Kinder und Essen: Was ich noch nicht wusste

Nov
20/15

Gleich vorweg: Köche und Ökotrophologen sind wie Politiker. Hab ich festgestellt, auf dem Milupa-Bloggerevent in dieser Woche. Es ging um das richtige Essen für Mama und Baby in den ersten 1000 Tagen und wie wichtig das ist. Weil es hauptsächlich entscheidet, ob ein Kind gesund oder krank, dick oder dünn, fit oder schlapp wird. Mein Lieblingsgast: Der Räucherlachs auf dem Buffet für Schwangere. „Hallo, wie cool ist das denn dich hier zu treffen!“, hab ich gerufen und sofort bei den Experten nachgefragt: „Wie bitte was, Räucherlachs? Ist der jetzt doch erlaubt in der Schwangerschaft oder wie ?“
Baby will nicht essen, Beikost, Babybrei, Folgemilch
Koch Matthias Gförer, der das schöne Restaurant Gutküche Wulksfelde betreibt meint sofort: „Aber hallo, auf jeden Fall. Fisch ist super wichtig wegen der Omega-3-Fettsäuren. Und durch das Räuchern ist da nichts mehr drin, was schädlich ist.“ Einzige Einschränkung für ihn: „Guten Fisch kaufen. Mit MSC-Siegel oder Bioland zertifiziert. Und frisch, keinesfalls lange haltbar gemacht.“ Was für News. Auf Lachs hatte ich in jeder meiner Schwangerschaften hefitgen Heißhunger, habe ihn mir aber immer verkniffen. Jetzt witterte ich meine Chance. Wenn schon nicht für mich, dann wenigstens für meine schwangeren Leserinnen mit Lachsschmacht. „Also echt hundertprozentig nicht belastet mit Listerien, Toxoplasmose, Salmonellen und all den anderen kleinen Teufeln?“, hake ich nach. Alte Tageszeitungsredakteurinnenkrankheit. Lieber nochmal ganz klar nachfragen, bevor du etwas behauptest. Ha – und da gings los.

„Ja, sicher. Eigentlich…“ sagt Matthias Gförer. „Hundertprozentige Sicherheit kann man natürlich nie geben!“, wirft Ökotrophologin Katharina Weinand ein. „So etwas wird ihnen kein Mensch der Welt bestätigen.“ Der Koch: „Mein Frau hat es in beiden Schwangerschaften gegessen! Sie hatte einfach ein gutes Gefühl dabei. Und wir vertrauen den strengen Kontrollen von Firmen wie Deutsche See und anderen.“ Ja und aber. Und eigentlich. Politikerlieblingswörter. Ich verstehe es ja sogar ein wenig. Um selbst kurz wie die Familienministerin zu klingen: Es geht schließlich um das Wichtigste: unsere Kinder.

Die Experten haben sich schließlich auf den Knackpunkt geeinigt: Gute Lebensmittel sind wichtig. Und: Ein gutes Gefühl beim Essen. Bauchgefühl für gutes, das richtige Essen zur richtigen Zeit, ist vielen Erwachsenen leider völlig abhanden gekommen. Weinand: „Räucherlachs in guter Qualität ist völlig okay für Schwangere – außer wenn ich Angst hab. Dann lieber weglassen.“ Beinahe-Entwarnung auch bei Käse: Rohmilchkäse sollten Schwangere nach wie vor meiden. Aber: nur zwei Prozent aller Käse in Deutschland sind tatsächlich noch echte Rohmilchkäse. Das heißt 98 Prozent sind absolut sicher.

