Venedig mit Kindern entdecken (inklusive Anti-Langweile-Löwe)

Mrz
01/18

Als wir von der vollen Fähre stiegen, uns mit Menschenmassen zum übervollen Markusplatz schoben, das Baby Durst, ich keine Lust hatte, einen unfassbar überteuerte Familienrunde Getränke auszugeben, wir uns stattdessen kurz auf die uralten Marmorfliesen neben dem Café setzten und sofort ein Kellner angestürmt kam, um uns zu verjagen, dachte ich noch: „Die Leute hatten Recht: Venedig im Hochsommer mit vier kleinen Kindern ist eine Schnapsidee.“ Dann sah der Kellner das Baby an der Brust, lächelte, machte eine Geste, dass wir sitzen bleiben dürften und rief: Viva la Mamma…!“
Venedig mit Kindern
Das war wie ein Zünder – und der Kellner hatte das Feuerzeug. Ich spürte es wieder, das beruhigende Gefühl, dass es an uns liegt, jetzt das Beste aus diesem Trip zu machen. Und das würden wir verdammt noch mal tun. Jede Menge Zusammenschweiß-Erfahrungen erleben. Mal easy, mal anstrengend, aber immer wir zusammen. Basta. Manchmal ist so ein Baby ja auch ein Türöffner…

Ich war schon ein paar Mal zuvor in Venedig gewesen, für André und die Jungs war es das erste Mal. Natürlich wollte André die Seufzerbrücke, Canale Grande und ein paar der Klassiker sehen. Mein wichtigster Tipp für einen Venedigbesuch mit Kindern ist trotzdem: kurz die wichtigsten touristischen Highlights abklappern, dann schnell raus aus dem Gedränge und ab in die Nebenstraßen. Obwohl es keine Spielplätze, keine Kinderläden, keine speziellen Kindermuseen gibt, ist Venedig dort nämlich tatsächlich ziemlich kinderfreundlich, da komplett autofrei. Weitere Pluspunkte: Es gibt an jeder Ecke Wasser und Schiffe zu sehen, Treppen zum Turnen, große Plätze zum Herumrennen und überall fabelhaftes Eis zum Vernaschen. Und: wenn man genau hinsieht, detektivgenau, kann man überall Löwen entdecken, dazu aber später mehr…
Venedig mit Kindern
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Wir hatten auf die Vermieter unseres Agriturismo gehört und waren per Boot von Chioggia angereist. Die Fahrt dauerte beinahe eineinhalb Stunden (Bus plus Schiff), aber die Kinder mochten es und ich fand es spannend zu sehen, wie schlicht und normal die Umgebung von Venedig ist. Dadurch strahlt diese wunderschöne Perle mitten im Meer ganz besonders. Beinahe unwirklich. Es war herrlich, mit dem Boot auf die Insel zuzufahren und all die berühmten Türme immer größer werden zu sehen.

Wir hatten keinen Buggy mit, bloß eine Trage für den ganz Kleinen, und das war eine gute Idee, denn man kann in den verwinkelten Gassen mit all den Huckeln, Steinen und Treppen tatsächlich nichts schieben. Nächstes Mal würde ich auch für den Dreijährigen noch eine Trage einpacken.
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Wir verbrachten eine Weile am Markusplatz – natürlich – obwohl André und ich die Menschenmassen gerade dort wirklich fürchterlich fanden, die Jungs jedoch hatten so viel Spaß mit all den Pfützen zum Abkühlen und den Tauben zum Jagen – und Füttern. Es ist seltsam mit den Tauben in Venedig, es stehen überall Verbotsschilder mit Fütterverboten und dennoch werden sie überall gefüttert.Ich kann mich schütteln, wenn ich daran denke, wie schmutzig die Tauben sind und welche Krankheiten sie übertragen könnten und dennoch war es zauberhaft zu beobachten, wie viel Freude die Kinder mit ihnen hatten. Es ist wohl eins dieser Dinge mehr, über die man als Eltern nicht so viel nachdenken sollte. Genau wie über die fünfundvierzig minütige Gondelfahrt für über 100 Euro – kann man sich gönnen, oder auch nicht. Wir haben schnell abgestimmt und uns entschieden, abends für das Geld lieber schön essen zu gehen. Über den Canale Grande sind wir trotzdem noch gefahren, mit dem Busboot Vaporetto Linie 1. Die Jungs waren hin und weg: ein Linienbus auf dem Wasser – so besonders.
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Venedig
In den Touristenecken hat man in Venedig im Hochsommer tatsächlich das Gefühl von Atemnot: man selbst in den drängenden Menschenmassen, aber auch die Stadt an sich scheint zu schnaufen, mit all den Sandalen und Sneakern auf ihren krummen Steinwegen. Und doch leuchten die bonbonfarbenen Hauswände jetzt besonders schön, der knallblaue Himmel spiegelt sich in jedem Kanal. Unser Venedig-Tag war wirklich schön, ganz bestimmt, weil wir alles langsam gemacht haben, ohne Eile. Viele Pausen, ganz viel Eis. So fanden wir Venedig alle faszinierend.

