Ich habe das Gefühl, so langsam haben wir im Bekanntenkreis beinahe ebenso viele Paare die drei Kinder haben (oder wollen), wie welche die zwei haben. Bei uns im Dorf sowieso – da ist ein drittes Kind nichts Besonderes. Aber ist das tatsächlich Trend? Bekommen die Leute wieder mehr Kinder? Ist drei das neue zwei? Und ist es überhaupt wirklich so toll, drei Kinder zu haben? Meine Freundin S. durfte mir dazu beim Kaffee ein paar Fragen stellen. S. hat zwei Kinder und wünscht sich ein drittes. Eigentlich. Oder doch nicht?
Will ich drei Kinder, dreifacher Kinderwunsch
Liebe Claudi, sag doch mal, gerade ist der Körper wieder fit und die letzten Schwangerschaftspfunde sind geschmolzen. Gerade hat man abgestillt und ist mal wieder allein im Frauenkörper und dann noch mal wieder alles von vorn? Wieder fett werden, wieder den Körper teilen, hormonell verwirrt, hochemotional und zutiefst mütterlich sein?
Liebe S., also meine Schwangerschaftspfunde waren noch nicht ganz geschmolzen, als ich mit Tjelle schwanger geworden bin. Vielleicht hab ich deshalb gedacht: ach komm, egal. Überhaupt: Klar ist mein Körper nicht mehr derselbe. Aber dieser Körper hat mir meine Kinder geschenkt. Das werde ich ihm nie vergessen. Dafür verzeihe ich ihm auch ein paar Rundungen und Dellen und Flecken. Und auf eine Schwangerschaft mehr oder weniger kommt es jetzt eh nicht mehr an, oder? Außerdem kann man sich ja dann danach überlegen, wie man das beste daraus macht, welcher Sport sich vielleicht integrieren lässt. Welche Süßigkeiten man weglässt. Oder auch dabei. Wer sagt, dass du nicht auch oder gerade schwanger endlich mit Yoga loslegen kannst.
Noch was: Zwei Kinder, zwei Erwachsene: Für jeden ist immer einer dabei, in beide Richtungen. Und auch das Kinder-Outsourcing bei Freunden oder Großeltern läuft spitze. Denn zwei nimmt jeder mal. Aber drei? Wer nimmt das Dritte und vor allem, wer nimmt alle? Oder bleibt nicht immer einer übrig?
Also da ist schon was dran: Zwei Kinder einer Freundin aufs Auge zu drücken, würde ich mich grad noch trauen, drei schon nicht mehr. Da braucht es schon ein wenig mehr Organisation. Ein paar mehr Anrufe bei Kindergartenmüttern: „Könntest du vielleicht Tjelle? Die K. nimmt Luk und J. nimmt Lasse.“ Wir haben das große Glück und Oma und Opa direkt nebenan wohnen. Da ging es bis jetzt immer irgendwie. Obwohl ich natürlich auch ein seltsames Gefühl habe, ihnen das ganze wilde Trio für eine Nacht zu überlassen. Haben wir aber schon mal gemacht. Und würde Oma wieder machen, hat sie gesagt. Eins ist aber Fakt: Bei drei KIndern wird die Zeit, die man ganz ohne Kinder hat, tatsächlich viel kleiner, bei uns auf jeden Fall. Bei zweien war das anders, da hat öfter einer mal beide genommen und der andere hatte frei. Jetzt nimmt auch oft einer zwei, mit zum Schwimmkurs zum Beispiel, dann bleibt ja aber immer noch einer für den anderen übrig. Allerdings merkt man dann erstmal, wie leise und relaxed es mit einem Kind ist. Das ist ja auch was Schönes.
ein drittes KInd bekommen? Vor- und Nachteile eines dritten KIndes
Puh. Ich habe außerdem gerade das Gefühl, jeder hat sich bei uns im Vierer-Dasein eingegroovt. Alles im Fluss, alles flutscht. Jeder hat seinen Platz, jeder seine Rolle und die Aufgaben und Bedürfnisse werden gerecht verteilt und erfüllt. Und dann kommt noch mal jemand Neues und die bringt die frische, praktische und beruhigende Ordnung durcheinander und zwingt zur abermaligen Familien-Neufindung.
