Max mit Mut: Die Geschichte einer Hausgeburt

Feb
02/16

Ein August-Sonntag. Sechs Uhr morgens. In einem weißen Mehrfamilienhaus in Fulda wird noch geschlafen. Vielleicht taumelt einer erst jetzt von einer Party durchs Treppenhaus in sein Bett. Vielleicht trippelt ein Kind über den Dielenboden. Bei Katharina Weinand im dritten Stock platzt die Fruchtblase. Ihr Freund Stephan ist nervös, für ihn ist es das erste Kind. Im Wohnzimmer wärmt die Sonne das graue Sofa. Katharina greift zum Telefon. Sie ruft kein Taxi. Sie ruft die Hebamme: Ihr Baby soll zu Hause geboren werden…
Hausgeburt, Hebamme, Wehen veratmen
Ist das mutig? Ein Bekannter, ein Chefarzt, hätte heftig mit dem Kopf geschüttelt. „Nicht mutig. Leichtsinnig.“ Katharina findet sich nicht mutig. „Ich hatte überhaupt keine Angst“, sagt die 37jährige, „in einer Klinik, da hätte ich Angst gehabt.“ Katharina kennt die Kliniken, die Kreißsääle. Hat auch schon hinter den Kulissen geguckt. Sie arbeitet für Milupa, besucht regelmäßig Hebammen in den Krankenhäusern, sitzt mit ihnen da, bei einem Kaffee, spricht über Babyprodukte – und über die Arbeit. Bekommt mit „was da so alles passiert im Krankenhaus“. Kostendruck. Schichtwechsel. Zu wenig Personal. Eine Hebamme für drei Geburten. „Da hätte ich Angst gehabt“, sagt Katharina. „Bei mir war die Hebamme die ganze Zeit bei mir.“

Ihr erstes Kind hat Katharina vor sieben Jahren im Geburtshaus bekommen. Ihr damaliger Mann fand das gut. Auch ihr jetziger Freund Stephan steht in Sachen Hausgeburt voll hinter ihr. „Du kriegst das Kind, du entscheidest!“, fand er. An diesem Morgen zündet Stephan morgens um sechs ein paar Kerzen an, legt Entspannungsmusik ein. Alles ist ruhig und friedlich. Die große Tochter Emma, sieben Jahre, wollte in dieser Nacht zufällig bei Oma und Opa schlafen. Das macht sie sonst nie. „Das sollte alles so sein“, glaubt Katharina. Sie verschwindet nochmal im Bad. Lieblingspuder auflegen. „Ist doch nicht schön, diese blassen Fotos der frischentbundenen Mamas,“ findet sie und grinst.

Acht Uhr. Unten im Treppenhaus klappert die Eingangstür, vielleicht holt jemand Brötchen. Ganz bestimmt wird irgendwo gelesen, ein Kinderbuch laut, oder eine Zeitung, gemütlich im Bett, ganz leise. Im dritten Stock wird laut geatmet. Katharina veratmet Wehen. Sie geht herum, vom Wohnzimmer ins Bad und zurück. Die Hebamme immer neben ihr, sie ist schon lange da. Das graue Sofa im Wohnzimmer sieht anders aus jetzt. Stephan hat Malerplanen aus dem Baumarkt darüber ausgebreitet und diese wasserfesten Unterlagen, die man kleinen Kind ins Bett legt. An einer Seite hat er sich besonders viel Mühe gegeben und über die Folie noch ein weiches Spannbettlaken gezogen – hier soll später das Baby geboren werden. Immer wieder überprüft die Hebamme die Herztöne. Das CTG-Gerät hat sie dafür mitgebracht. Sie möchte wissen, ob das Baby die Wehen gut verträgt. Die Hebamme trägt die Werte per Hand in eine Tabelle ein.
Hausgeburt
Später läuft Stephan rüber zum Lieblingsbäcker, Croissants holen für Katharina, die mag sie so gern. Und Schnittchen schmieren für sich und die Hebamme. Es ist zehn, vielleicht plingt in der Wohnung darunter gerade der Toaster. Bestimmt duscht jemand. Und ganz sicher flitzt irgendwo über oder unten ihnen ein Kind im Sauseschritt über den Flur. Bei Katharina geht es nict voran. „Wir haben gegessen und erzählt, zwischendurch habe ich Wehen veratmet.“ Die Sonne scheint durchs Wohnzmmerfenster, es wird wieder heiß werden. Katharina bekommt von all dem nicht viel mit. „Ich war da ganz bei mir. Hab mich nur auf mich konzentriert. Ich wusste ja, ich muss da durch. Ich allein. Wir hatten ja kein Schmerzmittel da.“

