Warten aufs Baby. Von morgendlichen Ritten, Notierzwang und dem Türöffner-Effekt

Mai
26/17

Während der vergangenen warmen Tage habe ich mich oft zurückerinnert an meine allererste Schwangerschaft. Mit Lasse im Bauch. Damals wie heute bin ich barfuß über Wiesen spaziert, habe nur noch einen Hauch von Zehe links und rechts unter der Kugel hervorblitzen sehen. Dazu dieser lausige Druck zwischen den Beinen, als würde man einen Kürbis auf dem Schambein herumschleppen, und der pieksende Schmerz im unteren Rücken hin und wieder…
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Das Gefühl, sich endlich hinsetzen zu können, obwohl man sonst immer herumflitzt, irgendwohin sitzen und leise stöhnen und pusten und prusten und dann ein kühles Getränk, Brauseglas auf Bauch, und eine Hand, rumpeln spüren, lächeln. Glück… Nichts anderes war wichtig, nichts anderes zählte. Die Tage schmolzen dahin, ich auch. Irgendwie war es gefühlt die ganze Zeit warm damals, André gerade zwischen zwei Jobs und mit viel Zeit. Wir kugelten die Straße entlang, Hand in Hand, zum Freibad, zu Freunden. Irgendwann machten wir Termine mit dieser „wenn-noch-nicht-dann“- Einschränkung. Ich wusste nicht, was da kommt. Hatte keine Ahnung wann, was, wie losgeht und überhaupt.
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Irgendwie seltsam, dass ich mich in dieser vierten Schwangerschaft so häufig an die allererste erinnere. Nicht etwa an die letzte, die schließlich noch gar nicht so lange her ist. Vielleicht ist da noch immer dieses kribbelige Gefühl von Überraschung, von Nicht-Glauben-Können, weil es kein bisschen klar war, dass wir jemals ein viertes Kind bekommen würden. (Genau wie man sich vor dem ersten immer sorgt, ob es überhaupt klappt). Vielleicht noch einmal dieses Gefühl von ankommen, weil ein Kind aus einem Paar doch eine Familie macht. Und dieses aus uns eine Familie zu sechst. Sechs – für mich klingt das tatsächlich perfekt.

Dazu kommt das sehr schöne Gefühl, dass ich danach wirklich durch bin in Sachen Kinderkriegen. Ein bisschen wehmütig bestimmt, aber nicht mehr so furchtbar traurig, dass diese besondere Phase in meinem Leben für immer eine Ende hat. Ich genieße jedes Rumpeln im Bauch, sogar meinen komischen Cowboygang oder die noch seltsameren Sachen, wie den Diabetestest bei der Gynäkologin. Ich sauge alles auf, fotografiere und filme es in Gedanken, aber ich erlebe es dieses Mal nicht mit Wehmut über die ganzen verdammten letzten Male, sondern mit einem Lächeln und einer tiefen Dankbarkeit über das Glück, das alles vier Mal erlebt haben zu dürfen.
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Ich habe glücklicherweise  auch nicht mehr den hektischen Drang, jedes Bauchkribbeln, jeden Tritt, jeden Zentimeter mehr Bauchumpfang sofort in einem Tagebuch notieren zu müssen, um mich später ja daran erinnern zu können, wie ich das in meinen letzten Schwangerschaften hatte. Ich sitze lieber ein paar Minuten im Liegestuhl da, spüre bewusst, genieße.

Oft muss ich schmunzeln, bei dem Gedanken, wie anders sich eine vierte Schangerschaft für ein Baby im Bauch anfühlen muss. Statt Streicheleinheiten, sanft gesprochenen Sätzen von Mama und Papa und dem Geklimper einer Spieluhr, drei gebrüllte „Guten Morgen, Baby!“, dazu sechs aufgeregt drückende Hände, schief gesungene Begrüßungslieder und Unmengen feuchter Geschwisterküsse. Außerdem: ein paar Tritte von außen, aus Versehen, ist klar, und dennoch Mamas erschrockenen Aufschrei hinterher: „Vooooorsicht!“. Regelmäßige, frühmorgendlich Ritte von einem knapp Dreijährigen auf Mamas Hüfte – auf der Seite, zum Glück. Und dann wieder: stundenlanges, absolutes Linksliegenlassen, Babybauch Bauch sein lassen, weil eins der Geschwister einen heftig blutenden Wackelzahn oder ein blaues Auge hat. Oder in der Schule Ärger hatte. Oder den Spinat beim Mittagsessen nicht mag. Und: Lachen. So viel Lachen. Da muss Baby doch riesig Lust haben, den Kopf herauszustecken. Oder?
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In dieser Schwangerschaft genieße ich auch ganz bewusst noch einmal den Türöffner-Effekt, den eine Schwangerschaft mit sich bringt. An der Kasse, im Bus, bei Geburtstagsfesten bei Freunden, fast alle lächeln, fragen, sagen etwas. Und flupps ist man plötzlich mit ganz vielen Menschen im Gespräch. Immer wieder lustig, wie viele ein und denselben Bauch dabei als zierlich/riesig/kurzvormplatzen empfinden. Und schön, wie so viele anfangen, von ihren Bäuchen, Geburten, Schwangerschaften zu erzählen. Inzwischen kann ich interessiert zuhören, ohne in Panik zu verfallen. Sogar Kommentare wie: „Oh man, der Bauch sitzt aber tief…“, machen mich nicht mehr nachdenklich.

