Wie man seine Kinder dazu bringt sich selbst zu beschäftigen

Apr
26/17

Ich bin einer großer Fan von Langeweile bei Kindern, weil ich glaube, dass sie kreativ macht. Aber manchmal macht mich diese Langeweile wahnsinnig. Gerade in letzter Zeit, bei hageligen Aprilregenstürmen, hatten wir einige nichtendenwollende Momente, in denen sich meine Kinder jaulend vor Langeweile auf dem Boden wälzten, nach dem x-ten Hörspiel fragten, aus Langeweile nach einem Eis/ Joghurt/Apfel/Keks/Brot verlangten oder schlicht anfingen Unsinn zu machen…
Wie Kinder sich selbst bechäftigen,

Nachdem ich ein paar Mal die Geduld verloren habe (heidewitzka, so richtig), habe ich mir abends ein paar Gedanken gemacht. Ich nahm mir vor, mir in solchen Momenten einfach mal wieder öfter eine kurze Weile Zeit zu nehmen, egal wie viel sonst zu tun ist, und mit meinen Kindern ein oder zwei Spiele zu spielen oder kurz etwas mit ihnen zu basteln. Danach finden sie nämlich häufig selbst wieder in eine Beschäftigung. Manchmal hilft das aber auch nicht. Da wird das Jaulegemaule hinterher noch schlimmer.

Ein paar Dinge, die man tun kann, um seine Kinder zum freien Spiel anzuregen, habe ich hier mal für euch (und für mich zur Erinnerung) gesammelt. Dazu kommen Anregungen, wie man seine Wohnung so gestalten kann, dass Kinder sich darin auch mal gern allein beschäftigen. Einige meiner Ideen findet man in pädagogischen Büchern. Andere sind aus persönlicher Erfahrung entstanden…

  • Ganz wichtig finde ich: selbst ein gutes Beschäftigungsvorbild sein. Ich habe (leider!) nie Langeweile, dennoch versuche ich meinen Kindern vorzuleben, was ich mit freier Zeit gern mache: Mit Wolle und Papier etwas gestalten zum Beispiel. Ein neues Rezept ausprobieren, ein Buch lesen oder eine Ecke der Wohnung aufräumen und umdekorieren. Zur Fernbedienung greifen und sich berieseln lassen sollte auch bei uns Erwachsenen eher die Ausnahme sein, finde ich.
  • Ganz häufig inspiriert mein tun meine Kinder zu eigenen Ideen. Schön ist es, wenn daher anregendes Material zur Verfügung steht: eine Schale mit Wollresten, eine Schublade voller verschiedener Papiere, ein Regal mit bunten Kochbüchern, überhaupt ein Korb mit Büchern und Spielzeug, mit dem Kinder immer wieder anders, immer wieder neu über Stunden spielen können: Kapla-Steine. Lego oder Holztiere zum Beispiel.
  • Als sehr gut gegen Langeweile hat sich bei uns auch bewährt, immer mal ein paar Spielzeuge für eine Weile wegzuräumen und in Langeweilemomenten wieder hervorzuholen.
  • Ganz wichtig: es muss klar sein, dass Unordnung machen bis zu einem gewissen Grad okay ist. (Wenn ich mich im Spiel verlieren soll, kann ich nicht zwischendurch Schnipsel aufräumen). Natürlich wird hinterher (gemeinsam) aufgeräumt.
  • Um Kinder zum Spielen anzuregen, hilft es oft, sehr konkrete Vorschläge zu machen anstatt bloß lapidar zu sagen: „Spiel doch mal mit der Ritterburg.“ Sich einen Playmobilritter zu schnappen, zu erzählen, der hieße Kunibert, sei unsterblich verliebt in Sieglinde und leider von einem gefährlichen Drachen ins Burgverlies gesperrt worden, regt da schon mehr an.
  • Anregende Dinge ausstellen und dekorieren: eine Schale mit Steinen vom letzten Urlaub im Glas, drei unterschiedlich reife Avocados auf der Fensterbank, eine Schale mit Nüssen auf dem Couchtisch, meine kleine Holztiersammlung: diese Dinge inspirieren meine Jungs immer wieder zu stundenlanger Beschäftigung.
  • Abendessen vorbereiten lassen: Kartoffeln schälen (auch wenn es stundelang dauert und daumendicke Schalenberge auf dem Boden landen). Möhren putzen, Salat waschen. Oder ich kille kurzerhand meine Abendbrotpläne und lasse die Kinder stattdessen für uns alle Pfannkuchen backen. Macht eine riesige Schweinerei. Aber alle glücklich.
  • Auch gut: ein Glas mit Ideen gegen Langeweile anlegen. Meine Kinder haben oft die tollsten Ideen, was sie machen wolln – leider meist kurz vor dem Fußballtraining oder wenn wir dringend einkaufen fahren müssen. Wie wäre es, diese gute Spielidee in solchen Momenten kurz auf einem Notizzettel zu schreiben oder aufzumalen und zusammengefaltet in ein Marmeladenglas zu stecken. Bei anrückender Langeweile einfach einen Zettel ziehen und sich erinnern.