Hebamme Karin erzählt zwischendurch von ihrer Arbeit. Sie macht nur noch Hausgeburten, als einzige im Raum Fulda. Sie hat so viele Frauen, dass sie die hohen Versicherungen gerade wuppen kann. Sie ist alleinerziehend. Früher hat sie ihre beiden Kinder immer mitgenommen zu den Geburten. „Die haben dann schon mal das Babybett angewärmt“, erzählt Karin.

Halb elf. In den Wohnungen über und unter ihnen werden ganz sicher Badesachen gesucht, Picknickkörbe gepackt. Die Haustür fliegt auf und zu. Bewohner in kurzen Hosen laufen raus, vielleicht schwirrt eine dicke Sommerfliege hinein. Brummt schwerfällig durch die staubigen Sonnenstrahlen im Hausflur. Im dritten Stock wird geatmet, gestöhnt, gegessen, geredet, gegangen. Geatmet. Gestöhnt. Dann verliert Katharina noch einmal Fruchtwasser. Es ist grün. „Jetzt muss etwas passieren!“, sagt Karin. Langsam wird sie unruhig. Die Herztöne des Baby werden leiser. „Oder soll ich euch doch ins Krankenhaus fahren?“, fragt Karin. „Was machen die da?“, will Katharina wissen. „Ein Mittel zur Beschleunigung geben. Ganz bestimmt. Ihr müsst entscheiden.“ Katharina will bleiben. Weitermachen.

12 Uhr. Sie wechseln noch einmal die Stellung, Katharina hockt vor dem Sofa, auf Folie, auf Teppich. Der Muttermund ist immer noch nicht ganz auf. Die Musik, die Sonnenflecken auf den Bildern an der Wohnzimmerwand, alles egal. Plötzlich sind Babys Herztöne schlecht. Karin entscheidet blitzschnell. Sie hieft Katharina aufs Sofa. Sie sagt nicht viel, aber sie ist nervös, das spürt Katharina. Karin wendet den Kristeller-Griff an, das heißt sie schiebt das Baby von außen mit jeder Wehe mit. „Das ist brachial. Animalisch. Kein bisschen romantisch“, sagt Katharina. „Es hat unglaublich weh getan, ich habe so geschrien.“ Noch Tage später sieht man die blauen Flecken. Die anderen Mieter scheinen alle am See zu sein. Niemand hört Katharina. Später werden sie sich wundern und sagen: „Wie, das Baby ist schon da?“

Max wird um kurz nach zwölf geboren. Auf der Sofaseite, die Stephan nur halbherzig abgedeckt hatte. Das weiche Laken auf der anderen Seite ist noch blütenweiß. Max ist blau. Er schreit nicht. Karin schreit. „Halt das Kind fest, halt das Kind fest, Katharina.“ Karin wühlt hektisch in ihrer Tasche, sucht nach einem Schlauch. „Ich hab gar nichts gedacht in dem Moment. Ich hab gemacht. Ich hab ihn gehalten.“ Karin findet den Schlauch, pustet Max Luft zu – und er fängt sich. Schnappt nach Luft. Wird langsam rosa. Katharina hält ihn, auf dem Bauch, auf der Folie, auf dem Sofa, während Karin ihren Damm näht, einfach so, mit Nadel und Faden. Eigentlich wird bei Hausgeburten höllisch auf den Damm aufgepasst, er wird mit Öltüchern behutsam geschützt. Hier war dafür keine Zeit.
hair replacement systems
„Das war eine mittelschwere Geburt“, wird Hebamme Karin später sagen. Und dass das alles Dinge sind, die bei Geburten passieren können. Im Krankenhaus hätte man sofort einen Notkaiserschnitt gemacht. Das Schwierigste an ihrem Beruf sei, dass man ganz allein blitzschnell Entscheidungen treffen muss. „Als Max Herztöne schlecht waren, gab es nur zwei Möglichkeiten: Notarzt rufen oder zupacken. Und für den Notarzt war es eigentlich schon zu spät.“

