Wie man moderne Jungs erzieht

Okt
17/17

Meine Freundinnen erzählen ihren Töchtern, dass sie alles tun können: Sie können Ballett tanzen oder Fußball spielen, Tutus tragen oder Latzhosen, im Matsch spielen oder Perlen fädeln. Sie dürfen davon träumen Lehrerin, Astronautin oder Physikerin zu werden. Ich finde das großartig. Ich finde allerdings, bei den meisten Söhnen gibt es da noch Nachholbedarf. Ich frage mich, wie bitte sehr erziehen wir moderne Jungs? Jungs, die diese modernen Mädels gern als Partner wollen…
vier Jungs, gender, Gleichberechtigung
In der New York Times entdeckte ich vor einer Weile einen spannenden Artikel dazu. „How to raise a feminist son“, so der recht reißerische Artikel, den ich ein wenig übertrieben finde. Ich finde nämlich nicht, dass wir Jungs alles Wilde absprechen und sie allesamt zu Mädchen machen sollten (zu Mädchen, die wir ja in vielen Aspekten gar nicht traditionell als Mädchen erziehen.) Vieles finde ich aber wunderbar in dem Text. Vor allem den Hinweis: „Wenn wir uns eine gleichberechtigte Gesellschaft wünschen, in der jeder sich frei nach eigenen Wünschen entfalten kann, dann müssen wir auch unseren Jungs mehr Optionen geben. Wie die amerikanische Frauenrechtlerin Gloria Steinem sagt: „Ich bin froh dass wir anfangen unsere Töchter ein wenig mehr wie Söhne zu erziehen. Aber es wird nicht funktionieren, wenn wir nicht anfangen unsere Söhne ein bisschen wie unsere Töchter zu erziehen.“

Ein Beispiel aus dem Artikel: Laut Studien weinten kleine Jungen und Mädchen gleich viel. Bis sie ungefähr fünf Jahre alt sind. Dann bekämen die Jungs gesagt, dass Angst zwar okay sei, aber das sie ihre Gefühle besser nicht zeigen sollten. Tony Porter, Gründer einer amerikanischen Bildungsorganisation für Jungs, drückt es drastisch aus: Mädchen dürften Menschen sein. Jungs Roboter. Ein erster Tipp daher, um Jungs modern zu erziehen: Ihnen sagen, dass es okay ist, Gefühle zu zeigen. Die ganze Bandbreite: Trauer, Wut, Begeisterung, Freude, Angst.

In dem Artikel gibt es noch mehr Tipps, Jungs beste Vorraussetzungen zu geben, zu starken, toleranten, liebevollen, fürsorglichen und dennoch coolen jungen Männern zu werden. Meine Favoriten:

Gute Vorbilder auswählen
Ich habe einen meiner Söhne mal die Fußballgruppe wechseln lassen, weil der alte Trainer, wenn einer der Jungs mal weinte, immer rief: „Bist du ein Mädchen, oder was?“ Ein richtiger, wichtiger Schritt wie ich finde. „Mädchen“ sollte nie und nimmer ein Schimpfwort sein. Außerdem zeigen Studien, dass Jungs sich noch mehr am Verhalten von Rollenvorbildern orientieren als Mädchen. Wir erziehen sie also hauptsächlich durch unser Verhalten.

Selbstbewusstsein stärken
Ich finde es so schade, aber die Industrie produziert wieder geschlechterspezifischer als noch vor 30 Jahren: es gibt Sandspielzeug als Set in rosa mit Schloss und eins in Blau mit Bagger. Wie langweilig. Ich hab schon mal zwei Sets gekauft und sie einfach neu durchmischt: so hatte jeder ein paar Teile in Blau und ein paar in Rosa. Wenn man genauer hinschaut, findet man die ganze Bandbreite: gelbe, rote, grüne Eimer, Schaufeln, Gießkannen. Wir haben neben einer orangenen und einer blauen eine pinke Zahnbürste mit Conny im Bad stehen. Von einem meiner Jungs selbst ausgesucht. Ermuntern wir sie dazu. Lassen wir ihnen die (nicht vorsortierte) Wahl.