Ha erwischt. DIE bringt die frische Ordnung durcheinander? Du gehst also ganz fest von einem Mädchen aus, das da als drittes noch zu euch käme. Also hast du schon ein fertiges Bild im Kopf. Ich glaube, das Geheimnnis ist Spaß an der Neuordnung, am frischen Wind, ja an dem Chaos zu entwickeln. Und keine fertigen Bilder darüber im Kopf zu haben, wie die eigene Familie ist. Dann beginnt man das ganze als Abenteuerreise zu sehen, nach deren Frische und Esprit man auf der anderen Seite auch nahezu süchtig werden kann. Überhaupt: ich glaube, mit drei Kindern sollte man wenigstens eine Hauch von Chaos im Haus mögen. Das macht es zumindest einfacher.
Apropos Chaos, was ist denn mit Urlaub? Ich mache demnächst eine Klettertour mit Freunden, er den Skiurlaub mit den Kumpels. Ich fahre übers Wochenende zu einem Workshop, er die 3-Tage-Wanderung durch den Harz – Jeder kann mal wieder was ALLEINE machen und nur ICH sein. Ohne große Vorplanung, ohne großes Orga-Theater und vor allem auch: ohne schlechtes Gewissen und dem Gefühl, bei dem anderen irgendwie in der Schuld zu stehen. Ich frage mich, ist es das Wert, das ICH also wieder zurückstellen und im WIR einfügen?
Die Frage stellte sich für mich nie. Überhaupt: Wieso fahrt ihr denn dann nicht einfach zu fünft weg und habt eine gute Zeit? Das ist das, worauf ich mich unglaublich freue: Urlaub zu fünft. Mit einer ganzen eigenen Bande. Mit Krach und Leben und vielen Leuten am Tisch, wie in einer italienischen Nudelwerbung. Dass das nicht immer wie in der Werbung ist, ist klar. Manchmal schreien alle und die Kleinen hauen und kneifen und ich will doch bloß mal diese eine Seite Zeitung zu Ende lesen. Aber manchmal ist es eben doch so. Und diese Momente, wenn einer erzählt und alle zuhören und wir uns ansehen, ein nudelverschmiertes Gesicht neben dem anderen, und dann lachen, alle zusammen und das Wir-Gefühl in unserer Mitte hochgeht, wie ein Tischfeuerwerk und als silbernes Konfetti auf uns hinunterprasselt, dann weiß ich, genau das ist es, was ich will. Ach und überhaupt: wer sagt denn, dass man auch mit drei Kindern nicht mal für ein Wochenende allein wegfahren kann? Ich finde das geht trotzdem. Ohne schlechtes Gewissen. Vielleicht lädt sich der der zu Hause bleibt einen Freund zur Unterstützung ein. Oder die Mutter. Oder rockt die Kids eben 48 Stunden mal allein.
Und wie gehst du damit um, mit diesem ganzen Beikost/Zahnen/Kolliken/Schlafprobleme/Schnullerentwöhnung/Trockenwerden-Gedöns? Beim ersten Kind ist das anstrengend, aber auch wahnsinnig spannend. Beim zweiten vor allem anstrengend und ein klitzekleinesbisschen herausfordernd. Und beim dritten? Völlig überflüssig, weil bekannt und nervig. Konfrontiert wird man damit höchstwahrscheinlich trotzdem…..
Das ist das Schöne beim Dritten, da läuft das alles mal sowas von nebenbei. Zahnen – pah, ist ja bald wieder vorbei. Beikost? Läuft schon irgendwie, „Aber was packen wir eigentlich dem Großen in die Schultüte?“ Trockenwerden – irgendwann später. Das einzige was ich beim Dritten wirklich nicht mehr ertragen konnte, waren Babykursgespräche mit Erst-Mamas. Aber die Kurse muss man ja nicht buchen. Und bei der Rückbildung hatte ich zum Glück ebenfalls eine Dritt-Mama neben mir.