Den Rest des Tages verbringen Katharina, Stephan und Max auf dem Sofa. Stephan hat irgendwann die Folie ab- und eine Decke aufgezogen. Kein bisschen Schweinerei. Emma kommt dazu, aber kein Arzt, keine Schwester, kein Küchenpersonal fragt, was es am nächsten Tag zu essen geben soll. Sie kuscheln, küssen, bewundern. Max ist immer bei Katharina, wurde nur kurz gemessen und gewogen. Zur U2 werden sie erst in ein paar Tagen gehen.

Inzwischen denkt Katharina kaum noch an die Geburt. Es fällt ihr nicht ein, wenn sie ihre Lieblingscroissants isst oder wenn Sonntag ist oder wenn die Sonne wieder Lichtflecken auf die Wohnzimmerbilder malt. Nur manchmal, ganz selten, muss sie daran denken. Nämlich wenn ein Gast auf dem Sofa Platz nimmt, exakt an der richtigen Stelle. „Genau da wo du jetzt sitzt wurde Max geboren“, sagt sie dann und freut sich.

Falls es noch ein Kind gibt, wird das wieder eine Hausgeburt.

PS. Liebe Katarina, ganz herzlichen Dank für dieses sehr persönliche Interview!

Eine schöne Woche euch,

18 Kommentar zu “Max mit Mut: Die Geschichte einer Hausgeburt

  1. Magda on 2. Februar 2016 at 09:40 geschrieben

    Es ist prima, wenn eine Geburt ein Happy End hat, egal ob zu Hause oder im Krankenhaus. Ich persönlich bin zu feige für eine Hausgeburt und habe mich bei meinen beiden Kids für ein Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik entschieden, auch wenn andere Krankenhäuser „gemütlicher“ gewesen wären. Jeder Schwangere muss für sich entscheiden, was sie am liebsten möchte. Aber die Gesundheit des Babys und der Mutter sollten immer im Vordergrund stehen.

  2. So ein toller Bericht! Ich kann richtig mitfühlen, hatte auch zwei Hausgeburten. Schön war´s und ich würde es jederzeit wieder tun.

  3. Ich hätte mir das für mich null vorstellen können. Ich habe im Krankenhaus so geschrien, daß die Wände wackelten (hätte ich mir vorher im Übrigen nie zugetraut). In so einem Fall finde ich das für Anwohner dann eine echte Zumutung und z.T. auch echt schockierend. Aber wenn man es schafft kaum einen Mucks von sich zu geben und es für Mutter und Baby keine große Gefahr gibt, warum nicht? LG/ Nadine

  4. Christine on 2. Februar 2016 at 13:42 geschrieben

    Vielen Dank für diese ganz persönlichen Erfahrungen, liebe Katharina! Ich glaube zu hause gebären zu können, in einer Umgebung in der man sich sicher und geborgen fühlt, ist wahnsinnig schön. Und auch mit Komplikationen kann das gehen – genau dafür gibt es ja Hebammen! Eine Geburt ist eben nicht per se ein Grund im KRANKENhaus sein zu müssen.
    Trotzdem war ich bei der Geburt meines Sohnes im KH und habe mich dort wohlgefühlt – dass er dann doch per Kaiserschnitt geholt werden musste war leider einfach so und ohne hätten wir ihn heute nicht bei uns. Ich finde es toll, dass wir heutzutage so viel medizinische Betreuung zur Verfügung haben, aber dadurch sollten wir Frauen nicht das Vertrauen in unseren Körper verlieren.
    Super Interview, Claudi!
    Liebe Grüße,
    Christine

  5. Johanna on 2. Februar 2016 at 15:15 geschrieben

    So wunderschön erzählt! Auch wenn für mich eine Hausgeburt nichts wäre – eben weil ich immer an die Nachbarn über und unter uns denken müsste und wahrscheinlich auch danach meine Wohnung mit anderen Augen sähe – solche Berichte machen doch Mut, dass eine Geburt einfach nur schön sein kann.