– Ihnen beibringen, sich um sich selbst zu kümmern
Wenn wir uns für unsere Töchter und Söhne gleichberechtigte Beziehungen wünschen, müssen wir auch unsere Söhne in die Hausarbeit mit einbeziehen. Bringen wir ihnen bei, wie man Fenster putzt, kocht, näht. Der Artikel in der Times zitiert eine Studie, nach der amerikanische Mädchen zwischen zehn und siebzehn Jahren pro Woche zwei Stunden länger im Haushalt helfen als die Jungs. Noch mehr erschrocken hat mich, dass Jungs dafür aber um 15 Prozent häufiger für diese Mithilfe bezahlt werden.

– Ihnen beibringen, sich um andere zu kümmern
Ermutigen wir sie, einem kranken Freund mal eine Suppe zu kochen. Lassen wir sie sich um kleinere Geschwister oder ein Tier kümmern. Zeigen wir ihnen, wie man für jemanden sorgt.

Die Arbeit zu Hause teilen
Wenn nur Papa arbeiten geht, wenn Mama immer kocht und Papa immer das Rad repariert, sind die Rollen stumm gelernt. Da kann man nebenbei noch so viel über Gleichberechtigung erzählen. Tauschen wir mal die Rollen, nicht nur uns, auch unseren Kindern zuliebe.

Freundschaften zu Mädchen fördern
Meine Söhne haben bislang immer auch Mädchen zu ihren Geburtstagen eingeladen. Mein Mann sein ganzes Leben lang. Zum Glück. Ich finde es immer wieder spannend, wie anders meine Söhne manchmal mit Mädchen spielen als mit ihren Freunden. Was für neue Welten ihnen geöffnet werden. Und wie gleich beim nächsten Mal. Außerdem: Wer als Junge immer mit Mädchen befreundet war, wird ab der Pubertät seltener dazu neigen, Frauen als bloße sexuelle Objekte zu sehen.

Intoleranz nicht tolerieren
„Nein bedeutet Nein“, das müssen unsere Söhne lernen, beim Toben mit Freunden – auch beim Toben mit Papa. Und die Ausrede: „Es sind eben Jungs“ ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen.

Viel lesen, über Jungs und Mädchen
Wer sagt, dass ein Buch für Mädchen ist, nur weil es eine weibliche Hauptprotagonistin hat? Ich glaube, solange es eine gute Geschichte ist, spielt das überhaupt keine Rolle. Meine Jungs lieben Geschichten von Pippi, Conni und neuerdings von Ida aus der „Schule der magischen Tiere“. Ob das jetzt Mädchenbücher sind – die Frage kam hier noch nie auf. Und wenn in einem Buch Stereotype vorkommen – sprechen wir doch einfach mal drüber. In dem wir viel mit unseren Jungs lesen und mit ihnen sprechen, fangen wir nämlich auch ihre angeblichen Defizite in Deutsch auf.

Jungssein zelebrieren
Zu guter letzt ermutigt der Artikel dazu, dass Jungs Jungs sein dürfen, sprich ihr Jungssein auch zelebrieren sollen. Und das finde ich richtig gut. Also lassen wir sie wild spielen, wenn immer es geht, lassen wir sie um die Wette rennen, auf Bäume klettern. Ermutigen wir sie, stark zu sein – stark genug ihre Gefühle zu zeigen. Lassen wir sie mutig sein – mutig genug um gegen Intoleranz anzukämpfen. Und ermutigen wir sie selbstbewusst zu sein – selbstbewusst, um die Interessen auszuleben, auf die sie Lust haben.