Seltsam fühlt sich dagegen der ewige unsichtbare Terminkalender an, den andere Menschen Schwangeren ständig vor die Nase halten: „Juli? Ach, da haben Sie ja noch eine ganze Weile vor sich.“ Und gleich danach jemand: „Juli? Oh, man, dann ist ja jetzt absoluter Endspurt…!“

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Irgendwie wissen immer alle bescheid. Bloß ich, ich verliere das Gefühl für Zeit komplett. Ich erinnere mich noch gut an die mühsamen, schleichenden Stunden, Tagen und ersten Wochen der Schwangerschaft, in denen ich mich gesorgt und jeden überstandenen Tag gefeiert habe. Und plötzlich bin ich mir nichts dir nichts rübergekugelt zu den UHU-Tagen, zu den „Unter Hundert“ bis zum Geburtstermin. Ich kann einerseits nicht glauben, dass ich in knapp sechs Wochen noch ein Baby bekomme. Anderseits kann ich mich gar nicht mehr so richtig daran erinnern, wie es war, bevor dieses Baby in meinem Bauch war. So lange her fühlt sich das an. Täglich schwanke ich zwischen: „Komm endlich raus, ich möchte dich kennenlernen!“ und „Bitte bleib noch eine ganz lange Weile darin, es ist gerade so gemütlich mit dir.“

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Und da bin ich wieder bei meinem Vergleich vom Anfang. Denn egal ob es die erste, zweite, dritte oder vierte Scwhangerschaft ist, man weiß nie was kommt. Bei der ersten mit Sicherheit nicht, bei der vierten ist man ganz sicher, dass man es nicht wissen kann. Ich versuche also, mir möglichst wenig Gedanken zu machen. Zu hoffen, dass alles gut geht. Und diese besondere Zeit zu genießen, mit dem Wissen, dass sie schnell wie ein Wimpernschlag vergeht. Aber dass einem die wunderbaren Gedankenfotos und -filme niemand jemals nehmen kann.

PS. Die Fotos für diesen Post hat die zauberhafte Leni Moretti gemacht. Wieder einmal ist es ihr gelungen, die ganz besondere Wartezeit auf unser Baby wunderbar einzufangen. Mit all den innigen Momenten, all dem Lachen. Mit ganz viel Vorfreude und vielleicht auch kleinen Ängsten. Mit Wackelzähnen, blauen Wangen und Aufregung. Sie hat das alles festgehalten, ohne das wir so richtig gemerkt haben, dass sie überhaupt dabei war. Also falls ihr auf der Suche nach einer richtig guten Familienfotografin seid, ich kann euch Leni wärmstens empfehlen. Sie reist übrigens deutschlandweit.
Vorfreudige Grüße,

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16 Kommentar zu “Warten aufs Baby. Von morgendlichen Ritten, Notierzwang und dem Türöffner-Effekt

  1. girlfrommars1 on 26. Mai 2017 at 10:28 geschrieben

    Wie immer ein ganz toller Bericht , der mich berührt . Wir hadern seit vier Jahren mit dem Gedanken zum dritten Kind . Und nach einer frühen Fehlgeburt irgendwie nochmal mehr , obwohl wir auch noch nicht ganz mit dem Gedanken anschließen können. Ich fänd es toll, endlich Klarheit zu haben , was ich will u die ganze Angst beiseitezulegen . Bis eine Entscheidung getroffen ist , macht es mir umso mehr Freunde bei dir mitzulesen . Danke dafür !

    • Claudia on 30. Mai 2017 at 08:43 geschrieben

      Sehr gern. Ich glaube fest daran, dass man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man weiß, was man gern möchte. Und dann: einfach machen. Ich wünsche euch alles Gute!
      Liebe Grüße,
      Claudi

  2. Hey, ich habe so gerne gelesen und finde es so spannend! Ich bin nur Tante, keine Mama, aber meine Mutter ist Hebamme und ich finde Schwangerschaften spannend und wenn das Kleine erst mal da ist- einfach das Schönste was es gibt. Weiterhin alles Gute.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende..
    Liebe Grüße!

  3. Cathrin on 28. Mai 2017 at 18:45 geschrieben

    Ich lese deinen blog so gerne. ich finde dein Leben tönt entspannt aufregend und aufregend entspannt. Ich wünsche dir eine gute Geburt und der ganzen Familie viel Freude zu sechst. Herzlichste Grüsse aus Zürich und immer wenn ich deinen blog lese, denke ich an unsere tollen Ferien auf dem Velo an Nord- und Ostsee.