  6. Katharina on 2. Februar 2016 at 18:54 geschrieben

    Danke Claudi, Du hast unser Interview in sehr gefühlvolle bewegende Worte verpackt.
    Ein paar Tränchen musste ich mir beim Lesen aus den Augen wischen.
    Diese 2. schöne Geburt auf diese Art und Weise revue passieren zu lassen – einfach herrlich.
    Bei meinem ersten Kind habe ich das Erlebnis der Geburtshaus-Geburt selbst aufgeschrieben. Interessant ist, dass ich mich an einige Dinge oder Gefühle gar nicht mehr erinnere, die dort niedergeschrieben sind.

    Auf die „Idee“ der Hausgeburt bzw. Geburtshausgeburt, kam ich zum
    einen durch meine beruflichen Erfahrungen zum anderen aber durch die erschreckende Diagnose einer Gynäkologin. Die Gyn hatte bei der 1. SS aus eigenen Antrieb in der 12. SSW die Nackenfalte gemessen, aus der sich dann ergab, das Kind habe Trisomie 18 mit einer Wahrscheinlichkeit 1:13. Das Schlimmste an der Sache war, ich wollte auf keinen Fall irgendwelche prämatalen Test machen lassen. Auf Grund der schlimmen Prognose folgte das komplette Programm der Pränataldiagnostik (Fruchtwasseruntersuchung, ständiger Feinultraschall) bis ich dann endlich in der 20.SSW erfuhr, dass das Kind kerngesund sei. Der Schock der ersten 20. Wochen sass sehr tief, dass ich auf keinen Fall in einer Klinik mein Kind bekommen wollte. So kam ich dann ins Geburtshaus. Und 7 Jahre später zur Hausgeburt.

    Ich persönlich würde immer eine Hausgeburt der Klinik vorziehen. Das geht natürlich nur, wenn ein normaler SS-Verlauf zu verzeichnen ist und auch keine Risikoschwangerschaft vorliegt. Ich kann aber auch die werdenden Eltern verstehen, die mit einer Hausgeburt gar nichts anfangen können.

  7. Mira on 2. Februar 2016 at 22:03 geschrieben

    Ähm… hier wurde gerade beschrieben, wie das Baby bei der Geburt wohl fast gestorben wäre, da war nicht nur das Geschick der Hebamme dafür verantwortlich, dass es noch lebt, sondern es war bestimmt auch noch einiges an Glück im Spiel. Da fällt mir anderes dazu ein, als das schön zu finden. Aber schön, dass das Baby wohlauf ist.

    Übrigens ist die Sterblichkeit der Mütter und Babys bei der Geburt gerade in der Zeit der modernen Medizin und Krankenhäuser drastisch zurückgegangen. Bei einer Hausgeburt wird im Notfall der Notarzt gerufen und dann kann man nur hoffen, dass man es noch rechtzeitig ins Krankenhaus schafft.

