Junge, jaul doch nicht. Oder doch?

Mrz
17/16

Ich habe mich in letzter Zeit öfter dabei ertappt, wie ich zu einem meinen Jungs sage: „Jetzt weine doch nicht.“ Oder sie genervt frage: „Warum weinst du denn jetzt?“  Oder etwas sage wie: „Ach komm, deshalb muss man doch jetzt nicht weinen.“ Als ich genauer darüber nachgedacht habe, hätte ich beinahe geweint…
Jungs und weinen, Jungs haben,
Eins habe ich mir nämlich immer geschworen: Wenn ich einmal Söhne haben sollte, dann möchte ich, dass aus ihnen gefühlvolle, einfühlsame Männer werden. Und jetzt komm ich und verbiete ihnen das Weinen? Und überhaupt: Würde ich das bei Töchtern genauso machen…?

Klar, ich würde nie etwas sagen wie: „Komm nicht weinen, du bist doch ein Mann.“ Oder so etwas. Sondern eher: „Komm, weine nicht“, im Sinne von „es ist doch nicht schlimm, dass der Legostein jetzt hinterm Sofa liegt. Da sind doch noch ganz viele andere.“ Meistens sage ich so etwas, wenn ich eigentlich gerade koche oder Wäsche mache und einfach gern weiter machen möchte. Trotzdem rede ich meinen Jungs damit ja in gewisser Weise ihre Gefühle aus.
schwierige Jungs
Hier bei uns auf dem Dorf höre ich das tatsächlich manchmal noch: „Komm, sei ein Mann.“ Oder: „Komm weine nicht, du bist doch kein Baby mehr.“ Wenn ich das höre, wird mir ganz schlecht. Meine Jungs sollen lernen, dass Männer genauso ihre Gefühle zeigen dürfen und sollen wie Frauen. Und ich hoffe sehr, dass meine Jungs lernen, über ihre Gefühle zu sprechen (in meinem und im Sinne ihrer zukünftigen Freundinnen).“

Ich nehme mir also ganz fest vor, den kleinen Jauler beim nächsten Mal doch einfach mal kurz auf den Schoß zu nehmen. Ihn zu drücken. Ganz sicher fühlt sich für ihn der Verlust dieses einen, sicher ganz besonderen Legosteins ebenso schlimm an, wie für uns das blöde Ticket wegen Falschparken, eine Jobabsage oder ein blöder Arbeitstag.

Wie ich sonst noch versuche, aus meinen Jungs tollen, gefühlvolle und trotzdem coole Typen zu machen:
– Ich lasse nicht zu, dass andere Leute ihre Gefühlsausbrüche mit „Mädchenkram“ abstempeln oder ihnen typische Mädchen-sind-so, Jungs-sind-so-Klischees vermitteln. Wenn ich so etwas höre, spreche ich es an.
– Ich unterstütze sie darin, ihr Ding zu machen. Das Shirt zu tragen, das ihnen gefällt, ob es nun gelb ist, oder rosa. Ich bestärke sie, sich dieses Lieblingsshirt von keinem anderen Kind im Kindergarten madig machen zu lassen. Weil sie Jungs sind und das ist prima. Und weil sie auch ein Junge bleiben, wenn sie rosa mögen. Oder weinen. Oder gern Perlen fädeln. Weil man cool ist, wenn man zu dem steht, was man mag.
– Ich versuche sie mit positiven Männervorbildern in Kontakt zu bringen. Ihr Papa ist zum Glück ein idealer Vertreter. Der spielt mit Freunden stundenlang online Fußballmanager – und guckt hinterher liebend gern eine Schmonzette. Der liebt den alten grünen Trecker in der Scheune – und macht selbst seine Wäsche. Oder mit ihrem wunderbaren, lässigen, sehr gefühlvollen Fußballtrainer (der niemals wie ein anderer Trainer aus dem Nachbardorf fragen würde: „Du frierst? Bist du ein Mädchen, oder was?“) Oder mit ihren wunderbar lässigen und lieben Patenonkeln.
Jungs
Ich gehe jetzt das Sofa wegschieben. Ihr wisst schon: Der Legostein. Der ist wichtig. Wenn ihr noch Tipps habt, damit aus kleinen Jungs großartige Männer werden, bitte gern kommentieren.

Alles Liebe,

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8 Kommentar zu “Junge, jaul doch nicht. Oder doch?

  1. Keine Tipps, aber du hast ja so, so, so, so recht. Ich sollte mir auch viel öfter viel mehr Zeit nehmen für die kleinen Gefühlsausbrüche der Kinder. Egal, ob Junge oder Mädchen. Für die Kinder gehört das Weinen ja irgendwie dazu, das ist nicht wie bei uns Erwachsenen. Ich habe oft das Gefühl, ich überbewerte dieses Weinen zu sehr, denn oft ist ja die Welt nach zwei Minuten wieder in Ordnung (zum Glück). Nichtsdestotrotz – in dem Moment (welcher sich für die Kinder ja wie eine Ewigkeit anfühlen kann) möchten, wollen und müssen sie weinen und das ist in Ordnung, und wir sollten sie einfach schnell in die Arme schließen und ihnen Halt und Sicherheit, Trost, Vertrauen und was immer sie gerade brauchen, geben.
    Ganz liebe Grüße aus der Sandstrasse!
    Meike

    • Claudia on 18. März 2016 at 13:08 geschrieben

      Liebe Meike, ich Dussel, da hast du ja so recht. Die kleinen Mädels sind in meinem Post eindeutig zu kurz gekommen.
      Ganz sicher gilt das auch genauso für Mädchen. Danke fürs Erinnern.