Was wollt ihr euren Söhnen (und Töchtern) noch mit auf den Weg geben?
Alles Liebe,

27 Kommentar zu “Wie man moderne Jungs erzieht

  1. Nadine on 17. Oktober 2017 at 07:58 geschrieben

    Ein toller Artikel! Wir halten es genau so. Unsere Kinder (2 Jungs, 2 Mädels) sollen sich ausprobieren. Die Große hat Fußball gespielt, der Große Handball und betreibt seit zehn Jahren Hapkido (Kampfsport), die große Kleine ist seit 12 Jahren beim Ballett hängengeblieben und klettert genau so gerne auf Bäumen herum. Der Jüngste hat auch schon einiges ausprobiert. Leichtathletik, Schwimmen, Kampfsport… Niergends hat er sich wirklich wohl gefühlt. Vor einem Jahr sagte er:“Ich will, wie meine Schwester Ballett tanzen.“ Probestunde vereinbart und seit dem ist der Junge glücklich. Zumindest, wenn er tanzt. Denn seine Umwelt belächelt sein Hobby. „Mächenkram“ „Kann der Junge nicht Fußball spielen, wie richtige Jungs?“ usw.. Ja und dann spielt er auch noch Geige, er liebt sein Instrument. Für viele aus seiner Klasse unverständlich, obwohl er eine Musikklasse besucht. Einige aber nur aus Pflicht ihr Instrument spielen. Ich hoffe, wir können ihm genug den Rücken stärken und er verbiegt sich nicht für andere. Übrigens, er tobt auch wie ein „normaler“ Junge durch Felder und Wiesen. Baut Staudämme, klettert auf Bäume und sieht oft aus wie ein Erdferkel. 😉 Ein ganz normales Kind, das im Gegensatz zu anderen (vorallem Erwachsenen) mit seinen neun Jahren genau weiß, was Toleranz bedeutet.

  2. Ein guter und wichtiger Artikel. Ich weiß noch wie ich vor x-Jahren – ich selbst war noch kinderlos – meine Schwägerin fragte, warum sie ihren Sohn so erziehen würde und sie meinte lapidar „wieso sollen es seine Freundinnen mal leichter haben als ich es hatte“. Das ist Ewigkeiten her und doch hat sich dieser (dumme) Satz in mein Gehirn gebrannt. Auch solche blöden Sprüche, wie der eures Ex-Trainers nerven mich reichlich. Ich erziehe meine Kinder – Junge und Mädchen – (relativ?) gleich. Beide müssen die gleichen Dinge im Haushalt tun, ich erwarte bei beiden Mitgefühl und beide dürfen mit allem spielen. Ich hatte schon mal erwähnt, dass mein Sohn sich eine Mädchenbüchertasche und -Federmäppchen ausgesucht hat, das stößt immer mal wieder auf blöde Sprüche bei den anderen Jungs. Aber er steht darüber und ich hoffe es bleibt so. Er mag auch pink, Glitzer und Blümchenpflücken und gleichzeitig wird bei ihm alles zum „Kampfgegenstand“ gemacht. Aber gerade diese Mischung finde ich wahnsinnig interessant und schön.
    Ich finde diese Jungen-Mädchen-Stereotypen total nervig und wünschte mir, dass die Gesellschaft freier wäre.
    Liebe Grüße
    Jutta

  3. Nina on 17. Oktober 2017 at 08:25 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele! Toller Artikel!
    😀👍🏻

  4. Feiner Artikel ! Umsichtig beschrieben ! Ohne Überhöhungen. Aufmerksam!

  5. Ein sehr schöner Post und Du sprichst mir bei allen Punkten aus der Seele. Eine Junge zu sein, ist im Jahr 2017 nun wahrlich nicht immer einfach. Meine Jungs dürfen und sollen Jungs sein, aber sie sollen trotzdem auch Männer werden, die mitdenken, Frauen zu 100 % respektieren und Ihre Partnerinnen später in jeder Hinsicht gleichberechtigt unterstützen. Aus Jungs Mädchen machen zu wollen, weil die „angeblich“ die besseren Menschen sind, ist indiskutabel. Und ich glaube keine erwachsene Frau möchte irgendwann mit einem Kerl zusammen sein, der wie eine Frau tickt. LG, Nadine