Bloß spät abends wurde es dann doch noch einmal hektisch. Da hätten wir drüben auf dem Festlandf beinahe den letzten Bus zur Fähre verpasst. Als wir ihn völlig aus der Puste und schweißnass gerade noch erwischten, schliefen alle vier Kinder sofort ein. Der Bus hatte Zweierbänke, ich hielt das Baby und saß am Fenster, eingequetscht neben einer fülligen Italienerin, André stützte in der Reihe hinter mir die beiden Mittleren im Schlaf, der Große saß allein, noch eine Reihe dahinter. Er schlief gegen die Scheibe gelehnt und sein Kopf stieß wegen der vielen Kurven immer wieder hart gegen das Fenster. André und ich warfen uns einen hilflosen Blick zu – als eine junge Italienerin von ihrem Platz aufstand, unserem Großen ihre Jacke unter den Kopf klemmte und sich so nah neben ihn setzte, dass er zu keiner Seite mehr kippen konnte. Dann lächelte sie uns zu.

An diese freundliche Geste denke ich immer, wenn ich an Venedig denke.
Venedig mit Kindern
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Entdecken:
– Die beinahe magischen Hinterhöfe und kleinen Gärten in den Seitenstraßen. Mein Großer und ich hatten einen riesigen Spaß dabei, uns Geschichten darüber auszudenken, wer wohl dort wohnt oder sich nachts dort tummelt.

– Der Rialto Fischmarkt: Meine Kinder lieben jede Fischabteilung im großen Supermärkten. Beim Anblick der großen Fische, Seetiere und Meeresfrüchten auf diesem Markt, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Möglichst früh kommen, dann ist es nicht so voll. Nebenan beim Gemüse kann man sich wunderbar mit Obst für den Venedigtag eindecken.

– Wer gleich ein paar Tage mehr bleibt und größere Kinder hat: wie wärs mit einem Gondoliere-Ruderkurs? Ein venezianischer Ruderclub bringt Kindern ab zehn Jahren in fünf Stunden bei wie man eine Gondel elegant übers Wasser lenkt (ab ca. 60 Euro für fünf Stunden). Spannend – und ganz sicher ein unvergessliches Venedigerlebnis. Infos gibts hier.
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Shoppen:
– Ich hatte irgendwo im Internet von einem kleinen, altmodischen Spielzeugladen mit Sachen aus Holz am Campo Santa Margherita im Viertel Dorsoduro gelesen und wir waren eine ganze Weile damit beschäftigt, ihn zu suchen. Bis uns die Verkäuferin in der herrlich verstaubten Drogerie „Erboristeria il Melograno“ gegenüber mit Händen und Füßen verständlich machte, dass der Signore Pettenello längst tot und der Laden geschlossen sei. Im Ladenlokal Nummer 2978 ist jetzt eine Bar – mit fröhlichen Studenten mit bunten Getränken davor. Schade. Trotzdem gut, dass wir hergekommen waren, denn der Platz war eine Wucht. Hübsch und lebendig, aber ohne Touristenmassen.

– Bei Signor Blum, Campo San Barnaba 22840, gibt es wunderschöne, dreidimensionale Holzpuzzles mit Venedigmotiven. Unsere Kinder hätten Stunden vor dem Schaufenster verbingen können.

– Bei Gilberto Penzo gibt es faszinierende Modellschiffe soweit das Auge reicht. Und auch welche zum Mitnehmen und selbst zusammenbauen (ab ca. 40 Euro). Adresse: Calle 2a dei Saoneri 2681, Anleger San Tomá

Venedig
Falls es regnet:
– Die Wahrscheinlichkeit ist im Sommer nicht groß – und wenn, sind die paar Tropfen keine schlechte Abkühlung. Wer dennoch flüchten möchte (egal ob vor Regen oder vor Hitze) kann ich das Museo Storico Navale & Arsenale empfehlen. Ich war mal ohne Kinder da und fand es faszinierend. Ich möchte wetten, meine Jungs hätten die vielen alten Schiffe, Gondeln und Kähne geliebt.
Venedig mit Kindern
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Essen:
– Wir haben abends am Campo Santa Margherita gegessen (direkt links neben der alten Drogerie) und fanden es herrlich. Wir hatten köstlich gebackene Meeresfrüchte mit Pommes und Salat. In diesem Viertel ist Venedig entspannt, die Kinder können frei herumlaufen, überall sind kleine Läden, viele Studenten, spielende Kinder mit einem Fußball, in der Bar, in der früher einmal der Holzladen war, kann man hinterher einen leckeren Aperol Sprizz zum Mitnehmen bestellen. Wir hatten köstlich gebackene Meeresfrüchte mit Pommes und Salat.

