Gestern Abend auf dem Sofa. Ich saß endlich – aber meine Gedanken wirbelten noch durchs Haus. Es war mal wieder ein wilder Tag gewesen. Ein typischer Dienstag. Ich war spät aus der Schule zurück, den Kopf noch voll mit Schule. Ein Sohn hatte keine Lust Hausaufgaben zu machen, ein Sohn musste für eine Arbeit lernen und seine Mappen sortieren, einer wollte kuscheln und Bücher lesen, die Wäsche wollte gemacht, der Einkauf ausgepackt und das Abendessen vorbereitetet werden…

Gerade an solchen Tagen hüpft mein Hirn wie ein Heupferd herum. Auf dem Weg zur Wäsche fällt ihm die Krankenkassekarte ein, die ich dringend ins Auto legen wollte, wenn ich mit dem Sohn übe Zettel zu lochen, will ich aufspringen und dringend die Rücksendung erledigen, die seit Tagen in meinem Arbeitszimmer herumliegt.

Apropos Arbeitszimmer – das klappt ständig sein Maul, ähm Tür, auf und will mich herunterschlingen in den unverdauten Brei aus liegengebliebenen Projekten, Presseunterlagen, Buchrecherchezetteln und mehr. Irgendwann malen die Kinder auf dem Boden, weil auf dem großen Tisch vor lauter Schulkram kein Platz ist. Jetzt kann mein Hirn auch noch wütend von Wachsstiftfleck zu Wachsstiftfleck auf dem Boden hopsen. Dann stößt sich einer, einer hat die Windel voll, die Apfelschorle kippt um – alles auf die Schulsachen.

Wenn alles mal wieder zu viel wird

So ein Tag also. Abends auf dem Sofa ist sogar die Stille noch laut. Und statt dann wirklich Ruhe zu suchen macht mein Hirn was? Giert nach dem Handy, was neben mir liegt. Will statt durch unser Chaos jetzt von Bild zu Bild hopsen. Ich kenne das leider. Da ist eine Stunde rum, aber Stille im Kopf ist nicht.

Genau in so einem Moment habe ich die Geschichte von Svenja gelesen. Svenja hat fast zehn Jahre als Modedesignerin für eines der größten Mode-Unternehmen in Deutschland gearbeitet. Sie hat ihren Job geliebt. Sie sagt: „Kreativität plus hohe Geschwindigkeit plus viele Reisen war total meins. Ich war da total drin, bin super früh aufgestanden, habe viele, viele Stunden gearbeitet. Erst als ich versuchte, schwanger zu werden und es nicht geklappt hat, habe ich mich gefragt, ob das alles gut ist wie es ist.“ Svenja hatte in dieser Zeit zwei Fehlgeburten, fühlte sich schrecklich.

Als sie im Jahr 2015 nach New York City zog, weil ihr Mann dort einen neuen Job gefunden hatte, kam die Entschleunigung. Eine Vollbremsung: „Ich hatte keine Arbeitserlaubnis – und war daher plötzlich raus. Betriebssystem einmal zurückgesetzt. Alles auf Null. Ich habe jeden Tag Yoga praktiziert, bin viel gelaufen, habe die Stadt entdeckt und hatte zum ersten Mal seit vielen Jahren keinen Stress.“

Meditation für Anfänger

Svenja erzählt mir, dass es sie wenig überrascht hat, dass sie nach zwei Monaten schwanger war. Sie entdeckte die Meditation, um sich noch mehr zu entspannen und vor allem, um ihre Angst vor einer weiteren Fehlgeburt zu lindern: „Zum ersten Mal habe ich in mich reingehorcht, mich gefragt, wie ich meinen Körper unterstützen kann, der diesen winzigen Menschen wachsen lässt. Ich wollte mehr und machte die Yoga-Lehrerausbildung. Ich habe es total genossen und es war für mich wahnsinnig hilfreich, mehr über die Verbindung von Atem und Bewegung zu lernen. Als ich im 8. Monat schwanger war, entschied ich mich auch noch die Ausbildung zum Schwangerschaftsyoga-Lehrer zu absolvieren.“

Heute unterrichtet Svenja Yoga und bietet unter dem Namen MOAI New York Online-Seminare als Health-Coach an. Sie möchte Frauen helfen, in einen gesünderen Lebenstil zu finden. Svenja sagt: „Ich möchte dazu inspirieren und zeigen, dass es Spaß macht, ein gesundes Leben zu führen.“ Als ich seufze, meint sie: „Klar geht das nicht alles auf einmal und von jetzt auf gleich. Sondern nur Schritt für Schritt. Und vielleicht beginnt es ja heute Abend auf dem Sofa. Fang doch einfach mal mit Atmen an.“

Atmen. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir sofort meine dritte Geburt ein. Nie zuvor und nie wieder waren mein Atem und ich so dicke wie damals. Während dieser Geburt habe ich es geschafft, mich am Atmen festzuhalten. Das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben und mich durch die Schmerzen gelotst, einfach in dem ich nicht aufgehört habe, tief und lang ein- und auszuatmen. Es war mit Abstand meine schnellste und unkomplizierteste Geburt.

Eine kurze Meditation zum Ausprobieren

Jetzt auf dem Sofa, mit dem Geräusch der lauten Stille im Kopf und meinem Handy in der Hand, dachte ich, wenn Atmen mich durch eine Geburt trägt, dann doch wohl auch durch dieses verrückte Jahr. Ich habe mir also ein Kissen unter den Po geschoben (Svenja sitzt auch gern leicht erhöht). Dann habe ich Svenjas kleine Einsteiger-Meditation angemacht, die sie exklusiv für alle WASFÜRMICH-Leser aufgenommen hat und losgelegt mit dem Atmen. Danach habe ich mein Handy weit weggelegt und noch eine Stunde mit mir selbst, einer Tasse Tee und einem Buch verbracht. Und mit meinem neuen Kumpel, meinem Atem.

Vielleicht ist Svenjas Meditation für Anfänger ja auch was für dich. Ganz viel Spaß beim Ausprobieren.

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Was bringt dich derzeit abends runter? Erzähl doch mal, Svenja und ich sind gespannt.

Liebe Grüße,

Claudi