Was mich noch überrascht hat an diesem Tag:
– Stillende sollten nicht nur die ohnehin empfohlenen zwei Portionen Fisch in der Woche essen, sondern vier! Die Omega-3-Fettsäuren darin sind immens wichtig für die Gehirnentwicklung und das Sehvermögen des Babys. Ideales Mitbringsel also für den nächsten Besuch bei Neu-Mamis: Ein Fisch. (Wer den nicht in der Handtasche haben mag kann auch einen Profutura mama Müsliriegel von Milupa mitbringen. Der enthält schon mal 200 Gramm der Fettsäuren. Check.)
– Wer nicht stillt, sollte fürs Baby eine Säuglingsnahrung wählen, die Omega-3-Fettsäuren (genauer LCP) und Präbiotica enthält. Wasn‘ das? Bestimmte Kohlehydrate, die die freundlichen Bakterien in Babys Darm füttern. Damit die besser aufpassen können, dass es dort zukünftig gut läuft. Ne Stulle für den Türsteher, quasi.
– Eine Paste aus Kurkuma und neutralem Öl ist eine optimale Geheimwaffe gegen wunden Po. Macht ein wenig gelb, aber es stecken jede Menge natürlicher Entzündungshemmer drin. (In Indien werden die Babys damit sogar am ganzen Körper eingeschmiert.) Mal sehen, ob ich mich traue. Ansonsten einfach ab ins Essen damit. Wir haben an diesem Tag ein tolles Couscous mit Kurkuma und Granatapfel gemacht, Rezept folgt nächste Woche.
– Wie man Granatäpfel ohne Schweinerei schlachtet. Hat jetzt überhaupt nix mit Babys oder Stillen oder sonstwas zu tun, ist aber einfach spitze praktisch. Verrate ich euch nächste Woche zum Rezept.
– Salz und Zucker unbedingt ohne Rieselhilfe kaufen, am besten Meer- oder Steinsalz. Rieselhilfen, wie alle anderen Zusatzstoffe, belasten den Körper und das wollen wir nicht. Und wenns klumpt? „Mit’m Hammer drauf!“, sagt Matthias Gförer.

Was mich bestätigt hat:
– 400 Mikrogramm Folsäure sollten Schwangere nach wie vor einnehmen, das ist auch durch bestes Essen nicht zu schaffen. Daher verschreibt der Frauenarzt ein Präparat.
– Den Milchbrei am Abend mit Kuhmilch anrühren ist völlig okay. Babys sollten zwar keine ganzen Flaschen voll damit trinken, aber ein bisschen Kuhmilch ist gut, damit Baby keine Laktose-Unverträglichkeit entwickelt. Ach ja: Reis-, Hafer- und Sojamilch (auch Kokoswasser) sind Not-Alternativen für Kinder mit Unverträglichkeiten. Für alle anderen ist normale Kuhmilch das beste und nährstoffreichste. (Jippie!). Wer sich damit besser fühlt, kann auch sogenannte Kindermilch kaufen, die zusätzlich Vitamin D liefert, was bei Kleinkindern oft zu kurz oft.
– Kinder brauchen Fleisch. Der Eisenvorrat ist meist komplett aufgebraucht, deshalb ist der Gemüse-, Kartoffel-, Fleischbrei auch der erste der eingeführt wird. Also bitte nicht den Kindern die eigenen Veggie-Essexperimente überstülpen.


Was ihr noch wissen wolltet:

Mein Baby ist neun Monate und will nur Brust statt Brei? Ist das okay?
Nein! (Autsch) Fakt ist: Spätestens ab dem siebten Monat sollten Babys dringend zugefüttert werden. Der Eisenspeicher ist leer, der Darm braucht neue Herausforderugen, der Kiefer muss essen lernen durch essen üben. Also bitte das Stillen zurückfahren (auch wenn es so schön einfach ist) und her mit allen möglichen Alternativen. Wichtig: Mami muss auch wollen. Denn: Beikost hat auch was mit Loslassen zu tun.

Wie krieg ich Gesundes ins Kind?
Leider meist nur mit viel Arbeit – vor allem vor dem eigentlichen Essen. Sprich: Kind mit auf den Markt nehmen, Kind Obst und Gemüse aussuchen lassen, später putzen, schneiden, matschen lassen. Mitkochen lassen. Essen erleben lassen.

Muss ich mich streng an die empfohlene Einführung der Lebensmittel halten?
Katharina Weinand empfiehlt: „Am Anfang schon.“ Gemüse sollte das erste sein, das ist am Bekömmlichsten. Fleisch ist dann wichtig, wegen des Eisens. Milchbrei abends macht Sinn, da sich das Eiweiß nachts besonders gut in den Knochen einlagern kann. Merke: Wenn ich am Anfang gleich zuviele neue Lebensmittel einführe, und mein Kind Bauchweh bekommt, weiß ich nicht wovon es kommt. Aber: Wenn ich nach einer Weile merke, in Babys Darm läufts, keine Probleme, kann ich es schnell immer wieder neues ausprobieren lassen.