    • Katharina on 3. Februar 2016 at 18:43 geschrieben

      Hallo Mira,

      Max wäre nicht „fast“ gestorben. Es war eine ganz normale Geburt. Max Apgar-Werte waren 10-10-10. Er hatte weder Bilirubinämie (Kinder werden oft gelb vom Stress) noch hat er Gewicht verloren, er nahm direkt vom ersten Tag an zu.
      Ich habe im Interview versucht so nah wie möglich das Geburtserlebnis zu schildern.
      Das bei der letzten Presswehe die Herztöne schlechter wurden, das kann auch im KH passieren. In diesem Fall handeln die Ärzte und Hebammen in der Klink genauso (hoffentlich). Dafür sind die Hebammen ausgebildet. Für Wehenhemmer und Kaiserschnitt wäre es zu spät gewesen – auch in der Klinik. Deshalb war ich sehr froh, dass ich mir diese Hebamme mit 30 Jahren Hausgeburtserfahrung ausgesucht habe. Eine junge unerfahrene Hebamme hätte in dieser Situation evtl nicht so beherzt gehandelt. Bei einer Hausgeburt wird zu keinem Zeitpunkt ein Risiko eingegangen. Sollte sich der Geburtsverlauf nicht optimal entwickelt wird sofort in eine Klinik verlegt.
      Du hast Recht, vor gerade mal 100 Jahren sind zum Teil die Mütter noch bei der Geburt oder kurz danach gestorben. Der Grund dafür war nicht die Hausgeburt sondern schlechtere hygienische Verhältnisse und keine Vorsorgeuntersuchungen.
      Die Klinikgeburt wurde erst 1940 modern und erst 1960 wurde die Entbindung von den Krankenkassen übernommen. Wie heute übrigens auch die Hausgeburt. Laut Statistik ist die Kinds- und Müttersterblichkeit im Geburtshaus oder bei der Hausgeburt nicht höher als in der Klinik. 2010 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die europ. Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet sind, das Recht der Frauen auf die freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsbegleitung zu garantieren.
      Die freie Wahl des Geburtsortes ist ein Menschenrecht. Jede Frau sollte für sich entscheiden, wo sie ihr Kind zur Welt bringen möchte. Sie übernimmt dafür die volle Verantwort. Das sollte man jeder Mutter zugestehen. Vertrauen in sich selbst, in seinen Körper und die eigene Kraft, geht leider heutzutage immer mehr verloren. Wir sind heute leider schon so weit, dass wir glauben, mit Technik kann alles geregelt werden.

  8. Mensch, Claudi! Das hast du schön aufgeschrieben!
    Und danke Katharina, dass du uns daran hast teilhaben lassen. Ich finde es schön, dass du es zu hause geschafft hast und dass deine Hebamme es geschafft hat! Ich musste damals meine Geburtshausgeburt beim ertsen Kind abbrechen und die Geburt in der Klinik fortsetzen. Das war schon ganz schön frustrierend.
    Beim zweiten Mal habe ich es allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft meine Kleine im Geburtshaus zu bekommen. Und es war viel ruhiger und schöner.
    Liebe Grüße vom Deich
    Claudia

  9. Sandra Trum on 3. Februar 2016 at 14:48 geschrieben

    Herzlichen Glückwunsch zur Geburt und daß immernoch froh über diese Entscheidung bist. Sie verlief ja nun dramatischer als gehofft und Hausgeburtsskeptiker sagen nun natürlich :“siehst’e, ist eben doch gefährlicher (immer diese Mütter, die auf Kosten der Kinder eine heimelige Geburt wollen)“. Aber – wie läuft es denn im Krankenhaus? Aus Zeit- und Gelddruck ist das beschleunigen von Geburten bei gleichzeitigem Hebammenmangel an der Tagesordnung. Schlechte Herztöne werden in Kauf genommen und im Zweifelsfall schnell ein KS gemacht mit höherem Risiko für die Mutter und zukünftigen Kindern. Und manchmal kommt der Notkaiserschnitt dann trotzdem zu spät. Da sagt dann aber niemand, „hättest du mal besser die ganzen Interventionen im KH Vermieden“. Die ganzen seriösen Statistiken (übrigens auch vom GKV) zeigen, dass Hausgeburten eben kein höheres Risiko haben. Und Bedenkt man die Komplikation, die aus Ks resultieren, dann eigentlich sogar ein niedrigeres! Und dabei sind solche Dinge wie höhere Diabetes und Asthma – rate von KS-Entbundenen Kindern gar nicht berücksichtigt. Man geht bei jeder Geburt ein Risiko ein. Bei der momentanen Versorgungslage in den Kliniken sind diese aber nicht mehr die sicherere Bank. Und was die Lautstärke angeht: so etwas einzigartiges wie eine Geburt darf man sicher mal hören – bei einer lauten Feier hat auch niemand Gewissensbisse. Und wie viel profaner ist das dagegen…

    • Katharina on 4. Februar 2016 at 15:37 geschrieben

      Danke! Ich sehe das genauso. Die Situation in den Kliniken ist wirklich dramatisch. Ich bin beruflich täglich in mindestens 2 Kreisssäalen in Deutschland und bei mindestens 5 Hebammen am Tag und das 40 Stunden die Woche…Du hast die Situation sehr, sehr gut beschrieben.