  6. Linda on 17. Oktober 2017 at 09:24 geschrieben

    Ich finde deinen Artikel wirklich gut. Meine Söhne hören auch die Hörspiele, in denen ein Mädchen die Hauptrolle hat. Sie spielen auch mal mit Puppen. Und ich finde es okay. Und sie rennen wild über den Spielplatz und spielen am liebsten mit Autos. Ich finde es auch wichtig, dass sie auch wissen, dass sie Jungs sein dürfen. Mometan finde ich de Trend ungesund, dass man den Kindern beibringt, dass sie sich ihr Geschlecht aussuchen können. Ich hab zwei Jungs und das ist gut so. Sie sollen auch Jungs sein dürfen. Und wenn wir mal noch ein Mädchen bekommen, dann darf das auch auf Bäume klettern. Aber auch ein Mädchen sein.

    • Liebe Linda,
      Die Kinder sollen doch nicht ihr Geschlecht aussuchen, sondern sie sollen aussuchen wie sie leben wollen. Sie sollen ausprobieren was ihnen wirklich Spass macht. Wild sein und kochen? Montags Kampfsport, mittwochs zum Ballett? Oder lieber lesen und malen? Vielleicht anschließend doch noch schnell in eine Pfütze gesprungen?
      Das wollen wir Erwachsenen doch auch. Ich habe mich trotz wilder Kinderspiele fürs lesen, malen, nähen entschieden. Kann Fahrräder reparieren (Danke Papa!), säge, bohre und hämmere gerne, koche nicht gerne und hasse Gartenarbeit. Geh eine Woche alleine wandern und arbeite als Erzieherin. Alles selbst ausgesucht! Das ist das schöne: männliche und weibliche Elemente ausleben zu können.
      P.S.:
      Meine (erwachsenen) Söhne lieben es zu kochen, Gartenarbeit bisher noch nicht.

  7. Christina on 17. Oktober 2017 at 09:36 geschrieben

    Danke für den interessanten Beitrag. Ich lese deine Texte allgemein so gern.

    Ich habe eine Tochter (5) und einen Sohn (2) – ein Baby ist noch „am Weg“ 😉 und bei meinem Sohn habe ich bisher noch gar nicht über dieses Thema nachgedacht. Ich wollte immer meine Kinder „klischee-frei“ erziehen. Nichts Mädchen-/Buben-typisches. Leider geht / ging das bei meiner Tochter gar nicht. SIe bekommen von der Umwelt so sehr diese „Rollenbilder“ vorgelebt, dass sie schon sehr früh anfing zu sagen „Das ist eine Mädchen-Farbe/ Buben-Farbe“ oder „Das it doch nur für Mädchen“ uns so weiter. Finde ich echt schade.

  8. Lisa on 17. Oktober 2017 at 10:34 geschrieben

    So ein guter und wichtiger Artikel! Besonders gefällt mir der letzte Punkt „Jungssein zelebrieren“. Bei meinem Großen dreht sich gerade alles um das Thema Kämpfen und Stärke zeigen. So wie wahrscheinlich bei vielen Jungs im Kindergartenalter. Das ist für mich, die als Kind selbst auf Rosa und Glitzer stand, ziemlich fremd. Und viel zu schnell bin ich dabei, meinen Sohn zu bremsen und zu maßregeln. Auch in Situationen, in denen es völlig okay wäre, wild zu sein…
    Dein Artikel hat mir das nochmal klar gemacht. Danke dafür!