Um es im Politkerslang zu sagen: Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit. Und in alter Wasfürmich-Manier: Falls ihr noch Fragen habt, immer her damit.

Alles Liebe,

6 Kommentar zu “Kinder und Essen: Was ich noch nicht wusste

  1. Mein Arzt hat mir nie Folsäure-Präparate verschrieben. 😮 Das Problem mit der Folsäure ist doch, dass man sie wohl vor allem in den ersten Wochen der Schwangerschaft braucht – also bevor man überhaupt beim Arzt war. Ich habe in der Schwangerschaft die ABC Mama von DM genommen (und nehme sie noch). Keine Ahnung, ob die besser sind als die teuren Sachen, aber mein Arzt war einverstanden.
    Viermal die Woche Fisch finde ich auch ganz schön heftig. Mir hat die Ärztin im Krankenhaus nach dem Entbindung gesagt, ich solle Omega-3-Tabletten nehmen. Mich nerven zwar die ständigen Tabletten, aber viermal die Woche Fisch bekomme ich auf keinen Fall runter.
    Danke fürs Fragen! Ich bin jetzt nicht mehr so zögerlich damit, neue Sachen auszuprobieren. 🙂

  2. Johanna on 20. November 2015 at 19:51 geschrieben

    Hmm, mir haben schon zwei Kinderärzte unabhängig voneinander gesagt, dass es völlig problemlos sei ein Baby vegetarisch zu ernähren (Achtung: NICHT vegan). Eisen ist schließlich auch in pflanzlichen Lebensmitteln (Getreide wie Hafer, Hirse etc), wenn man auf Vitamin C dazu achtet. Man muss drauf achten, ist aber kein Hexenwerk. Meinem Sohn geht es super und inzwischen beißt er auch mal von Papas Wurstbrot ab. 😉

    • Claudia on 20. November 2015 at 22:10 geschrieben

      Liebe Johanna,
      wie gesagt: ich gebe hier die Antworten der zitierten (unabhängigen) Experten wider. Ganz sicher gibt es andere Meinungen. (Fleisch in der Beikost empfiehlt allerdings such die WHO.)
      Wenn du das anders machst und das auch noch mit Absprache deiner Ärzte, prima.
      Ich wünsch euch guten Appetit – egal ob bei Wurstbrot oder Hirsetaler ; )
      Alles Liebe!

      • Johanna on 21. November 2015 at 12:03 geschrieben

        Danke für deine Antwort. Ich bin mir bewusst, dass die WHO Empfehlungen aussprechen muss die für die Mehrheit der ganz unterschiedlichen Weltbevölkerung gut sind. Daraus einen Satz wie „Kinder b r a u c h e n Fleisch“ abzuleiten ist jedoch nicht ganz richtig und führt zu viel Verunsicherung. Und „Veggie Experimente“, naja, der Begriff ist eben auch nicht wertungsfrei. Wenn das die „Experten“ so von sich gegeben haben, schade… Kontroverse Themen sind natürlich immer heiß diskutiert, aber wie bei allem in der Kindererziehung muss jeder auf sein Herz hören, wie du das ja beim Lachs so schön zum Ausdruck gebracht hast. Deshalb wäre eine Aussage wie „Fleisch enthält am leichtesten zugänglich für Kinder wichtiges Eisen“ vielleicht differenzierter gewesen. Aber ich will hier keine Erbsen zählen 🙂 wollte nur meinen Senf dazu geben weil man als veggie Mama manchmal blöd angeguckt wird und das aufgrund genau solcher unvollständigen Infos.