    • Katharina on 4. Februar 2016 at 15:38 geschrieben

      Danke! Ich sehe das genauso. Ich bin beruflich täglich in mindestens 2 Kreisssäalen in Deutschland und bei mindestens 5 Hebammen am Tag und das 40 Stunden die Woche…Du hast die Situation sehr, sehr gut beschrieben.

  10. Siri on 4. Februar 2016 at 16:03 geschrieben

    Hallo Claudi,

    dieses Thema ist unerschöpflich und wird so individuell gesehen, wie es Menschen und deren Meinungen gibt. Ich habe mich bewußt für 2 Geburtshaus-Geburten entschieden, da ich die Nachbarschaft nicht überstrapazieren wollte und der Gyn samt Praxis ans GHaus angeschlossen war. Die dritte Geburt war dann eine Hausgeburt. In unserem Haus bzw. in der Badewanne. Wunderbar! Kein Klinikbetrieb, keine Schichtwechsel von Hebammen und Ärzten, keine Besuchszeiten etc. Das Baby bleibt bei der Mutter (und beim Vater) in privater, ruhiger Atmosphäre. Einfach nur zu Hause! Ich bin froh, dass es für alle Fälle KHs gibt, aber wenn alles normal läuft, dann eben auch möglichst so, wie die werdenden Eltern es sich wünschen. Jeder wie er mag 😉

    Lieben Gruß

    Siri

  11. Christina on 9. Juli 2017 at 18:51 geschrieben

    Nach einer schlimmen Geburt meines ersten Kindes, wollte ich beim 2. eine Hausgeburt. Es wurden aber Zwillinge…Und das möchte wohl keine Hebamme machen. Ansonsten hätte ich auf jeden Fall eine Hausgeburt versucht…

  12. Nina on 9. Juli 2017 at 19:52 geschrieben

    Meine drei Kinder sind im Geburtshaus und unsere zwei Töchter zu Hause geboren. Für mich war es immer richtig und es gab keine Alternative in meiner Vorstellung.
    Liebe Grüße
    Nina

  13. Svea on 6. August 2017 at 11:51 geschrieben

    Erzähl keinen Schrott ( sorry, wenn ich so deutlich werde).
    Das Kind war blau, hat nicht geatmet, das war kein Apgar 10, das war ein initialer Apgar von maximal 1! Und unter 5 ganz klar: Es besteht Lebensgefahr für das Kind!

    Da redet ihr, inklusive Hebamme, Euch etwas schön.
    Der beschriebene Kristeller- Handgriff hat normalerweise IMMER Vaginalverletzungen zur Folge, oft sogar gravierende. Und natürlich wäre genug Zeit für einen Notfall- KS gewesen – im KH hätte man den sofort initiiert. Da wäre aber auch ein Arzt zur Stelle gewesen!
    Genau das ist nämlich der Grund, warum eine Hausgeburt in einem Fall wie Katharinas das Risiko immens erhöht: zuviel Zeit geht im Notfall verloren.

    Und die „Entscheidung der Eltern“, zuhause zu bleiben, weiterzumachen – Wußten die, das grünes Fruchtwasser normalerweise bedeutet, daß das Kind zuwenig Sauerstoff bekommt? Daß es auf den Weg in die Lebensgefahr ist?
    Da lese ich nichts von. Sondern davon, daß die Hebamme abwiegelt, das Krankenhaus schlecht macht. Das ist nicht korrekt. Das ist fahrlässig.

    Und die Hebamme brachte ihre Kinder früher zur Geburt mit? Ganz toll. Die wollen dann auch noch was von ihr, womöglich in einer Notfallsituation. Das ist nicht niedlich, das ist… ich finde keine Worte für so eine Unverantwortlichkeit.

    • Claudia on 7. August 2017 at 13:11 geschrieben

      Liebe Svea, ich freu mich hier immer über Kommentare, auch über kritische, aber bitte lasst uns in angemessenem Ton diskutieren.
      Danke dafür! Beste Grüße,
      Claudi

  14. Pingback: Fragen an die Hebamme: Was ist der Kristeller-Handgriff? - Von guten Eltern

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