  9. Noreen on 17. Oktober 2017 at 11:32 geschrieben

    Liebe Claudia,
    ein ganz toller Artikel und viele gute Gedanken. Unser Sohn hat lange Haare, trägt auch mal rosa Shirts, malt und bastelt und spielt leidenschaftlich gerne mit Autos und mit Puppen. Ganz normal eigentlich, aber dann doch wieder nicht, wenn man in großen Bekleidungsgeschäften meist nur die Wahl hat zwischen rosa Oberteilen mit Einhörnern und Glitzer oder blauen Shirts mit Bagger und Traktor. Wenn es im Süßigkeitenregal Überraschungseier speziell für Mädchen und welche für Jungs gibt, wenn auf Radio Teddy “Mädchen gegen Jungs“ in Dauerrotation läuft und bei den Buchvorstellungen gefragt wird, ob denn Bücher über Saurier auch was für Mädchen wären. Da bringt es nicht viel in der Politik über Gender zu diskutieren und an alle möglichen Worte ein “-in“ zu hängen, um Gleichberechtigung vorzutäuschen, wenn in den Köpfen der Kleinsten die Klischees schon so verfestigt werden. Ich halte es in unserem kleinen Alltag so wie du und hoffe, dass es im großen Rosa/Blau-Kosmos doch nochmal zu einem spürbaren Umdenken kommt. Unsere Söhne und Töchter sollen gemeinsam Autos reparieren, auf Tischen tanzen und durch Matschepfützen rollen und alle Farben tragen, die der Regenbogen hergibt. Das wäre stark.

  10. Annette on 17. Oktober 2017 at 13:09 geschrieben

    Ich habe einen kleinen Sohn und sehe mich ständig mit diesem Thema konfrontiert.
    Wäre er ein Mädchen gewesen, hätte ich völlig selbstverständlich auch in der Jungsabteilung geshoppt und sie mit Dino-Pullovern etc. versorgt.
    Jetzt ist es ein Junge und es ist irgendwie alles komplizierter.
    Ich schaue auch für ihn zwar immer bewusst bei den Mädchen aber ich merke, wie ich davor zurück schrecke, ihn all zu feminin anzuziehen. Gefällt mir ein Print, ist die Klamotte gleich in Babyrosa. Ist es farblich nicht extrem „Mädchen“, hat es gleich wieder Rüschchen, Raffungen etc. Eigentlich ist es Quatsch. Er könnte natürlich auch Rüschen tragen. Aber daran merke ich, wie sehr Jungs (unter-)bewusst doch noch in ihrer Nische gefangen sind. Auch in meinem Kopf.

    Ich versuche ihn bewusst im Einklang mit seinen Gefühlen zu erziehen. Natürlich darf ein Junge traurig sein und weinen (noch ist er glücklicherweise so klein, dass auch kein Passant einen doofen Kommentar deshalb abgibt.) Sein Papa is ein wundervoller Vater, aber er wurde sehr im Männerklischee erzogen: Die Jungs helfen Holz machen, die Schwester im Haushalt.

    Durch einige Jahre alleine wohnen hat sich die Aufteilung zwar etwas relativiert, er hilft selbstverständlich im Haushalt, aber ich habe ihn z.B. noch nie weinen sehen. Ich denke, das wird eine Herausforderung für ihn und mich, dass unser Kleiner dennoch lernt, dass man Gefühle nicht unterdrücken muss.

    Wie gut das klappt, wird sich zeigen. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

  11. Kerstin on 17. Oktober 2017 at 20:44 geschrieben

    Ich hatte vor Jahren an der Uni ein Seminar in Soziologie, wo es allgemein um Forderung und Förderung von Kindern ging. Mich hat ein Satz von damals nicht mehr losgelassen: „Man hat die Mädchen so lange gefördert bis sie die Jungen überholt haben und jetzt müssten wir eigentlich die Jungen fördern.“

    Jetzt ist das noch viel aktueller als vor 5 Jahren! Mich erschreckt diese Entwicklung einfach nur noch. Im Kindergartenalter sind es „nur“ die Puppenecke oder die Einhornschuhe, später wird das die berufliche und private Zukunft beeinflussen. So schade!