– Ich habe gründlich recherchiert und die bekanntesten (und angeblich besten!) Eisdielen Venedigs herausgesucht: „Il Gelatone“ in Cannaregio, „Nico“ in Dorsoduro und „Alaska“ in San Polo. Wir hatten mindestens drei Eis an diesem Tag – und fanden es überall spitze.

– Freunde von uns haben mit ihren Kindern in der Pizzeria Dolfin (Salizada San Pantalon Santa Croce 81) gegessen und fanden es sehr lecker und für venezianische Verhältnisse geradezu günstig (Wirklich gute Pizza Margerita für sechs Euro).

Venedig,
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Anti-Motz-Tricks:

Eis ohne Ende. Wie wäre es, wenn es an diesem einen speziellen Tag in Venedig einmal so viel Eis gibt, wie jeder mag? Aber immer bloß eine Kugel zur Stärkung zwischendurch. Dabei gern durch die ungewöhnlichen Sorten durchprobieren. So kann man sich motivationsmäßig wunderbar durch den Tag hangeln, äh eiseln.

Löwen zählen. Der Löwe ist das Wahrzeichen Venedigs und wenn man genau hinsieht, entdeckt man ihn tatsächlich überall an Fassaden, Türmen, Statuen. Unsere Jungs hatten großen Spaß daran, Löwen zu zählen und zu wetteifern wer abends am meisten gefunden hat. Wir haben mit Kugelschreiber Striche auf die Hände gemacht, noch schöner geht das aber mit dem Venedig-Löwen, den ihr euch hier herunterladen, ausschneiden, einschneiden und euren Kindern umhängen könnt. Für jeden Löwen darf ein Stück Mähne abgerissen werden. Wer hat abends den glatzigsten Löwen? Ach ja, wer mag, schreibt noch seine Handynummer hinten auf den Löwen, nur zur Sicherheit.

– Genug Wasser dabei haben. Venedig im Sommer macht durstig.

– Statt Ball ein paar Bögen Papier einpacken. Ist federleicht, nimmt kaum Platz weg und die Kinder können in den Pausen auf den Plätzen Flieger falten und starten lassen.

– Freunde von uns haben vor ihrem Venedigtrip diesen Kinderreiseführer gekauft und waren so begeistert, dass der Reiseführer für Erwachsene die ganze Zeit über in der Tasche blieb (Affiliate Link).

Venedig mit Kindern

venedig mit kindern
Habt ihr noch Familien-Tipps für Venedig? Teilt diese doch gern in den Kommentaren!
Alles Liebe,

16 Kommentar zu “Venedig mit Kindern entdecken (inklusive Anti-Langweile-Löwe)

  1. Insa on 1. März 2018 at 10:22 geschrieben

    Liebe Claudi, so toll! Wir lieben Venedig sowieso und mit Kindern nun umso mehr! Ich würde mich sehr freuen, wenn Du meine Artikel dazu auch anschaust: http://thewhitemarble.de/venedig-mit-kindern-teil-2/ und http://thewhitemarble.de/venedig-mit-kindern-teil-1/ Da sind noch einige andere Dinge, vielleicht eine gute Ergänzung?!
    Mit lieben Grüssen
    Insa

  2. Franziska on 1. März 2018 at 10:41 geschrieben

    Wir waren als Kinder zwei Mal in Venedig und ich erinnere mich heute noch gerne daran. Wir hatten einen Campingplatz auf der anderen Seite der Lagune (dh nach Jesolo und einfach weiter, vorbei an den Touristenburgen und „German only“ Campingplätzen, bis nichts mehr kommt 😜). So sind wir dann auch morgens mit dem Schiff nach Venedig, und das ist wirklich die schönste Art, dorthin zu fahren. Meine Schwester hat ihr erstes Referat in der dritten Klasse dann auch gleich zu Venedig gehalten 😄 Den Zauber von Venedig nehmen auch Kinder schon wahr

  3. Hallo claudi, ich war alleine auch schon ein paar mal in Venedig und fands das erste Mal furchtbar und das zweite Mal traumhaft… und seit ich Donna Leon lese träum ich davon mal das versteckte Venedig kennwnzulernen, mit Kindern. Vielen vielen Dank für diesen wunderschönen Einblick in eurem Venedigaisflug mit deinen super Tips und Tricks. Hoffentlich klappt es bei uns auch dieses Jahr auf Löwensuche zu gehen. Liebe Grüsse Barbara

  4. Oh das passt ja gut. Danke für den tollen Bericht und die Tipps, die Idee mit dem Löwen ist ja klasse.
    In den Osterferien werden wir eine kleine Italienrundreise machen, nach dem Gardasee steht dann auch ein Tag Venedig auf dem Plan.

