Neulich träumte ich, dass ich eine DIY-Mama wäre. Eine, die mit ihren Kindern die tollsten Dinge bastelt. Als ich aufwachte, war ich im Klassenraum meiner Grundschule. 80er Jahre. Ostwestfälisches Niemandsland. Während alle Kinder im Handarbeitsunterricht die schönsten Püppchen nähten, gelang mir nur eine Fratze mit schief gesticktem Mund. Drei, vier gelbe Haare aus Wolle umrahmten unambitioniert den Versuch eines Gesichts. Die anderen Kinder lachten Tränen…

Zuhause machte meine Mutter meine Misere nicht besser. Sie lobte meine beste Freundin und sagte zu mir: Die ist eben kreativer als du. Das war nicht böse gemeint (Weiß ich ganz genau!!). Hat aber dazu geführt, dass ich lange selbst nicht glaubte, basteln zu können. Und zack, hatte ich einen neuen Glaubenssatz: Andere sind kreativ und ich eben nicht. So schnell geht das.

Das Basteltrauma meiner Kindheit zieht sich seitdem durch mein Leben. Ich habe es irgendwann in meine Traumaschublade gesteckt (ganz nach hinten unter die kratzigen Wintermützen) und dort lebte es jahrelang still vor sich hin. Dann wurde ich Mama. Eine Mama von zwei Kindern, die sehr gerne basteln. Und denen ich etwas bieten wollte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als das Basteltrauma aus seiner Schublade zu schubsen. Und den Staub wegzupusten. Das tat ich. Es fuchste mich, dass andere Mütter aus dem Kindergarten oder bei Instagram superkreative Dinge mit ihren Kindern machten. Ich wollte das auch. Ich wollte Feen statt Fratzen. Kleben statt klehen. Verzieren statt ruinieren.

Eine Mappe beweist meinen Mutausbruch.

Während der Lockdowns, als meine Kinder schon nach dem Frühstück fernsehen wollten, gab ich mein bestes, endlich eine richtige DIY-Mama zu werden. Wir formten mit Fimo und
uns gelangen wirklich schöne Schmuckschälchen. Mini-Donuts fürs Puppenhaus! Spiegeleier für die Barbieküche! Wir legten Bügelperlen in den Backofen und fädelten aus den neonpinken Ringen lustige Armbänder. NATÜRLICH machten wir auch Dip Dye Kerzen. Ich hatte einen Run, Ätschebätsch. Und scheinbar die richtigen Projekte.

Ein paar Dinge aus unseren Lockdown-Bastelevents habe ich in einer Mappe gesammelt. Wertvolle Schätze. Eine kleine Erinnerung an eine besondere Zeit. Die Erinnerungsmappe ist auch ein kleiner Reminder an mich, öfter über meinen Schatten zu springen. Ein Beweis für meinen Mutausbruch als DIY-Mama. Tschüss, Basteltrauma. Einen meiner bestimmt 33 Glaubenssätze hatte ich also durchbrochen und in positive Energie verwandelt. Chakka!

Der Webrahmen macht mich wahnsinnig.

Es lief gut für mich. Bis meine sechsjährige Tochter weben plötzlich weben wollte. Ich als neugeborene, super ambitionierte DIY-Mama, suchte sofort nach der passenden Lösung undfand sie im wunderbaren Kinderkunsthaus in München. Ein Mini-Webrahmen aus einem kleinen Stück Pappe, ein paar Mal eingeschnitten, fünf Reihen Wolle gespannt, eine große Büroklammer als Spule – fertig. Kind glücklich. Aber das Kind fand Gefallen am Weben und wollte mehr. Der Papa erstand einen riesigen Webrahmen bei Ebay Kleinanzeigen und stieß mich damit (unbewusst und in bester Absicht) von meinem gerade erst errichteten DIY-Thron.

Dieser Webrahmen machte mich wahnsinnig. Schon beim Gedanken an die zig feinen Fäden, die zwischen den Enden gespannt sind, bekam ich eine kleine puckernde Stelle am Hals. Dieser Webrahmen triggerte mich. Mein Basteltrauma war zurück. Meine Tochter merkte, dass ich einen großen Bogen machte, wenn sie den Webrahmen holte. Und ich wollte ihr ja wirklich gerne helfen, die Spule zu entwirren. Aber ich habe einfach keine Geduld. Und ehrlich gesagt auch keine Lust.

Zum Glück gibt es webende Ehemänner

Meiner hat bereits als Kind gern gewebt. Und Fußball gespielt. Dieser webende Ehemann entwirrte seelenruhig die vertüdderten Fäden. Und erklärte meiner Tochter, wie sie am geschicktesten weitermachte. Alles prima also. Alle glücklich. Doch meine Bastel- und Handarbeitsbockigkeit fiel auf. „Mama, warum kannst Du sowas nicht?“, fragte meine Tochter. „Warum macht dir das keinen Spaß?“ Hm. Gute Frage. „Jeder kann andere Sachen gut und macht etwas anderes gerne“, sagte ich.

Und das hat sie jetzt so akzeptiert. Aber es ist ein Thema. Manchmal möchte ich das gar nicht sein. So viel Verantwortung. So viel Prägung.

Welche Glaubenssätze gebe ich an meine Kinder weiter?

Was werden meine Kinder später über mich erzählen? Etwa: „Meine Mutter drehte immer durch, wenn sich der Webrahmen verhedderte?“ Oder „Sie hasste basteln.“ Viellicht aber auch: „Trotzdem hat sie einmal mit mir richtig coole Donuts aus Fimo gemacht. Und ein Mini-Mini-Spiegelei.

Vielleicht werden meine Kinder später sagen: „Meine Schultüte hat Mama lieber gekauft.“ Vielleicht aber auch: „Dafür konnte Mama sich super Geschichten ausdenken. Von fliegenden Cabrios, verzweifelten Polizisten und Einhornpartys auf Wolken. Und kochen konnte sie auch ziemlich gut. Eigentlich war es ganz okay, Kind bei ihr zu sein. Sie hat sich echt Mühe gegeben.“

Bastelt Ihr gerne mit Euren Kindern?
Liebe Grüße!

Maren