Silvester? Feier bloß noch mal entspannt

Dez
22/14

Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, ich hätte wilde Nächte. Auf´m Kiez und so. Mit drei Promill in einem völlig verrauchten, völlig überfüllten Tanzschuppen. Basswummern. Fettige Haare von Nebentänzer links im Gesicht, Ellenbogen von rechts zwischen den Rippen. Hach ne, was war ich naiv. Denn: Wirklich wild sind Nächte mit drei Kleinkindern. Oder noch besser: Silvesternächte mit einem ganzen Haufen Kleinkindern…
Silvester mit Kindern
Neulich hab ich es wieder getan. Ich hab einer schwangeren Freundin (das erste Kind!) einen Tipp gegeben. Dabei hab ich mich hier doch schon mal darüber aufgeregt, wie blödsinnig ich das finde. Dieses: „Oh du bist schwanger? Schlaf bloß noch mal aus!“ Oder: „Geh bloß noch mal essen!“ Weil ich finde, dass man mit Kindern durchaus immer mal wieder ausschlafen oder essen gehen kann. Alles eine Frage der Organisation. Alles bis auf eins, genau darüber hab ich hier geschrieben, nämlich shoppen. Ja shoppen wird schwer. Und: ganz entspannt Silvester feiern. Daher riet ich der Freundin, der mit dem ersten Kind im Bauch: „Feier Silvester bloß noch mal entspannt. Ladet Freunde ein. Kocht was Schönes.“ Sie guckte entsetzt:“ „Waaas? Ach nö, das können wir doch später mit Kindern immer noch machen.“ „Neeee!!“, sagte ich, „echt jetzt, mach das bloß noch mal. Redet. Und vor allem: Genießt die Ruhe.“ „Die Ruhe?“, prustete sie los, „wenn es draußen ohrenbetäubend böllert, weil diese Möchtegernknallköppe schon ab 18 Uhr rumballern…?“ Ich seufzte. „Ach das“, sagte ich, „das ist doch kein Krach…“

Silvester mit kleinen Kindern beginnt morgens um halb fünf, mit Gebrüll und mit zwei Kleinkinderhintern auf dem Gesicht – einer mit voller Windel. „Wann geht es endlich los, Mama?“, brüllen sie. „Mama – wahan denn eeeendlich?“ Das geht so weiter. Endlosschleife bis zum Abend. Viertelstundentakt. Kenne ich schon von den Wochen davor. Da gab es ebenfalls Endlosschleife: „Mama, Silvester bleiben wir ganz lange auf. Gaaaanz lange!“

Später helfen sie bei den Feiervorbereitungen. Schmeißen beim Salatmachen die Schüssel mit der Feigenvinaigrette runter. Kaputt. Statt Feigensalat Feigensee an Dielenboden. „Macht nix Mama, die zerknautschten Dinger sahen eh aus wie tote Mäuse!“ Als ich das sauteure Fonduefleisch vom Edelschlachter in Stücke schneide, guckt der Große angewidert: „Bäh, das mag ich nicht. Können wir nicht Pommes essen?“ Der Kleine: „ag is nist. Pommes?!?“
„Wir können doch nicht immer Pommes essen!“, sage ich. „Pooooooooommes!“, brüllen die beiden im Chor.

Ich will, dass Luftschlangen und Luftballons erst verteilt werden, wenn die Gäste da sind. Als ich mittags vom Klo komme, seh ich überall Luftschlangen. Besser gesagt Luftschlangenkonfetti. Alle Luftballons auf dem Boden. Sie glänzen feucht von Kinderspucke. „…sön aus!“, ruft der Kleine und lässt mit leuchtenden Augen bunte Papierschnipsel über seinen Kopf regnen.

Mittagschlaf machen klappt heut nicht. Viel zu aufregend alles. Dafür fragen beide Kinder ab nachmittags, wann die Gäste endlich – vor allem die Kinder der Gäste – kommen. „Wann, denn Mama, wahann?“ Sie halten es nicht! mehr! aus!
Sind um sieben eeendlich die Mitfeierer da, wird mit den Silvestergästekindern sofort das Sofa gestürmt. Auf dem Partyprogramm im Anschluss: durchs Wohnzimmer toben. Brüllen, grunzen, fauchen. Wild eben. Sich abwechseln, mit Kopfstoßen und Kühlpads einfordern. Wirklich wild. Währenddessen versuchen die Mamas verzweifelt, mal eben kurz in Ruhe zu klönen. Wenigstens ein „Proooost!“ zu Ende auszusprechen.

Beim Essen verbrennt sich mindestens ein Kind am Fondue. Die meisten mögen kein Fleisch. Wenn sie es probieren, kauen sie eine Weile draufherum und spucken es dann wieder aus. Überall durchgekauter Fleischbrei auf dem Tisch. Anschließend wird weitergewildert. Über Sofas, Stühle, Kissen, „nein Schatz, nicht auch noch auf den Tisch, das muss wirklich nicht sein.“ Dann beginnt die Jagd auf den Knabberteller. Cracker, Salzstangen, Chips werden erlegt. Nur kleine Reste bleiben übrig, auf dem Boden verteilt, die holen sich später die Allerkleinsten, wie die Aasfresser. In der Wildnis bleibt nix übrig. Klingt hart? Ach was, sie sind doch trotzdem so süß. So schrecklich süß. Und sooo drollig. Und überhaupt: wie niedlich sie beim Toben schwitzen. Die Haare streng nach hinten. Sehen doch aus wie diese gegelten Sechzehnjährigen auf dem Kiez, wie lustig. Riecht ja auch schon wie im Puma-Käfig hier. Wie da. Haare wie Kai Diekmann. Ach herrje.

