Die beste Entscheidung war nicht zu arbeiten, während ich arbeite. Aber von Anfang. Ich hatte einen Job in Köln, ein großer Werbedreh, zwei Nächte im Hotel. Ich würde Schreibzeit verlieren, aber ich sagte zu, weil dieser Job mir Zeit verschaffen würde. Zeit, in der ich in Ruhe schreiben konnte, statt viele kleine Webungen auf Insta zu drehen.

Die vergangenen Jahre habe ich ständig mehrere Dinge auf einmal gemacht, aber das will und kann ich nicht mehr. Statt mich dieses Mal wie sonst in der Bahn, im Hotel, überall damit zu Stressen, auch noch schreiben zu wollen, entspannte ich mich.

Schon die Fahrt war entspannt.

Der Schnee war endlich weg, die Sonne schien, der Zug war pünktlich und als er mir kein Wechselgeld rausgehen konnte, schenkte mir der Schaffner den Kaffee. Pleasure traveling with Deutsche Bahn.

Im Köln aus dem Bahnhof laufen und quasi gegen den Dom rennen, flasht mich jedes Mal. Sobald ich wusste, dass ich Köln sein würde, hab ich eine Autoren-Kollegin und mehrere Insta-Kolleginnen angeschrieben und hurra, zwei hatten Zeit.

Erst hab ich Tina Herz in der Bar des Museum Ludwig getroffen. Sie stand im Stau, wir hatten bloß eine Stunde, aber es war so nett. Ich hatte einen Deja vu -Spritz und wow, wie lecker ist der denn. Tina und ich werden auf der Leipziger Buchmesse zusammen lesen und jetzt freue ich mich noch viel mehr drauf.

Anschließend habe ich Valeska getroffen, sie teilt ihre Inspiration unter  @motherofsixlittledragons und hatte das Restaurant Maibeck vorgeschlagen. Wir haben köstlich gegessen und einfach mal vier Stunden durchgesabbelt. Es war herrlich. Als ich um Mitternacht in meinem Hotelbett lag, hab ich vor lauter schlechtem Gewissen gleich nochmal meine Texte gelernt.

Das Beste an großen Drehs, man muss bloß duschen, den Rest macht die Maske.

Vorher beim Frühstück hatte ich bereits meine Drehpartnerin kennengelernt: Karen Hinrichs, Moderatorin beim Frühstücksfernsehen. Kennst du sie? Die dritte im Bunde war Steff Heubl. Noch vor der Maske bekommt man im Fitting von der Stylistin Klamotten.

Dafür hängen einer Kleiderstange pro Person diverse Outfits, meist in Pastell- und Grundfarben, ein bisschen Struktur, aber keine Muster. Schnitte die man später im Video „versteht“, kein bauchfrei, auch nicht beim Armheben, nicht zu viel Faltenwurf, damit der Anschluss stimmt, weil selten chronologisch gedreht wird. Es ist eine Wissenschaft für sich. Ich hab eine coole Jeans von Lee bekommen, ein rosa Häkeloberteil und braune Ballerina. Fand ich schön.

Drei Dinge, die ich aus dem Shooting mitgenommen habe: 1. Die Hollywood-Augenpads von Charlotte Tilbury sind super. 2. Sich das Haar, während man sich schminkt, vorn auf einen Lockenwickler zu drehen, macht echt Volumen. 3. Blöde Pickel mit roter Kruste sind auch für Profis eine Herausforderung, „verspielen“ sich aber im Video.

Ein Drehtag besteht vor allem aus Warten.

Warten, dass das Styling fertig ist. Warten bis das  Licht steht, warten, weil die anderen drehen. Warten auf die Klappe. Mittags sitzt man immer zusammen und genießt das Catering. Wir hatten Pasta vom Pasta-Foodtruck in der Sonne, das war herrlich.

Ansonsten habe ich mehrmals „Willkommen im Darm“ gesagt, haha, es gibt sie noch, die ersten Male.  Kleiner Spoiler: Dank Greenscreen werden wir in der Werbung darin herumstehen. Ich habe mir mindestens zwölf Vitamintabletten auf die Zunge gelegt (und wieder ausgespuckt). Und ich hatte echt Spaß. Die Leute am Set sind einfach (fast) immer so nett, das fühlt sich ganz schnell total familiär an.

Obwohl der Tag lang war, bin ich abends nochmal raus. Die Sonne schien, Köln hat freundlich vor sich hingekölnert und ich bin die Körnerstraße entlang gebummelt. Ich hab mir vietnamesisches Essen geholt und im Hotel gegessen, bevor ich am nächsten Morgen zu Fuß zum Bahnhof spaziert bin. Hat 50 Minuten gedauert, aber ich hab mich bewegt und noch mehr von der Stadt gesehen.

Schönes Wochenende!

PS. Und wisst ihr. Was verrückt ist. Während ich nicht arbeitete? Während ich las, mit netten Menschen sprach wartete oder einfach aus dem Fenster schaute, fielen mir einige gute Sätze und Dinge fürs neue Buch ein.

Claudi