Am Samstag sagte mein Mann den Spruch mal wieder, im Bad, in einem Haufen Klopapier, abgerollt von unserem Einjährigen. „DU wolltest vier Kinder!“ Es ist okay für mich. Er lächelte nämlich dabei. Und begann bereits, das Klopapier wieder aufzurollen. Deshalb finde ich es nicht schlimm, wenn er es sagt. Es ist kein Vorwurf, eher ein Augenzwinkern. Und es stimmt. Als ich meinen Mann kennen gelernt habe, wollte er zwei Kinder. Auf keinen Fall mehr. Ich wollte damals schon drei, aber ich dachte, solange er überhaupt Kinder will, ist alles gut. Alles weitere würden wir schon schaukeln…
Kinderwunsch, Großfamilie
Ich erinnere mich, dass wir oft Arm in Arm da standen, bevor wir mit der Kinderkriegerei angefangen haben, meine Stirn an seiner Brust und er mich ein Stück hoch hob und mich auf die Stirn küsste. „Irgendwann haben wir ein schönes Haus, zwei Kinder und einen Hund“, sagte er dann. „Drei!“, sagte ich. „Zwei!“, sagte er. „Drei!“, dachte ich und sagte nichts.

Zu meinem großen Glück hatte mein Mann vorher immer viel mehr über unzählige Stinkewindeln und morgendlichen Weckterror nachgedacht. Weniger darüber, wie schön lustiglaute Spielrunden, Kekskrümelküsse und engelsgleiche Einschlafgesichter sind (ich genau andersherum…). Nach unserem zweiten Kind musste ich also doch nicht betteln, irgendwann wurde aus „Nein“ ein „Jein“. Dann ein „vielleicht“. Und dann war ich schwanger.

Als ich nach Geburt Nummer drei bereits im Krankenhaus spürte, dass wir für mich noch nicht vollständig waren, machte ich mir schon ein paar Gedanken. André schloss ein viertes Kind aus. Aber ich bekam den Wunsch, die Sehnsucht danach nicht aus dem Kopf. Es ist verrückt, dass der Kinderwunsch trotz drei Kindern treu wie ein Floh auf mir saß, mich mal hier und mal dort zwickte. Aber immer zwickte.

Ich wollte meinen Mann nicht überreden. Ein Kind ist schließlich kein Wochenendtrip nach Südtirol. Aber ich erzählte bewusst schöne Großfamilienerlebnisse von Freunden – und schwieg über jegliche Geschwisterstreitigkeiten, die ich irgendwo mitbekam. Ich lief nachts geduldig länger mit wimmerndem Baby im Kreis – und verkniff mir die Frage auf Ablösung. Als André mich fragte, was ich mir zum Geburtstag wünsche, lächelte ich und sagte: „Ein viertes Kind.“ Ich zwinkerte ihm zu. Er zwinkerte zurück.

Irgendwann, an einem stinknormalen Dienstag, sagte er: „Ach komm, wir machen das jetzt einfach mit dem Großfamiliending.“ Da bekam ich dann kurz Respekt vor der ganzen Geschichte.

Bereits bei Geburt Nummer vier spürte ich außer heftigsten Wehenschmerz das zarte, warme Gefühl vom Angekommensein. Nach der Geburt hätte ich Bäume ausreißen können vor Glück. Ich schaute auf mein winziges Baby neben mir – und war dennoch heilfroh, mit dem Thema Geburt ein für alle Mal durch zu sein. Als ich das Krankenhaus mit dem Maxicosy verließ, fühlte ich nicht den Hauch von Melancholie. Bloß Dankbarkeit. Vier Kinder, eins mehr als ich immer wollte. Und ein Mann, der kurzerhand mit eingecheckt hatte für diesen Abenteuertrip. Der noch während der Fahrt aufgesprungen war auf den Großfamilienwaggon. Und der diesen inzwischen oft sogar geduldiger schaukelt als ich.

Wenn ich zurückdenke, wie sehr mein vierter Kinderwunsch mich gezwickt hat, dann stelle ich es mir sehr schwierig vor, wenn der andere so gar nicht mehr mag. Oder der andere unbedingt will – man sich selbst aber mit jeder Pore des Körpers ausgelastet fühlt. Kenne ich auch von Freunden.

Wie ist das bei euch? Wart oder seid ihr euch immer einig?

Liebe Grüße,

Claudi