Da war er wieder, der Blick. Die Frau an der Raststätte hatte begeistert die Arme ausgebreitet, als meine Kinder hintereinander hereingerannt kamen. Sie hatte sanft einen Arm ausgestreckt um sie anzuhalten, sich heruntergebeugt und genau hingeschaut: „Lasst mich mal sehen, Junge, Mädchen, Junge?“, hatte sie gesagt und gelächelt und dabei nacheinander auf je einen gezeigt. „Ist das schön.“ Ich hatte lachend den Kopf geschüttelt: „Nö, drei Jungs!“ Sie: „Ohhhhhh-ha….!“
Mädchenwunsch, Jungsmama sein,
Als ich mit meinem dritten Jungen schwanger war, hatte ich hier ein paar mal darüber geschrieben. Darüber, dass ich mir von Herzen ein Mädchen gewünscht hatte. Dass ich ein klein wenig enttäuscht gewesen war – bei aller Freude, dass mein Kind gesund war. Und wie sehr ich genervt war, von all den Leuten, die mich bemitleideten. Nach dem Motto: „Drei Jungs, du Arme!“

Ich wollte eigentlich eine Serie daraus machen hier auf dem Blog, ja ein Buch dazu schreiben. Ich hatte mir schon Notizen gemacht, eine Probekapitel geschrieben. Dann legte ich es irgendwann zur Seite. Dank meinen drei Kindern hatte ich keine Zeit mehr. Ich wollte es später machen, wenn die Jungs ein wenig größer waren. Vor kurzem habe ich es gefunden. Und gelacht. Denn: Ich hatte überhaupt nicht mehr daran gedacht. Es hat mich kein Stück mehr beschäftigt. Es war nicht mehr wichtig. Ich habe dann übrigens ein Bastelbuch geschreiben. Eins für alle.

Ich will ehrlich sein: Klar denke ich manchmal: Mensch, so ein Mädchen, das wär schön. Aber genauso oft denke ich auch: „So ein Kind das reitet, das wär schön.“ Oder: „So ein Kind mit dunklen Locken – hach, das wär was. Das wär schon süß.“ Ich will sagen, klar wünscht man sich manchmal etwas, das man nicht hat. Dennoch würde ich für nix in der Welt meine Kinder eintauschen. Mit der Zeit werden sie immer mehr kleine Persönlichkeiten – schnurzpiepsegal, ob sie Jungs oder Mädchen sind. Wir erzählen, wir spielen, wir malen, wir kuscheln zusammen – in Geschlechterfragen denke ich dabei überhaupt nicht. Kein Stück – bis mich mal wieder jemand von außen darauf aufmerksam macht. Und mir erzählt, wie unglaublich anstrengend es mit drei Jungs wohl zwangsläufig sein muss. (Also ich habe hier öfter Mädchen in Pflege, ich kann sagen, ich finde sie kein bisschen weniger anstrengend. Anders anstrengend – aber nicht weniger.)

Klar gibt es da Jungs-Dinge, die ich nicht immer nachvollziehen kann. Das ständige Aufeinandergeliege und Geraufe zum Beispiel. Das ewige Schimpfwörterbenutze. Der hundertfache Griff ans beste Stück. Die Leidenschaft für angekokelte Holzstäbe. Aber sonst: ich fühle mich hervorragend als Henne im Korb. Und auch angesichts dessen, was in der Welt da draußen alles Schreckliches passiert, kann ich umso mehr sagen: Völlig egal welches Geschlecht. Hauptsache gesund.

An der gleichen Raststätte, inzwischen wieder draußen und an einem kleinen Spielplatz, bekam ich übrigens kurze Zeit später folgendes mit: Meine Jungs spielten mit anderen Kindern auf der Rutsche. Alle stellten sich gegenseitig vor und ein fremder Junge fragte aus irgendeinem Grund meine Jungs nach einer Schwester. „Wir haben keine Mädchen“, sagte einer meiner Söhne entsetzt. Und dann: „Außer unsere Mama! Die ist bei uns was ganz Besonderes.“

Liebe Grüße,

Claudi