    Und ich verstehe es auch nicht. Jede Frau, egal mit oder ohne Kind, wünscht sich einen verständnisvollen, liebevollen Mann, der ein Zwiebelmesser von einem Käsehobel unterscheiden kann. Und trotzdem werden bestimmte Eigenschaften bei Jungs unterdrückt…

  12. Theresa on 17. Oktober 2017 at 20:52 geschrieben

    Ich habe heute bewundernde Blicke und lobende Worte einer Erzieherin bekommen, weil unser Sohn rosa Melonensocken an hatte… Danke für den schönen Artikel! Ich finde ihn tatsächlich schön! Schönes Thema, schöne Worte dafür, schöner Text!!
    Alles Liebe für dich und deine Männer!

  13. Rosa on 17. Oktober 2017 at 22:34 geschrieben

    Das ist ein tolles Thema und du hast es gut auf den Punkt gebracht.
    Ich finde das heutzutage Jungs immer sofort komisch angeschaut werden wenn sie raufen und Kräfte messen , aber es entspricht oft ihrem Naturell. Wenn meine Jungs imaginäre Schwertkämpfe vollführen, merke ich wie ich direkt versuche sie zu unterdrücken und sie zur Ruhe zu bringen weil ich Angst habe das andere sie für verhaltensauffällig halten( insbesondere sind das oftmals mädchenmütter die mich schräg anschauen.) mir fällt auch auf das alle Welt es zuckersüß findet wenn Mädchen in Elsa Kleidchen rumlaufen, aber wehe ein Junge trägt ein spiderman Shirt und bewegt sich kämpferisch das führt gleich zur Diagnose adhs … die armen Jungs ( und oft auch deren Mütter) werden schief angeschaut wenn sie nicht das ruhige , angepasste Verhalten zeigen das so angenehm unauffällig wäre. Jungs haben es heutzutage nicht leicht das erlebe ich mit meinen dreien immer wieder, sind sie wild und laut dann haben sie adhs , sind sie fürsorglich und liebevoll z.b. Zu Tieren, sammeln Blumen oder mögen rosa , ( ja dazu gehören meine auch) scheinen sie auch nicht ganz normal und auch dann Werden Sie wieder schief angeschaut…
    es ist schon schwierig heutzutage für die kleinen Männer!
    Geben wir ihnen von allem etwas mit und füllen wir ihren Koffer fürs Leben mit vielen facetten. Das Leben ist schließlich bunt!🙋

  14. Sabrina on 18. Oktober 2017 at 09:40 geschrieben

    Liebe Claudi,

    Wie wahr Deine Worte sind. Wir haben einen Jungen (Luis 5 Jahre) &er darf einfach Kind sein. Er daft spielen was er mag& auch seine Gefühle offen zeigen. Was ihm zum Glück leicht fällt&wir bestärken dies.
    Nun haben wir noch ein Töchterchen (Ida 3Monate) &auch bei ihr werden wir es so handhaben. Wenn sie kurze Haare will, soll sie diese haben&sie soll auf Bäume klettern& rosa Hargummis sind auch ok. Lasst die Kinder ihre eigene Persönlichkeit finden, unabhängig von ihrem Geschlecht.
    Unser Sohn ist sehr sensibel,was auch schon zu komischen Reaktionen führte,da er „ja ein Junge ist“.