      Liebe Grüße,
      Claudi

  2. Esther Brill on 17. März 2016 at 21:02 geschrieben

    Danke für deinen schönen Beitrag. Ich bin mir sicher, dass deine Jungs tolle Kerle sind und großartige Männer werden. Ich finde es auch wichtig, nicht zu sehr in traditionelle Rollenklischees zu verfallen.

    Herzliche Grüße

    Esther

  3. Annika Gottwald on 18. März 2016 at 09:43 geschrieben

    Liebe Claudia,
    Ich finde deine Ansichten mal wieder ganz toll. Auch ich habe drei Jungs (vom Alter fast identisch mit deinen) und finde es auch ganz schlimm wenn ihnen jemand einreden will das man dies oder jenes nicht macht, nur weil das vielleicht eher was für Mädchen wäre. Versuche sie in ihren Interessen zu bestärken und Mut zu machen.
    Das mit dem weinen fällt einem wirklich manchmal sehr schwer. Auch ich ertappe mich dabei, dass ich sage „Nun weine doch nicht, ist doch nicht so schlimm“.
    Ich hoffe sehr Das mein Großer dich nächstes Jahr kennenlernt, wenn er zur Schule kommt. Wenn du denn noch an seiner Schule arbeitest ?.
    Liebe Grüße
    Annika

  4. Christine on 18. März 2016 at 13:19 geschrieben

    „Weil man cool ist, wenn man zu dem steht, was man mag.“ Ganz ganz toller Satz!
    Mir war das von Anfang an ein sehr wichtiger Aspekt der Erziehung, beim Satz „Indianer kennen keinen Schmerz“ krieg ich Würgereiz. Auch ganz schlimm finde ich wenn ein Mädchen dann direkt Zicke oder Prinzesschen genannt wird. Ich versuche meinem Kind jedes seiner Gefühle zu lassen, traurig sein, wütend, frustriert. Er ist ja gerade erst 16 Monate alt, da muss er diese Gefühle ja überhaupt erst kennenlernen, bevor er mit ihnen umgehen kann. Und genau das sage ich auch anderen, die direkt mit blöden Sprüchen kommen weil der Bauklotz wütend weggepfeffert wird. Kinder dürfen doch genauso wie wir Erwachsenen auch ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, bei den Kleinen bedeutet das eben noch häufig weinen. Mein Sohn möchte dann auch immer umarmt werden, egal ob er wütend oder traurig ist. Und ich versuche auch zu artikulieren was für ihn jetzt los ist. Meistens nickt er dann sogar. Ich denke wir freuen uns alle wenn unsere Gefühle akzeptiert und uns zugehört wird.
    Liebe Grüße,
    Christine

  5. Julia on 19. März 2016 at 06:27 geschrieben

    Liebe Claudi,
    Ich habe zwei grosse Jungs (einer wird dieses Jahr 18) meine Jungs können über Gefühle reden und weinen, weil ich sie immer wieder dazu aufgefordert habe. Stundenlang oder tagelang die stille oder auch laute wut und Trauer mitgetragen habe um mit ihnen zu dem Punkt zu kommen, ihre Gefühle in Worte auszudrücken. Jeder meiner Jungs ist andres. Trotzdem sind Jungs, da anders, was ihre Art angeht über dine zu sprechen.was mir immer wichtig war, war sie nie alleine zu lassen. Sie zu begleiten und zu halten. So sind wir gut durch die pupertät gekommen und eng miteinander verbunden.
    Ich bin gespannt, wie es bei unserem 2,5 Jahre alten Nachzügler läuft. Er schafft es schon Wut und Trauer zu benennen und in bestens auszuleben. …ich Danke dir sehr für deinen Blog! Er macht soviel Spaß! Lg Julia

  6. Julia on 19. März 2016 at 06:27 geschrieben

    Liebe Claudi,
    Ich habe zwei grosse Jungs (einer wird dieses Jahr 18) meine Jungs können über Gefühle reden und weinen, weil ich sie immer wieder dazu aufgefordert habe. Stundenlang oder tagelang die stille oder auch laute wut und Trauer mitgetragen habe um mit ihnen zu dem Punkt zu kommen, ihre Gefühle in Worte auszudrücken. Jeder meiner Jungs ist andres. Trotzdem sind Jungs, da anders, was ihre Art angeht über dine zu sprechen.was mir immer wichtig war, war sie nie alleine zu lassen. Sie zu begleiten und zu halten. So sind wir gut durch die pupertät gekommen und eng miteinander verbunden.
    Ich bin gespannt, wie es bei unserem 2,5 Jahre alten Nachzügler läuft. Er schafft es schon Wut und Trauer zu benennen und in bestens auszuleben. …ich Danke dir sehr für deinen Blog! Er macht soviel Spaß! Lg Julia

  7. Hallo liebe Claudia,
    Der Text gefällt mir wirklich sehr gut. Ich versuche bei meiner großen Tochter auch immer ihr Gefühle ernst zu nehmen und nicht kleinzureden. Allerdings hab ich es bei meiner Stieftochter damals nicht gemacht. Das hat sich zum Glück dank meiner eigenen Kinder geändert. Ich denke manche Sachen kann man vielleicht erst verstehen wenn man Kinder hat. Ich finde es z.B ganz schlimm wenn ich eine der Mädels nicht verstehe bzw nachvollziehen kann worum es geht. Die Zweijährige kann es manchmal einfach nicht artikulieren und dann wird sie natürlich noch unglaublich sauer und böse. Die Große ist dann auch schon mal sehr enttäuscht wenn ich nicht verstehe was sie meint. Ich finde du brauchst nicht unbedingt Tipps damit deine Jungs großartige Männer werden! Ein großartiges Vorbild ist doch schon die halbe Miete?. Deswegen mach ich mir im meinen Sohn auch keine Sorgen❤️ Liebe grüße

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