    Liebe Grüße
    Sharon

  5. Margit on 1. März 2018 at 13:16 geschrieben

    Hallo Claudi! Ein Buch das ich sehr empfehlen kann ist „Lavendel in Venedig“ von Christina Björk. Das war der Reiseführer für meine Kinder!
    Liebe Grüsse
    Margit

    • Claudia on 1. März 2018 at 14:34 geschrieben

      Liebe Margit, was für ein Tipp, schade, dass ich das Buch nicht vorher kannte. Ich liebe, liebe, liebe die Illus von Christina Björk. Ich glaub, dass muss hier zur Nachbereitung einziehen…
      Danke!!!
      Alles Liebe,
      Claudi

  6. Deine Bilder sind so herrlich, man kommt direkt ins Schwärmen (und kann diese Eiseskälte noch weniger ertragen als zuvor! 😉
    Leider habe ich in Venedig sehr schlechte Erfahrungen gemacht, wehalb ich mir geschworen habe, erst wieder dorthin zurückzukehren, wenn ich private wohnen kann. Wo ich nun deine Bilder sehe, sollte ich es mal forcieren, einen VenezianerIn kennenzulernen ;-))
    Liebe Grüße
    Jutta
    P.S. Dein Fast-Kleiner in der Latzhose – zum Dahinschmelzen

    • Claudia on 1. März 2018 at 14:32 geschrieben

      Ja, auf jeden Fall! Ich fand abseits der Touristenecken waren die Leute wirklich bezaubernd. Und Wahnsinn, wie klein T. da noch war… 😍
      Liebe Grüße!

  7. Ivonne on 1. März 2018 at 15:43 geschrieben

    Hallo Claudi!
    Über Pinterest bin ich auf deinen wunderschönen und echt motivierenden Blog gestoßen! Wow! Vielen Dank!
    Wir haben zwei Burschen: Vincent 6 Jahre und Valentin 2 Jahre und vor 11 Wochen kam unsere Louise auf die Welt. Somit Halli Galli und ganz viel Liebe und immer noch etwas kuschlige Wochenbettzeitzauberei ist in der Luft!
    Dein Artikel über Venedig ist sehr schön, aber wie schafft ihr es, dass ihr alles dabei habt fürn Urlaub? Campt ihr und fahrt ihr gerne Zug oder welches Auto ist für euch passend? In einem Artikel hast du erwähnt, dass ihr zu fünft nun nicht mehr im Polo unterwegs seid 😉
    Bisher waren wir noch nicht im Urlaub mit unseren dreien… Uns hält es noch zurück. Aber vielleicht hast du ein paar Tipps!
    Liebe Grüße aus Bayern!
    Ivonne

    • Claudia on 2. März 2018 at 09:04 geschrieben

      Liebe Ivonne,
      hallo – und wie toll, dass du hergefunden hast.
      Ich kann den Wochenbettzauber quasi schnuppern (und muss gleich nochmal meinen Post dazu lesen. Hach ; )
      Also wir haben inzwischen einen Caddy.
      Und ich glaube die entspannteste Einsicht für mich in Sachen Urlaub war: man braucht nur so wenig.
      Badehose, Trage, Pässe, Kuscheltier… ein paar wenige Klamotten. Das wars.
      Wagt es, ich finde reisen mit Kindern ganz wunderbar aufregend!!!
      Alles Liebe,
      Claudi

  8. Hallo Claudia,
    vielen Dank für diesen informativen Text. Wir überlegen auch der Stadt der Löwen im Sommer einen Besuch abzustatten..einfach weil es sich anbietet, wenn man einmal in der Nähe Urlaub macht. Für den Großen werden wir auf jeden Fall ein paar Schauplätze aus Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ aufsuchen..auch der Campo Santa Margherita ist dabei 😉 Für den Kleinen werd ich nun versuchen „Lavendel in Venedig“ zu besorgen. Ein toller Tipp! Liebe Grüße

    • Claudia on 2. März 2018 at 09:01 geschrieben

      Oh macht das! Ich wünsche euch so viel Spaß. Und schade, dass Lavendel nicht mit uns nach Venedig gereist ist…
      Alles Liebe!

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