    Danke übrigens für den Buchtip 😉 das kommt bestimmt in unsere Buchsammlung…Ida Wird sich freuen 😉

    Herzliche Grüsse Sabrina

  15. Andrea on 18. Oktober 2017 at 09:52 geschrieben

    Toller Artikel – und hier ein tolles Buch zu dem Thema: „Die rosa-hellblau-Falle“ von Almut Schnerring und Sascha Verlan.
    Super geschrieben – macht sehr nachdenklich, wieviel so unterbewusst bei jedem von uns passiert… – und inwieweit man Veränderungen, z.B. in der KiTa anstoßen könnte.
    Meine wichtigste Maxime: In jedem Kind das Kind sehen, nicht nach Geschlecht „vorsortieren“, sondern unbefangen nach seinen Stärken und Schwächen schauen und dann entsprechend handeln.
    Schöne Grüße,
    Andrea

  16. Silvia G. on 18. Oktober 2017 at 10:01 geschrieben

    Dann habe ich schon damals alles richtig gemacht.
    Meine Söhne, inzwischen 30, 28 und 25 Jahre, habe ich schon immer zur Hausarbeit angeleitet. Sie können Kochen, Waschen, Betten beziehen ( da hat mein Großer in der 6. Klasse ein großes Lob von der Lehrerin im Landschulheim erhalten), Putzen und alles was zu einem Haushalt dazugehört. Sie durften mit Puppen spielen und auch Perlenketten fädeln. Wie im dem tollen Bericht geschrieben, durften sie einfach Kind sein und vieles, was andere Jungs nicht durften, machen.
    Vielen Dank für diesen schönen Bericht.

    Liebe Grüße Silvia G. aus FN

  17. Magda on 18. Oktober 2017 at 11:38 geschrieben

    Meine Jungs tragen (noch) bunten Nagellack 😉 sagen aber zu „rosa“ leider Mädchenfarbe.
    Rollentausch wäre schön, aber leider kann ich meist kein Rad reparieren ;-( Einen Knopf annähen aber auch nicht.
    Was bei der Aussage „Nein bedeutet Nein“, das müssen unsere Söhne lernen“ anders sein soll als bei Mädchen verstehe ich nicht und das ist der einzige Satz, den ich im Artkel nicht mag.

    • Claudia on 18. Oktober 2017 at 17:41 geschrieben

      Danke für deinen Kommentar. Ich habe leider das Gefühl, dass gerade auch erwachsene Männer – manchmal Freunde der Eltern, auch Papas – das Nein ihrer Jungs nicht akzeptieren, und weiter gerangelt wird, nach dem Motto: „Komm sei ein Mann…!“ Das finde ich schade und kein gutes Vorbild. Vielleicht ist es bei Mädchen genauso, mir bloß noch nicht aufgefallen.
      Aber klar: diese Erziehungsideen treffen ja genauso auch auf Mädchen zu.
      Liebe Grüße,
      Claudi

  18. Ruth Jacobs on 18. Oktober 2017 at 19:00 geschrieben

    „Junge sein zelebrieren. … Also lassen wir sie wild sein und auf Bäume klettern!“ Oder so ähnlich. Ist wild sein also doch typisch männlich? Ist ein typischer Junge wild?
    Lasst die Kinder Kinder sein: wild, ruhig, verträumt…
    Und ist es nicht selbstverständlich, dass Kinder kochen, backen, aufräumen, Schweinerei machen und lieb zu Tieren sind, die Geschwister schlagen, mit ihnen schmusen und lachen?
    Liebe Grüße

  19. Sososo on 19. Oktober 2017 at 13:53 geschrieben

    Liebe Claudia,
    was für ein wichtiger und richtiger Artikel! Ich bin jedes Mal traurig wenn Freunde bei ihrem 2,5jährigen Sohn jegliches Weinen abschmettern und kleinreden. Ihm werden in diesem Alter schon seine Gefühle ausgeredet. Er soll auch nur so lange weinen „wie es wirklich wehtut“… Wenn er den ganzen Weg vom Stürzen bis zum elterlichen Arm weint ist das nämlich zu lang und kann gar nicht so lange schmerzen… Sie meinen es nicht böse, das ist mir klar. gleichzeitig ist der Kleine so liebevoll um kleinere Kinder bemüht, ganz fürsorglich und ein richtiger Puppenpapa. Nur darf er keine Puppe oder Küche haben. Zu feminin. Man könnte ihm das einfach lassen… und in der Kita heißt es über ein kleines Mädchen, das gerne mit Taschen spielt „das wird mal ne richtige Tussi“.
    Ich mag diese Vorgaben nicht und finde, Kinder können einfach so sein wie es ihrem Naturell entspricht! Komisch, dass das immernoch nicht aktiv gelebt wird und man sein Kind nicht einfach fördert in dem Wesen, was es hat. Liebe Grüße