Was mir echt noch auf der Seele liegt… Also ich frag dich jetzt einfach! Seit kurzem hat man ja auch mal wieder Sex ohne das leise Gefühl der Pflichterfüllung dem Partner gegenüber. Und auch ohne das Abwägen, ob nicht die halbe Stunde, die man jetzt durch den Beischlaf verliert, vielleicht mit normalem Schlaf besser genutzt wäre. Man sieht den anderen wieder als Mann und Frau und findet sich scharf und führt auch mal wieder Gespräche, in denen Kinder keine Rolle spielen. Man hat wirklich Lust mit dem anderen ins Kino/ zum Essen, ins Konzert zu gehen und tut es nicht nur, weil man sich sonst so langweilig fühlt oder weil man meint, man müsse endlich mal wieder was für die Partnerschaft tun. Sollen wir das Paar jetzt also wirklich wieder an der Garderobe abgeben und uns dafür den ollen Elternschaft-Kittel anziehen?
Mmmh, also du kannst doch auch schwanger prima Paar sein. Ausgehen. Ins Bett gehen. Zeit ins Paarsein investieren. Und dann doch auch nach einem Jahr ja schon wieder. Also ist eine dritte Schwangerschaft auf das große Ganze betrachtet nur ein Wimpernschlag. (Zugegebener Weise an einem müden Auge.) Ich glaube auch, es kommt total darauf an, wie man Paarzeit auslegt. Mein Mann und ich genießen es zum Beispiel am Wochenende total, zusammen ein Film zu gucken, nachdem wir gemeinsam alle drei Kinder ins Bett gebracht haben. Auf dem Sofa, ein Glas Wein, meine Füße auf seinen Füßen. Ganz entspannt. Oder Sonntags auf einer Decke im Park, die Kinder toben/laufen/krabbeln um uns herum, aber wir haben uns. Das ist auch Paarzeit. Wir reden viel. Das gibt uns viel. Wir müssen gar nicht ständig miteinander essen gehen. Vielleicht auch weil wir es könnten, fällt mir gerade ein. Meine Schwiegermutter bietet mir das öfter an. Aber wir nutzen das gar nicht so oft. Es reicht mir zu wissen, dass wir es jederzeit könnten. Was ich sagen will: Die Elternschaft muss doch gar kein mausgrauer Kittel sein. Vielleicht ist sie auch ein buntes, luftiges Kleid…
Eins noch: „Wenn wir Mitte 50 sind, sind alle Kinder ausgezogen“ versus „Wenn wir Anfang 60 sind, sind alle Kinder ausgezogen.“ Also für mich klingt Mitte 50 okay. Anfang 60 klingt alt. Nach „DiezweimonatigeSüdafrikareiseistunsjetztgesundheitlichzuriskant“ oder nach „DielangeFahrtnachParislohntsichfürnurzweiTagegarnicht“ oder nach „Nee,nichtindasneueRestaurantlassmallieberwiederzuunseremItalienergehen“.
Also ehrlich gesagt denke ich soweit gar nicht. Und überhaupt: Mitte 50 oder Anfang 60 das sind doch bloß Zahlen. Ist doch heute eh alles anders. 60-Jährige machen Rucksackreisen, 70-Jährige besteigen den Himalaya. Wer weiß, in zwanzig Jahren machen sie vielelicht alle noch mal ein Praktikum. Und überhaupt: wie du dich mit 50 oder 60 fühlst, weiß doch keiner. Zum Glück. Wir können bloß hoffen, dass es uns dann gut geht. In der Zukunft zu leben, ist doch blöd. Jetzt muss man es sich so schön wie möglich machen, das ist wichtig. Und jetzt gerade macht es wirklich unglaublich viel Spaß, mit drei Kindern zu leben.
Claudi, ich danke dir. Mal sehen wie wir uns entscheiden.
Liebe S. Gerne. Ich bin gespannt….

Und ihr? Wie viele Kinder habt ihr oder plant ihr? Und warum? Mögt ihr erzählen?
Alles Liebe,

Claudi