Habt ihr noch mehr Anregungen und Ideen? Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr sie mit uns allen bei den Kommentaren teilt.

Liebe Grüße,

 

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16 Kommentar zu “Wie man seine Kinder dazu bringt sich selbst zu beschäftigen

  1. Julia on 26. April 2017 at 07:48 geschrieben

    Tolle Ideen und doch dir alltäglichsten Dinge! Super

  2. Wunderbar Claudia, so viele schöne Ideen! Das mit dem Marmeladenglas finde ich besonders gut. Mein Kleiner ist zwar noch zu jung dafür, aber das behalte ich mir im Hinterkopf.
    Bei uns funktioniert es oft ganz toll wenn ich zu bekannten Materialien, neue Komponenten gebe. Zum Beispiel Muscheln zur Knete, da werden dann Abdrücke gemacht oder Knete in die Muscheln gestopft. Dadurch wird altbekanntes wieder spannend und oft entstehen so auch wieder ganz neue Ideen.
    Noch nicht gemacht aber geplant: ihm (absolut Autosüchtig!) eine Rolle Masking Tape in die Hand drücken und er darf so viele Autobahnen und Straßen auf den Parkettboden quer durch die Wohnung kleben, ganz wie er möchte. Das lässt sich später wieder leicht entfernen und macht in der Zwischenzeit sicher einen Riesengaudi!
    Und bei uns immer ein Garant bei Langeweile: Wasser. Ein paar cm Wasser in die Küchenspüle geben und er kann sich stundenlang beschäftigen. Mal spielt er Waschstraße mit seinen Autos, oder er „kocht“ mit seinen Töpfen, oder er experimentiert welche Materialien schwimmen und welche untergehen, oder er schüttet nur von einem Gefäß ins nächste, und, und, und. Ich bin jedes Mal baff, wie viel Kreativität so ein bisschen Wasser bei ihm hervorruft. Und ich kann tiefenentspannt kochen – herrlich.
    Liebe Grüße, Sabrina

    • Claudia on 26. April 2017 at 10:01 geschrieben

      Liebe Sabrina, absolut, super Tipp! Knete und Muscheln, meine Küchensachen und Kapla, die Schleichtiere mal draußen im Sand – und hinterher alle zusammen in die Wanne. Ich wünsche dir einen schönen Tag und eine spitzenmäßige Maskingtape Rennstrecke im Wohnzimmer.
      Schönen Tag, Claudi

  3. catherine.couronne on 26. April 2017 at 09:34 geschrieben

    Super Artikel! Ergänzend kann ich noch sagen: ‚mal die Location wechseln; in Regenpausen raus huschen oder vom Wohnzimmer mal ins Kinderzimmer oder ins Schlafzimmer gehen, oder auf den Dachboden oder in den Keller oder unter den Küchentisch.. (Wir Mütter finden ja in jedem Raum Beschäftigungen/to dos 🙄🙈)

  4. Oh ja, gute Erinnerung!! Und das mit der erlaubten Unordnung muss ich mir auch hinter die Ohren schreiben… =)

    Meine sind ja noch ganz klein (0+2) und ich merke wie sehr ihnen Klarheit hilft. Wenn ich sage: „Mama, liest jetzt ein Buch auf dem Sofa und ihr könnt zusammen spielen.“ lassen sie sich immer häufiger darauf ein. Wenn ich das nicht sage, ist für sie ja „alles wie immer“ und sie wollen mich ständig zum Mitspielen motivieren. Genauso hilft es wenn ich dann sage (am Besten in einem Moment in dem es gerade gut klappt und keinen Streit gibt): „Jetzt bin ich fertig und freue mich mit euch zu spielen. Was macht ihr?“ Die beiden sind wirklich noch klein und es klappt höchstens in 50% der Fälle für max. 30min – aber immerhin. Ich finde es ist ein Anfang.