  20. Tamara Ebel on 20. Oktober 2017 at 08:51 geschrieben

    Ein toller Artikel💕wir haben uns grade gestern darüber unterhalten, ob man erkennen kann, ob man in den ersten Wochen schon erkennen kann, ob Mädchen oder Junge. Und kamen dann auf die Outfits in die wir unsere Babys stecken 😉🙈
    Und dann hat die liebe Pina mir deinen Artikel empfohlen und ich bin wirklich begeistert und freue mich schon darauf, meinen kleinen Jungen vom Deich groß werden zusehen und freue mich auf Fußball und tanzen gleichermaßen

  21. Rita on 20. Oktober 2017 at 19:06 geschrieben

    Es heißt: How to Raise a Feminist Son 😉
    lg
    Rita

  22. Immer wieder eine spannende Diskussion. Danke, dass du sie nochmals aufgreifst. Am Ende geht es ja darum, dass Kinder Kinder sein dürfen und wir ihnen gleichzeitig Werte mit auf den Weg geben – egal ob Jungs oder Mädchen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass die Jungs lernen, respektvoll mit anderen umzugehen. Und das geht eigentlich hauptsächlich durch vorleben.
    Generell finde ich es sehr schade, dass unser System heutzutage schon so festgefahren ist, dass Jungs kaum noch Jungs sein dürfen. Sie sollen auf der einen Seite sensibel und gefühlvoll sein, aber gleichzeitig still sitzen und leise sein. Ich habe allerdings festgestellt, dass die meisten Jungs lieber rumrennen, laut sind und Action brauchen. Darauf ist aber beispielsweise unser Schulsystem gar nicht ausgerichtet. Hach, eine endlose Diskussion! Danke, dass du sie weitertreibst. Lg Sonja

  23. Merle on 3. November 2017 at 04:32 geschrieben

    Guter, wichtiger Artikel! Auch ich habe einen wunderschönen bunt gekleideten dreijährigen, der Fahrzeuge liebt und seine Puppe stillt und dem seine blonden Locken garnicht lang genug wachsen können!

    Fällt aber euch auf, dass ihr bei der Geschlechtsmäßigen Gleichstellung, die hier Diskutiert ( und vor allem auch wunderbarerweise unterstützt wird) Recht heteronormativ denkt? Ich denke, dass der Umgang mit Homo- und Bisexualität bei unseren Kindern ganz anders sein wird, als bei uns. Weniger stigmatisiert,weniger angstbesetzt. Und obwohl ihr davon schreibt, euren Söhnen mehr Raum​ zu geben, das zu tun, was zu ihnen als Mensch passt, geht ihr auf zukünftige PARTNERINNEN ein. Hey, wieso auch da so eng? Die Kinder, die ich kenne,die mit freieren rollenbildern aufwachsen, gehen auch mit gleichgeschlechtlicher Sexualität ganz anders um. und andersherum kenne ich viele queere Erwachsene, die sehr darunter gelitten haben, dass von ihnen gesellschaftlich (und auch von den Eltern!) Eine heterosexuelle Partnerschaft „erwartet“ würde. Nicht mit böser Absicht, nicht mit Zwang. Das äußert sich in vielen kleinen unbedachten Äußerungen.
    Vielleicht ist es euch ein weiterer kleiner gedanklicher Anstoß…

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