Mit etwas Glück kotzt schließlich noch ein Kind, vielleicht auch zwei, weil es zu viele Cracker hatte. Schließlich schlafen sie auf den Schößen der Mamas ein – furchtbar unbequem, aber guckt doch mal, wie sagenhaft groß sie geworden sind. Und diese irrelangen Wimpern – beinahe eine Verschwendung bei einem Jungen. Ein Ellenbogen bohrt sich in Mamas Stillbusen. Echt unbequem. Aber sobald man die Papas ruft, die seit eineinhalb Stunden verschwunden sind – im Keller, noch kurz Bier holen, und sie bittet die Kinder hoch ins Bett zu tragen, wachen sie auf. Jaulen mit sauersalziger Crackerstimme: „Nein, Mama, heute bleibe ich gaaanz lange auf. Du hast es versprochen.“ Jedes Mal.

Ich bin schon so müde.

Es ist 21.45 Uhr.

Um zwölf sitze ich auf dem durchgetobten Sofa, zwischen Kekskrümeln und Luftballonfetzen, den süßlich sauren Geruch von erbrochenem Crackerbrei in der Nase. Für das Baby ist es zu kalt draußen. Und zu laut. „Laut? Draußen?“, denke ich und grinse. Ich wünsche mir in diesem Moment nichts mehr als ein wirklich entspanntes Silverster. So richtig entspannt meine ich: drei Promill im Kiezclub, Basswummern, Fetthaar, Ellenbogen. Ihr wisst schon…

Und ihr so? Übertreibe ich? Wie feiert ihr Silvester?

PS. Ich glaube, ich mache hieraus eine kleine Serie: „Before Baby – was du wirklich unbedingt tun solltest, bevor du ein Kind kriegst“. Weil ich mich geirrt hab und mir jetzt doch immer mehr Sachen einfallen, die man präpressen unbedingt noch mal tun sollte. Bloß eben nicht schnödes Essengehen. Oder ausschlafen. Habt ihr Lust? Ich hab noch ein paar Ideen, was unbedingt dazu muss. Fällt euch auch noch was ein?

PPS. Eine klitzekleine Chance auf ein entspanntes Silvester gibt es noch. Ehrlich wahr. Schaut unbedingt morgen hier auf dem Blog vorbei…

Alles Liebe!

5 Kommentar zu “Silvester? Feier bloß noch mal entspannt

  1. Karin on 22. Dezember 2014 at 09:48 geschrieben

    You made my day ♥ ich habe sooo herzhaft gelacht, dass ich nun Muskelkater davon habe 😀
    Eine „gemütliche“ Silvesterfete mit einem Haufen Kleinkinder ist hier auch geplant…. wir sind schon gespannt 😉
    Liebe Grüße
    Karin

  2. Oha – dieses Jahr das letze Sylvester ohne Kind… Also ohne eigenes. Nur das 1-jährige meiner Schwester ist dabei. Ich glaube ich plane nochmal um… 😀
    Herzlichst Juliane

  3. Anja on 22. Dezember 2014 at 12:35 geschrieben

    Hey Claudi,
    Vor dem ersten hätte ich NIEmals über durchgekaute Fleischreste auf dem Tisch gelacht oder über cräckerkotze. Nun weiß ich, dass es schlimmeres gibt und erst die passende Kombination aus mindestens 3 „Unfällen“ wirklich zu Chaos führt. Ich weiß also nicht, ob du „Neumütter“ damit unterhältst, mich aber amüsierst du SEHR. Mehr davon, bitte!
    Schöne Feiertage!

    • Jarina Freericks/Buddelkind on 7. Januar 2015 at 06:00 geschrieben

      Hallo Claudi!
      Vielen Dank für diesen Beitrag, ich hab schön gelacht, so ist es in der Tat mit der kleinen Brut 🙂 Wir hatten dieses Jahr ein wirklich entspanntes & total schönes Silvester: Nur wir vier, also Mann, ich & unsere zwei Mäuse (1 & fast 4). Ging um 5.30 Uhr los: Heute ist Silveeeesteeeeer, Mami wann schießen wir Raketen ab? Wir haben schon Voirmittags ne Runde draußen gedreht & mit Knallfröschen geworfen, die Kinder hatten einen Heidenspaß.
      Nachmittags gab’s bei anderen Nachbarn ein kleines Feuer im Garten & Stockbrot dazu, ne wilde Horde Kleinkinder & eeeendlich die Raketen, als es dunkel wurde. Danach haben wir zu viert wirklich in Ruhe Fondue gemacht, Dinner for One geguckt, nochmal Raketen abgefeuert, Schokopudding & Vanillesauce gekocht, um 21.00 Uhr zwei halb schlafende, glückliche Puddingmonster ins Bett gebracht & den Abend mit leckerem Wein auf dem Sofa beschlossen, auf dem ich um 22:00 Uhr friedlich eingeschlafen bin, bevor ich um 22:30 Uhr von meinem Mann ins Bett umgezogen wurde, wo ich dann das erste Mal Silvester verschlafen habe-herrlich! 🙂 Als die Kids am Morgen wieder um 5:30 Uhr wach waren und ein laaanger Tag vor mir lag, an dem der Papa ab Mittags arbeiten musste, wusste ich: ich hab alles richtig gemacht 🙂
      Ein kleiner Tipp für die Rubrik „Before Baby“: Noch mal in Ruhe & ohne 1-? Zuschauer aufs Klo gehen 😉
      Liebe Grüße
      Jarina

      • Claudia on 7. Januar 2015 at 11:10 geschrieben

        Haha, Jarina, danke dir. Klingt nach einem tollen Abend und das mit dem Klo ist schon fest eingeplant ; )
        Liebe Grüße

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