  5. Marion on 26. April 2017 at 10:34 geschrieben

    Das sind wirklich tolle Ideen auch für Jungs (die bei Langeweile eher dazu neigen irgendwas zu zerstören oder laut brüllend durch die Gegend zu rennen🙄) wir haben eine kreativkiste.. nein gelogen mittlerweile ist es eine Riesenschublade.. da ist alles drin.. von Knete über bastelkram zu Steinen, Muscheln,… ganz beliebt waren diese „Regeninstrumente“ aus klopapierrollen oder küchenrolle (wir hatten noch größere von Teppichen oder Geschenkpapier) gefüllt mit Reis oder getrockneten Erbsen, Linsen,… eine Riesenbastelidee.. beklebt mit Konfetti .. eine Riesen Sauerei aber auch Langeweile-Killer.. 💁🏻💋

  6. Liebe Claudi, vielen Dank für die tollen Ideen 🙂
    Eine schöne Restwoche wünsche ich dir!
    Liebe Grüße
    Marina von ideas4parents

  7. Kerstin on 26. April 2017 at 11:21 geschrieben

    Danke für dieses Plädoyer für Langeweile. Aber ist es bei Euch auch so, dass viele Freunde gar keine Langeweile mehr haben, weil ständig Programm ist und dadurch spontane Verabredungen unmöglich werden? Alles muss lange im voraus geplant werden… da kommt gar keine Langeweile mehr auf bei manchen Kids. Das finde ich echt schade, denn meinen Kindern tut eine Runde Leerlauf meistens richtig gut. Wir haben für Phasen der völligen Ratlosigkeit immer eine Jahreszeitenliste am Küchenschrank – aufgeteilt in Regenwetter und Sonnenschein sammeln wir hier all unsere Ideen, die wir immer schon mal machen wollten, Kleinigkeiten und größere Aktivitäten. Das klappt sehr gut und die Kids freuen sich riesig, wenn sie etwas durchstreichen dürfen oder ihnen etwas Neues für die Liste einfällt. Und wenn ihnen langweilig ist und partout nichts einfallen will, dann marschieren sie zu unserer Liste…

  8. Petra on 26. April 2017 at 12:21 geschrieben

    Hallo,
    das finde ich toll, dass du „zugibst“, trotz pädagogischer Ausbildung auch mal die Geduld zu verlieren. Oft hab ich den Eindruck (v.a. in ähnlichen Blogs), dass alle superentspannt sind und stets gern mit ihren Kindern spielen. Ganz nebenbei wurden dann immer die neu hergestellten Sachen gezeigt und von der Arbeit berichtet. Da war ich mir nie sicher, ob ich allein auf dieser Welt auch mal genervt bin und gern was für mich täte (und irgendwie nie Zeit dafür hab = Frust).
    Deine Ideen sind wunderbar, manche davon bereits auch bei uns erprobt. Spielsachen zeitweise wegsortieren ist bestens. Wir holen z.B. das Puppenhaus nur in der Weihnachtszeit vor, dann spielen selbst die Jungs mit. Für die Ordnung am Ende des Spiels hat es sich bewährt, dass ein gern gelebtes Ritual (Sandmann) nur bei geordnetem Zimmer und mit fertigem Umkleiden und Zähneputzen erlaubt wird. Dann hat man hinterher nicht lange Gesichter und Gequengel.
    VG
    Petra

    • Claudia on 26. April 2017 at 13:56 geschrieben

      Du Liebe, wenn du wüsstest wie oft ich die Geduld verliere… ; )
      Viel öfter als mein Mann (ohne pädagogische Ausbildung).
      Liebste Grüße und so schön, deinen Kommentar zu lesen,
      Claudi

  9. Ich kenne Langeweile auch nicht von mir…!
    Das Glas mit den Ideen gegen Langeweile finde ich super. Hab ich auch mal für mich gemacht und habe Cafés und Orte aufgeschrieben, wo ich „schon immer“ mal hinwollte und wenn wir Zeit am Wochenende haben, ziehen wir einen Ort aus dem Lostopf. 🙂

    Liebe Grüße

    Und: ich mag deinen Blog seeehr gerne 🙂 🙂 !!

  10. Pia on 26. April 2017 at 16:17 geschrieben

    Vielen Dank für die tollen Ideen! Am Schönsten und ganz vertieft spielen unsere Kleinen auch immer wenn wir los wollen/müssen 🙂 Dein Tipp ist daher super!!

  11. Leeza on 3. Mai 2017 at 23:53 geschrieben

    Wir haben auch so ein Glas gemacht und damit es spannend wird auch „doofe“ Sachen draufgeschrieben, wie „Waschbecken im Bad putzen“ oder „Kinderzimmer saugen“. Das finden die Kids dann besonders aufregend und selbst wenn sie es ziehen machen sie es ohne zu meckern. Und Kinder sowie Mama ist glücklich 😎

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