    PS:Wenn ihr mal Zürich erleben wollt und richtige Berge, melde dich… 🙂

    • Claudia on 29. Mai 2017 at 22:52 geschrieben

      Wie lieb! Ich danke dir. Wir waren schon einmal in Zürich (während meiner ersten Schwangerschaft) und fanden es super. Wir kommen sicher noch mal wieder.
      Liebe Grüße zurück,
      Claudi

  4. Nadine on 29. Mai 2017 at 14:45 geschrieben

    Hallo Claudi, woher ist dein weißes Kleid auf den Bildern?

  5. Kathi on 30. Mai 2017 at 12:51 geschrieben

    Was ein wunderschön geschriebener Artikel…da bekommt man gleich Lust auf ein nächstes Baby und schwelgt in Erinnerungen an die erste Schwangerschaft

  6. Rosa on 30. Mai 2017 at 20:08 geschrieben

    Ich bin schon seit einiger Zeit Leserin deines Blogs. Habe zwei Söhne und entbinde hoffentlich in den nächsten Tagen meinen dritten Sohn. Ich muss sagen das ich in dieser dritten und für mich letzten Schwangerschaft oft mit mir gehadert habe das es “ nur“, so wie viele Mitmenschen meinen, wieder eine junge wird. Das hat mich wirklich betroffen gemacht und ich wünschte ich hätte mir nicht sagen lassen was es wird. Denn dadurch hatte ich oft das Gefühl ich und mein dritter Sohn sind nun weniger wert… verrückte Welt, wären wir doch in anderen Kulturen wahre Königinnen. Ich finde diese ganze Diskussion sowieso schrecklich geboren wird ein Mensch der hoffentlich gesund , glücklich und zufrieden wird. Es tut mir immer so gut zu sehen wir glücklich du mit deinen dreien bist. Dann habe ich das Gefühl nicht ganz so exotisch zu sein. Genieße noch die restlichen Wochen ich konnte diese Schwangerschaft leider aufgrund der vielen negativen Kommentare nicht 100% ig genießen.
    Ganz liebe Grüße

    • Claudia on 31. Mai 2017 at 08:46 geschrieben

      Vielen Dank für deinen offenen Kommentar. Ganz genauso ging es mir bei meiner letzten Schwangerschaft – und ich finde das im Nachhinein so schade. Heute möchte ich meinen Kleinen nicht gegen das tollste Mädchen der Welt eintauschen. Es wird mit der Zeit einfach so egal, geht überhaupt nicht mehr ums Geschlecht, sondern um den Menschen, mein Kind, und seine Persönlichkeit. Bei uns wird eigentlich überhaupt nicht darüber geredet, dass wir vier Jungs und eine Frau sind – bloß für andere ist das immer sehr wichtig. Erst gestern sagte wieder jemand: „Na, wollen wir mal hoffen, dass du jetzt weibliche Verstärkung bekommst!“ Und ich konnte aus vollem Herzen sagen: „Ganz egal, ich fühle mich sehr wohl als Henne im Korb.“ Lustigerweise erstickt man viele Kommentare im Keim, wenn man nicht anfällig dafür ist. Das bin ich dieses Mal – und das freut mich so. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und so viel Freude mit deinen vier Gentlemen. Scheinbar sind wir dafür geboren uns permanent mit tollen Typen zu umgeben, oder?
      Alles Liebe,
      Claudi

  7. Petra on 31. Mai 2017 at 13:45 geschrieben

    Hallo,
    ich lese auch immer gern bei dir. Und ich gebe zu, dass ich irgendwie neidisch auf deine aufgeräumte und toll eingerichtete Wohnung bin. Der schöne Stil ist das eine, aber wie bitteschön geht das mit deinen Kindern???
    Ich habe auch vier Kinder, aber wenn ich durch irgendeinen Zufall mal derart aufgeräumt habe (was wegen der wenigen zeit kaum passiert), dann ist spätestens nach 10min Schluss mit Ordnung. Also: Hut ab!!
    Ach und eine Frage ist mir in den Sinn gekommen: du bist so sicher, dass dies dein letztes Kind sein wird!? Das war ich nach meinem dritten auch 🙂

    Viel Ruhe für den Rest der Schwangerschaft und weiterhin so viel Freude an/mit deinen Kindern!
    Petra

    • Claudia on 31. Mai 2017 at 14:02 geschrieben

      Liebe Petra, ich danke für dein tolles Feedback. Aber in Sachen ordentliche Wohnung musst du dir überhaupt keine Sorgen machen. Bei uns sieht es ganz oft ganz chaotisch aus – bloß fotografiere und poste ich das nicht. Unser Chaos ist tatsächlich privat. Freundinnen die mich lange nicht besucht haben, kommen hier oft rein und sagen: „Puh, zum Glück, du bist ja doch noch die alte! Ich hatte schon Angst, es ist bei euch zuhause jetzt immer so aufgeräumt wie in deinem
      Blogzuhause.“
      Ein Blog zeigt ja – bei aller Offenheit – immer nur Ausschnitte. Also ganz ehrlich, überhaupt kein Grund für Neid.
      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

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