre Häuser und Gärten für Besucher – Landlust ist für mich selten spürbarer als dort. Claudi ist auch immer da.

Auch der Kulturhof Mützingenta ist immer einen Besuch wert – in den Sommermonaten gibt es dort mittwochs und freitags in der Outdoor-Pizzeria „Mama Rose“ Köstlichkeiten aus dem Steinbackofen, häufig mit Live-Musik. Eignet sich auch hervorragend für eine Paar-Auszeit – hier habe ich schon einmal darüber geschrieben.

Mein Lieblingsrestaurant ist „Das Alte Haus“ in Jameln mit dem wohl besten Vorspeisen-Büffet mindestens des Landkreises. Mit Kindern lohnt auch der „Michaelshof Sammatz“ mit angeschlossenem Archehof und wunderschönen Gartenanlagen, Café und großem Spielplatz. Und mit Freunden möchte ich mich unbedingt einmal für ein langes Wochenende in diese wunderschöne Wassermühle einmieten – ein Traum, oder?

Sachsenwald. Von uns tatsächlich nur einen Katzensprung entfernt ist der wunderschöne Sachsenwald mit seinen jahrhundertealten Buchen und Eichen. Wer nicht den 18-Kilometer-Rundweg (Start: Mühlenteich in Aumühle) wandern will, kann auch einfach der Nase nach auf den Forstwegen rund um Aumühle und Friedrichsruh eine Weile spazieren. Dann ist es auch nicht weit zum Forsthaus Friedrichsruh, wo man in einem tollen Interior-Mix aus Alt und Modern Wild und Fisch aus den eigenen Jagdgründen essen kann.

Oder in den Garten der Schmetterlinge, den meine Kinder lieben. Wie waren kürzlich zudem das erste Mal im dortigen Kletterpark – ziemlich wow: In sechs Metern Höhe auf Baumriesen unterwegs sein. Das ist Waldbaden für Fortgeschrittene…

Und wo zieht es Euch ins Umland? Ich fände es für die Community hier total spannend, ein paar Geheimtipps aus allen Ecken Deutschlands zusammenzutragen. Macht Ihr mit?

Alles Liebe,

Katia