  3. Goldwaendlerin on 20. November 2015 at 20:38 geschrieben

    So sehr ich deine Texte normalerweise schätze, dieser hier ist äusserst schlecht recherchiert. Man merkt, dass deine Hauptinformationsquelle ein Babynahrungshersteller war, das nächste Mal würde ich mich umfassender mit dem Thema befassen. Er enthält nämlich ziemlich viele Fehler. So ist ein Qualitätssiegel wie MSC oder Bioland zwar wünschenswert, Belastungen mit Listerien gab es aber auch da immer wieder. Ausserdem ist es durchaus möglich, ein Baby vegetarisch zu ernähren (allerdings wird von vegan abgeraten). Eisen ist auch in diversen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, es muss einfach auf eine entsprechende Auswahl geachtet werden. Beikost sollte zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat angeboten werden, aber es ist eben Beikost, nicht Anstattkost, das Stillen reduzieren muss deshalb niemand. Wenn das Baby soweit ist mehr zu essen, reduziert sich das ganz von alleine. Und wenn ein 9 Monate altes Kind sich am Brei nicht satt ist, sondern nur probiert und ansonsten gestillt wird, reicht das aus. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass (sofern die Mutter ausreichend mit Eisen versorg ist) dann häufiger Eisenmangel auftritt. Isst ein Baby mit 9 Monaten noch gar nicht, ist es erst recht nicht sinnvoll, einfach das Stillen zu reduzieren, das sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei der Einführung der Beikost eine Reihenfolge einzuhalten ist auch nicht nötig, aber das darf natürlich jeder machen, der sich damit wohler fühlt.
    Und wenn du erwähnst, dass Salz ohne Zusätze verwendet werden sollte, ist es auch wichtig anzumerken, dass Stillende dann aber Iod supplementieren sollten, das ja dann nicht mit dem Salz aufgenommen wird.
    Das sind alleine die sachlichen Fehler, die mir beim schnellen Lesen aufgefallen sind.
    Ich finde wirklich, dieser Text wird der Qualität, die ich sonst von deinem Blog kenne, überhaupt nicht gerecht. Schade…

    • Claudia on 20. November 2015 at 22:05 geschrieben

      Hallo erstmal,
      sehr schön, dass du meine Texte so schätzt und ja, auch danke für diesen Kommentar. Ich finde es immer gut, wenn hier etwas los ist. Natürlich war mir klar, dass das Thema Baby- und Kinderernährung ein heißes Eisen ist. Es gibt unzählige Fragen – und unzählige Antworten von ganz verschiedenen Seiten.

      Aber: Auf der Veranstaltung von Milupa waren Angestellte von Milupa, klar. Außerdem ein Koch, sowie zwei Ökotrophologinnen – nicht bei Milupa angestellt. Diese Experten habe ich befragt und übrigens auch ihre Antworten hinterfragt. Ich habe im Text klar deutlich gemacht, wer was gesagt hat und auch wie schwierig es teilweise war, klare Aussagen von den Experten zu bekommen. Was nicht stimmt und was mir auch ganz wichtig ist: ganz sicher habe ich nicht nur brav die Antworten eines bestimmten Babynahrungsherstellers geschluckt und hier eins zu eins widergegeben. Ich bin ausgebildete Journalistin – so etwas würde ich nie und nimmer machen.

      Noch kurz ins Detail: Für diese, von mir zitierten Experten, ist Lachs okay – dennoch haben sie diese Aussage nach genauem Nachfragen abgemildert und an das (Bauch)Gefühl der Mutter appeliert. Genau das habe ich versucht hier deutlich zu machen. Wer also ein schlechtes Gefühl hat, lässt den Fisch einfach weg. Ja, diese Ökotrophologin empfiehlt Fleisch für Babys, wie übrigens auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und viele andere offizielle Stellen. Wer das anders machen möchte, bitte. Ich gebe hier nur Empfehlungen der mit Namen genannten Experten wieder. Und dann: natürlich kann eine Mutter ihr Baby solange stillen wie sie möchte. Wenn sie dieses mit 9 Monaten noch tut, prima. Allerdings sollten Babys spätestens mit dem siebten Monat Essen erfahren können – auch wenn es nur Häppchen sind, nur dieses haben die unabhängigen Experten betont. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass das Stillen dann einzustellen oder einzuschränken ist. Und zum Schluss: Ja, diese Experten empfehlen eine Reihenfolge bei der Einführung der Beikost, genau wie die WHO und das BfR übrigens auch.

      Ich bitte dieses bei deiner schnellen Einschätzung zu berücksichten.

      Liebe Grüße,
      Claudi

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